Diät und Training reduzieren Risiko für Schwangerschaftsdiabetes doch nicht

Schwangere Frau macht Test auf Diabetes

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Weniger Kohlenhydrate während der Schwangerschaft könnten sich negativ auswirken

In einer neuen Studie konnte die weit verbreitete Annahme, dass eine geringere Gewichtszunahme bei adipösen Schwangeren vorteilhaft für die Vermeidung eines Schwangerschaftsdiabetes wäre, nicht bestätigen. Es könnte sich womöglich ungünstig für die werdende Mutter und das ungeborene Kind auswirken, wenn während der Schwangerschaft weniger Kohlenhydrate verzehrt werden.


Bisherige Annahme nicht bestätigt

„Bei den meisten Frauen bleiben die Blutzuckerwerte während der Schwangerschaft normal“, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf seinem Patienteninformationsportal „gesundheitsinformation.de“. „Wenn der Blutzucker während der Schwangerschaft jedoch bestimmte Werte übersteigt, sprechen Fachleute von Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). Er wird bei etwa 4 von 100 Frauen festgestellt“, schreiben die Experten. Bislang wurde angenommen, dass eine geringere Gewichtszunahme bei adipösen Schwangeren vorteilhaft für die Vermeidung eines Schwangerschaftsdiabetes wäre. Doch in einer neuen Studie hat sich diese Annahme nicht bestätigt.

Schwangere Frau macht Test auf Diabetes
In einer neuen Studie hat sich die Annahme, dass eine geringere Gewichtszunahme bei adipösen Schwangeren vorteilhaft für die Vermeidung eines Schwangerschaftsdiabetes wäre, nicht bestätigt. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen

Zwar verschwindet Schwangerschaftsdiabetes unmittelbar nach der Geburt meist wieder, doch die Erkrankung kann zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führen und auch das Risiko für Totgeburten erhöhen.

Von daher gilt es, das Risiko für diese Form der Zuckerkrankheit möglichst zu minimieren. Als einer der wichtigsten Risikofaktoren gilt das Übergewicht der werdenden Mutter.

„Manche Frauen können durch regelmäßige Bewegung und eine Ernährungsumstellung einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) vorbeugen“, so das IQWiG.

Zudem weisen Fachleute darauf hin, dass durch eine gesunde Ernährung und viel Bewegung bei Schwangerschaftsdiabetes oft kein Insulin erforderlich ist.

Forscher aus Österreich berichten nun aber, dass sich das Risiko für Gestationsdiabetes nicht durch Diät und Training reduziert.

Empfehlung wird häufig deutlich überschritten

Gesundheitsexperten zufolge gilt bei stark Übergewichtigen die Empfehlung von fünf bis neun Kilogramm während der Schwangerschaft. Allerdings wird diese Empfehlung oft deutlich überschritten.

Um Möglichkeiten und Indikatoren für die Vermeidung von Schwangerschaftsdiabetes bei adipösen Frauen zu untersuchen, wurden nun Daten zu Lebensmittelinterventionsmaßnahmen von Hunderten Frauen ausgewertet.

Die Studie der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Wien wurde vor kurzem im Fachjournal „Diabetes Care“ veröffentlicht.

Lebensmittelinterventionsmaßnahmen ausgewertet

Laut einer Mitteilung der MedUni Wien, wurden im Rahmen des EU-Projektes DALI (Vitamin D And Lifestyle Intervention for Gestational Diabetes) unter wesentlicher Mitwirkung der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel unter der Leitung der Endokrinologin Alexandra-Kautzky-Willer, Lebensmittelinterventionsmaßnahmen bei 436 Frauen ausgewertet.

Dabei wurde eine Gruppe von schwangeren fettleibigen Frauen im Rahmen eines Coachings angeleitet, die Ernährung umzustellen und fünf Maßnahmen zu beachten: Reduktion von Softdrinks, Reduktion schnell resorbierbarer Kohlenhydrate und Fett sowie die Erhöhung von Eiweiß und Ballaststoffen.

Die Vergleichsgruppe unternahm keine Veränderungen ihrer Ernährungsgewohnheiten.

Eine zweite Gruppe von Frauen übte regelmäßig Bewegung aus und wurde entsprechend beraten. Die Vergleichsgruppe unternahm keine körperlichen Aktivitäten.

Wie es in der Mitteilung heißt,erfolgte bei jenen Frauen, welche die Ernährungsmaßnahmen befolgten, tatsächlich eine geringere Gewichtszunahme.

Allerdings waren auch höhere Blutzuckerwerte sowie erhöhte Mengen von Substanzen im Blut nachweisbar, die beim vermehrten Fettabbau entstehen, wie etwa Fettsäure oder Ketonkörper. Das stand auch in Zusammenhang mit einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr.

Darüber hinaus wurden auch im Blut der neugeborenen Kinder erhöhte freie Fettsäuren festgestellt.

Der Diabetesepidemie entgegenwirken

Den Angaben zufolge waren in den Vergleichsgruppen keine Veränderungen dieser Stoffwechselmarker bemerkbar.

Allerdings konnte laut der Studie vermehrte körperliche Bewegung den Schwangerschaftsdiabetes ebenso wenig verhindern wie die zusätzliche Gabe von Vitamin D.

Zusammenfassend lässt sich allerdings sagen, dass Ernährungsinterventionen den mütterlichen und kindlichen Stoffwechsel signifikant beeinflussen.

Der Vorteil einer geringeren Gewichtszunahme unter Kohlenhydrateinschränkung bei Schwangeren mit Adipositas führt aber gleichzeitig zu erhöhtem Fettabbau und damit verbunden der Freisetzung von freien Fettsäuren im Blut von Mutter und Kind.

Die Folgen davon sind aber noch unklar und werden weiter erforscht. „Schwangerschaftsdiabetes ist der Hauptrisikofaktor für Typ 2 Diabetes bei Frauen nach der Geburt und erhöht auch über fetale Programmierung das Risiko der Kinder“, erklärt Kautzky-Willer.

„Die Erarbeitung von Präventionsmaßnahmen sowohl in als auch nach der Schwangerschaft sind ein wichtiges Ziel, um der Diabetesepidemie entgegenzuwirken. Low Carb ist möglicherweise gerade bei Schwangeren nicht optimal.“

Der Mitautor der Studie Jürgen Harreiter ergänzt: “Die Evidenz für eine optimale Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist besonders bei übergewichtigen Frauen weiter unklar und bedarf weiterer Studien.“ (ad)

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Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Medizinische Universität Wien: Schwangerschaftsdiabetes: Diät und Training reduzieren das Risiko nicht, (Abruf: 12.07.2019), Medizinische Universität Wien
  • Fachjournal „Diabetes Care“: Nutritional Lifestyle Intervention in Obese Pregnant Women, Including Lower Carbohydrate Intake, Is Associated With Increased Maternal Free Fatty Acids, 3-β-Hydroxybutyrate, and Fasting Glucose Concentrations: A Secondary Factorial Analysis of the European Multicenter, Randomized Controlled DALI Lifestyle Intervention Trial, (Abruf: 12.07.2019), Diabetes Care
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Schwangerschaftsdiabetes, (Abruf: 12.07.2019), Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Was hilft, Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen?, (Abruf: 12.07.2019), Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen