Leinkraut – Wirkung und Anwendung

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Leinkraut – Wirkung und Anwendung

Das Gemeine Leinkraut (Linaria vulgaris) ist eine alte Heilpflanze, die heute fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. Im keltischen Glauben war es sowohl als Zauberpflanze, wie auch als Heilpflanze sehr beliebt. Vor allem Wunden, Entzündungen und Verdauungsbeschwerden wurden im Altertum häufig mit Leinkraut behandelt. Hier erfahren Sie mehr über die Heilwirkung und Anwendung der Traditionspflanze mit den auffällig geformten gelben Blüten.


Steckbrief zum Gemeinen Leinkraut

Wissenschaftlicher Name: Linaria vulgaris
Pflanzenfamilie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Volkstümliche Bezeichnungen: Druut, Frauenflachs, Flachskraut, Harnkraut, Marienflachs, Kleines Löwenmaul, Takenkraut
Verwendete Pflanzenteile: Blätter
Herkunft: Europa
Wichtigste Inhaltsstoffe: Flavonoide, Carbonsäuren
Anwendungsgebiete:

Das unscheinbare Leinkraut mit typischen Blüten findet sich oft am Wegesrand. (Bild: Manfred Richter/fotolia.com)

Kräuterportrait: Ein keltisches Schutzkraut

Das aus Mitteleuropa stammende Gemeine Leinkraut zählt wie alle Leinkräuter zur Familie der Wegerich- beziehungsweise Braunwurzgewächse (Plantaginaceae). Ursprünglich wuchs es bevorzugt in küstennahen Wäldern mit kiesigem Untergrund. Als der Mensch aber vor circa 7000 Jahren mit der gezielten Rodung von Wäldern begann, um Ackerland zu gewinnen, wurde auch das Leinkraut zusehends aus seinem natürlichen Lebensraum vertrieben. Doch die Pflanze war widerspenstig und suchte sich auf Ackerflächen, Schotterplätzen und an steinigen Wegrändern eine neue Heimat. Hier fiel es den Menschen vor allem durch seine auffällig geformten, hellgelben Lippenblüten auf. Sie erinnern ein wenig an den Schlund eines Löwen, wodurch sich der Beiname „kleines Löwenmaul“ erklärt.

Eine besondere Bedeutung hatte das Gemeine Leinkraut bei den Kelten. Beispielsweise galt Leinkraut nach dem keltischen Baumhoroskop als Schutzkraut für Menschen, die im Zeichen der Pappel oder Zeder geboren waren. Das Geburtsdatum liegt hier entweder im Februar, Mai oder August, wobei Februar vor allem als Erkältungsmonat, Mai bis August dagegen als gefürchtet bei Pollenallergikern gelten. Ebenso wurde es im keltischen Aberglauben als Räucherwerk zum Schutz vor bösen Flüchen und Verwünschungen genutzt. Wer sein Heim vor übler Nachrede bewahren wollte, hängte zudem ein Bündel Leinkraut über den Hauseingang. Als Heilpflanze wurden die grünen Pflanzenteile der Linaria vulgaris von den Kelten insbesondere zur Behandlung von

Es fällt auf, dass sich die Anwendungen vor allem auf wundes beziehungsweise entzündetes Haut-, Schleimhaut- und Organgewebe konzentrierten.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Die entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften von Linaria vulgaris beruhen größtenteils auf der Kombinationswirkung von Flavonoiden und Carbonsäuren. Sie sollen eigentlich die Pflanze selbst vor Fraßschäden und Krankheiten schützen. Da die Pflanzenwirkstoffe das Leinkraut besonders robust gegen unwirtliche Standorte sowie Schädlinge und Keime machen, hat es allen Ausrottungsmaßnahmen des Menschen zum Trotz die Jahrtausende überlebt. Zum Glück, denn die schützenden Inhaltsstoffe des Leinkrauts können für die menschliche Gesundheit viel Gutes tun.

Heute wird das Leinkraut, das in der keltischen Kultur und Heilkunde eine wichtige Rolle spielte, wiederentdeckt. (Bild: csbphoto/fotolia.com)

Flavonoide als Allroundtalente

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die aufgrund ihrer

  • antiallergenen,
  • antioxidativen,
  • antimikrobiellen,
  • antiviralen,
  • blutdrucksenkenden,
  • entzündungshemmenden,
  • gefäßschützenden
  • und krampflösenden

Wirkung ein sehr wichtiger Bestandteil zahlreicher Arzneimittel sind. Vor allem Medikamente gegen

  • allergische Reaktionen
    zum Beispiel bei Hautirritationen oder Augenreizungen,
  • Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    zum Beispiel bei Bluthochdruck, Herzkrankheiten oder Ödemen,
  • Magen-Darm-Beschwerden
    zum Beispiel bei Bauchkrämpfen oder Darmentzündungen,
  • sonstigen entzündlichen Organerkrankungen
    zum Beispiel Blasenentzündung oder Leberentzündung

kommen ohne einen gewissen Flavonoidgehalt oft nicht aus.

Da Flavonoide in Gemeinem Leinkraut besonders hoch dosiert sind, kann das Kraut ebenfalls bei den erwähnten Gesundheitsbeschwerden helfen. Die wichtigsten Flavonoidstoffe in Linaria vulgaris sind Linarin und Pectolinarin. Es handelt sich hierbei um spezielle Flavonoide, die so nur im Gewöhnlichen Leinkraut vorkommen.

Wissenswertes: In vivo konnte Flavonoiden auch eine antikarzinogene Wirkung nachgewiesen werden. Diese werden deshalb als mögliche Naturstoffe in der Krebstherapie diskutiert.

Leinkraut soll eine leicht blondierende Wirkung auf die Haare haben. (Bild: hedgehog94/fotolia.com)

Carbonsäuren wirken nicht nur gegen Entzündungen

Carbonsäuren sind organische Substanzen, die ähnlich wie Flavonoide eine sehr vielschichtige Wirkung besitzen. Im Leinkraut sind vor allem folgende Carbonsäuren enthalten:

Ameisensäure

  • pilztötend (antimykotisch),
  • entzündungshemmend
  • und desinfizierend.

Apfelsäure

  • antimikrobiell,
  • blutzuckersenkend,
  • entgiftend,
  • entschlackend,
  • schmerzlindernd,
  • stoffwechselanregend
  • und verdauungsfördernd.

Zitronensäure

  • antibakteriell,
  • entgiftend,
  • entwässernd,
  • harntreibend
  • und harnsteinvorbeugend.

Aufgrund des hohen Gehalts an haaraufhellender Ameisensäure wurde Leinkraut von den Kelten sogar zum Blondieren der Haare verwendet. Mit Blick auf die Heilwirkung von Leinkraut helfen die pflanzeneigenen Carbonsäuren insbesondere bei der

  • Wundbehandlung,
  • Entzündungshemmung,
  • Auflösung von Verdauungsbeschwerden
  • und Harnwegserkrankungen.

Gerade der harntreibende und harnwegsstärkende Effekt der Zitronensäure wird hier durch ein weiteres, den Carbonsäuren anverwandtes Pflanzenextrakt unterstützt, und zwar von den sogenannten Iridoiden. Diese aus Mehrfachzucker bestehenden Verbindungen sind ebenfalls für ihre antimikrobielle sowie harntreibende Wirkung bekannt, was vor allem bei Blasenentzündungen eine wertvolle Hilfe ist.

Nicht verwechseln: Optisch mit dem Leinkraut verwandt, besitzt das Löwenmäulchen nicht die gesundheitsfördernden Eigenschaften. (Bild: sakdinon/fotolia.com)

Vorsicht Verwechslungsgefahr!

Die Lippenblüten des Leinkrauts sind der Grund dafür, dass es gerne mit einem anderen Wegerichgewächs, nämlich dem echten Löwenmäulchen (Anthirrhinum) verwechselt wird! Dieses ist zwar nicht giftig, besitzt im Gegensatz zum „kleinen Löwenmaul“ aber keine Heilwirkung.

Aufgrund seiner heilsamen Wirkung auf die Harnwege wird Leinkraut allzu gerne mit dem ebenfalls stark harntreibenden Labkraut verwechselt. Die Heilpflanze blüht auch gelb und hat ähnlich hohe Flavonoid- und Iridoidmengen vorzuweisen. Außerdem werden sowohl Labkraut als auch Leinkraut gerne als „Harnkraut” bezeichnet, was für weitere Fehlinterpretationen sorgt.

Anwendung und Dosierung

Geerntet wird das Gemeine Leinkraut während der Blütezeit, zwischen Mai und Oktober. Es ist wichtig, nur die oberirdischen Pflanzenteile als Kräuter zu nutzen, wobei die Pflanze nach der Ernte schnell getrocknet werden sollte. Die Inhaltsstoffe der Linaria vulgaris erzeugen nämlich einen sehr intensiven, scharf-bitteren Geruch, den man nur durch ausreichende Trocknung entfernt bekommt.

Tee aus Leinkraut ist vielseitig einsetzbar

Ganz egal, ob es sich um Erkrankungen der Blase oder eines anderen Organs handelt, innerlich wirkt Linaria vulgaris am besten als Tee. Selbst zur Entschlackung im Zuge einer Diät wird Leinkraut-Tee gerne angewendet. Auch Ödeme und andere Gefäßkrankheiten reagieren positiv auf Leinkraut-Tee. Ein Umschlag aus mit Tee getränkten Kompressen kann zudem bei Hautirritationen oder Augenentzündungen helfen.

Wer es gerne mal mit einer natürlichen Blondierung versuchen möchte, der kann es mit einem Absud des Leinkrauts versuchen, wobei die Kräuter hier schon hochdosiert sein müssen. Ansonsten gelten folgende Dosierungsangaben für Leinkraut-Tee:

Zwei Teelöffel getrocknetes Leinkraut in eine Tasse mit 250 Milliliter kochendem Wasser geben und den Sud circa zehn Minuten lang ziehen lassen. Danach wird der Tee gefiltert und kann (bei Bedarf mit etwas Honig verfeinert) zwei- bis dreimal täglich genossen werden.

Der Leinkraut-Tee kann, wie viele andere Kräutertees, mit Honig genossen werden. (Bild: John/fotolia.com)

Nebenwirkungen und Gegenindikationen

  • Eine Überdosierung von Leinkraut-Tee kann durch die stark entwässernde Wirkung zu wässrigem Durchfall führen.
  • Gerade Personen, die meinen, mit Leinkraut besonders schnell abnehmen zu können, sollten in diesem Zusammenhang vorsichtig sein.
  • Ungeeignet ist Linaria vulgaris für schwangere Frauen, denn bislang liegen keine Studienergebnisse vor, die nachweisen, dass Leinkraut für Kinder unschädlich ist.

Studien zur Wirkung von Leinkraut

Da es sich bei Leinkraut um ein fast vergessenes keltisches Heilkraut handelt, gibt es derzeit nicht viele Studien, die seine Heilwirkung belegen. Ein paar interessante Ergebnisse finden sich aber doch.

So wurde die desinfizierende Wirkung der Linaria vulgaris zwar noch nicht wissenschaftlich belegt, der antioxidative Effekt des Leinkrauts ist jedoch in einer Studie bereits nachgewiesen worden. Er wurde in der Untersuchung mit dem pflanzeneigenen Flavonoid Linarin assoziiert.

Ein bislang unbekanntes, aus Afrika stammendes Leinkraut namens Linaria tingitana tat sich darüber hinaus erst kürzlich in Sachen entzündungshemmende Wirkung hervor. Es wurde in einer Studie in vivo auf seine wundheilenden Effekte bei entzündlichen Ödembildungen an Zellproben getestet. Mit Erfolg, wobei die entzündungshemmenden Eigenschaften auf die Iridoide des Leinkrauts zurückzuführen waren.

Wer die Unterstützung des Leinkrauts beim Abnehmen sucht, sollte es nicht überdosieren. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Leinkraut kaufen

Leinkraut-Tee ist im Handel noch relativ unbekannt, weshalb man schon ein wenig suchen muss, um ihn in der Apotheke oder online zu finden. Wichtig ist, wie bei allen Kräuterpräparaten, auf vertrauenswürdige Quellen zu achten.

Fazit

Das Leinkraut ist ein äußerst hartnäckiges Heilkraut, das sich schon allein durch seinen starken Überlebenswillen in unwirtlichem Gelände fest dagegen sträubt, als Traditionskraut in Vergessenheit zu geraten. Aus gutem Grund, denn Leinkraut wirkt erwiesenermaßen unterstützend bei Entzündungen.

Dabei kann man das Kraut ganz unkompliziert als Tee zubereiten und diesen entweder innerlich oder äußerlich anwenden. Einzig vor der stark entwässernden Wirkung des Leinkrauts sei an dieser Stelle gewarnt, denn sie kann bei Überdosierung zu Durchfall führen. (ma)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)