Basische Körperpflege – Anwendung, Vorteile, selbstgemacht

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Die basische Körperpflege ist in den letzten Jahren ein regelrechter Trend geworden. Zahlreiche Produkte werden mit ihren basischen Eigenschaften beworben, die eine positive Wirkung auf die Haut entfalten und über diesen Weg den Körper entgiften sollen. Häufig steht dahinter die Idee einer allgemeinen Übersäuerung des Organismus, die unter anderem durch basische Körperpflege und andere Maßnahmen, wie basenüberschüssige Ernährung, bekämpft werden soll.

Doch wie sinnvoll ist die basische Hautpflege aus Sicht der Naturheilkunde und aus Sicht der Schulmedizin? Wie wird sie angewendet? Kann sie selbst hergestellt werden oder müssen Pflegeprodukte gekauft werden?


Aufgaben der Haut

Die Haut ist mit ihrer Fläche von circa 1,7 Quadratmetern, einer Dicke von 1,5 bis 4 Millimetern und einem Gewicht von 3,5 bis 10 Kilogramm das größte und schwerste Organ des menschlichen Körpers. Sie schützt den Körper vor Einflüssen wie Hitze, Kälte, schädlichen Umwelteinflüssen und Krankheitserregern und trennt das Körperinnere von der Außenwelt.

Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie übernimmt zahlreiche Funktionen, zum Beispiel die Temperaturregelung, indem sie den Körper durch Schwitzen kühlt. (Bild: pimonpim/fotolia.com)

Die Haut zählt zu den Sinnesorganen. Sie ist ausgestattet mit Tastkörperchen und Sinneszellen. Somit kann sie Schmerzen und Temperaturveränderungen wahrnehmen. Sie gibt mithilfe ihrer Schweißdrüsen Flüssigkeit ab. Durch die so entstehende Verdunstungskälte sowie durch Verengung oder Weitung der Hautgefäße ist sie an der Regelung der Körpertemperatur beteiligt. Die Haut transportiert über den Schweiß verschiedene Stoffe nach außen, darunter Kalium, Calcium, Natrium und Chlorid, außerdem zum Beispiel Cholesterin, Harnstoff und Buttersäure sowie Säure und einen Stoff, der Dermicidin heißt, und speichert die Vorstufe des Vitamins D3.

Ganzheitlich betrachtet, ist die Haut der „Spiegel der Seele“. Dies bedeutet, dass sich Empfindungen, seelische Probleme und Belastungen an der Haut ablesen lassen. Die Haut spiegelt die organischen und seelischen Befindlichkeiten wider. Jeder kennt das Erröten eines Menschen bei Überraschung, Scham oder Schüchternheit.

Sprüche, wie „sich der eigenen Haut erwehren“ oder „das geht mir unter die Haut“, machen auf den sensiblen Anteil der Haut aufmerksam. Die Haut ist ebenso ein Spiegelbild organischer Störungen. So kommt es zum Beispiel bei Lebererkrankungen zu Juckreiz, bei einem Gallenstau zur Gelbverfärbung der Haut, bei Herzklappenfehlern zu roten Wangen und bei massiven Nierenerkrankungen zu einer fahl-grauen Gesichtsfarbe.

Der Säureschutzmantel der Haut

Der sogenannte Säureschutzmantel hat einen pH-Wert zwischen 5,2 und 5,9 – er liegt also im sauren Bereich. Er erfüllt eine wichtige Immunfunktion, denn tagtäglich kommt unsere Haut mit verschiedensten Mikroorganismen in Kontakt. Hauptsächlich sind das Bakterien, die über die Haut versuchen, in den Körper einzudringen. Davor schützt unter anderem der Säuremantel der Haut, dessen pH-Wert ungefähr zwischen 5 und 6 liegt. Im Schweiß findet sich zusätzlich ein antibiotisch wirkender Stoff, der Dermicidin heißt und in der Lage ist, zahlreiche Bakterien abzuwehren.

Viele Naturheilkundlerinnen und Naturheilkundler sind der Meinung, dass dieser saure Wert der Hautoberfläche nicht unbedingt ein Schutz ist, sondern Zeichen einer Übersäuerung des gesamten Körpers. Demnach ergaben Messungen von vor über 50 Jahren, dass der durchschnittliche pH-Wert der Haut damals bei 6,2 lag, also weniger sauer war als derjenige heute lebender Menschen. Damit steigt aus Sicht der Vertreterinnen und Vertreter dieser Theorie gleichzeitig das Risiko für Allergien und Hauterkrankungen. Diese Vermutungen sind allerdings bisher nicht durch belastbare Studien nachweisbar.

Die Theorie der Übersäuerung des Körpers

Wenn man von einer Übersäuerung des Körpers spricht, muss man sehr genau unterscheiden. Viele Naturheilkundlerinnen und Naturheilkundler verstehen darunter eine erhöhte Säurekonzentration in den Zellen und Zellzwischenräumen. In diesem Zusammenhang ist auch von sogenannten „Schlacken“ die Rede, was nicht genauer definiert wird, aber häufig Säuren, Giftstoffe und sonstige unerwünschte Rückstände des Stoffwechsels beschreiben soll. Mit einer Übersäuerung des Körpers werden beispielsweise Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Hautprobleme, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Gewichtszunahme assoziiert. Auch Krankheiten wie Arterienverkalkung, Krebs, Arthrose und Osteoporose werden mit ihr in Zusammenhang gebracht.

Die Theorie einer möglichen Übersäuerung des Körpers geht vor allem auf die alternativmedizinische Richtung der Orthomolekularmedizin zurück. Als Ursache für eine so verstandene Übersäuerung gilt häufig eine ungesunde Lebensweise mit einer unausgewogenen, zucker– und eiweißlastigen Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäuren und Konservierungsstoffen, wenig Bewegung und viel Stress. Die Übersäuerung soll mit Nahrungsergänzungsmitteln und basischen Anwendungen (innerlich und äußerlich) behoben werden, außerdem, wenn möglich, mit einer Umstellung der Ernährung und allgemeinen Lebensweise. Allerdings ist diese Form der Übersäuerung nur sehr schwer nachzuweisen und deswegen bis heute nicht hinreichend belegt.

Davon gilt es, eine andere Form der Übersäuerung abzugrenzen, die eindeutig nachweisbar ist. Diese betrifft einen erhöhten Säuregehalt des Blutes und wird Azidose genannt. Sie kann beispielsweise durch einen Asthmaanfall oder eine Funktionsbeeinträchtigung der Niere ausgelöst werden und ist ein medizinischer Notfall, der umgehend behandelt werden muss.

Früher war es ganz normal, sich mit basischer Kernseife zu waschen. (Bild: lantapix/fotolia.com)

Pflege der Haut: lieber basisch oder sauer?

Vor mehr als 50 Jahren war es völlig normal, basische Pflegeprodukte zu verwenden. Ein bekanntes Beispiel ist die Kernseife, deren pH-Wert zwischen 8,5 und 8,0 liegt, also vollkommen im basischen Bereich. Später wurde eher die Theorie vertreten, dass man pH-neutrale Pflegeprodukte verwenden sollte oder solche, die einen ähnlichen pH-Wert wie die Haut haben, also in den sauren pH-Wert-Bereich einzuordnen sind.

Anhängerinnen und Anhänger der Übersäuerungstheorie, darunter viele Naturheilkundlerinnen und Naturheilkundler, vertreten die Meinung, dass eine Verwendung basischer Produkte besser für die Haut sei. Basische Körperpflege versuche demnach mit Mitteln der Osmose, Säure zu lösen und diese abzutransportieren. Zusätzlich soll damit die Haut angeregt werden, Schlacken abzugeben und eine natürliche Rückfettung einzuleiten. Abgesehen von der Abgabe von Säure ist die Wirkung nicht hinreichend belegt, ebenso wenig wie das Vorhandensein von „Schlacken“ im Körper. Außerdem stellt sich die Frage, ob durch die Veränderung des sauren pH-Werts der Haut durch die Verwendung basischer Pflegeprodukte nicht auch die Schutzfunktion der Hautbarriere gestört und so ihr Beitrag zum Immunsystem beeinträchtigt wird.

Die meisten Schulmedizinerinnen und Schulmediziner halten Pflegeprodukte mit einem sauren pH-Wert für sinnvoller, weil sie weniger in den natürlichen pH-Wert der Haut eingreifen sollen. Bei der Wirkung basischer Bäder zur Entgiftung allerdings scheiden sich auch bei ihnen die Geister: Einige halten den Einsatz der Bäder für wirkungslos, andere empfehlen ihn.

Da jeder Mensch individuell ist und es unterschiedliche Hauttypen und damit verschiedene Pflegebedürfnisse gibt, sind allgemeine Empfehlungen an dieser Stelle schwierig – auch aufgrund der Tatsache, dass keine gefestigten Nachweise der vorteilhaften Wirkung basischer Pflegeprodukte bestehen. Im Zweifel könnten Sie beide Varianten einmal ausprobieren und so selbst herausfinden, worauf Ihre Haut am besten anspricht. Basische Hautpflegeprodukte sollen rückfettend wirken und wären somit vor allem dann einen Versuch wert, wenn Sie zu trockener Haut neigen. Bei besonderen Hautproblemen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Akne ist es angeraten, vor einer Anwendung basischer Produkte einen Hautarzt oder eine Hautärztin um Rat zu fragen.

Auch eine allgemeine Empfehlung dazu, ob gekaufte oder selbst hergestellte Produkte besser sind, lässt sich schwer geben. Sowohl im Handel erworbene als auch selbst gemachte Produkte können gute oder schlechte Inhaltsstoffe enthalten und sowohl geeignet als auch ungeeignet für den eigenen Hauttyp sein.

Ganz allgemein kann man sagen, dass sowohl beim Kauf als auch bei der eigenen Herstellung von Pflegeprodukten darauf geachtet werden sollte, dass diese keine Inhaltsstoffe auf Erdölbasis enthalten. Außerdem sind bei pflanzlichen Inhaltsstoffen Produkte zu bevorzugen, die mit Inhaltsstoffen aus biologischem Anbau hergestellt werden, da man so keine Rückstände chemischer Spritzmittel darin findet. Auch Mikroplastik sollte zum Schutz von Mensch und Umwelt vermieden werden. Sicherlich gibt es eine Reihe weiterer Kriterien, auf die man achten sollte; denn was gut vertragen wird, hängt vielfach auch vom eigenen Hauttyp, etwaigen Hautproblemen oder Allergien ab. Lassen Sie sich im Zweifel dazu bitte individuell beraten.

Grundsätzlich sollten Sie Ihre Haut nicht zu häufig waschen, da sonst der natürliche Schutzfilm immer wieder angegriffen wird. Dies gilt insbesondere für die Reinigung empfindlicher Babyhaut – weniger ist hier mehr.

Basenbäder: Anleitung und Wirkung

Basenbäder sollen rückfettend und beruhigend auf die Haut wirken und helfen nachweislich zur Vorbeugung und Linderung von Muskelkater. Manche sprechen ihnen auch eine entgiftende Wirkung zu. Falls Sie basische Bäder selbst ausprobieren möchten, können Sie ein bis zwei Mal wöchentlich ein Vollbad mit einem basischen Zusatz nehmen. Das Basenpulver erhalten Sie in den meisten gut sortieren Drogeriemärkten, in Reformhäusern oder in der Apotheke oder können es selbst anfertigen (siehe unten).

Ein Basenbad hat vor Beginn einen pH-Wert von mindestens 8,4. Dies kann mit Hilfe eines Indikatorpapiers nachgemessen werden. Dem Wannenbad mit der Temperatur von circa 38 Grad Celsius wird das Basenpulver zugegeben, und zwar so viel, dass mindestens ein pH-Wert von 8,4 erreicht wird. Die genaue Dosierung ist bei gekauften Produkten auch auf der Packung angegeben, kann allerdings durch den Grad der Wasserhärte variieren. Die Badedauer sollte mindestens 45 Minuten und maximal zwei Stunden betragen. Mit zunehmender Badedauer sinkt der pH-Wert bis auf circa 7,5 ab. Das geschieht durch Säuren, die über die Osmosewirkung des Basenbades aus dem Körper gelöst werden und dann ins Badewasser gelangen. Es ist nachgewiesen, dass ein basisches Bad dem Körper Säuren entzieht. Ob dies allerdings sinnvoll oder notwendig ist, konnte bisher nicht belegt werden.

Wenn Sie keine Zeit oder keine Möglichkeit haben, ein basisches Vollbad zu nehmen, können Sie auch ein Fußbad mit einem basischen Zusatz nehmen. Die Dauer dafür beträgt zwischen 30 und 60 Minuten bei einer Temperatur von circa 38 Grad Celsius. Das basische Fußbad können Sie mehrmals wöchentlich anwenden.

Hinweis: Allgemein gilt für Vollbäder und Fußbäder, dass bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie zum Beispiel Bluthochdruck vorab ein Arzt oder eine Ärztin gefragt werden sollte, ob in Ihrem Fall Bäder angeraten sind und wenn ja, bei welcher Temperatur. Das gilt auch für Krampfadern; hier genügt es meist, nicht zu heiß zu baden. Speziell bei Basenbädern sollten auch Diabetikerinnen und Diabetiker vorher ihren Arzt oder ihre Ärztin befragen.

Achten Sie bitte darauf, vor, während und nach dem Baden ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und verlassen Sie vorsichtig die Wanne, falls Sie merken, dass Sie Kreislaufprobleme bekommen.

Basisches Bad
Basischen Bädern wird ein positiver Effekt auf die Haut nachgesagt – probieren Sie doch selbst einmal aus, ob sie auch Ihnen guttun. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Rezept für einen basischen Badezusatz

Für ein selbst hergestelltes Basenpulver kann man ganz einfach Natron verwenden. Je nach Wasserhärtegrad benötigt man für ein Vollbad etwa 80 bis 100 Gramm Natron. Für ein Fußbad nimmt man entsprechend der Wassermenge weniger. Je nach Geschmack und Bedarf kann man dem Badewasser noch einige Tropfen eines ätherischen Öls hinzufügen. Lassen Sie sich zur Verwendung ätherischer Öle bitte beim Kauf beraten. (sw, kh)

Autoren:
Susanne Waschke, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Michael Worlitschek : "Praxis Säure-Basen-Haushalt: Grundlagen und Therapie", Karl F. Haug, 2015
  • Kurt Tepperwein: "Jungbrunnen Entsäuerung: Wohlbefinden rundum durch ein harmonisches Säure-Basen-Verhältnis", Goldmann, 2001
  • Sabine Wacker, Andreas Wacker: "300 Fragen zur Säure-Basen-Balance", Gräfe und Unzer, 2012

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.