Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie

Ein Sauerstoffmangel im Blut kann viele Ursachen haben. Von Atemwegsbeschwerden bis hin zu schwerwiegenden Bluterkrankungen sind hier viele Krankheitsszenarien denkbar. Die Folgen können ebenfalls sehr vielseitig sein. Ein Beispiel ist die bläuliche Verfärbung der Haut und Schleimhäute (Zyanose). Bei anhaltender Sauerstoffunterversorgung kann es im schlimmsten Fall sogar zu einem Gewebeuntergang und Organversagen kommen. Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (kurz: SMT) soll durch gezielte Sauerstoffgaben ein bestehendes Sauerstoffdefizit ausgleichen. Was es mit dieser Therapieform auf sich hat und wie sie wirkt, erfahren Sie nachstehend.

Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie – Kurzübersicht

In unserer Kurzübersicht haben wir für Sie die wichtigsten Informationen zum Thema „Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie“ zusammengefasst:

  • Beschreibung: Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (kurz: SMT) ist ein alternativmedizinisches Verfahren, welches 1977 von dem Physiker Prof. Manfred von Ardenne entwickelt wurde. Es wird zur Vorbeugung sowie zur Behandlung von Erkrankungen und Symptomen, die mit einem Sauerstoffmangel im Blut einhergehen, eingesetzt.
  • Ablauf: Die Therapie erfolgt normalerweise in drei aufeinander aufbauenden Schritten: Erstens die Erhöhung der Sauerstoffaufnahme und -verwertbarkeit durch spezielle Vitalstoffe, zweitens Inhalation eines sauerstoffangereicherten Luftgemisches und drittens ein spezielles Bewegungstraining, um die Durchblutung zu steigern.
  • Wirkung: Die Befürworter der SMT gehen davon aus, dass durch die erhöhte Sauerstoffaufnahme und -verwertbarkeit eine langfristige Verbesserung des Sauerstoffgehalts im arteriellen Blut erzielt wird. Dadurch sollen Heilungsprozesse angeregt werden, zugleich wird eine vorbeugende Wirkung aufgrund des gestärkten Immunsystems angenommen.
  • Anwendungsgebiete: Durchblutungsstörungen, Migräne, Atemwegserkrankungen, Stärkung der Abwehrkräfte, Tinnitus, Verbesserung des Allgemeinbefindens bei Erschöpfung und Abgeschlagenheit, begleitende Krebstherapie, Krebsprophylaxe uvm.
  • Nebenwirkungen: Bei unsachgemäßer Durchführung oder Überdosierung kann die Inhalation von hochprozentigem Sauerstoff unter anderem zu Atemnot und Bewusstseinsstörungen führen.
  • Kontraindikationen: Die SMT darf unter anderem bei bestimmten Lungenerkrankungen (Emphyseme, offene Tuberkulose), Blutungsneigung, Schilddrüsenüberfunktion, akuten Infekten und Fieber unklarer Ursache nicht angewendet werden.
Ein erschöpft wirkender Man sitzt vor einem aufgeklappten Laptop und hält sich die Hände an die Schläfen.
Gelangt zu wenig Sauerstoff ins Blut, treten typischerweise Symptome wie Müdigkeit und Konzentrationsprobleme auf. Hier kann die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie Abhilfe schaffen. (Bild: fizkes/stock.adobe.com)

Hinweis: Die „Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Manfred von Ardenne“ hat sich über die Jahre hinweg in der Praxis vielfach zur Behandlung von Sauerstoffmangelzuständen und -erkrankungen bewährt. Im Gegensatz zur klassischen Langzeit-Sauerstofftherapie handelt es sich bei der SMT allerdings um ein alternativmedizinisches Verfahren, dessen Wirksamkeit dem Lungeninformationsdienst am Helmholtz Zentrum München zufolge nach anerkannten wissenschaftlichen Standards bisher nicht bewiesen wurde.

Der Lungeninformationsdienst weist zudem darauf hin, dass die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie eventuell mit Risiken verbunden sein könnte. Demnach sei bislang nicht belegt, ob das bei diesem Verfahren übliche Inhalieren eines relativ hochprozentigen Sauerstoff-Gemischs langfristig gesundheitliche Schäden hervorrufen könne.

Unsere körpereigene Sauerstoffversorgung

Das menschliche Blut transportiert nicht nur Nährstoffe und Immunzellen, sondern ist auch essenzielles Transportmedium zur Verteilung von Sauerstoff im Körper. Zu diesem Zweck befindet sich in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ein ganz besonderer Farbstoff, der nicht nur für die rote Färbung des Blutes, sondern auch für dessen Fähigkeit, Sauerstoffmoleküle an sich zu binden, verantwortlich ist. Die Rede ist vom roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Er besteht zu großen Teilen aus Eisen, einem chemischen Element, das für seine gute Sauerstoffbindung bekannt ist.

Nach dem Einatmen sauerstoffreicher Luft über die Atemwege wird der Sauerstoff über die Blutgefäße der Lunge aufgenommen und an das Hämoglobin gebunden. Das mit dem Sauerstoff angereicherte Blut fließt im Anschluss über die Arterien durch den ganzen Körper und gewährleistet so eine regelmäßige Sauerstoffversorgung aller Organe und Gewebestrukturen. Ist dies geschehen, fließt das verbliebene, sauerstoffarme Blut über die Venen zurück Richtung Lunge, wo die roten Blutkörperchen erneut mit Sauerstoff beladen werden, bevor sich der Blutkreislauf wiederholt.

Normalerweise liegt der durchschnittliche Sauerstoffgehalt des Blutes (CaO2) bei etwa 18,6 Volumenprozent im weiblichen und 20,4 Volumenprozent im männlichen Körper. Eine kritische Unterversorgung des bluteigenen Sauerstoffgehalts liegt vor, wenn die Normwerte zwölf Volumenprozent unterschreiten.

Sollte es im Rahmen der Sauerstoffanreicherung von roten Blutkörperchen zu Störungen kommen, hat dies unweigerlich eine Unterschreitung der genannten Normwerte zur Folge und es kommt zum Sauerstoffmangel im arteriellen Blut (Hypoxämie). Die roten Blutkörperchen nehmen also nicht mehr genügend Sauerstoff über die Lungenatmung auf, weshalb der Sauerstoffgehalt in den Arterien drastisch zurück geht.

Schematische Darstellung des Herzens und der Blutgefäße im Körper einer Frau.
Der Blutkreislauf besteht aus dem Herzen und den Blutgefäßen und fungiert als Transportsystem des Körpers. (Bild: lom123/stock.adobe.com)

Hypoxämie und ihre Folgen

Typische Szenarien, in denen es zu einer Hypoxämie kommen kann, sind zum Beispiel längere Aufenthalte in sauerstoffarmer Luft, wie es beim Bergsteigen in großer Höhe der Fall ist. Auch bei längeren Tauchgängen erreicht die geregelte Sauerstoffzufuhr mittels Atemgas über eine Sauerstoffmaske oftmals ihre Grenzen.

Besonders gefährlich ist darüber hinaus eine Hypoxämie im Rahmen von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, zum Beispiel infolge von Strangulationen durch die Nabelschnur bei der Geburt oder durch eine mangelhafte Sauerstoffversorgung der Plazenta im Zuge pränataler Entwicklungsstörungen im Bereich der Blutgefäße. Denkbar sind außerdem krankheitsbedingte Hypoxämien, etwa aufgrund von Atemwegs- oder Bluterkrankungen.

In allen aufgezeigten Fällen entsteht als erstes sichtbares Anzeichen eines anhaltenden Sauerstoffmangels im Blut für gewöhnlich die sogenannte Blausucht (Zyanose). Sie tritt immer dann in Erscheinung, wenn das arterielle Blut zunehmend an Sauerstoffmangel leidet, da dieser auch eine Veränderung der Blutfärbung verursacht. Denn die eisenhaltigen Hämoglobinverbindungen in den roten Blutkörperchen verfärben sich bei Abwesenheit von Sauerstoff früher oder später von rot zu bläulich-violett bis vollständig blau.

Da sich eine Hypoxämie von außen fast immer zu allererst an jenen Körperstellen bemerkbar macht, die am weitesten von der Lunge als zentraler Sauerstoffquelle entfernt sind, sorgt eine Zyanose zu Beginn insbesondere für eine Blaufärbung an den äußeren Extremitäten bzw. Akren, also zum Beispiel an

  • Fingerspitzen,
  • Händen,
  • Zehen,
  • Füßen,
  • Ohren,
  • Mund
  • und/oder Nase.

Später kann sich die Zyanose auch an anderen Körperstellen bemerkbar machen, sofern die Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff über einen längeren Zeitraum anhält. Ist dies der Fall, droht eine Eindickung des Blutes (Hämokonzentration), die wiederum zu Störungen in der Mikrozirkulation von roten Blutkörperchen führt.

In der Medizin sind besagte Zirkulationsstörungen besser bekannt als Sludge-Phänomen, wobei das englische Wort sludge so viel heißt wie „Schlamm“ oder „Gries“. Es gibt die zähflüssige Konsistenz von sauerstoffarmem Blut wieder, das vermehrt Schlacken und arteriellen Gries ansetzt, was die Fließgeschwindigkeit des Blutes deutlich herabsetzt und auch die Blutpassage in kleineren arteriellen Kapillargefäßen stark beeinträchtigt. Bemerkbar machen sich derartige Störungen in der Blutzirkulation unter anderem durch

Eine junge Frau prüft den Puls bei einer bewusstlosen Frau.
Sauerstoffmangel kann unter anderem zu Bewusstlosigkeit führen. (Bild: M.Dörr & M.Frommherz/stock.adobe.com)

Im weiteren Verlauf des Sludge-Phänomens werden zunehmend auch größere strukturelle Flächen an Körpergewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und es kommt zwangsläufig zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe (Hypoxie). Die Folgen eines solchen Mangelzustandes können sehr verheerend sein und unter anderem Symptome wie

nach sich ziehen. Es ist daher wichtig, einen angehenden Sauerstoffmangel des Blutes frühzeitig zu behandeln, um lebensbedrohliche Verläufe der Hypoxämie zu vermeiden.

Was ist eine Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie?

Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (kurz: SMT) beschreibt ein alternativmedizinisches Verfahren, das häufig präventiv oder als begleitende Therapiemaßnahme eingesetzt wird, um Erkrankungen und Symptome, die mit einer Hypoxämie einhergehen, zu behandeln und – im Idealfall – zu beheben. Teilweise stellt sie auch die Haupttherapie dar. Mittlerweile gibt es über 20 verschiedene Vorgehensweisen zur Durchführung einer SMT, wobei den meisten Varianten gemeinsam ist, das sie in drei Einzelschritten erfolgen. Dem schrittweisen Vorgehen ist folglich auch die Bezeichnung der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie geschuldet.

Die Drei-Schritt-Methode der SMT dient einem ganz bestimmten Zweck: Im ersten Schritt wird dem zu behandelnden Patienten beziehungsweise der Patientin nämlich ein Nährstoffcocktail gereicht, dessen Zusätze die Sauerstoffaufnahme im Blut verbessern sowie den Stoffwechsel anregen sollen. Es werden hier ganz gezielt Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin C oder Magnesium verabreicht, die nachweislich den Sauerstoffumsatz der Betroffenen steigern, da dies für den zweiten Schritt, die eigentliche Verabreichung des Sauerstoffes, wichtig ist.

Ist die Sauerstoffgabe erfolgt, wird der Patient oder die Patientin im dritten und letzten Schritt bewusst zur geistigen und körperlichen Bewegung angeleitet, um eine bestmögliche Zirkulation des Sauerstoffes im Körper zu erzielen. Verabreicht wird der Sauerstoff bei der SMT in mehreren Sitzungen mittels eines Inhalationsgerätes. Es handelt sich also in Teilen um eine Inhalationstherapie. Verwendete Sauerstoffgeräte können hier zum Beispiel druckbetriebene Sauerstoffflaschen oder elektronisch betriebene Sauerstoffkonzentratoren sein.

Letztere saugen den Sauerstoff über ein spezielles Filtersystem aus der Umgebungsluft. Der Filter soll dabei verhindern, dass Keime oder Staub mit in den Konzentrator gelangen. Es gibt sowohl stationäre als auch tragbare Sauerstoffkonzentratoren. Je nachdem, welches Modell vom Therapeuten verwendet wird, ist demnach zumindest theoretisch auch eine Selbstdurchführung der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie möglich.

Ein tragbares Sauerstoffgerät.
Der Sauerstoff wird bei der SMT zum Beispiel mittels eines tragbaren Sauerstoffkonzentrators verabreicht. (Bild: Jade/stock.adobe.com)

Anwendungsgebiete der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie

Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie wurde Mitte der 1970er Jahren von dem Physiker und Erfinder Manfred von Ardenne an seinem privaten Forschungsinstitut in Dresden entwickelt. Sie entstand aus den langjährigen Forschungen zur Krebsbekämpfung – da jedoch zahlreiche andere Krankheiten und Beschwerden ebenfalls mit einer mangelhaften Sauerstoffversorgung des Körpers einhergehen, kann die SMT auch hier sehr vielseitig gesundheitliche Unterstützung bieten.

Im Vordergrund der Behandlungsursachen stehen dabei natürlich Erkrankungen, die üblicherweise auch für eine Hypoxämie beziehungsweise Hypoxie verantwortlich sind. Welche Anwendungsgebiete hier insgesamt für eine Therapie durch die SMT in Frage kommen, entnehmen Sie bitte der nachstehenden Übersicht.

Atemwegserkrankungen

Angefangen bei den Atemwegen, müssen selbstverständlich zuerst einmal Erkrankungen der Lunge als mögliche Ursachen für eine Hypoxämie und damit auch als mögliche Gründe für eine Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie genannt werden. Hierzu zählen zum Beispiel chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, bei denen es durch Bronchialkrämpfe und zeitweilige Atemstörung durchaus zu einem vorübergehenden Sauerstoffmangel im Blut kommen kann. Auch Erkrankungen des Lungengewebes wie zum Beispiel

  • die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD),
  • Lungenkrebs,
  • Lungenemphyseme
  • oder eine Lungenentzündung

beeinträchtigen die Sauerstoffversorgung des Blutes durch eine herabgesetzte Lungenleistung. Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (“Raucherlunge“) kommen ferner anhaltende Begleitbeschwerden wie chronische Bronchitis hinzu, die das Atmen zusätzlich erschweren und auch für das Immunsystem zu einer starken Belastung werden. Hier kann die SMT durch Stimulierung der körpereigenen Abwehrkräfte auch das Infektionsrisiko senken.

Herz- und Gefäßerkrankungen

Nicht immer muss eine Hypoxämie mit Problemen bei der Atmung in Verbindung stehen. Sehr häufig kommt es nämlich vor, dass Störungen in der Herzfunktion den Sauerstofftransport im Blut nachhaltig beeinträchtigen. Eingesetzt wird die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie diesbezüglich unter anderem bei Herzrhythmusstörungen, welche die Erregungsleitung des Herzens behindern.

Ein Mann fasst sich mit beiden Händen an die linke Brust.
Herzrhythmusstörungen können dazu führen, dass der Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigt ist. (Bild: staras/stock.adobe.com)

Der Pumpvorgang des Herzens wird hierdurch empfindlich gestört, sodass sauerstoffreiches Blut nur noch verzögert in die umliegenden Gefäße geleitet werden kann. Entsprechende Herzrhythmusstörungen wären beispielsweise

  • Herzstolpern,
  • Kammerflimmern bzw. Kammerflattern,
  • Sinusknotenstörungen (z.B. Sick-Sinus-Syndrom),
  • verlangsamter Herzschlag (Bradykardie),
  • und Vorhofflimmern (Arrhythmie).

Ebenso ist ein Herzfehler (Vitium cordis) als Ursache für die verminderte Pumpleistung des Herzens nicht auszuschließen. Denkbar sind hier zum Beispiel Fehlentwicklungen im Bereich der Herzscheidewand, des Herzvorhofes oder des Sinusknotens, welcher für die Erregungsbildung des Herzens zuständig ist. Entsprechende Fehlbildungen haben nicht selten eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) zur Folge, bei der die Herzleistung und folglich auch der Sauerstoffumsatz der Blutgefäße deutlich geringer ausfällt als üblich.

Apropos Gefäße – auch Gefäßerkrankungen können für eine verminderte Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff verantwortlich sein. Die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) dürfte hier den meisten ein Begriff sein. Sie verursacht zwangsläufig eine Verengung der Arterien durch Ablagerungen (Plaques) in den Gefäßenwänden, was zum einen die Entstehung von Bluthochdruck (Hypertonie) begünstigt. Zum anderen erschwert eine Arteriosklerose dem Blut auch die Gefäßpassage und verzögert damit den Sauerstofftransport. Es kommt hierdurch zu massiven Durchblutungsstörungen, die mitunter sogar einen Herzinfarkt auslösen können.

Wird eine Arteriosklerose nicht rechtzeitig behandelt, arbeitet sie sich ferner meist zielgerichtet zu den Herzkranzgefäßen vor. Hier verursacht die Arterienverkalkung die lebensbedrohliche Koronare Herzkrankheit (KHK). Sie macht in vielen Fällen eine Gefäßtransplantation notwendig, um ein Herzversagen zu vermeiden. Neben Symptomen wie der als Brustenge bekannten Angina pectoris drohen bei der Koronaren Herzkrankheit auch Transportstörungen im Sauerstoffhaushalt des Körpers.

Stoffwechselerkrankungen und Stoffwechselstörungen

Eher im Bereich der Stoffwechselkrankheiten anzusiedeln sind Erkrankungen wie Blutarmut (Anämie) als möglicher Grund für eine Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie. Eine Hypoxämie kommt durch eine stark verminderte Produktion des Blutfarbstoffs Hämoglobin zustande. Akuter Sauerstoffmangel im arteriellen Blut ist bei dieser Erkrankung des blutbildenden Systems praktisch vorprogrammiert. Während einige Formen von Anämie genetisch bedingt und damit angeboren sind, lassen sich für erworbene Formen häufig Vorerkrankungen wie Niereninsuffizienz, Mangelerkrankungen durch falsche Ernährung oder hormonelle Störungen als Ursache festhalten.

Da rote Blutkörperchen wie eingangs erwähnt zu einem großen Anteil aus Eisen bestehen, ist dieser Mineralstoff natürlich auch für die Blutbildung unabdingbar. Vor diesem Hintergrund kann auch ein Eisenmangel (Sideropenie) zu einer Anämie und damit zu einem Sauerstoffmangel im Blut beitragen.

Verschiedene Nahrungsmittel mit hohem Eisengehalt.
Bei einer ernährungsbedingten Sideropenie können eisenhaltige Nahrungsmittel wie Nüsse, Fleisch und Hülsenfrüchte den Mangel ausgleichen. (Bild: Yulia/stock.adobe.com)

Die Auslöser eines Eisenmangels zeigen hier abermals auf, wie vielseitig die Gesundheitsbeschwerden sein können, deretwegen eine SMT durchgeführt werden kann. Einen eher leicht zu behebenden Grund stellen hier noch Ernährungsfehler dar, wie sie durch eine mangelnde Zufuhr eisenhaltiger Lebensmittel (zum Beispiel Fleisch, Getreide, Hülsenfrüchte oder Nüsse) entstehen. Hier kann dem Eisenmangel durch entsprechende Ernährungsumstellungen noch relativ leicht entgegengewirkt werden.

Deutlich schwerwiegender sind dagegen Grunderkrankungen, bei denen die Sideropenie als Begleitsymptom auftritt. Hierzu zählen:

Eine besondere Risikogruppe stellen bei Eisenmangel Frauen im gebärfähigen Alter dar. Sie benötigen aufgrund eines erhöhten Blutverlustes im Zuge ihrer Regelblutung bis zu 15 Milligramm mehr Eisen als Männer. Wird dieser erhöhte Eisenbedarf langfristig nicht gedeckt, kann es zu massiven Störungen im Blutstoffwechsel kommen. Während einer Schwangerschaft ist der Eisenbedarf ebenfalls deutlich erhöht, hier sogar um bis zu 100 Prozent. Grund hierfür ist die Tatsache, dass nicht nur die schwangere Frau, sondern auch ihr ungeborenes Kind über den Stoffwechsel der Mutter mit Blut versorgt werden muss.

Wichtig: Wer regelmäßig Blut spendet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass eine erhöhte Eisenzufuhr auch hier notwendig ist. Bis zu 250 Milligramm mehr Eisen müssen Blutspender zu sich nehmen, damit der Blutverlust wieder ausgeglichen werden kann. Gegebenenfalls ist in solchen Fällen ebenfalls über eine SMT nachzudenken, um so den Stoffwechsel anzukurbeln und für eine verbesserte Blutbildung zu sorgen.

Sonstige Ursachen

Weitere Gründe für eine SMT können Beschwerden sein, die indirekt auf einen Sauerstoffmangel zurückzuführen sind oder durch eine gezielte Sauerstoffzufuhr gelindert werden können. Dazu gehören insbesondere

  • allgemeine körperliche Leistungseinbußen,
  • Gehörprobleme (zum Beispiel Hörsturz oder Tinnitus),
  • Konzentrationsschwäche,
  • Kopfschmerzen,
  • Migräne
  • und chronische Müdigkeit.
Eine Frau mit schmerzverrtem Gesicht hält sich die Hände an die Schläfen.
Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie wird unter anderem bei Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt. (Bild: Artem Furman/stock.adobe.com)

Im Bereich der Wundheilung kann eine verbesserte Sauerstoffzufuhr zudem den Heilungsprozess anregen. Im Falle einer Leberentzündung (Hepatitis) ist ferner abermals die Blutbildung stark herabgesetzt, da die Leber als blutbildendes Organ dieser Aufgabe im Krankheitsfall nicht mehr oder nur eingeschränkt nachkommen kann. Eine zusätzliche Sauerstoffzufuhr kann daher auch bei Hepatitis von Nutzen sein, um die Blutzirkulation anzuregen.

Ablauf einer Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie

Die SMT umfasst standardmäßig etwa 15 separate Sitzungen, die in einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen an ausgewählt aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Zwischen den jeweiligen Therapieintervallen sind eintägige Pausen üblich, die mit Rücksicht auf das Privatleben der Patientin beziehungsweise des Patienten für gewöhnlich auf das Wochenende gelegt werden. Eine einzelne Sitzung dauert meist zwei bis drei Stunden, wobei sich die drei Einzelschritte wie folgt gestalten:

Erster Schritt – Nährstoffgabe

Zur Steigerung der Sauerstoffaufnahme im Blut sowie der Leistungsfähigkeit und Stoffwechseltätigkeit erhalten die Betroffenen im ersten Schritt der SMT einen Nährstoffcocktail. Die genauen Bestandteile dieses Cocktails können je nach SMT-Variante variieren, grundsätzlich handelt es sich um eine Vitamin- und Mineralstoff-Mischung, die entsprechende Verbesserungen des Sauerstoff- und Leistungsumsatzes zu erzielen vermag. Zu diesen Nährstoffen gehören

  • Vitamin B1,
  • Vitamin C,
  • Vitamin E
  • und Magnesium.

Das Magnesium ist im Nährstoff-Cocktail zumeist in Form von Magnesiumsalz enthalten. Die Vitamine sind im Cocktail als Nährstoffpulver gelöst. Vor allem Vitamin E sollte hierbei deutlich früher als die anderen Nährstoffe (circa eine Stunde vor der Sauerstoffgabe) verabreicht werden, um eine ausreichende Entfaltung des langsam wirkenden Vitamins im Körper zu gewährleisten. Alle anderen Nährstoffe werden eine halbe Stunde vor der Inhalation verabreicht.

Zweiter Schritt: Sauerstoffgabe

Nun erfolgt die eigentliche Sauerstoffgabe der SMT. Der Patient oder die Patientin inhaliert über eine Nasensonde oder Atemmaske etwa zwei Stunden lang ein Sauerstoff-Luft-Gemisch (O2). Der Sauerstoffanteil des Gemisches beträgt hierbei circa 40 Prozent, wobei während einer Sitzung etwa vier bis sechs Liter Sauerstoff pro Minute zugeführt werden. Zum Vergleich: Normale Luft enthält nur circa 21 Prozent Sauerstoff.

Leichte Abweichungen ergeben sich in Abhängigkeit von der gewählten Darreichungsform und genutzten Apparatur. Insgesamt werden über die Gesamtheit der 15 Sitzungen hinweg jedoch in jedem Fall circa 7500 Liter Sauerstoff verabreicht. Während der Sauerstoffgabe ist es wichtig, dass die Betroffenen sich entspannen, sodass ein harmonischer Blutfluss gewährleistet ist.

Ein älteres Paar führt zu Hause Gymnastikübungen durch.
Im Anschluss an die Sauerstoffgabe sollen sich die Betroffenen körperlich und geistig bewegen, um die Durchblutung zu steigern. (Bild: Vasyl/stock.adobe.com)

Dritter Schritt: körperliche Betätigung

Nach der Sauerstoffgabe wird der Patient/die Patientin zur körperlichen und geistigen Aktivität angeleitet. Dies soll die Durchblutung anregen und dafür sorgen, dass sich der Sauerstoff schneller im Körper verteilt. Förderlich sind zum Beispiel Denksportaufgaben für die geistige sowie Treppensteigen oder gymnastische Übungen für die körperliche Aktivität.

Nach 20 Minuten der Anstrengung wird dann jeweils zwei Minuten lang leichte Aktivität oder sogar eine Pause abgehalten, um den gerade erzielten Sauerstoffzugewinn nicht durch einen erhöhten Sauerstoffverbrauch aufgrund körperlicher Anstrengung wieder zu verlieren. Extremsport als Bewegungsmaßnahme ist daher eher ungeeignet.

Gegenanzeigen bei Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie

Nicht zur Anwendung kommen darf die SMT bei

  • akuten Infektionskrankheiten,
  • Fieber mit ungeklärter Ursache,
  • akuten Geschwüren im Magen-Darm-Trakt,
  • Schilddrüsenüberfunktion,
  • Blutungsneigung,
  • Epilepsie,
  • aktiver Tuberkulose,
  • Emphysemen,
  • akuter Herzmuskelschwäche,
  • akuten allergischen Reaktionen
  • und respiratorischer Globalinsuffizienz.

Es ist wichtig, dass die SMT ausschließlich von geschultem Fachpersonal, also entweder einem Arzt oder ausgebildeten Heilpraktiker, durchgeführt wird. Denn auch wenn die Gabe von Sauerstoff in vorgesehenem Maße weitestgehend unbedenklich ist, kann es bei einer falschen Handhabe der Sauerstoffkonzentration zu erheblichen Komplikationen kommen. Gefährlich ist in diesem Zusammenhang vor allem eine Überdosierung des Sauerstoffs. Diese kann im schlimmsten Fall zu Atemstillständen, Koma oder Krampfanfällen führen. Richtig durchgeführt sind für die SMT keine größeren Nebenwirkungen bekannt. (ma)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • Ardenne, Manfred von: Wo hilft Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie? Urban & Fischer Verlag, 1999
  • Ardenne, Manfred von: Oxygen Multistep Therapy: Physiological and Technical Foundations, Thieme, 1990
  • Lungeninformationsdienst am Helmholtz Zentrum München: Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (Abruf: 25.11.2019), Lungeninformationsdienst
  • Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.: Auch eine Überversorgung mit Sauerstoff sollte vermieden werden (Abruf: 25.11.2019), Lungenärzte im Netz
  • Verband Deutscher Heilpraktiker e.V.: Sauerstoff-Therapien (Abruf 25.11.2019), Verband Deutscher Heilpraktiker
  • Kleditzsch, Hannelore; Kleditzsch, Jürgen; Fuchs, Hildegard; Auschra,Ruth: Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie in Kombination mit weiteren Naturheilverfahren, in: Erfahrungsheilkunde, 52(9), Seite 590-596, Karl F. Haug Verlag, 2003 , Thieme

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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