Wiesenknöterich (Polygonum bistorta) – Heilwirkung und Anwendung

Wiesenknöterich hieß im Volksmund Drachenwurz – seine Wurzeln erinnerten an ein Knäuel Schlangen, und er galt als ein Mittel gegen Schlangenbisse. Real enthält die Sumpfpflanze sehr viel Gerbstoffe, und diese wirken gegen Entzündungen und helfen bei der Wundheilung.

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Polygonum bistorta
  • Volksnamen: Schlangenknöterich, Natternknöterich, Natterwurz, Schlangenwurz, Drachenwurz, Otterwurz, Krebswurz, Schafzunge, Hammelschwanz, Lampenputzer, Zahnbürste und Lauchelchen
  • Verwendete Pflanzenteile: Wurzel, Rhizom und Blätter
  • Anwendungsgebiete:
  • Inhaltsstoffe: Circa 20 Prozent Catechin- und Tanningerbstoffe. Die Wurzel enthält viel Kohlenhydrate, Wurzel und Blätter enthalten Kalium, Phosphor, Magnesium, Calcium und Eisen.

Wirkungen – Gerbstoffe

Die medizinischen Wirkungen des Schlangenknöterichs liegen vor allem an seinem hohen Gehalt an Gerbstoffen. In der Pflanze schützen diese vor Fäulnis, und auch bei Menschen zeigen sie bioaktive Effekte. Gerbstoffe verdichten lebendiges Gewebe an der Oberfläche und bilden schützende Membranen.

Sie ziehen zusammen und trocknen aus, damit entziehen sie Mikroben, die die Haut oder Schleimhaut besiedeln, die Nahrung und erschweren es Bakterien wie Pilzen, in Gewebe einzudringen. Zudem interagieren sie mit bakteriellen Proteinen. Sie hemmen so Entzündungen, das Zusammenziehen des Gewebes stillt kapillare Blutungen und die Wundsekretion lässt nach.

So wirken Gerbstoffe gegen Entzündungen im Magen-Darm-Trakt sowie im Mund- und Rachenraum, beschleunigen die Heilung von Wunden und leichteren Verbrennungen. Sie lindern leichten Durchfall, da sie verstopfen. Gerbstoffe dienen auch dem Entgiften. Sie lösen Schwermetallionen und Alkaloide aus ihren Verbindungen und neutralisieren so deren toxische Effekte.

Neben- und Wechselwirkungen

In hohen Dosen lösen Gerbstoffe Brechreiz aus und können eine Magenschleimhautentzündung verursachen (statt sie zu bekämpfen). Eine kontinuierliche Aufnahme von Gerbstoffen in hohen Dosen kann die Leber schädigen. Die Stoffe erschweren die Aufnahme von Eisen. Menschen, die bereits an einem Eisenmangel leiden, sollten auf Gerbstoffe besser verzichten.

Manche Menschen reagieren auf Gerbstoffe sensibel. Schon bei geringeren Mengen tritt bei ihnen Brechreiz auf. Zugleich Knöterich und Arzneien oral einzunehmen, kann die Wirkung der Medikamente senken, da die Gerbstoffe verhindern können, dass der Körper die Medizin aufnimmt. Um dies zu vermeiden, sollten Sie Knöterich frühestens eine Stunde nach Aufnahme solcher Präparate konsumieren.

Wiesenknöterichwurzeln
Wiesenknöterichwurzeln werden für die Herstellung von Tees zur Linderung von Beschwerden bei Magen-Darm-Erkrankungen verwendet. (Bild: richardnazaretyan/stock.adobe.com)

Wiesenknöterich in der Komplementärmedizin

Wurzel und Blätter der Heilpflanze sind, mit den genannten Einschränkungen, gut verträglich. Deshalb eignen sich Tees aus den Wurzeln als ergänzende Maßnahme bei der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen, entzündlichen Erkrankungen und der Wundheilung.

Schlangenknöterich in der Naturheilkunde

Die Naturheilkunde nutzt Knöterich als Mittel gegen Durchfall, Blähungen und allgemein, um die Verdauung zu stärken sowie gegen Entzündungen im Mund. Bisweilen wird unter dem Stichwort Naturheilkunde Schlangenknöterich zur Krebsprävention und zur Behandlung von Tumoren empfohlen. Solche Wirkungen sind nicht belegt.

Wiesenknöterich in der Volksmedizin

In der Volksmedizin Europas wurde und wird die Pflanze zum Stillen von inneren wie äußeren Blutungen verwendet, gegen die Symptome der Lungentuberkulose und äußerlich gegen Geschwüre, Verletzungen sowie Hämorrhoiden und Entzündungen des Zahnfleisches.

Anwendungen in der traditionellen Medizin

In der Volksheilkunde wurden die Wurzeln und die Blätter abgekocht und als Tee getrunken gegen Durchfall und innere Blutungen. Der flüssige Extrakt diente regional zum Gurgeln und Spülen des Mundes und Rachens bei Entzündungen oder als Heilbad, getränkte Umschläge und Auflagen gegen Geschwüre wie Hautverletzungen.

Traditionelle Chinesische Medizin gegen Schlangenbisse

Die Volksmedizin Chinas setzt Knöterichgewächse ein gegen: Blutigen Durchfall, akute Darmentzündungen, Entzündungen der Atemwege, schweren Husten, sowie gegen Hämorrhoiden. Wie in der Volksmedizin Europas gilt Knöterich auch in China als Mittel gegen Schlangenbisse.

Wiesenknöterich – Phytotherapie und Nahrungsergänzung

Die Drachenwurz enthält neben den Gerbstoffen Mineralstoffe wie Kalium, Phosphor, Magnesium, Calcium und Eisen, eignet sich also auch für eine ausgewogene Ernährung – mit der Einschränkung, dass die Gerbstoffe die Aufnahme von manchen Mineralstoffen erschweren.

Blätter und Wurzeln lassen sich gut als Küchenkraut nutzen. Sie sollten indessen nicht die Hauptzutat stellen, da die Menge an Gerbstoffen schnell „des Guten zuviel“ wird. Die Blätter passen in Blattsalate oder Wildgemüse, zum Beispiel zusammen mit Giersch oder Löwenzahn. Sie können sie aber auch kochen und als Ersatz für Spinat nutzen. Die Wurzel liefert Kohlenhydrate und eignet sich für Bratlinge. Dafür müssen Sie nur die (zuvor in der Sonne getrockneten) Wurzeln in Scheiben schneiden, über Nacht in Wasser einlegen oder in Öl marinieren und am nächsten Tag anbraten.

Wiesenknöterichblätter
Die Blätter des Wiesenknöterich können in Blattsalaten, als Beilage zu Wildgemüse oder gekocht als Ersatz für Spinat in der Küche verwendet werden. (Bild: Comugnero Silvana/stock.adobe.com)

Äußere Anwendung: Gegen Zahnfleischentzündung und Hämorrhoiden

Hauptdroge des Wiesenknöterichs ist die Wurzel. Daraus stellen Sie einen Tee beziehungsweise flüssigen Extrakt her. Dafür darf das Wasser auf keinen Fall kochen, da dies die Wirkstoffe abtötet. Die Wurzel zieht also mehrere Stunden in lauwarmem Wasser, um die medizinischen Stoffe freizusetzen. Dafür verwenden Sie sechs Gramm der Wurzel auf 100 Milliliter Wasser und lassen die Droge sechs Stunden ziehen.

Gegen Zahnfleischentzündung gurgeln Sie ausgiebig mit der Mischung und spülen sich damit den Mund aus. Bei Hämorrhoiden, Hautverletzungen oder Hautentzündungen legen Sie getränkte Kompressen circa 15 Minuten auf die betroffenen Stellen und / oder waschen diese gründlich mit dem Extrakt.

Innere Anwendung: Gegen Magen-Darm-Beschwerden

Hier lassen Sie drei Gramm der Wurzel in lauwarmem Wasser sechs Stunden ziehen, seihen ab und trinken zwei bis drei kleine Tassen pro Tag.

Drachenwurz und magische Medizin

In der Volksmedizin floss Glauben und reale Wirkung von Pflanzen zusammen. So trägt der Wiesenknöterich Namen wie Drachenwurz oder Natternknöterich wegen seinen Wurzeln, deren Knoten die Menschen an Knäuel von Schlangen erinnerten. Das Kraut wurde Kühen, die keine Milch gaben, ins Futter gemischt – im Glauben, dass die Milch dann wiederkäme.

In der magischen Medizin dachten die Menschen in Analogien. Etwas, das ähnliche Assoziationen auslöste, galt als Heilmittel für das ähnlich Gedachte. So sollte der Schlangenknöterich mit seinen Wurzelknäueln Schlangenbisse heilen. Die Tatsache, dass Gerbstoffe tatsächlich entgiftend bei Schwermetallen und Alkaloiden wirken, trug vielleicht zu dieser Vorstellung bei.

In Russland sollte Knöterich gegen das „Gift“ von tollwütigen Hunden helfen. Leider hilft kein Wirkstoff außer einer Impfung gegen das Tollwutvirus, und die mit Schlangenwurz Behandelten starben. Die Russen setzen die Pflanze jedoch auch gegen Beschwerden ein, gegen die sie nachgewiesen hilft, wie gegen Blutungen, Verdauungsstörungen sowie entzündliche Erkrankungen.

Wo wächst der Wiesenknöterich?

Der Schlangenknöterich war auch deswegen ein beliebtes Heil- und Küchenkraut, weil er weit verbreitet ist und häufig vorkommt. Er ist eine Zeigerpflanze für Feuchtigkeit, wächst auf nassen Wiesen, in Sümpfen, Mooren und an Flussufern, in Auen und Waldlichtungen mit nassen Senken, sogar in schattigen Höfen und Gärten, an Regentonnen und Wasserleitungen, in Gräben und an Kanälen.

In Europa findet er sich überall außer im Mittelmeerraum mit seinen trockenheißen Sommern, und in Skandinavien meidet er die Kälteregionen. In den gemäßigten Breiten nimmt er weite Teile Eurasiens ein und besiedelt auch Marokko.

Wiese mit Wiesenknöterich
Der Wiesenknöterich ist in Europa weit verbreitet und wächst auf nassen Wiesen, Gärten, Sümpfen, Mooren, an Flüssen und feuchten Waldlichtungen. (Bild: Cordula Kelle-Dingel/stock.adobe.com)

Drachenwurz sammeln

Die bis zu einem Meter hohe Pflanze lässt sich von April bis in den Herbst sammeln. Von April bis August sammeln Sie die Blätter – den Wurzelstock von September bis November, wenn die Pflanze vertrocknet ist. Das Wurzelwerk verknotet sich „wie eine Schlange“ – daher kommt der Name Schlangenknöterich. Die Pflanze lässt sich im Spätfrühling und Sommer gut erkennen an den rosa Blütenkolben, die bis zu 70 Zentimeter gerade in die Höhe ragen.

Knöterich lagern

Die Blätter können Sie frisch verwenden oder an einem luftigen Ort trocknen und oft wenden, damit sie nicht faulen. Den Wurzelstock schneiden Sie in fünf Zentimeter lange Stücke, teilen diese dann der Länge nach in Scheiben und trocknen Sie bei circa 40 Grad Celsius, am besten im Ofen. Sie bewahren diese dann am besten in Stoffsäckchen oder Papiertüten.

Schlangenwurz im Garten

Wiesenknöterich ist ideal für einen Sumpf- oder Wassergarten. Er braucht einen durchlässigen Untergrund mit viel Humus, dauernder Feuchtigkeit, viel Stickstoff und Mineralien. Er mag Sonne und Halbschatten. Ideal ist ein Platz in der Uferzone des Gartenteichs, aber auch an einer Regentonne oder am Boden bei einem regelmäßig benutzten Wasserhahn.

Schwangere und Stillende – Vorsicht

Es gibt keine gesicherte Evidenz darüber, wie der Konsum von Knöterich während der Schwangerschaft und Stillzeit auf die Mütter wirkt. Deshalb sollten Sie die Drachenwurz in dieser Zeit meiden.

Welche Dosis ist geeignet?

Die angemessene Dosis von Knöterichwurzel hängt von Faktoren ab wie Alter und allgemeinem Gesundheitszustand. Bisher gibt es nicht genug wissenschaftliche Information, um eine angemessene Dosis an Drachenwurz generell zu empfehlen. Sprechen Sie mit ihrem Arzt oder Ärztin ab, wenn Sie den Level von zwei bis drei kleinen Tassen Tee pro Tag überschreiten wollen. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Karl Hiller; Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen in zwei Bänden. Zweiter Band L bis Z. Heidelberg-Berlin, 1999
  • Intisar, Azeem et al.: Anticancer Constituents and Cytotoxic Activity of Methanol-Water Extract of Polygonum Bistorta L., in: African journal of traditional, complementary, and alternative medicines: AJTCAM, Volume 10, Issue 1, Pages 53-59, 2013, ajol
  • Tariq, Akash; Mussarat, Sakina; Adnan, Muhammad et al.: Ethnomedicinal Evaluation of Medicinal Plants Used against Gastrointestinal Complaints, in: BioMed Research International, Volume 2015; 14 Pages, ArticleID 892947, 2015, hindawi

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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