Lupine – Nutzen und Verwendungs­möglichkeiten

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Die riesigen Rispenblüten der Lupine (Lupinus) werden gegen Frühlingsende schnell zum Blickfang auf so manchem Acker. Mit strahlenden Blütenfarben, die von weiß über gelb bis hin zu rosa und violett reichen, könnte man meinen, es handle sich hierbei um eine Zierpflanze, die brachliegende Ackerflächen verschönern soll. Tatsächlich stellen jedoch auch die Lupinen selbst eine wertvolle Nutzpflanze dar, deren Anbau in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewonnen hat.


Der Grund: Lupinensamen sind reich an Eiweiß. Mehr noch, Ernährungsexperten bezeichnen Lupinus als eine der besten pflanzlichen Proteinquellen überhaupt. In der vegetarischen und veganen Ernährung sind Lebensmittel aus Lupinen deshalb längst keine Exoten mehr. Das aus Lupinensamen gewonnene Lupinenmehl lässt sich nämlich ähnlich wie Soja zur Herstellung von Milch- und Fleischersatzprodukten verwenden, wie zum Beispiel Lupinenjoghurt oder Lupinenschnitzel. Darüber hinaus ist die Lupine auch als Heilpflanze und zukunftsweisende Lebensmittelkomponente sehr bedeutsam. Einzelheiten zu den verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der Lupine erfahren Sie in diesem Beitrag.

Durch Züchtungen sind Lupinen heutzutage als Nahrungsmittel verwendbar. (Bild: Simone/fotolia.com)

Steckbrief zur Lupine

Wissenschaftlicher Name: Lupinus
Pflanzenfamilie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Volkstümlicher Name: Wolfsbohne, Feigbohne
Herkunft: Afrika, Amerika, Asien, Europa
Wichtigste Inhaltsstoffe: Lupineneiweiß, Aminosäuren, Eisen
Verwendete Pflanzenteile: Hülsenfrüchte
Anwendungsgebiete:

  • Milch- und Fleischersatz,
  • Muskelaufbau,
  • Haut- und Haarpflege,
  • Gefäßerkrankungen.

Kräuterportrait: Das Nahrungsmittel der Zukunft

Lupinen zählen zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und sind als zierende Nutzpflanzen eng mit Gemüsearten wie Erbsen oder Bohnen verwandt. So verwundert es auch nicht, dass die Lupine den Beinamen Wolfsbohne trägt. Er geht auf den Naturforscher Plinius den Älteren zurück, der die Neigung der Gattung Lupinus zur überfallsartigen Ausbreitung einst mit dem Überraschungsangriff eines Wolfsrudels verglich. Das Geheimnis der schnellen Ausbreitung liegt in der besonderen Eigenheit der Lupinen, ihren Standortboden rasch mit Nährstoffen anzureichern. Die Wolfsbohne war deshalb insbesondere in der Landwirtschaft schon vor über hundert Jahren eine beliebte Gründüngung für ausgelaugte Ackerflächen.

Für Tiere und Menschen hingegen war Lupinus seiner Zeit trotz des beachtlichen Nährstoffgehalts aber recht ungenießbar. Die meisten Arten besaßen einen unangenehmen Bittergeschmack, der auf einem hohen Gehalt an Bitterstoffen und giftigen Alkaloiden in der Pflanze beruhte. Erst um 1930 kamen vermehrt spezielle Züchtungen mit reduziertem Bitter- und Giftstoffgehalt auf. Dabei handelte es sich maßgeblich um zwei Sorten bestimmter Lupinenarten: Gelbe Lupine (Lupinus luteus) und Weiße Lupine (Lupinus albus).

Diese ersten Varianten von Süßlupinen wurden zunächst als Futterpflanzen für Nutzvieh angebaut, vereinzelt auch als Lebensmittel genutzt. Im Jahre 1997 wurde dann schließlich die Blaue Süßlupine (Lupinus angustifolius) für den kommerziellen Anbau zugelassen. Die Sorten dieser im Mittelmeerraum heimischen Lupine sind besonders krankheitsresistent und besitzen noch weniger Bitter- und Giftstoffe als Lupinus albus und Lupinus luteus. Die Blaue Süßlupine legte somit den Grundstein für das heute sehr umfangreiche Angebot an Lupinenprodukten.

Die Weiße Lupine gehört zu den Arten, die für die Verarbeitung als Lebensmittel gut geeignet sind. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)

Lupinensamen als pflanzliche Eiweißquelle

Eiweiß, beziehungsweise Proteine sind im Körper für eine ganze Reihe lebenswichtiger Funktionen verantwortlich. Ohne eine ausreichende Proteinzufuhr kommt vor allem der strukturelle Aufbau von

  • Antikörpern,
  • Enzymen,
  • Hormonen,
  • Muskelmasse,
  • Haut,
  • Haaren,
  • Fingernägeln,
  • Zahn- und Knochensubstanz nicht aus.

Zudem werden auch essenzielle Signal- und Transportvorgänge im Körper durch Proteine geregelt, darunter

  • der Sauerstofftransport im Blut,
  • der Stoffwechsel sowie
  • die Weitergabe von Erbinformationen an neue Zellen.

Für einen gesunden und gut funktionierenden Organismus ist eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß darum unerlässlich. Bei Eiweißmangel kann es dagegen zu ernsten Gesundheitsbeschwerden kommen, wie zum Beispiel

Wer fleischfrei lebt, für den stellt die Deckung seines täglichen Eiweißbedarfs eine große Herausforderung dar, denn Proteine finden sich vor allem in tierischen Lebensmitteln (zum Beispiel Fleisch, Fisch oder Milchprodukte). Gerade die vegane Ernährung wird mit Blick auf den Proteinbedarf des Körpers häufig kritisch betrachtet, da Veganer neben Fleisch auch auf eiweißhaltige Tiererzeugnisse wie Milch oder Eier verzichten.

Lupinenkerne und Lupinenmehl können hier eine wertvolle Alternative zu tierischen Eiweißquellen sein. Ähnlich wie Soja- und Weizenmehl besteht es zu einem Großteil (circa 35 bis 45 Prozent) aus pflanzlichem Eiweiß und hilft so bei der Gestaltung einer eiweißreichen veganen Ernährung. Im Gegensatz zu vielen anderen Getreidesorten sind Lupinsamen auch frei von als Gluten bekannten Klebereiweißen. Lupinenprodukte eignen sich also selbst für Menschen mit Zöliakie.

Hinweis: Leider können Pflanzenproteine vom Körper deutlich schlechter verwertet werden als Tiereiweiß. Bei Lebensmitteln wie Lupinenjoghurt oder Lupinenschnitzel sollte man deshalb mehr als gewöhlich essen.

Ebenso wie die Weiße ist die Gelbe Lupine als Grundlage für Nahrungsmittelproduktion gut geeignet. (Bild: Mark/fotolia.com)

Inhaltsstoffe und Wirkung

Das Besondere an Lupinenmehl ist zum einen, dass es bis zu 48 Prozent Eiweiß besitzt und damit deutlich vor Soja, Erbsen und Bohnen liegt. Zum anderen enthält Lupineneiweiß nicht irgendwelche Aminosäuren, sondern sogenannte essenzielle Aminosäuren, die unser Körper nicht selbst herstellen kann und deshalb über die Nahrung aufnehmen muss. Dabei haben gerade Menschen, die sich aus Überzeugung fleischfrei ernähren oder nur begrenzten Zugang zu proteinreicher Nahrung besitzen oft Probleme, ihren Tagesbedarf an essenziellen Aminosäuren oder Eiweiß zu decken. Lupineneiweiß kann hier also eine gute Möglichkeit zur Nahrungsergänzung sein.

Darüber hinaus sind Proteine und Aminosäuren nicht die einzigen bedeutsamen Nährstoffe in Lupinen. Auch Mineralstoffe wie Kalzium oder Eisen lassen sich in der Lupine finden. In Sachen Gefäßgesundheit kommen ferner Vitamine und ungesättigte Fettsäuren in der Wolfsbohne zum Tragen.

Die Aminosäuren der Lupinen sind wahre Allroundtalente

Lupineneiweiß besteht maßgeblich aus essenziellen α-Aminosäuren. Diese Aminosäuren besitzen zusätzlich zu ihren vielfältigen Funktionen als Proteinverbindungen auch in ihrer Reinform beachtliche Eigenschaften. Zu nennen wären hier vor allem folgende α-Aminosäuren:

  • Arginin senkt den Blutdruck durch seine gefäßerweiternde Wirkung und regt den Harnstoffzyklus an. Der Muskelaufbau sowie Heilungsprozesse im Körper werden durch Arginin positiv beeinflusst.
  • Asparagin- und Glutaminsäure sind zwei der wichtigsten Neurotransmitter im menschlichen Körper, welche die Signalleitung im zentralen Nervensystem steuern. Des Weiteren wirken Asparagin- und Glutaminsäure harntreibend und helfen somit bei der Entwässerung.
  • Leucin stärkt Muskeln und Leber. Daneben hat es eine unterstützende Wirkung auf Heilungsprozesse im Körper.
  • Lysin ist für den strukturellen Aufbau von Haut- und Bindegewebe verantwortlich. Außerdem wird Lysin dazu genutzt, um Lippenherpes zu behandeln und den medikamentösen Wirkstoff Acetylsalicylsäure herzustellen.

Letzterer hilft nicht nur gegen Kopfschmerzen, sondern ist in Salbenform auch zur Therapie von Hautkrankheiten (zum Beispiel Akne oder Schuppenflechte) in Gebrauch.

Fettsäuren in Lupinenprodukten helfen beim Abnehmen

Lupinensamen besitzen einen sehr geringen Fettgehalt von gerade mal vier bis sieben Prozent. Damit unterscheidet sich die Wolfsbohne deutlich von Sojabohnen, die neben Erdnüssen zu den fettreichsten Hülsenfrüchten zählen. Wer fleisch- und milchfrei abnehmen möchte, sollte darum nicht auf Soja-, sondern lieber auf Lupinenprodukte zurückgreifen.

Der geringe Fettanteil in Lupinensamen wird überwiegend durch ungesättigte Fettsäuren gestellt. Zu ihnen gehören die für den Körper bedeutsamen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Sie können vom menschlichen Organismus nicht selbst hergestellt werden, sind für die Gesundheit jedoch besonders wichtig, da sie den Cholesterinwert senken und gleichzeitig vor rheumatischen Erkrankungen schützen. Darüber hinaus sind ungesättigte Fettsäuren dafür bekannt, den Stoffwechsel und die Verdauung anzuregen. Gemeinsam mit harntreibenden Aminosäuren wie Arginin oder Asparagin können Sie den Abnehmprozess folglich positiv unterstützen.

Tipp: Dank seines geringen aber erlesenen Fettanteils kann Lupinenmehl erfolgreich Teig binden. Veganern, die ohne Eier backen möchten, ist das Mehl also zu empfehlen. Ein kleiner Anteil Lupinenmehl reicht dabei aus, um den Teig unter Zusatz von Wasser in gewünschte Konsistenz zu bringen.

Die Lupinenkerne werden volkstümlich auch als Wolfsbohnen bezeichnet. (Bild: Natalia Mylova/fotolia.com)

Die Nährstoffe der Lupine halten die Gefäße fit

Der reiche Gehalt an Eisen in Lupinen fördert die Blutbildung und erhöht dessen Sauerstoffgehalt. Zudem haben Inhaltsstoffe wie Vitamin E und das zur Produktion von Vitamin A benötigte ß-Carotin antioxidative sowie zellschützende Effekte auf die Blutgefäße. Ergänzend zum gefäßerweiternden Arginin, den cholesterinsenkenden Fettsäuren und den Lupinenproteinen, welche den Sauerstofftransport im Blut unterstützen, sorgen die Nährstoffe in Lupinensamen somit für eine verbesserte Durchblutung. Der Blutzuckerspiegel wird durch die Inhaltsstoffe von Lupinen übrigens nur geringfügig erhöht, weshalb Lupinenprodukte nicht nur für die vegane Ernährung, sondern auch für Menschen mit Diabetes empfohlen wird.

Wirksame Inhaltsstoffe von Lupinen
Proteine Stärken Muskeln, Knochen, Zähne, Haare, Haut und Fingernägel; Immunabwehr, Durchblutung und Stoffwechsel werden durch Lupineneiweiß angekurbelt.
α-Aminosäuren Wirken gefäßerweiternd, blutdrucksenkend und harntreibend; fördern einen gesunden Aufbau von Muskeln, Hautgewebe und Haarzellen; körpereigene Heilungsprozesse sowie die Weiterleitung von Nervensignalen lassen sich durch α-Aminosäuren verbessern.
Ungesättigte Fettsäuren Senken den Cholesterinwert, schützen vor rheumatischen Erkrankungen und regen Stoffwechsel und Verdauung an.
Eisen Fördert die Blutbildung.
Vitamin E und ß-Carotin Wirken antioxidativ und gefäßschützend.

Lupinenprodukte sind vielfältig

Lupinensamen müssen vor dem Verzehr unbedingt einer Hitzebehandlung unterzogen werden. Nur so lassen sich die giftigen Bitter-Alkaloide der Lupine unschädlich machen. Wolfsbohnen dürfen erst nach ausreichendem Dämpfen genossen werden. Wer aus Lupinensamen sein eigenes Lupinenmehl herstellen möchte, der röstet die Wolfsbohnen zuvor am besten im Backofen. Fertige Lupinenprodukte haben entsprechende Vorbehandlungen unter strengen Qualitätsstandards durchlaufen und sind darum unbedenklicher. Je nach Anwendungsgebiet sind hierbei verschiedene Produktvarianten interessant.

So wie sich aus Soja ein milchähnliches Produkt herstellen lässt, so kann dies auch aus Lupinen hergestellt werden. (Bild: Rodica Ciorba/fotolia.com)

Lupinenprodukte als Milch- und Fleischersatz

Als Ersatz für Milchprodukte ist vor allem Lupinenjoghurt interessant. Hier gibt es inzwischen zahlreiche Geschmacksvarianten, die von Erdbeere über Vanille bis hin zu exotischen Aromen wie Mango oder Zitrone reichen. In Kuchen und anderen Backwaren können tierische Produkte wie Milch und Eier durch Lupinenmehl ersetzt werden.

Für diejenigen, die in ihrer Ernährung auf Fleisch verzichten, gelegentlich aber Gelüste auf Fleischprodukte verspüren, gibt es eine Vielzahl von Fleischersatzprodukten aus Lupinenmehl. Dieses lässt sich wie Tofu zu verschiedenen Konsistenzen aufbereiten, was unter anderem die Nachbildung von Fleisch erlaubt. Zu den Fleischersatzprodukten aus Lupinen zählen hier:

  • Lupinenschnitzel,
  • Lupinengeschnetzeltes,
  • Lupinensteak
  • und Lupinenwürstchen.

Ähnlich wie Caro-Kaffee, der aus gemahlener Wegwarte gewonnen wird, lässt sich auch aus Lupinensamen ein Kaffeeersatz herstellen.

Lupineneiweiß als Proteinshake oder Nahrungsergänzung

Für die gezielte Förderung des Muskelaufbaus werden Lupinen-Proteinshakes angeboten. Die Shakes gibt es meist in Pulverform zu kaufen und sie lassen sich mit etwas Wasser im Handumdrehen selbst zubereiten. Gemeinsam mit einem professionellen Krafttraining und einer kontrollierten Kalorienzufuhr kann der gewünschte Muskelzuwachs positiv beeinflusst werden. Alternativ kann man hier auf Lupinenprotein-Tabletten ausweichen. Auch sie sollen beim Muskelaufbau helfen, vorausgesetzt, die Einnahme wird mit einem geeigneten Muskeltraining kombiniert. Daneben eignen sich Shakes und Tabletten aus Lupinenprotein auch als Nahrungsergänzungsmittel für eine vegane Ernährung.

Proteinpulver aus Lupinen fördert den Muskelaufbau bei dementsprechendem Training. (Bild: weixx/fotolia.com)

Pflegeprodukte aus Lupinen

Zur Pflege von Haut und Haaren gibt es ebenfalls spezielle Lupinenprodukte. So helfen Haarmasken und Shampoos aus weißer Lupine oder blauer Süßlupine zum Beispiel dabei, die proteinhaltigen Keratinstrukturen der Haare zu stärken. In Sachen Hautpflege ist vor allem das Lupinen-Figuröl bekannt. Es hilft zum Beispiel bei der Behandlung von Cellulite. Gleichzeitig strafft es die Haut und macht sie geschmeidiger.

Lupinenprodukte als zukunftsweisende Innovation

Erfahrungsberichte mit Lupinenprodukten sind durchweg positiv. Als Bindemittel in Teig (zum Beispiel für Kuchen oder Pfannkuchen) hat sich Lupinenmehl schon mehrfach bewiesen. Auch Proteinshakes sowie Haut- und Haarpflegeprodukte aus Lupinen zeigten laut Nutzererfahrung nennenswerte Erfolge. Veganer, Diabetiker und Menschen mit Gefäßerkrankungen loben Lupinenprodukte zudem als willkommene Nahrungsergänzung mit beachtlichem Gesundheitswert.

Die Wissenschaft hat gegen den gesundheitsfördernden Ruf von Lupinen nichts einzuwenden. Im Gegenteil unterstützen Experten den Lupin-Trend sogar. Die Grundlage für moderne Milchersatzprodukte aus Lupinen lieferten zum Beispiel Forscher des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung. Sie entwickelten ein bitterstoff- und geruchsfreies Lupinenpulver, das durch den Zusatz von Wasser Konsistenz und Nutzungsmöglichkeiten von Milch nachahmt. Milchproduktähnliche Rezepturen auf der Basis von Lupinen lassen sich damit viel leichter umsetzen. Auch die Herstellung von Medikamenten aus Inhaltsstoffen der Lupine (zum Beispiel heilpflanzliche Alternativen zur Acetylsalicylsäure) soll durch das Lupinenpulver künftig beschleunigt werden. Für ihre Neuerfindung der Milch erhielten die Forscher 2014 den Deutschen Zukunftspreis.

Ebenfalls zukunftsweisend sind Lupinenprodukte für die Bekämpfung von Welthunger. Denn nicht nur die vegane Ernährung ist dringend auf alternative Eiweißquellen angewiesen. In Regionen der Welt, in denen Nahrungsknappheit herrscht, könnten Lebensmittel aus Lupinen dem Marasmus, der wohl tückischsten Volkskrankheit in Entwicklungsländern, vorbeugen. Sie entsteht maßgeblich durch einen Proteinmangel und ist aufgrund steigender Fallzahlen das große Sorgenkind von Welthilfsorganisationen.

Auch sind naturbelassene Futter- und Düngemittel wie Lupine ein entscheidender Schritt hin zu einer gesünderen und ökologisch unbedenklichen Lebensmittelproduktion. Überraschend ist es deshalb nicht, dass Lupinenprodukte immer wieder als Lebensmittel der Zukunft diskutiert werden.

Gegenindikationen und Nebenwirkungen

Lupinenprodukte sind zwar glutenfrei, können in manchen Fällen aber dennoch allergische Reaktionen hervorrufen. Einige Lupinenproteine ähneln nämlich den Eiweißen in Erdnüssen. Menschen mit einer Erdnussallergie sollten darum vom Verzehr lupinenhaltiger Lebensmittel absehen. Auch Personen die eine Nahrungsmittelallergie gegen Hülsenfrüchte haben, können Lupinenprodukte leider nicht zu sich nehmen. Im Zweifelsfall sind Lupinenprodukte zunächst in kleinen Mengen auszuprobieren, bleiben allergische Reaktionen aus, sind die Lebensmittel und Pflegeprodukte unbedenklich.

Wichtig: Werden die Alkaloide der Lupinen vor dem Verzehr nicht durch ausreichendes Erhitzen zerstört, so kann es zu ernsten Vergiftungserscheinungen kommen, die von Erbrechen und Bauchkrämpfen bis hin zu Kreislaufstörungen und Lähmungen reichen.

Menschen, die auf Erdnüsse allergisch reagieren, sollten von dem Verzehr von Lupinenprodukten Abstand nehmen. (Bild: taddle/fotolia.com)

Studien zur Lupine als Super-Food

Das Gesundheitspotential von Lupinen wurde bereits in verschiedenen Studien untersucht und belegt. Neben einer für pflanzliches Eiweiß ungewöhnlich guten Verwertung im Körper fallen dabei vor allem die Effekte von Süßlupinensamen und -mehl auf Herz, Gefäße und Verdauungstrakt auf.

Lupinenmehl als sichere Energie- und Proteinquelle

Sofern eine Person frei von Allergien ist und Lupinen richtig zubereitet werden, besteht keinerlei Grund zur Sorge, was den dauerhaften Verzehr angeht. Bestätigt haben dies bereits Ende des 20. Jahrhunderts diverse Studien.

Eine solche Studie stammt aus Chile und untersuchte die Verträglichkeit von Lupinenmehl bei jungen Erwachsenen, die sich hierfür über einen längeren Zeitraum mit Cookies aus Süßlupinenmehl ernährten. Die zuständigen Forscher verzeichneten nicht nur eine ausgezeichnete Toleranz der Testpersonen, sondern sogar eine Gewichtszunahme bei einigen Studienteilnehmenden. Gesundheitliche Beeinträchtigungen traten während der Studie nicht in Erscheinung.

Verwertung von Lupineneiweiß im Körper

Ein häufiges Problem bei einer Ernährung mit pflanzlichem Eiweiß ist die schlechtere Verwertung gegenüber tierischem Eiweiß. Zumindest die Lupinenproteine fallen hier aber durch eine deutlich effizientere Verwertung im Darm auf. Eine 1992 durchgeführte Studie aus Chile kam hier zu dem Ergebnis, dass bereits die Proteine von Weißer Lupine (Lupinus albus) ganze 77 Prozent an Effizienz von Ei-Proteinen erreichen. Man kann davon ausgehen, dass die heutzutage für Lebensmittel verwendete Blaue Lupine (Lupinus angustifolius) dank optimierender Zuchtmaßnahmen noch bessere Ergebnisse bezüglich ihrer Verwertungseffizienz erzielt.

Lupinensamen als Sojabohnenersatz

Auch in Frankreich kam man zu dem Ergebnis, dass die Verwertung und Bioverfügbarkeit von Lupineneiweiß im menschlichen Körper sehr hoch ist. Zusätzlich zeigte die entsprechende Studie auf, dass Lupinenprodukte durchaus eine Alternative zu Sojaprodukten sind. Dies ist vor allem für Veganer mit Sojaunverträglichkeit interessant, denn für sie ist eine alternative Proteinquelle besonders wichtig.

Vegane Pfannkuchen lassen sich auch mit dem Zusatz von ein wenig Lupinenmehl als Eiersatz herstellen. (Bild: lilechka75/fotolia.com)

Eiweiß von Lupinen senkt Cholesterinwerte

Die herz- und gefäßschützenden Eigenschaften von Lupinen traten in einer deutschen Studie der Friedrich Schiller Universität in Jena zutage. 2015 untersuchten Wissenschaftler hier, inwiefern Lupinenproteine kardiovaskuläre Risikofaktoren beeinflussen. In der Tat ließen sich die Cholesterinwerte von Patienten, die an einem krankhaft hohen Cholesterinspiegel litten, dank Lupinen deutlich senken. Damit wurde bewiesen, dass Lupinenmehl cholesterinsenkende Effekte besitzt.

Lupinenmehl gegen Bluthochdruck

Auch bei Bluthochdruck kann Süßlupinenmehl helfen. Eine Langzeitstudie aus Australien stellte eine deutliche Senkung des Bluthochdrucks bei Patienten fest, die sich über einen Zeitraum von 12 Monaten gezielt mit Brot aus Lupinenmehl ernährten.

Lupinen haben antioxidative Eigenschaften

Ein weiterer, für Herz und Gefäße positiver Studienbefund zur Lupine kommt aus Kanada. Dort wiesen Ernährungswissenschaftler 2004 antioxidative Aktivitäten in Lupinus angustifolius nach. Auch stellten sie fest, dass diese antioxidativen Eigenschaften nicht auf die giftigen Phenole der Pflanze zurückzuführen sind. Dies bedeutet, dass die Antioxidantien von Lupinensamen auch nach der Neutralisierung der Pflanzengifte noch erhalten bleiben.

Blaue Lupine gegen Diabetes und diabetische Entzündungen

In Australien versetzten Wissenschaftler die Blutproben von Diabetes-Typ-2-Patienten mit isolierten Proteinen der Lupinus angustifolius. Dabei kamen sie zum einen zu dem Ergebnis, dass Lupineneiweiß die Signalwege des Insulintransportes stimuliert. Zum anderen gingen durch die Diabeteserkrankung bedingte Entzündungen unter dem Einfluss von Lupinenprotein zurück. Die Forscher schlugen als Fazit ihrer Studie Lupinen deshalb zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes sowie als Bestandteil für entzündungshemmende Medikamente vor.

Lupinen wirken probiotisch

2006 setzt eine australische Studie 18 Männer im Alter zwischen 24 und 64 Jahren für 28 Tage auf Diät, in der die Testpersonen regelmäßig Lupinen-Kornfasern zu sich nahmen. Das Ergebnis war eine stimulierte Darmflora, in der vor allem die Population sogenannter Bifidobakterien deutlich zugenommen hatte. Die Bakterien sind für eine gute Verdauung unerlässlich, weshalb die zuständigen Wissenschaftler Lupinenfasern als probiotische Nahrungsergänzung für einen gesunden Darm empfahlen.

Proteine der Lupinen verhindern Muskelschwund

Eine besonders interessante Studie wurde 2017 in Köln durchgeführt. Ein Forscherteam stattete hier 13 Männer für 60 Tage mit einer Beinorthese aus. Während die Kontrollgruppe aus sechs Testpersonen ausschließlich die Orthese trugen, erhielten die sieben übrigen zusätzlich zweimal 20 Minuten elektrische Muskelstimulation pro Tag sowie eine regelmäßige Nahrungsergänzung von 19 Gramm Protein. Es stellte sich heraus, dass die kombinierte Anwendung von Muskelstimulation und Lupinenprotein den Muskelschwund deutlich reduzieren konnte. Damit ist Lupinenmehl sowohl zur Behandlung von Muskelschwund als auch zur Förderung des Muskelaufbaus geeignet.

Lupinenmehl bildet die Basis für die Herstellung von Lupinenjoghurt oder Lupinenschnitzel. (Bild: lantapix/fotolia.com)

Lupine als Hülsenfrüchte einzigartig

Dass Lupinen ein wahres Unikum unter den Hülsenfrüchten sind, lässt sich aus einer Chinesischen Studie ablesen. Neben bereits aufgezeigten Eigenschaften von Lupinensamen sticht hier insbesondere die Erwähnung von Lupinenmehl als wertvolle Zutat für Fleischersatz sowie zur Verbesserung des Nährstoffgehalts von Gebäck hervor. Der Status als Superfood dürfte den Lupinen damit sicher sein.

Empfehlungen zum Kauf von Lupinenprodukten

Im örtlichen Bio-Laden gibt es Lupinenprodukte zuhauf. Und auch Online-Händler sind inzwischen auf den Geschmack von Lebensmitteln aus Lupinen gekommen. Etwas schwerer zu finden sind bislang Pflegeprodukte mit dem Lupinenextrakt.

Fazit

Lupinen werden in der Tat nicht ohne Grund als Lebensmittel der Zukunft gehandelt. Denn bei dem Süßlupinenmehl, das aus ihren Samen gewonnenen wird, handelt es sich um ein vielseitig einsetzbares Proteinpulver, das im Gegensatz zu vielen anderen Eiweißquellen von unserem Körper recht gut verwertet werden kann. Von Backwaren bis hin zu Milch- und Fleischersatz lassen sich aus dem Lupinenmehl interessante alternative Lebensmittel herstellen. Dabei bringt das Mehl der außergewöhnlichen Hülsenfrucht neben Eiweiß und essenziellen Aminosäuren auch zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe sowie ungesättigte Fettsäuren mit sich, die allesamt gesund sind. Vor allem Herz, Gefäße und Stoffwechsel profitieren von dem Superfood, dessen gesundheitsfördernde Eigenschaften sehr gut belegt sind. (ma)

Autoren:
Miriam Adam, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
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  • Lima‐Cabello, Elena et al.: "Narrow-leafed lupin (Lupinus angustifolius L.) β-conglutin proteins modulate the insulin signaling pathway as potential type 2 diabetes treatment and inflammatory-related disease amelioration", in: Molecular Nutrition & Food Research, Volume 61 Issue 5, May 2017, Wiley Online Library
  • Smith, Stuart C. et al.: "Lupin kernel fiber consumption modifies fecal microbiota in healthy men as determined by rRNA gene fluorescent in situ hybridization", in: European Journal of Nutrition, Volume 45 Issue 6, September 2006, Springer
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Wichtiger Hinweis:
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