Auch Alzheimer bei entfernten Verwandten ein Hinweis auf das eigene Erkrankungsrisiko

Erhöhtes Alzheimer-Risiko durch entfernte Verwandte?

Viele Menschen, die einen Elternteil an Demenz verloren haben, leiden unter der starken Angst, dass sie die Erkrankung möglicherweise geerbt haben. Eine Studie legt jetzt nahe, dass auch weniger eng verwandte Menschen mit Alzheimer ein starkes Warnzeichen für ein eigenes erhöhtes Risiko für Alzheimer sind.


Die Wissenschaftler der University of Utah stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Familienmitglieder zweiten und dritten Ranges, bei denen Alzheimer diagnostiziert wurde, auf ein erhöhtes Erkrankungsrisiko hinweisen können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Neurology“.

Eine sogenannte Alzheimer-Erkrankung betrifft das Leben von vielen älteren Menschen. Für Betroffene und Angehörige stellt diese Krankheit eine sehr große Belastung dar. (Bild: Ocskay Bence/fotolia.com)

Erhöhtes Risiko durch Alzheimer bei den Verwandten?

Alzheimer-Erkrankungen in der Familie deuten auf ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung bei anderen Familienmitgliedern hin. Wenn beispielsweise zwei Großeltern an Alzheimer erkrankt waren, erhöht dies das Alzheimer-Risiko der Enkel um 25 Prozent. Sollten zwei Cousins erkrankt sein, steigt das Risiko einer Person um 17 Prozent.

Daten von mehr als 270.000 Probanden wurden analysiert

Für die Studie wurden die Daten von mehr als 270.000 Menschen ausgewertet. Mehr als die Hälfte der Menschen mit der Alzheimer-Krankheit tragen ein spezifisches Gen in sich, welches das Risiko für Alzheimer verdreifacht und andere Gene, welche in der Familie weitervererbt werden, die ebenfalls zu der Erkrankung führen. Es ist jedoch nicht unvermeidlich, dass die Erkrankung auftritt, da Betroffene ihr Risiko durch Lebensstiländerungen wie Abnehmen und die Senkung von Bluthochdruck verringern können.

Familiengeschichte ist wichtiger Indikator für Alzheimer-Risiko

Die Familiengeschichte ist ein wichtiger Indikator für das Alzheimer-Risiko, aber die meisten Forschungen konzentrieren sich auf Demenz bei eng verwandten Familienmitgliedern. Daher untersuchte die aktuelle Studie ein größeres Familienbild, so die Wissenschaftler. Es konnte bei der Untersuchung festgestellt werden, dass eine umfassendere Sicht der Familiengeschichte dazu beitragen kann, Risiken für Alzheimer besser vorherzusagen. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten möglicherweise zu besseren Diagnosen führen und Patienten und ihren Familien dabei helfen, bessere gesundheitsbezogene Entscheidungen zu treffen.

Wie wirkt sich Alzheimer in der Familie auf das Risiko aus?

Es ist allgemein bekannt, dass Alzheimer bei einem Elternteil oder bei Geschwistern das Risiko für Alzheimer erhöhen kann. Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, kann sich verdoppeln, wenn drei oder mehr Verwandte zweiten Grades die Krankheit hatten. Das Risiko für Alzheimer steigt auch um 43 Prozent, wenn drei Verwandte dritten Grades an der Krankheit leiden. Bei der Studie konnte festgestellt werden, dass wenn ein Elternteil oder Geschwister an Alzheimer erkrankt sind und zusätzlich ein Verwandter zweiten Grades die Krankheit hat, dadurch das eigene Risiko für Alzheimer um das 21-fache erhöht wird.

Lebensstiländerungen können Alzheimer-Risiko senken

Die Autoren der Studie betonen jedoch ausdrücklich, dass Menschen durch Änderungen ihres Lebensstils ihr Risiko für Alzheimer um etwa ein Drittel senken können. Menschen mit an Alzheimer erkrankten Verwandten müssen nicht automatisch eine Form der Demenz entwickeln. Das Alzheimer-Risiko ist komplex und es gibt viele Faktoren. Durch einen gesunden Lebensstil können sogar Personen mit einer hohen familiären Vorbelastung ihr Alzheimer-Risiko erheblich reduzieren. (as)