Loch in der Netzhaut – Netzhautlöcher

Redaktion Heilpraxis.de

Netzhautlöcher – unbemerkte Vorboten einer Netzhautablösung

Ein Netzhautloch (Netzhautforamen) oder Netzhautriss im Auge kann nahezu ohne Symptome oder Schmerzen entstehen. So bleiben diese Affektionen der Netzhaut (Retina) oftmals unbemerkt. Ohne eine entsprechende Behandlung besteht allerdings die Gefahr einer Netzhautablösung (Amotio retinae, Ablatio retinae). Um schwerwiegenden Folgen für die Sehkraft bis hin zur Erblindung vorzubeugen, ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung äußert wichtig. Regelmäßige Untersuchungen der Augen sind für Personen im fortgeschrittenen Lebensalter und unter bestimmten Risikofaktoren angeraten.


Ein kurzer Überblick

Ein Loch oder Riss in der Retina wird oftmals von den Betroffenen nicht wahrgenommen, ist aber eine ernsthafte Veränderung der Netzhaut, die die Sehkraft bedroht. Die folgende kurze Übersicht liefert wichtige Informationen, um ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln zu ermöglichen. Im Weiteren beinhaltet der Artikel ausführliche Beschreibungen rund um das Krankheitsbild, wie etwa die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten.

Ein Loch oder Riss in der Netzhaut bedroht das Augenlicht und bedarf einer schnellen Behandlung. (Bild: DKcomposing/fotolia.com)

Probleme mit den Augen – wie erkennt man ein Netzhautloch und was ist zu tun?

Oft bemerken Betroffene ein Netzhautloch oder einen Riss erst spät. Diese schmerzfreien Schädigungen der Retina bleiben nicht selten völlig symptomfrei, vor allem im Anfangsstadium. Anzeichen die auf Netzhautlöcher hindeuten können, sind verschiedene Störungen in der visuellen Wahrnehmung, die als bewegliche Trübungen oder Abbildungen im Gesichtsfeld erscheinen. Diese werden oft wie folgt beschrieben:

  • Nebel, Rauch oder Schattengebilde,
  • „fliegende Mücken“ (tanzende schwarze Punkte),
  • „Rußregen“ (herabsinkende schwarze Punkte),
  • Blitze (bei geschlossenen Augen).

Treten solche Beschwerden auf, sollte unverzüglich eine augenärztliche Untersuchung stattfinden. Bei entsprechender Diagnose ist eine frühestmögliche Behandlung ein wichtiges Kriterium für den Erhalt der Sehkraft. Im fortgeschrittenen Lebensalter und für Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind oder unter einer Kurzsichtigkeit leiden, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Augen angeraten.

Definition

Die Netzhaut, im Lateinischen als Retina bezeichnet, befindet sich auf der Innenseite des Augapfels. Sie wird durch den Glaskörper an die Aderhaut gedrückt und haftet dieser, durch sogenannte Adhäsionskräfte, nur lose an. Einzig im Bereich des Sehnervs und der äußeren Netzhautzirkumferenz sind Ader- und Netzhaut verwachsen. An diesen Randbereichen kann die Retina dünne Stellen aufweisen, die als Netzhautdegenerationen bezeichnet werden. Aufgrund unterschiedlicher Ursachen sind diese Bereiche besonders anfällig für Löcher und Risse oder sogar für eine Netzhautablösung.

Die Retina wird durch den Glaskörper lose an die Aderhaut gedrückt. Durch diese Verbindung wird die Versorgung und die Funktion der Netzhaut sichergestellt. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Die Retina besteht aus mehreren Schichten, die jeweils verschiedene Funktionen erfüllen. Zusammengenommen fängt sie das eintreffende Licht und die komplexen Lichtinformationen auf, sortiert diese, und wandelt sie in Nervenimpulse um. Die vorverarbeitete visuelle Information wird dann über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet. Somit spielt die Netzhaut für die visuelle Wahrnehmung eine besondere Rolle. Schäden oder Degenerationen können gravierende Beeinträchtigungen der Sehkraft zur Folge haben.

Symptome

In der Regel sind Beschädigungen der Netzhaut nicht mit Schmerzen verbunden. Die vorhandenen Nervenfasern liefern keine Schmerzinformation an das Gehirn weiter, sondern übermitteln anderweitige Impulse. Vor allem kleine Öffnungen können zunächst sogar völlig symptomfrei bleiben. Meistens verschlimmert sich allerdings die erste Schädigung und es treten im weiteren Verlauf dann unterschiedliche Beschwerden auf.

Symptome, die auf Netzhautlöcher hindeuten, sind vor allem Störungen in den visuellen Wahrnehmungen. In der Regel ist nur ein Auge davon betroffen. Durch ein auftretendes Loch oder einen Riss werden häufig kleine Blutgefäße beschädigt und es kommt zu Blutungen, die verschiedenartige Abbildungen und bewegliche Trübungen in der Sicht hervorrufen können. Folgende Erscheinungen werden von Betroffenen dabei häufig beschrieben:

  • nebel- oder rauchartige Schatten im Gesichtsfeld, die als schwarze oder rote Abbildungen wahrgenommen werden,
  • schwarze, umhertanzende Punkte vor den Augen („fliegende Mücken“),
  • auftretende Blitze bei geschlossenen Augen,
  • herabsinkende schwarze Punkte („Rußregen“).
Nicht immer treten Symptome auf. Neben verschiedenen visuellen Störungen kann es zu einer Unschärfe beim Sehen kommen, wenn die Makula (Ort des schärfsten Sehens) betroffen ist. (Bild: HNFOTO/fotolia.com)

Finden stärkere Blutungen statt, kann das Sehvermögen auch in einem größeren Ausmaß beeinträchtigt werden. Wird die Makula (Macula lutea) beschädigt, dann ist mit einer verminderten Sehschärfe zu rechnen. Die Makula wird auch als „Gelber Fleck“ bezeichnet und ist ein sehr kleiner Teil im hinteren, zentralen Bereich der Netzhaut. In diesem winzigen Areal besteht eine sehr hohe Dichte an fotorezeptiven Zellen, die letztendlich für ein scharfes und fokussiertes Sehen sorgen.

Gerät Augenflüssigkeit unter die Retina, kann aus einem Loch oder Riss eine echte Netzhautablösung entstehen und es droht ein vollständiger Verlust der Sehkraft.

Ursachen

Meistens werden Löcher und Risse in der Netzhaut durch die sogenannte hintere Glaskörperabhebung verursacht. Gemeint ist damit eine Abhebung des weichen Augeninnenkörpers, zusammen mit der Glaskörpermembran, im hinteren Bereich der Retina. Dies wird häufig durch eine altersbedingte Schrumpfung des Glaskörpers ausgelöst und ist demnach kein krankhafter Vorgang.

Jedoch erhöhen ausgeprägte Sehstörungen, wie eine starke Kurzsichtigkeit, das Risiko für Schäden an der Netzhaut. Ein verlängerter Augapfel kann Grund für diese Sehschwäche sein. Damit einher geht eine entsprechend gedehnte und teilweise verdünnte Netzhaut, die statistisch gesehen häufiger Degenerationen, Löcher und Risse aufweist. Des Weiteren können auch Verletzungen des Augenbereichs oder aber eine vorangegangene Operation des Grauen Stars (Katarakt) das Risiko für Beschädigungen der Retina erhöhen. Zusätzlich begünstigen auch genetische Faktoren oder das Vorliegen einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) das Auftreten einer Netzhautschädigung (diabetische Retinopathie).

Diabetes mellitus begünstigt zahlreiche Folgeerkrankungen, so auch Beeinträchtigungen der Augen und der Netzhaut (diabetische Retinopathie). (Bild: Henrie/fotolia.com)

Der Glaskörper besteht zu 98 Prozent aus Wasser und füllt im Kindesalter das Augeninnere aus. Bei der altersbedingten Schrumpfung des Glaskörpers fällt der Glaskörper, durch einen zunehmenden Wasserverlust, allmählich zusammen und es kommt zu verschiedenen Zugkräften an der Netzhaut. An bestimmten Bereichen der Retina, insbesondere an dünneren Stellen und den Kontaktstellen zum Glaskörper, können dann Löcher oder Einrisse entstehen.

Diagnose

Veränderungen der Netzhaut können nur durch eine genaue augenärztliche Untersuchung diagnostiziert werden. Um den Augenhintergrund untersuchen zu können, findet in aller Regel eine nicht-invasive Augenspiegelung (Ophthalmoskopie oder Funduskopie) statt. Aber auch digitale Netzhautuntersuchungen werden heutzutage angeboten.

Bei der klassischen Form der Augenspiegelung gibt es eine direkte und eine indirekte Untersuchungsmethode. Für beide Varianten wird die Pupille, durch die Gabe von Augentropfen, medikamentös erweitert. In der Regel findet die weitere Untersuchung in einem abgedunkelten Raum statt. Ein elektrischer Lichtstrahl wird dann über einen Hohlspiegel durch die Pupille direkt auf die Retina geleitet, um den Augenhintergrund auszuleuchten. Um die Strukturen und mögliche Veränderung in maximaler Vergrößerung gut erkennbar zu machen, kommen eine Lupe oder ein Kontaktglas zur Anwendung. Ein Kontaktglas wird dem Augapfel aufgesetzt und es bedarf vorab einer oberflächlichen Betäubung.

Mittels einer Augenspiegelung werden Schäden an der Netzhaut diagnostiziert. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Bei der direkten Ophthalmoskopie wird die Untersuchung aus einem Abstand von circa zehn Zentimetern durchgeführt; bei der indirekten Methode beträgt der Abstand etwa einen halben Meter. Ein größerer Abstand bedeutet weniger Detailansicht, aber einen besseren Gesamtüberblick des Auges.

Wenn Blutungen im Glaskörper die Sicht auf den Augenhintergrund verhindern, kann auch eine Ultraschalluntersuchung herangezogen werden. Diese Methode ist schmerzfrei und ermöglicht eine schnelle und detaillierte Auskunft über Veränderungen der Retina. Hierbei ist es möglich auch die Beschaffenheit einer Ablösung zu erkennen und ähnlich aussehende Krankheitsbilder abzugrenzen.

Regelmäßige augenärztliche Kontrollen, insbesondere ab dem 40. Lebensjahr und bei Menschen mit einem erhöhten Risiko, dienen einer Früherkennung von Schäden an der Netzhaut. Diese könnten sonst unbemerkt bleiben und schwerwiegende Sehstörungen oder sogar eine Erblindung zur Folge haben.

Behandlung

Je früher die Schädigung erkannt wird und je kleiner sie ist, desto größer ist in der Regel der Behandlungserfolg. Eine frühzeitige Therapie minimiert das Risiko einer Netzhautablösung. Es gibt allerdings weder die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung noch können die Öffnungen anderweitig direkt verschlossen werden. Liegt die Diagnose eines Netzhautlochs oder die eines Einrisses vor, wird versucht die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich das Loch wieder schließen kann.

Am häufigsten, und insbesondere bei sehr kleinen Löchern und ohne Ablösung der Netzhaut, kommt hierbei eine ambulante Laserbehandlung (Laserkoagulation) zum Einsatz. Mit einem gezielten Laserstrahl wird eine stabile Vernarbung der Retina mit ihrer Unterlage, der Aderhaut, im Bereich der Defektränder hervorgerufen. Diese Art von „verschweißen“ der beiden Schichten soll ein dauerhaftes Abdichten bewirken.

Die Laserbehandlung von Löchern in der Retina ist eine erfolgreiche Methode und kommt häufig zum Einsatz. (Bild: romaset/fotolia.com)

Handelt es sich um größere Schäden kommt eine Kältebehandlung (Kryokoagulation) zur Versiegelung der Ränder in Frage. Mit Hilfe einer Kältesonde werden die betreffenden Stellen stark abgekühlt. Hier bilden sich dann ebenfalls größere Narben, die eine stabile Abdichtung garantieren sollen.

Da die Behandlungen etwas unangenehm sind, findet bei beiden Methoden normalerweise eine örtliche Betäubung statt. Die Behandelten sollten sich im Nachgang bis zu zehn Tage lang schonen und beispielsweise auf Sport verzichten. In dieser Zeit vernarbt die gelaserte Stelle und stellt eine permanente Versiegelung sicher. In den meisten Fällen ist die Therapie erfolgreich und die Sehkraft ist ohne weitere Beeinträchtigungen wiederhergestellt. Es ist dennoch nicht komplett ausgeschlossen, dass durch die Behandlungen weitere Verletzungen mit Blutungen, Infektionen oder andere Reaktionen hervorgerufen werden, die den Therapieerfolg beeinträchtigen.

Im Spätstadium oder in sehr komplizierten Fällen, die meist mit einer (anteiligen) Ablösung der Netzhaut einhergehen, kann allerdings nur noch ein chirurgischer Eingriff den Erhalt der Sehkraft ermöglichen. Leider bleibt aber bei diesen schweren Ausprägungen, selbst bei einer erfolgreichen Behandlung, das Risiko einer erheblichen Verminderung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung bestehen.

Der Erhalt eines gesunden Auges kann durch orthomolekulare Medizin unterstützt werden. (Bild: Sven Bähren/fotolia.com)

Naturheilkundliche Behandlung

Bereits vorhandene Schäden an der Netzhaut bedürfen immer einer fachmedizinischen Versorgung. Betrachtet man den Zusammenhang mit Alterserscheinungen oder Diabetes mellitus, können vorbeugende Maßnahmen aus dem Bereich der Naturheilkunde jedoch das Risiko verringern, an einer Netzhautschädigung zu erkranken.

Hierbei kommt vor allem der Ansatz der orthomolekularen Medizin (OM) zum Einsatz. Diese Therapieform stützt sich auf die Verabreichung antioxidativer und durchblutungsfördernder Substanzen. Verschiedenen Produkten, die bestimmte Mineralstoffe, Vitamine und andere wichtige Nährstoffe enthalten, wird eine unterstützende Wirkung für die allgemeine Gesundheit und unter anderem auch für den Erhalt der Augen und der Netzhaut nachgesagt. Dabei erfordern altersbedingte Erscheinungen oder eine diabetische Retinopathie und verschiedene andere Indikationen ein fachlich fundiertes Beratungsgespräch vor einer Einnahme der entsprechenden Nährstoffpräparate. Von einer Selbstmedikation wird dringend abgeraten. Prinzipiell ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (vor allem in Form von Wasser) aus vielerlei Hinsicht gesundheitsfördernd, auch für die Augen. (jvs, cs; aktualisiert am 10.09.2018)