Kieferentzündung – Symptome, Diagnose und Therapie

Zahnschmerzen beziehungsweise Schmerzen im Mundraum rühren vielfach von einer Zahnerkrankung her. Manchmal sind es aber auch nicht die Zähne selbst, sondern der Zahnhalteapparat, der die Schmerzen verursacht. Die Kieferentzündung ist hierbei eine der häufigsten Ursachen. Zwar kann dieser Entzündung eine Erkrankung der Zähne vorangegangen sein, doch das ist nicht zwingend der Fall. Erfahren Sie hier mehr zu möglichen Ursachen sowie geeigneten Behandlungsmaßnahmen.

Der Kiefer

Als essenzieller Bestandteil des Zahnhalteapparates ist der Kiefer (Gnathos) für die tägliche Nahrungsaufnahme unerlässlich. In ihm sind die Zähne fixiert, zu deren Verankerung spezielle, in den Kiefer eingesenkte Zahnfächer (sog. Alveolen) existieren. Diese Alveolen sind im Ober- wie auch im Unterkiefer in gleicher Anzahl vorhanden. Die beiden Kieferelemente bilden zusammen die Mundhöhle (Cavum oris proprium) und machen somit jedwede Ess-, Schluck- und Sprechfunktion überhaupt erst möglich. Trotz dieser Gemeinsamkeiten gestaltet sich die individuelle Funktion der beiden Kieferhälften aber nicht gänzlich identisch.

Menschlicher Kiefer
Der Ober- und Unterkiefer, in denen die Zähne fixiert sind, sind unerlässlich für die Nahrungsaufnahme. (Bild: Oleksandr_malysh/stock.adobe.com)

So beherbergt beispielsweise nur der Oberkiefer (Maxilla) die Kieferhöhle (Sinus maxillaris). In ihr sind zum einen die Alveolen der Oberkieferbackenzähne veranlagt. Zum anderen mündet in die Kieferhöhle auch der Oberkiefernerv (Nervus maxilliaris), welcher zur sensiblen Versorgung der Oberkieferzähne dient. Ferner steht die Kieferhöhle des Oberkiefers über die Nasen-Kiefer-Öffnung (Apertura nasomaxillaris) in direkter Verbindung mit dem Nasengang. Eine anatomische Besonderheit, die mit Blick auf Kieferentzündungen eine besondere Rolle spielt. Überhaupt fungiert der Oberkiefer als Teilstück mehrerer Knochengewölbe im Gesicht, über die sich eine derartige Entzündung einschleichen kann, ist er doch nicht nur Bestandteil der Mundhöhle, sondern auch der Augenhöhle (Orbita) und der Nasenhöhle (Cavum nasi). In beiden Fällen bieten die Wölbungen theoretische Eintrittspforten für Infektionskeime, die dann das Entzündungsgeschehen in Gang setzen.

Beim Unterkiefer (Mandibula) verhält es sich etwas anders. Namensgemäß ist er der untere Teil des Kiefers und im Gegensatz zum fest im Schädel verankerten Oberkiefer frei beweglich. Er formt das Kinn (Mentum), die Backe (Bucca) und initiiert den Bewegungsimpuls des Kiefers bei Kau- und Sprechbewegungen. Zu diesem Zweck ist der hufeisenförmige Unterkieferknochen im hinteren Bereich über das Kiefergelenk (Articulation temporomandibularis) an der Schädelseite aufgehängt. Das Gelenk ist von einer Reihe an Muskeln umgeben, welche die Kieferbewegung ermöglichen. Außerdem entspringen dem Unterkiefer noch einige weitere Muskelabschnitte, welche für die Mimik und die Lippenbewegungen von Bedeutung sind. Insgesamt zählen zur Kiefermuskulatur:

  • Kaumuskulatur – Wie der Name bereits aufzeigt, ist dieser Muskelabschnitt für die Kaubewegung und damit die Bewegung des Unterkiefers zum Oberkiefer hin zuständig. Die dazugehörigen Muskeln verlaufen an der Kieferaußenseite und beinhalten
    • Kaumuskel (Musculus masseter),
    • Schläfenmuskel (Musculus temporalis),
    • Innerer Flügelmuskel (Musculus pterygoideus medialis),
    • Äußerer Flügelmuskel (Musculus petrygoideus lateralis).
  • Kieferzungenbeinmuskel (Musculus mylohyoideus) – An der Innenseite des Unterkiefers erstreckt sich der Kieferzungenmuskel, welcher die Absenkung beziehungsweise Öffnung des Kiefers sowie die Anhebung der Zunge ermöglicht.
  • Mundwinkelniederzieher (Musculus depressor anguli oris / Musculus triangularis) – Dieser Muskel entspringt dem Unterkiefer im Bereich des Mundwinkels und zieht den Mundwinkel namensgetreu nach unten.
  • Unterlippenniederzieher (Musculus depressor labii inferioris) – Zum Niederziehen der Unterlippe dient dieser Muskel, welcher dem Unterkiefer am seitlichen Kinnbereich entspringt.
  • Kinnmuskel (Musculus mentalis) – Direkt vor dem Kinn gelegen ermöglicht dieser Muskel das Runzeln des Kinns sowie das Schieben der Unterlippe nach oben.
  • Backenmuskel (Musculus buccinator) – Dieser im Backenbereich entspringende Muskel hat eine besonders vielseitige Funktion. Einerseits ermöglicht er dem Kiefer, den Nahrungsbrei beim Kauen von der Mundhöhlenseite zurück ins Zentrum der Mundhöhle zu transportieren. Andererseits kommen dem Backenmuskel auch Aufgaben im Bereich der Mimik zu, ist er doch an Tätigkeiten wie dem Lachen, Pfeifen oder Pusten beteiligt.

Um all diese Muskeltätigkeiten wie auch die Zähne des Unterkiefers sensibel zu versorgen, bedarf es natürlich einer Reihe von Nervensträngen. Ihr Eintritt in die Unterkieferstruktur erfolgt teilweise über das Unterkieferloch (Foramen mandibulae), das an der Innenseite des Unterkiefers verläuft und neben Muskeln auch kieferversorgende Blutgefäße leitet. Die Nerven, die entlang des Unterkiefers verlaufen, können dabei ebenfalls an entzündlichen Prozessen beteiligt sein. Zu den wichtigsten Nervenstrukturen zählen hierbei

  • Unterkieferzahnfachnerv (Nervus alveolaris inferior),
  • Unterkiefernerv (Nervus mandibularis),
  • Backennerv (Nervus buccalis),
  • Flügelnerv (Nervus pterygoideus),
  • Kaumuskelnerv (Nervus massetericus),
  • Ohren-Schläfen-Nerv (Nervus auriculotemporalis),
  • Kieferzungenbeinnerv (Nervus mylohyoideus),
  • Zungennerv (Nervus lingualis),
  • Gesichtsnerv (Nervus facialis),
  • Drillingsnerv (Nervus trigeminus).

Sollte einer dieser Nerven entzündet sein, so sei an dieser Stelle vor bisweilen sehr starken Schmerzsymptomen gewarnt. Denn durch die komplexe Vernetzung der Nervenstränge strahlen die Schmerzen mitunter weit aus, was dadurch auch die Lokalisierung des Entzündungsherdes erschweren kann.

Zyste im Kiefer
Oft entsteht eine Kieferentzündung aus einer unbehandelten Vorinfektion der Zähne oder des Zahnfleisches. (Bild: Henrie/stock.adobe.com)

Entstehung einer Kieferentzündung

Eine Kieferentzündung entsteht für gewöhnlich als Folgeentzündung einer bereits bestehenden Infektion. Häufig liegt die Ursache hierbei in einer Vorinfektion der Zähne oder des Zahnfleisches durch Krankheitserreger, also

  • Bakterien,
  • Viren,
  • Parasiten,
  • oder Pilze.

Bleibt eine Zahn- oder Zahnfleischentzündung hierbei unbehandelt, so weiten sich die Erreger vom ursprünglichen Entzündungsherd im Mundraum rasch bis tief in den Kieferknochen aus. Daneben sind auch andere Infektionsherde fernab des Zahnhalteapparates als Ursache der Entzündung denkbar. Je nachdem, welcher Teil des Kiefers dabei betroffen ist, lässt sich zwischen drei Hauptformen der Kieferentzündung unterscheiden, nämlich

  • OstitisEntzündung der Gefäßkanäle im Bereich des Kiefers,
  • PeriostitisEntzündung der Kieferknochenhaut
  • und OsteomyelitisEntzündung des Knochenmarks.

Zahn- und Zahnfleischerkrankungen als Hauptursache

Wohlbekannt als Ursache für Kieferentzündung sind nur allzu gängige Zahnerkrankungen wie Karies. Die auch als Zahnfäule bekannte Erkrankung beschädigt zunächst den Zahnschmelz, geht ohne geeignete Gegenbehandlung im weiteren Verlauf aber sehr schnell vom sichtbaren Teil des Zahns auf die darunter im Zahnfleisch gelegene Zahnwurzel über. Erst einmal dort angekommen, provoziert Karies eine schleichende, bakterielle Zahnwurzelentzündung, mit der Eiterbildung und starke Schmerzen einhergehen.

Bleibt die Entzündung weiterhin unbehandelt, drohen ferner degenerative Prozesse wie etwa ein Zahnfleischschwund, welcher das Risiko einer Zahnlockerung erhöht. Die Medizin spricht in diesem Fall dann auch von Parodontose. Darüber hinaus ist eine Ausweitung des Entzündungsherdes auf Zahnfleisch und Kieferknochen in diesem fortgeschrittenen Krankheitsstadium nicht mehr auszuschließen. Es kommt also zu einer Verschleppung der Kariesbakterien, welche sich durch mannigfaltige Folgeentzündungen äußern kann. In diesem Zusammenhang führen vor allem folgende Zahn- und Zahnfleischerkrankungen nachträglich zu einer Kieferentzündung:

  • Zahnentzündung (Parodontitis),
  • Zahnwurzelentzündung (Pulpitis)
  • und Zahnfleischentzündung (Gingivitis).
Verlauf einer Karies in 4 Stufen
Medizinisch nicht behandelter Karies kann im weiteren Verlauf zur Ursache eine Kieferentzündung werden. (Bild: Henrie/stock.adobe.com)

In den meisten Fällen liegt derartigen Entzündungen eine mangelnde Mundhygiene zugrunde. Wer sich nicht regelmäßig die Zähne putzt, legt damit also nicht nur den Grundstein für Karies, sondern erhöht auch fahrlässig das Risiko einer Kieferentzündung. Eine besondere Gefahr für den Kiefer besteht bei Zahnerkrankungen außerdem durch sogenannte odontogene Infektionen. Sie entstehen im Zuge einer Parodontitis am Zahn oder Zahnhalteapparat und können einen entzündlichen Kieferabszess verursachen.

Typische Erreger, die zu einer derartigen Infektion führen, sind in der Regel dieselben, die auch zu einer herkömmlichen Zahn- beziehungsweise Zahnfleischerkrankung beitragen. Hierzu zählen

  • Streptokokken (v.a. Streptococcus mutans),
  • Staphylokokken (v.a. Staphylococcus aureus),
  • Campylobacter (v.a. Campylobacter rectus),
  • Borrelien,
  • Eikenella corrodens,
  • Porphyromonas gingivalis
  • und Prevotella intermedia.

Achtung: Ein besonderes Risiko für Kieferentzündung besteht bei Vorentzündung eines Weisheitszahns. Da Weisheitszähne besonders tief in den Kiefer hineinreichen, ist eine Ausweitung des Entzündungsherdes hier sehr häufig anzutreffen. Oftmals geht dem entzündeten Weisheitszahn hier eine Fehlpositionierung (z.B. Schieflage) voraus, aufgrund derer der Zahn nicht vollständig durchbrechen kann. Aus diesem Grund sollten Weisheitszähne, die langfristig Probleme bereiten, stets von einem Zahnarzt in Augenschein genommen werden.

Kieferentzündung durch HNO-Erkrankungen

Aufgrund der direkten Verbindung des Oberkiefers zur Nasenhöhle gelangen in manchen Fällen auch die Erreger einer HNO-Erkrankung in die Kieferstrukturen, wo sie dann eine Folgeentzündung auslösen. Denkbar ist zum Beispiel eine Kieferentzündung durch Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Und selbst Erkältungs- und Grippeerreger können, falls nicht vollständig auskuriert, in den Kiefer einwandern und dort entzündliche Infektionen verursachen.

Entzündungen bei Kieferverletzung

Unterschätzt werden oftmals Kieferentzündungen, die durch Gewalteinwirkung hervorgerufen werden. Allen voran wären hier mechanische Gewalteinwirkungen zu nennen, wie sie im Rahmen einer Kiefer-OP entstehen. Die offenen Wunden am Zahnfleisch sind meist sehr großflächig und bieten Keimen bei mangelnder Sterilhaltung einen optimalen Zugang zu den Kieferstrukturen. Auch beim Ziehen von Weisheitszähnen ist das Risiko einer Wundinfektion im Kieferbereich sehr groß. Die Entzündung kann hier äußerst tief reichen, da es bedingt durch den chirurgischen Eingriff zu einem offenen Hohlraum in den Alveolen kommt.

Anderweitig können entzündungsträchtige Kieferverletzungen durch tätliche Auseinandersetzungen oder Unfälle entstehen. Denkbar ist zum Beispiel ein Kieferbruch durch Schläge oder einen gewaltsamen Aufprall. Gerade Entzündungen der Kiefergefäße, wie sie für eine Ostitis typisch sind, entstehen auf diesem Wege sehr leicht.

Sonstige Ursachen

Zusätzlich erhöht wird das Risiko einer Kieferentzündung im Fall von Wunden durch den Einfluss schädlicher Substanzen wie Nikotin oder chemische Drogen. Die Reizstoffe können schon für sich genommen diverse Entzündungen im Mundraum befördern. Kommt dann noch eine Wunde hinzu, ist das Entzündungsrisiko umso höher.

Ebenfalls erwähnt seien Durchblutungsstörungen, die nicht nur durch Rausch- und Genussmittel, sondern auch durch bestehende Herz- und Gefäßkrankheiten ausgelöst werden können. Wird der Kiefer nämlich nicht ausreichend durchblutet, so neigt das Kiefergewebe dazu, mit Entzündungen, wenn nicht sogar mit Kiefernekrosen auf den Nährstoffmangel zu reagieren.

Grippesymptome Erkältung
Die Symptome einer Kieferentzündung können anfänglich mit Abgeschlagenheit, Fließschnupfen und Fieber einer Grippe ähneln. (Bild: Fizkes/stock.adobe.com)

Symptome

Neben starken Schmerzen durch entzündungsbedingt gereizte Kiefernerven treten bei einer Kieferentzündung noch weitere Begleitsymptome wie zum Beispiel Eiterbildung oder Probleme beim Kauen auf. Wird die Entzündung in Folge weiterhin nicht behandelt, droht außerdem eine Schwächung der Zahnhaltefunktion der Alveolen und somit ein Zahnverlust. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu einer Kiefernekrose. Kieferentzündungen können akut oder schleichend auftreten.

Gerade bei einem schleichenden Verlauf ähneln die Symptome anfangs eher einer Grippe oder Erkältungserkrankung und verschleiern in diesem Stadium oft noch den tatsächlichen Krankheitswert. Die Betroffenen beklagen sich über Abgeschlagenheit, Fließschnupfen und Fieber. Und selbst wenn in dieser Phase schon leichte Schmerzen im Bereich des Kiefers einsetzen, werden sie oft mit einer Problematik in den Nasennebenhöhlen in Verbindung gebracht.

Erst mit fortschreitendem Krankheitsprozess oder im akuten Verlauf einer Kieferentzündung werden die Symptome spezifischer und geben Hinweis auf den tatsächlichen Auslöser der Beschwerden. Dann kommt es zu folgenden Symptomen:

  • Schmerzen: Die vormals leichten Schmerzen spitzen sich zu und bekommen einen stechenden oder pochenden Charakter. Häufig treten sie direkt am Ort des Geschehens auf. Sie können sich aber auch als Schmerzen in den Ohren, Zahnschmerzen oder Schmerzen in anderen Gesichtsbereichen äußern. Bei einem chronischen Verlauf kommt es nicht selten vor, dass sich die Schmerzsituation nur phasenweise zeigt und immer wieder abklingt. Dieser Frieden ist aber tückisch, denn die Krankheitserreger können sich auch unter Abwesenheit von Schmerzen im Kiefer ausbreiten und weitere Entzündungsherde hervorrufen.
  • Schwellungen: Wird die Kieferentzündung durch kariöse Zähne verursacht, zeigen sich mitunter kleinere Schwellungen im Bereich der Mundschleimhaut, zum Beispiel an Zahntaschen. Es können sich aber auch größere Abszessareale in der Mundhöhle bilden. Weit fortgeschrittene Kieferentzündungen gehen oft mit ausgeprägten Schwellungen der Wangen einher, die dann auch gerötet und sehr druckempfindlich sein können.
  • Reizung umliegender Nervenbahnen: In den Kieferknochen ziehen zahlreiche Nervenbahnen entlang, die bei einer Entzündung auch betroffen sein können. Auf diese Art gereizte Nervenbahnen äußern sich deshalb in Zahnschmerzen und Missempfindungen. In besonders schweren Fällen kann es sogar zu Lähmungs- und Ausfallerscheinungen im Bereich der gesamten Gesichtsmotorik und – sensibilität kommen.
  • Symptome nach zahnmedizinischen Eingriffen: Kieferentzündungen können sich häufig nach (größeren) zahnmedizinischen Eingriffen einstellen. In diesen Fällen zeigen sich neben den oben erwähnten Symptomen auch
    • Lockerungen im Zahnhalteapparat,
    • Zahnschmerzen über das zu erwartende Maß hinaus,
    • Fieber,
    • Wundheilungsstörungen
    • und Eiterbildung.
Untersuchung einer Kieferroentgenaufnahme
Bildgebende Verfahren wie Röntgen werden zur Untersuchung einer Verdachtsdiagnose einer Kieferentzündung eingesetzt. (Bild: Med Photo Studio/stock.adobe.com)

Diagnose

Eine Kieferentzündung lässt sich leider in der Regel nicht durch reine Blickdiagnostik und Anamnese nachweisen. Auch in laborchemischen Blutuntersuchungen ergibt sich lediglich bei erhöhten Entzündungswerten (CRP, Blutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit) ein erster Fokus, dass sich im Körper eine Entzündung abspielt, aber ohne Hinweis wo sie stattfindet. Deshalb bedarf es unbedingt einer bildgebenden Diagnostik, vor allem auch um das Ausmaß der Entzündung und gegebenenfalls den Befall weiterer Strukturen beurteilen zu können. Zur Unterstützung der Verdachtsdiagnose werden daher folgende bildgebende Verfahren eingesetzt:

  • Röntgen,
  • Computertomografie
  • und Magnetresonanztomografie.

Äußert sich die Kieferentzündung durch eiternde Abszesse in der Mundhöhle, kann hieraus ein Abstrich genommen werden. Dieser kann durch mikrobielle Untersuchungstechniken die verursachenden Krankheitserreger identifizieren, um eine angepasste Antibiotikabehandlung beginnen zu können.

Da in sehr seltenen Fällen auch Tumore eine Kieferentzündung hervorrufen können, schließt sich hieran in der Regel eine weiterführende Diagnostik. Sie hat das Ziel, den Primärtumor und eventuelle Metastasen ausfindig zu machen. Bei einer Skelettszintigrafie wird dem Betroffenen ein Kontrastmittel über die Vene appliziert, welches sich in den Knochenarealen mit hoher Stoffwechselrate anreichert. Diese Areale geben Hinweis auf ein Krebsgeschehen und können mithilfe einer speziellen Kameratechnik sichtbar gemacht werden. Im Anschluss an diese Diagnostik wird häufig auch eine Biopsie durchgeführt, um die Herkunft der entarteten Zellen zu klären und ein wirkungsvolles Therapieregime anpassen zu können.

Therapie

Akute und auch chronische Kieferentzündungen sollten nach Diagnosestellung unbedingt medikamentös behandelt und der Heilungsverlauf engmaschig kontrolliert werden, da sonst mit teils lebensbedrohlichen Komplikationen zu rechnen ist. Unbehandelte Entzündungen breiten sich ihrer Natur entsprechend vorwiegend entlang anatomischer Strukturen aus. Der Kiefer selbst steht in sehr enger anatomischer Lage zum Gehirn, zu den Hirnnerven und zum Blutkreislauf. Deshalb können sich Kieferentzündungen auf die Hirnnerven oder sogar in den Hirnschädel ausbreiten und zu Hirnnervenausfällen oder Hirnhautentzündungen führen. Auch ein Übertritt der Krankheitserreger in das Blutgefäßsystem ist möglich und kann dadurch Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder eine generalisierte Blutvergiftung (Sepsis) verursachen.

Mehrere Tabletten
Zur Schmerzlinderung werden bei Kieferentzündungen in der Regel Tabletten verabreicht. (Bild: Harald Biebel/stock.adobe.com)

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Behandlung einer Kieferentzündung verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele. Zum einen müssen die Schmerzen des Patienten gelindert werden, welche bei Entzündungsprozessen im Kiefer mitunter äußerst schmerzhaft sein können. Zum anderen ist es natürlich wichtig, den ursächlichen Entzündungserregern Einhalt zu gebieten und ihnen mit geeigneten Wirkstoffen beizukommen.

Zur Schmerzlinderung werden hier in aller Regel Schmerzmittel eingesetzt, die in Tablettenform verabreicht werden können und über die Blutbahn an den jeweiligen Schmerzrezeptoren andocken. Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac oder Novalgin sind diesbezüglich bei Kieferentzündungen die Mittel erster Wahl. Die Medikamente haben zeitgleich auch eine entzündungshemmende Wirkung, was ein zusätzlicher Bonus für die Behandlung ist.

Wenn sich die Kieferentzündung bereits ihren Weg nach außen gebahnt hat und sich durch offene, geschwollene und teilweise auch eiternde Wundtaschen bemerkbar macht, kann zusätzlich auch mit lokalwirkenden Gelen, Sprays und Mundspüllösungen gearbeitet werden. Diese Medikamente enthalten eine keimreduzierende (antiseptische) und eine schmerzlindernde (anästhesierende) Wirkkomponente. Chlorhexamed-Spüllösung, Octenidol-Spüllösung, Dynexan-Gel und Xylocain-Spray sind typische Medikamente in dieser Rubrik.

Die antiseptische Wirkung der genannten Medikamente reicht jedoch in den meisten Fällen nicht aus, um die Krankheitserreger (meistens Bakterien) ausreichend zu bekämpfen. Aus diesem Grund wird von behandelnden Ärzten für gewöhnlich auch eine antibiotische Behandlung angesetzt. Ist der tatsächlich verursachende Bakterienstamm bekannt, kann die Behandlung entsprechend angepasst und das wirksamste Antibiotikum eingesetzt werden. Mitunter ist der Bakterienstamm aber unbekannt, weshalb hier oftmals auch zu einem gängigen Breitbandantibiotikum gegriffen wird. Die Behandlung kann in Tablettenform oder über Infusionslösungen durchgeführt werden. Bei Abszessen in der Kieferhöhle bietet es sich an, die antibiotischen Wirkstoffe direkt über Watte-Tamponaden in die Abszesshöhle einzubringen, damit sie sofort vor Ort wirken können.

Hausmittel

Kieferentzündungen werden in der Regel durch eine Antibiotikatherapie behandelt. Zur Unterstützung dieser therapeutischen Maßnahme kann der Betroffene ähnliche Verhaltensweisen anwenden, wie bei einer Grippe oder Erkältungserkrankung. Hierzu gehört es in erster Linie dafür zu sorgen, dass der Körper ausreichende Ruhephasen mit wenig Belastung und eine ausreichende Flüssigkeitsmenge erhält.

Zusätzlich kann der Betroffene auch äußerliche Quarkwickel anwenden. Hierfür streicht man Quark auf eine textile Unterlage und legt sie sich für 10-15 Minuten von außen auf die Gesichtshaut im betroffenen Kieferareal. Der verwendete Quark sollte nicht direkt aus dem Kühlschrank kommend benutzt werden, sondern auf Zimmertemperatur erwärmt sein. Auch in diesem Zustand wirkt der Quarkwickel kühlend auf den schmerzenden Entzündungsherd und kann allein dadurch schon Linderung bringen. Viel entscheidender ist allerdings, dass Quark in diesen Temperaturbereichen durchaus auch eine entzündungshemmende Wirkung hat.

Mitunter können Betroffene Quarkwickel bei einer Kieferentzündung nicht gut aushalten, da der verursachte Druck durch die Quarkauflage den Schmerz verstärken kann. In diesem Fall kann man probieren, ob eine Rotlichttherapie mit einer Rotlichtlampe Linderung bringt. Hierfür setzt man sich mit mindestens 30 Zentimeter Abstand für 10 bis 15 Minuten vor eine Infrarotlampe. Eine solche Sitzung kann man zwei- bis dreimal täglich wiederholen. Die Infrarotstrahlung wirkt lokal entzündungshemmend.

Naturheilkundepräparat Arnika Globuli
Arnica Präparate können bei Kieferentzündungen zur Schmerzlinderung beitragen. (Bild: Behwa/stock.adobe.com)

Naturheilkundlicher Ansatz

Im akuten Schmerzgeschehen durch die Entzündung können Präparate mit Arnica-Extrakten schmerzlindernd sein. Diese können als Globuli oder als Tinktur oral angewendet werden, oder aber auch äußerlich über arnikahaltige Cremes und Salben als Auflagen angewendet werden.

Die Anwendung von Heilkräutern kann sich bei einer Kieferentzündung unterschiedlich gestalten. Unterstützend wirkt hier sowohl die Inhalation von Kräuterdämpfen als auch das Trinken von Kräutertees, das Spülen mit Kräuterwasser oder auch das Kauen entzündungshemmender beziehungsweise schmerzlindernder Kräuter. Klassische Heilpflanzen, die zu diesem Zweck verwendet werden, sind

Dampfinhalation
Die Behandlung von Kieferentzündungen kann mit der Inhalation von Kräuterdämpfen aus Kamille, Pfefferminze und Salbei durchgeführt werden. (Bild: closeupimages/stock.adobe.com)

Zur Inhalation fügen Sie einem Topf mit heißem Wasser einfach etwas Kamille, Pfefferminze oder Salbei hinzu. Der Betroffene kann die Inhalationstherapie drei- bis viermal täglich für etwa zehn Minuten durchführen und damit die Entzündungsreaktion eindämmen, Eiter abfließfähig machen und die Schleimhäute befeuchten.

Sowohl getrockneten Nelken als auch frischem Knoblauch wird eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Gerade dann, wenn die Entzündung von kariösen oder anderweitig geschädigten Zähnen herrührt, kann das vorsichtige Kauen von getrockneten Nelken oder frischen Knoblauchstücken linderungsbringend angewendet werden.

Ein Kräuteraufguss aus Salbei, Pfefferminze, Johanniskraut oder Kamille kann nicht nur als wohltuender Tee zur Schmerzlinderung getrunken werden. Der kalte Auszug eignet sich auch ideal zur Mundspülung. Voraussetzung ist natürlich, dass der Kräutersud keinen Zucker enthält, da dieser ein zusätzlicher Nährboden für Bakterien ist und bestehende Entzündungswunden verschlimmern kann.

Aus dem Bereich der Schüßler-Therapie kann das Schüßler Salz Nr. 7 (Magnesium phosphoricum) als „Heiße Sieben“ Anwendung finden, um gegen die akute Schmerzsituation vorzugehen. Sofern nicht anders verordnet, werden hierfür zwei- bis dreimal täglich drei bis fünf Tabletten in einem Glas heißem Wasser aufgelöst und getrunken. Das Schüßler Salz Nr. 7 soll dabei auch eine entzündungshemmende Wirkung entfalten. Das gleiche gilt für Präparate wie Belladonna und Hepar sulfuris, die als mehrmals tägliche Globulianwendung (circa drei bis fünf Globuli) den Körper im Kampf gegen die Entzündung unterstützen sollen.

Operative Therapie

Eine operative Therapie kommt bei Kieferentzündungen unter folgenden Bedingungen in Betracht:

  • die Erregerherde sind medikamentös nicht mehr beherrschbar,
  • die Entzündung hat sich schon auf umliegendes Gewebe ausgeweitet,
  • die Entzündung ist so weit fortgeschritten, dass sie beginnt Nekrosen (Gewebsuntergang) am Kieferknochen zu verursachen
Zahnarztpraxis
Bei Nekrosen am Kieferknochen, einer Ausbreitung auf umliegendes Gewebe oder mangelnder medikamentöser Beherrschbarkeit des Entzündungsherdes kommt eine Operation in Betracht. (Bild: Walenga Stanislav/stock.adobe.com)

Um operativ tätig zu werden, ist es notwendig, die Lokalisation des Erregerherdes ausfindig zu machen. Vor einer operativen Versorgung ist daher zunächst eine aussagekräftige bildgebende Diagnostik vonnöten. Mitunter kann nämlich die Ursache der Entzündung weiter entfernt vom Ort der Entzündung liegen. Beispielsweise können kariöse Zähne eine massive Kieferentzündung hervorrufen. In so einem Fall kann oft nur die operative Extraktion des betroffenen Zahnes Linderung verschaffen. Ebenso kann es im Rahmen von Zahnimplantationen zu Abstoßungsreaktionen des Fremdmaterials vom Körper kommen. Auch in diesem Fall hilft oft nur die chirurgische Entfernung des zuvor implantierten Materials.

Weitere operative Maßnahmen befassen sich mit der chirurgischen Ausräumung von Abszessen und Zysten und mit der Entfernung von Kieferknochennekrosen und tumorösem Gewebe. Steht die kurative Therapie von Kieferknochenkrebs beziehungsweise Kieferknochenmetastasen im Fokus der Behandlung, werden teils sehr spektakuläre Operationen durchgeführt, die mit einer Entfernung des betroffenen Kieferanteils und einer Rekonstruktion des Kieferknochens einhergehen. Oft werden für die Rekonstruktion Knochenteile aus dem eigenen Körper, zum Beispiel einer Rippe, verwendet, da es hierbei erfahrungsgemäß weniger häufig zu Abstoßungsreaktionen kommt.

Krankheiten bei Kieferentzündung: Karies, Parodontitis, Zahnfleischentzündung, Zahnwurzelentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung, Erkältung, Grippe. (ma)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Miriam Adam
Quellen:
  • M. R. Kanth et al.: Efficacy of Specific Plant Products on Microorganisms Causing Dental Caries, in: Journal of Clinical and Diagnostic Research , Volume 10, Issue 12, Dezember 2016, PubMed
  • David F. Murchison: Zahnschmerzen und Infektionen, MSD Manual, (Abruf 22.01.2020), MSD
  • Thomas Weber: Memorix Zahnmedizin, Thieme Verlag, 5. Auflage, 2017
  • Hans-Peter Müller: Parodontologie, Thieme Verlag, 3. Auflage, 2012
  • Jochen Jackowski, Hajo Peters, Frank Hölzle: Zahnärztliche Chirurgie, Springer Verlag, 1. Auflage, 2017
  • Thomas Lenarz, Hans-Georg Boenninghaus: HNO, Springer-Verlag, 14. Auflage 2012

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

ICD-Codes für diese Krankheit: K10.2 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

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