Stechpalme – Gift, Volksheilkunde und Geschichte

Die Stechpalme oder Ilex ist ein immergrüner Busch, die sich als Gartenpflanze großer Beliebtheit erfreut und zum Beispiel als Weihnachtsgrün genutzt wird. In der Volksheilkunde dienten die Blätter als Mittel gegen Entzündungen der Gelenke und der Atemwege. Als Heilpflanze ist Ilex nicht ohne Risiko: Alle Teile der Pflanze sind giftig.

Steckbrief zur Stechpalme

  • Wissenschaftlicher Name: Ilex aquifolium L
  • Volksnamen: Ilex, Stechlaub, Stechhülse, Stechholder, Stechdorn, Stecheiche, Stacheleiche, Christdorn, Palmdistel, Walddistel, Waldunholz, Hülsbusch, Hülse, Hulstbaum, Holly, Winterbeere
  • Pflanzenfamilie: Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae)
  • Vorkommen: West- und Mitteleuropa und teilweise in Südeuropa, Nordwestafrika, Japan, Iran
  • Verwendete Pflanzenteile: Rinde, Blätter, Früchte
  • Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Aminosäuren, Ilexsäure, Theobromin, Vanillin, Mineralstoffe, Saponine, Pektine, Kaffeesäure, Fettsäuren, Carotinoide, Glucoside, Phytosterole, Depside und Phenolsäuren
  • Anwendungsgebiete:
    • Rheumatische Beschwerden
    • Gicht
    • Arthritis
    • Entzündungen der Atemwege

Wichtig: Die Blätter und die Früchte der Stechpalme sind giftig.

Ilex Aquifolium – Eine Übersicht

  • Der lateinische Artname aquifolium setzt sich aus den Worten acus für Nadel und folium für Blatt zusammen und bezieht sich, wie der deutsche Name Stechlaub, auf die stachelspitzigen Blätter. Ilex leitet sich hingegen ab von der mediterranen Steineiche, die eine ähnliche Blattform hat.
  • Im Englischen wurde aus dem indogermanischen hulis (Hulstbaum, Hülsbusch) die Bezeichnung holly. Die Filmmetropole Hollywood heißt also Stechpalmenwald.
  • Bündel aus Zweigen der Stechpalme dienten dazu, den Kamin beziehungsweise Schornstein zu reinigen. Diese Reinigung hatte zugleich eine mythisch-symbolische Bedeutung.
  • Die gerösteten Samen der Stechpalme dienten als Kaffee-Ersatz.
  • Die roten Früchte sind für Menschen giftig, für Vögel stellen sie dagegen eine wertvolle Futterquelle dar.
  • Wilde Stechpalmen stehen unter Naturschutz. Deshalb sollten Sie keine Zweige abschneiden, um Sie als Heilpflanze zu verwenden.

Wirkungen

Die im Ilex enthaltenen Saponine lösen Schleim und fördern den Auswurf, weshalb ein Tee aus Stechpalme ein Hausmittel gegen zähen Husten und Keuchhusten war. Ein Tee aus den Blättern treibt den Schweiß und wurde angewandt, um Fieber zu senken. Möglicherweise löst der Tee auch Krämpfe im Unterleib und Bauch. Die abgekochten Blätter gelten als harntreibend, deswegen ist Stechpalmentee auch als Diuretikum bekannt.

Krebsforschung

Eine experimentelle Studie untersuchte die potenzielle Wirkung von Ilex aquifolium Extrakt auf verschiedene bösartige Zellwucherungen. Der Extrakt dämmte im Versuch das Wachstum von Darmkrebszellen signifikant ein und zeigte einen ähnlichen Effekt bei Prostatakrebs und Hirntumoren.

Bakterien und Pilze

In einer anderen Studie wurden vier Extrakte aus Ilexblättern gegen Bakterienstämme von Escherichia coli, Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa, Enterobacter aerogenes, Proteus vulgaris und Salmonella typhimurium als auch dem Soorpilz Candida albicans eingesetzt. Die Extrakte wirkten deutlich gegen pathogene Bakterien und Pilze. Als Auslöser für die antimikrobiellen Effekte wurden die Triterpene im Extrakt erkannt.

Stechpalme – Gifte

Ilex ist giftig, dabei enthalten die Früchte einen wesentlich höheren Anteil an Giftstoffen als die Blätter. Zu den toxischen Komponenten gehören die Alkaloide, die Terpenoide und die Phenolsäure. Eine Dosis von 20 bis 30 Beeren gilt bei Erwachsenen als tödlich. Dabei handelt es sich um Schätzungen und Todesfälle sind hauptsächlich aus älterer Literatur bekannt.

Symptome einer Vergiftung zeigen sich vor allem im Magen-Darm-Trakt: Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Hinzu kommen Schläfrigkeit, Bewusstseinsveränderungen, Durchfall und Störungen des Herzrhythmus.

Erste Hilfe: Wenn die Betroffenen nur wenige Beeren gegessen haben, geben Sie ihnen reichlich Flüssigkeit und versuchen Sie, Erbrechen auszulösen. Bei höheren Dosierungen muss umgehend ein Arzt beziehungsweise eine Ärztin aufgesucht werden.

Vogelfutter

Nicht nur bei Menschen, auch bei anderen Säugetieren wirken die Steinfrüchte toxisch. Nicht so bei Vögeln: Die im Herbst rot gefärbten Früchte sind eine wertvolle Nahrung für Gartenvögel im Winter und die Pflanze breitet sich aus, indem Vögel die Früchte fressen und die Kerne ausscheiden. Amseln, Wacholder-, Mistel-, Rot- und Singdrosseln profitieren ebenso von Stechpalme im Garten wie Rotkehlchen und Mönchsgrasmücken.

Übersicht zu den Inhaltsstoffen und Anwendungsgebieten der Stechpalme
Die Blätter der Stechpalme enthalten Stoffe mit einer stark harntreibenden Wirkung, daher wurden diese in der Volksheilkunde zum Beispiel gegen Gicht eingesetzt. (Bild: James/stock.adobe.com/eigene Bearbeitung Heilpraxis)

Stechpalme in Volksheilkunde und Medizingeschichte

Als Mittel gegen Gelenkschmerzen erwähnte bereits der Römer Plinius der Ältere im ersten Jahrhundert vor Christus die Stechpalme. Dabei kann es sich aber auch um eine andere Pflanze gehandelt haben. Überliefert ist aus dem Mittelalter des südlichen Mitteleuropas, dass der „Christdorn“ als Arznei gegen „Gelbsucht“ eingesetzt wurde, womit sowohl Ikterus aufgrund von Erkrankungen der Gallenblase als auch Hepatitis gemeint gewesen sein kann.

Die Früchte sollten gegen Epilepsie helfen (wissenschaftlich gibt es darauf keinen Hinweis) und waren ein Hausmittel gegen Verstopfung. Allerdings ist der abführende Effekt nach dem Verzehr schon ein Symptom der Vergiftung. Die getrockneten Beeren galten als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden, Magenkoliken, Darmkoliken und Flatulenz.

Wichtig: Vor Selbstversuchen sollten Sie aufgrund der Toxizität der Steinfrüchte absehen.

Kaffee aus Stechpalme

Bis weit in die Neuzeit war Kaffee in Mitteleuropa ein Luxusgetränk und so dienten neben Zichorienwurzel (Wegwarte) auch die gerösteten Samen des Ilex als Kaffee-Ersatz. Ilex aquifolium enthält zwar, im Unterschied zu anderen Arten der Gattung, kein Koffein, jedoch wie Tee, Kakao und Kaffee Antioxidantien.

In Deutschland wurde aus den Blättern auch ein Tee gekocht und mit Schwarztee vermischt, um Muskelverspannungen zu lösen und nervöse Menschen zu beruhigen. Vor allem wurde die Mischung bei Erkrankungen der Atemwege und Lunge wie Lungenentzündung und Bronchitis eingesetzt. Der Tee galt auch als Mittel gegen Harnsteine und Harnwegsentzündungen.

Ilexzweige gegen Rinderflechte

In der Volkstiermedizin wurden die Zweige von Schlehe, Weißdorn oder Stechpalme im Kälberstall aufgehängt, um der Rinderflechte, einer Pilzerkrankung, vorzubeugen und sie zu behandeln. Zwar zeigte sich in der oben genannten Studie, dass ein Extrakt aus der Pflanze gegen pathogene Pilze wirkt, eine Wirkung rein über die Luft kann aber aus medizinischer Sicht ausgeschlossen werden. Trotzdem wird diese Methode auch heutzutage zum Teil noch praktiziert.

Vorkommen

Die Europäische Stechpalme ist eine submediterrane und subozeanische Pflanze, das heißt, sie mag keine zu kalten Winter und keine zu trockenen Sommer. Sie ist zwar am Mittelmeer, in Nordafrika und im Südosten Europas verbreitet, dort jedoch nur in Gebirgen.

Im Iran finden wir sie vor allem in den feuchten Regionen am Kaspischen Meer. In Mitteleuropa kommt sie hingegen auch im Tiefland vor, den hohen Norden Skandinaviens meidet sie. Hierzulande bevorzugt sie die Mittelgebirge und erreicht die höchste Dichte westlich des Rheins, in der Norddeutschen Tiefebene und im Vorland der Alpen.

Ilex liebt Schatten, also Wälder und Gehölze. Der Boden sollte wenig Kalk und viele Nährstoffe enthalten. In reinen Nadelwäldern ist die Stechpalme kaum vorzufinden, dafür vermehrt in Buchenwäldern, Eichen- und Eichen-Birkenwäldern. Als Kulturpflanze wird sie häufig in Parks, in Gärten und auf Friedhöfen eingesetzt.

Warum Stechpalme?

Christen in Mitteleuropa griffen am Palmsonntag vor Ostern mangels Palmen auf immergrüne Pflanzen zurück: Buchsbaum oder Ilex. Daraus entstand der Name „Stechpalme“, obwohl Ilex weder eine Palme ist, noch so aussieht.

Indessen erfanden die Christen auch die passende Legende zu ihren „Stechpalmen“ am Palmsonntag. So sollte der Ilex von den Palmen abstammen, die Juden in Jerusalem benutzten, um Jesus zu zujubeln. Danach hätten sie ihn jedoch ans Kreuz schlagen lassen und darauf hin seien den Palmblättern Dornen gewachsen, wie in der Dornenkrone des leidenden Erlösers.

Die roten Früchte stellten seine Blutstropfen dar und die dunkelgrünen Blätter, die den Winter überdauerten, das ewige Leben. Aus diesem Mythos entstand der Name „Christdorn“.

Stechpalme in Mythos und Esoterik

Zweige der Stechpalme hatten lange vor dem christlichen Weihnachten eine Bedeutung in den Feiern zur Wintersonnenwende. Kelten und Germanen hängten sie während dieser Zeit in und um ihre Häuser auf, damit sie dieses immergrüne Symbol des Lebens vor den dunklen Dämonen des Winters schütze. Dass Ilexdickichte ganz realen Schutz boten, um sich zum Beispiel vor marodierenden Soldaten zu verstecken, verstärkte die mythische Bedeutung noch.

In den römischen Saturnalien, den winterlichen Feiern des Gottes Saturn, tauschten die Menschen Ilexzweige aus, die dem Wintergott geweiht waren. Das übertrug sich auf das christliche Weihnachten, in dem Geschenke mit Zweigen des „Christdorns“ dekoriert wurden.

In der Moderne ernannte Dr. Bach die Stechpalme zur Bachblüte „Holly“. Die Essenz des Ilex soll in der Bachblütentherapie Hass, Wut und Neid in Liebe und Mitgefühl verwandeln. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Erdemoglu, N.; Iscan, G. et al.: Antibacterial, antifungal and antimycobacterial activity of Ilexaquifolium leaves, Pharmaceutical Biology, 2009, Jg. 47, Ausg.8, S.697-700, Taylor & Francis Online
  • Frédérich, M.; Marcowycz, A. et al.: In vitro anticancer potential of tree extracts from the Walloon Region forest. Planta Med. 2009, Jg. 75, Ausg.15, S.1634-1637, Thieme
  • Nahar, L., Russell, W.R. et al.: Antioxidant phenylacetic acid derivatives from the seeds of Ilex aquifolium. Acta Pharm. 2005; Jg.55, Ausg.2, S.187-193, Europe PMC
  • Informationszentrale gegen Vergiftungen der Universitätsklinik Bonn, Stechpalme (Ilex aquifolium), UKB
  • Cunningham, S.: Encyclopedia of Magical Herbs. Minnesota 2017.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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