Wasserminze – Wirkung, Anwendung und eigener Anbau

Die Wasserminze (auch Wasserbalsam oder Bachminze genannt) ist eine der beiden Urformen der bekannten Pfefferminze, hat jedoch ein milderes Aroma. Sie ist eng mit der Grünen Minze verwandt, besiedelt aber noch feuchteres Terrain als diese. Ihre Heilwirkung entspricht weitgehend der Pfefferminze, ist aber deutlich schwächer. Die fehlende Schärfe macht den Wasserbalsam für Kinder besser bekömmlich.

Steckbrief zur Wasserminze

  • Wissenschaftlicher Name: Mentha aquatica
  • Volksnamen: Bachminze, Wasserbalsam
  • Familie: Lippenblütler
  • Verbreitung: Europa, Libanon, Israel, Levante, Türkei, Kaukasus, Teile Irans und Nordafrikas. Wasserminze gehört zu den Röhricht-Gesellschaften, wächst also, wo es feucht ist: auf Moorwiesen, in Bruch- und Auwäldern, in Weidendickichten, an See-, Fluss- und Bachufern. Sie liebt leicht sauren Schlamm.
  • Verwendete Pflanzenteile: Blätter und blühende Triebe, seltener die Wurzel
  • Anwendungsgebiete:
    • Verdauungsstörungen
    • Völlegefühl
    • Blähungen
    • Krämpfe
    • Entzündungen
    • gereizte Schleimhäute
    • Schmerzen
Ein Stängel der Wasserminze mit Blüten und Blättern auf weißem Grund
Von Juli bis Oktober zeigen sich die rosafarbenen bis hell-violetten Blüten der Wasserminze. (Bild: Ruckszio/stock.adobe.com)

Wasserminze – Die wichtigsten Fakten

  • Mentha aquatica ist eine Verwandte der Pfefferminze, schmeckt aber milder, da sie weniger Menthol enthält. Zugleich hat sie ein typisches Minzaroma. Deswegen gilt sie unter Köchen als Geheimtipp für Desserts, Wildgerichte und Saucen, für die Pfefferminze zu dominant wäre.
  • Durch weniger Menthol ist sie magenfreundlicher als Pfefferminze und eignet sich deshalb hervorragend für Minztees.
  • Auch die verbreitete Grüne Minze mag es feucht, die Wasserminze mag es jedoch noch nasser und ist eine echte Sumpfpflanze.
  • Die Heilwirkung der Wasserminze ist ähnlich, aber schwächer als die der Pfefferminze.
  • 1698 wurde in einem englischen Arzneigarten Grüne Minze mit Wasserminze gekreuzt. So entstand die uns bekannte Pfefferminze.

Inhaltsstoffe

Wasserminze enthält vor allem ätherische Öle (0,3 bis 0,85 Prozent), darunter 40 bis 50 Prozent Menthofuran. Hinzu kommen alpha- und beta-Pinen, Beta-Caryophyllen, 1,8-Cineol, Germacren D, Limonen, Menthol sowie circa sieben Prozent Gerbstoffe.

Wirkungen

Minze tötet Keime ab, betäubt, stimuliert das Ausschütten von Galle, löst Krämpfe und lindert Schmerz. Gerbstoffe regen die Magensäfte an und fördern die Verdauung, sie ziehen Gefäße zusammen, hemmen Entzündungen, wirken antimikrobiell, antiviral und antioxidativ, behindern das Ausschütten von Sekreten und dichten ab.

Insofern kann die Heilpflanze bei Blähungen, Magen-Darm-Beschwerden und Appetitlosigkeit helfen. Sie lässt sich gegen übermäßiges Schwitzen, Entzündungen im Mund und Rachen bei Erwachsenen, entzündliche und nässende Hauterkrankungen, Insektenstiche und kleine äußere Schnitt- wie Brandverletzungen einsetzen.

Wasserminze – Anwendungen

Minztee und Minzöl lassen sich anwenden gegen

Wasserminze-Tee

Als Heilmittel dient vor allem der Minztee aus den frischen oder getrockneten Blättern und blühenden Trieben. Dafür binden wir gesammelte Pflanzen in Sträußen zusammen und lassen sie kopfüber im Schatten trocknen.

Ein Glas mit Tee steht inmitten getrockneter und zerkleinerter Minzblätter.
Für einen Wasserminze-Tee können Sie sowohl frische als auch getrocknete Blätter verwenden. (Bild: seba tataru/stock.adobe.com)

Äußerlich setzen wir den aus den getrockneten Blättern gebrühten Tee für Bäder, Waschungen und Kompressen ein. Diese helfen gegen juckende Haut und Nervenschmerzen. Der getrunkene Tee lindert Magenbeschwerden, Verdauungsprobleme und Kopfschmerzen. Bei Entzündungen der Atemwege inhalieren wir den Dampf des kochenden Teewassers.

Für den Tee gießen wir zwei Teelöffel getrocknete Minzblätter mit einem Viertelliter kochendem Wasser auf, lassen alles circa acht Minuten abgedeckt ziehen, seihen es dann ab und trinken den Tee heiß.

Frische Wasserminzeblätter

Ein Brei aus frischen Wasserminzeblättern wirkt abschwellend und lindert die Schmerzen bei Insektenstichen. Er kühlt und betäubt. Dafür zerquetschen wir eine Handvoll der frischen Blätter, breiten diesen Brei auf einem Tuch aus und legen dieses als Umschlag auf die betroffene Stelle.

Minzöl

Öl aus der Wasserminze gewinnen wir durch Destillation mittels Wasserdampf. Besser ist es, das Öl in einer Apotheke zu kaufen, da das Herstellen aufwändig ist. Gegen eine Neuralgie reiben wir die betroffene Stelle mit dem Öl ein, ebenso bei Kopfschmerzen. Bei Erkältungserkrankungen geben wir einige Tropfen auf ein Tuch und atmen die ausströmenden Öle ein.

Minzblätter gegen Mundgeruch

Minzgeruch gehört zu Zahnpasta, doch lange bevor es medizinische Zahnpasta gab, kauten die Menschen Blätter der Wasserminze – das hat „nebenbei“ noch einen keimtötenden Effekt.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Achtung: Minzöle können bei Säuglingen und Kleinkindern zu massiven Atemstörungen führen, wenn sie in den Bereich von Mund und Nase kommen. Setzen Sie das Öl daher bitte bei Babys und kleinen Kindern nicht ein.

Sodbrennen mit Säurerückfluss in die Speiseröhre kann durch Minzen verstärkt werden. Die Gerbstoffe wirken Durchfall entgegen, was aber auch bedeutet, dass sie in größeren Mengen zu Verstopfung führen. Hautreizungen sind möglich.

Wasserminze pflanzen

Wasserminze ist eine ausgezeichnete Pflanze für Sumpfbeet und Wassergarten, für Gartenteiche und nasse Pflanzkübel auf dem Balkon. Sie hat wenig „Sonderwünsche“ und gedeiht gut in schlammigem, leicht saurem Boden mit vielen Nährstoffen – also typischem Sumpfboden. Auf Terrasse und Balkon können Sie sich an vielen Insekten wie Schmetterlingen erfreuen, die sich an den Blüten laben. Von Juli bis Oktober zeigen sich kleine fleischrosa bis violette Blüten.

Wie auch andere Minzen breitet sich Wasserminze stark aus. In kleinen Gartenteichen sollten Sie die Bachminze deshalb im Topf (oder Netz) pflanzen, da sie sonst bald die gesamte Fläche bedeckt. Sie ist ein sehr guter Wasserfilter.

Großflächiger Wasserminze-Bewuchs an einem Fluss.
An geeigneten Standorten breitet sich die Wasserminze sehr schnell aus. Bei einem kleinen Gartenteich sollten Sie die Pflanze daher besser im Topf kultivieren. (Bild: Goran/stock.adobe.com)

Wasserminze pflegen und ernten

Im Wasserbottich, Sumpfbeet oder Gartenteich angepflanzt braucht Wasserminze keine besondere Pflege – vorausgesetzt, es ist feucht genug. Sie hat keine Probleme mit temporär austrocknenden Gewässern, solange noch Nässe im Boden bleibt. Wasserminze wuchert, und um dies einzudämmen, sollten Sie die Pflanzen im Herbst auslichten. Selbst nach einem rigorosen Rückschnitt treibt die Bachminze erneut heftig aus. Anfang März können Sie die Pflanze knapp über dem Boden zurückschneiden, die Triebe kürzen Sie am besten kurz nach der Blüte.

Blätter und Stiele können Sie im Garten von April bis August ernten, die Blüten von Juli bis September. Sie können die Bachminze dabei fast bis zum Boden zurückschneiden, ohne dass sie Schaden nimmt.

Wo kann ich Wasserminze kaufen?

Wasserminze können Sie im Topf in Gärtnereien kaufen.

Minze trocknen

Als Heilmittel dient vor allem der Minztee aus den frischen oder getrockneten Blättern und blühenden Trieben. Dafür binden Sie gesammelte Pflanzen in Sträußen zusammen und lassen sie kopfüber im Schatten trocknen. Um die Blätter zu trocknen, können Sie diese auch auf einem Tuch ausbreiten.

Um frische Wasserminze zu nutzen, spülen Sie die abgeschnittenen Pflanzen mit klarem Wasser und schütteln sie trocken. Dann zupfen Sie die Blätter von den Stielen. Anfang März können wir die gesamte Pflanze knapp über dem Boden zurückschneiden und direkt nach der Blüte stutzen wir die Triebe.

Wasserminze in der Küche

Bachminze ist ein I-Tüpfelchen in Süßspeisen, Desserts, Torten und Fruchtcocktails. Sie gibt aber auch „richtigen“ Speisen das gewisse Etwas, zum Beispiel Minz-Currys, Erbsen- wie Linsensuppen, Kürbis, Zucchini, Bulgur oder Lammfleisch.

Sie passt zu Zitrusfrüchten wie Orangen, Limonen, Limetten und Zitronen, zu Beerenfrüchten, Melone und Feige wie zu erfrischenden Smoothies und zu grünem Salat. Das bewährte Trio besteht aus Minze, Knoblauch und Petersilie, die jeweils dominant genug sind, um gegeneinander „anzustinken“.

Im Unterschied zu schärferen Minzen mit viel Menthol ist die milde Wasserminze aber auch mit subtileren Gewürzen vereinbar. Für die Küche eignet sich frische Wasserminze am besten, die getrocknete verwenden Sie besser als Arzneipflanze.

Ein Tipp: Die Minze schmeckt frisch, setzen Sie diese daher in der Küche ähnlich ein wie Zitrusfrüchte und nicht unbedingt für schwere Essen. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Hiller, Karl; Melzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen in zwei Bänden. Zweiter Band L bis Z, Spektrum Akademischer Verlag, 1999
  • Biesalski, Hans Konrad; Pirlich, Matthias; Bischoff, Stephan C.; Weimann, Arved: Ernährungsmedizin. Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer, Thieme, 2017
  • Chang, Chih-Ting; Soo, Wen-Ni; Chen, Yu-Hsin; Shyu, Lie-Fen: Essential Oil of Mentha aquatica var. Kenting Water Mint Suppresses Two-Stage Skin Carcinogenesis Accelerated by BRAF Inhibitor Vemurafenib, in: Molecules, 24(12): 2344, Juni 2019, PMC
  • Stafford, G.I.; Almqvist, J.P.; Vangsøea, S.A.K. et al.: Mild psychoactive constituents of Mentha aquatica L., in: South African Journal of Botany, 74/2: 389, April 2008, ScienceDirect
  • De Laet, Chloé; Olszewski, Tomasz K.; Grison, Claude: Melliferous potential of Mentha aquatica, in: Journal of Apicultural Research, 58/5: 714-719, August 2019, Taylor & Francis Online

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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