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E-Bike fahren: Wie gesund ist Radfahren mit Motor?

Sebastian Bertram
Verfasst von Sebastian Bertram
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7. Oktober 2026
in News
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Wer mit elektrischer Unterstützung Fahrrad fährt, muss sich noch immer anhören, das sei kein richtiger Sport. Dabei kann ein E-Bike gerade Menschen zu mehr Bewegung verhelfen, die ein gewöhnliches Fahrrad kaum noch nutzen würden.

Studien zeigen, dass regelmäßiges Fahren mit einem Pedelec die Ausdauer verbessern und zu einem aktiveren Alltag beitragen kann. Wie groß der gesundheitliche Nutzen ausfällt, hängt allerdings davon ab, wie viel der Mensch selbst leistet und wie regelmäßig er unterwegs ist.

Der Motor unterstützt – treten muss der Mensch

Wenn im Alltag von einem E-Bike gesprochen wird, ist meistens ein Pedelec gemeint: ein Fahrrad, dessen Elektromotor beim Treten unterstützt. Auf diese Form des elektrisch unterstützten Radfahrens beziehen sich auch die hier vorgestellten Untersuchungen.

Die Unterstützung nimmt den Beinen einen Teil der Arbeit ab, macht die Fahrt aber nicht automatisch zu einer passiven Fortbewegung. Auch mit Motor müssen die Fahrenden treten, das Gleichgewicht halten, lenken und auf ihre Umgebung reagieren.

Der Sportwissenschaftler Michèl Gleich betont im Gespräch mit „Fit for Fun“, dass auch E-Biking eine Möglichkeit ist, körperlich aktiv zu werden. Besonders für Menschen mit wenig Trainingserfahrung oder eingeschränkter Leistungsfähigkeit könne die Unterstützung den Einstieg erleichtern.

Was eine Studie aus Basel über die Fitness zeigt

Eine kleine randomisierte Pilotstudie aus Basel untersuchte 32 untrainierte Erwachsene mit Übergewicht, die entweder ein E-Bike oder ein herkömmliches Fahrrad erhielten. Sie sollten damit vier Wochen lang an mindestens drei Tagen pro Woche zur Arbeit fahren.

In beiden Gruppen verbesserte sich im Durchschnitt die maximale Sauerstoffaufnahme, ein Messwert für die Leistungsfähigkeit von Herz, Kreislauf und Atmung. Zwischen den Gruppen ließ sich kein statistisch gesicherter Unterschied der Verbesserung nachweisen.

Das spricht dafür, dass auch elektrisch unterstütztes Pendeln einen wirksamen Trainingsreiz setzen kann. Wegen der kleinen Teilnehmerzahl und der kurzen Studiendauer beweist die Untersuchung allerdings nicht, dass beide Fahrradtypen unter allen Bedingungen gleich gut trainieren.

Eine größere Untersuchung zeigt auch die Grenzen

Ein Forschungsteam aus Hannover untersuchte das Fahrverhalten von 1.250 Pedelec-Nutzenden und 629 Menschen mit herkömmlichen Fahrrädern. Über vier Wochen zeichneten Aktivitätssensoren unter anderem Fahrdauer und Herzfrequenz auf.

Mindestens 150 Minuten mäßig bis intensiv belastendes Radfahren pro Woche erreichten 22,4 Prozent der Pedelec-Gruppe und 35 Prozent der Vergleichsgruppe. Die elektrischen Räder führten in dieser Untersuchung also seltener dazu, das untersuchte Bewegungsziel allein durch Radfahren zu erfüllen.

Daraus folgt weder, dass E-Biking nutzlos wäre, noch dass die übrigen Teilnehmenden insgesamt zu wenig Bewegung hatten. Erfasst wurde hier das Radfahren; außerdem lassen sich aus einer Beobachtungsstudie keine sicheren Aussagen darüber ableiten, welchen Unterschied allein der Motor verursacht.

Entscheidend ist, welche Wege das E-Bike ersetzt

Für die persönliche Gesundheitsbilanz ist eine andere Frage oft aufschlussreicher als der Vergleich zweier Fahrradtypen: Was würde man ohne das E-Bike tun? Wer sonst mit dem Auto fährt, gewinnt durch den Umstieg zusätzliche körperliche Aktivität.

Wer dagegen eine anstrengende Fahrradstrecke künftig mit starker Motorunterstützung zurücklegt und seine Fahrdauer unverändert lässt, kann den Trainingsreiz verringern. Längere oder häufigere Fahrten können diesen Unterschied wiederum ausgleichen.

Der mögliche Vorteil liegt damit auch in der Alltagstauglichkeit: Gegenwind, Steigungen oder die Sorge vor dem Rückweg verlieren einen Teil ihrer abschreckenden Wirkung. Ein Rad, das regelmäßig genutzt wird, kann für die Gesundheit mehr bewirken als ein sportlicheres Modell, das überwiegend im Keller steht.

Wie Herz und Kreislauf profitieren können

Die Deutsche Herzstiftung nennt Radfahren mit und ohne elektrische Unterstützung als Möglichkeit, die Ausdauer zu verbessern. Dabei werden insbesondere auch die Bein- und Gesäßmuskeln beansprucht.

Regelmäßige körperliche Aktivität trägt allgemein zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes bei. Diese gut belegten Vorteile von Bewegung dürfen allerdings nicht als Garantie verstanden werden, dass jede beliebige E-Bike-Fahrt Erkrankungen verhindert.

Wer mehr über den gesundheitlichen Nutzen eines aktiven Alltags erfahren möchte, findet auf Heilpraxis weitere Beiträge zum Thema Bewegung und Gesundheit. Beim E-Biking kommt es wie bei anderen Aktivitäten auf eine Belastung an, die zur eigenen Leistungsfähigkeit passt.

Wie anstrengend sollte die Fahrt sein?

Ein voller Akku sagt nichts darüber aus, ob der Körper ausreichend gefordert wurde. Ebenso wenig lässt sich der Trainingseffekt allein an der Geschwindigkeit oder der zurückgelegten Strecke ablesen.

Einsteigerinnen und Einsteiger können die Unterstützung nutzen, um eine gleichmäßige, gut verträgliche Belastung zu erreichen. Mit zunehmender Fitness lässt sich die eigene Anstrengung beispielsweise durch längere Fahrten oder weniger Motorhilfe steigern.

Den Motor grundsätzlich auszuschalten, ist dafür nicht erforderlich. Gerade an Steigungen kann zusätzliche Unterstützung helfen, eine sonst zu hohe Belastung zu vermeiden und die Fahrt fortzusetzen.

Wie viel Bewegung pro Woche sinnvoll ist

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen wöchentlich 150 bis 300 Minuten Ausdauerbewegung mit mäßiger Intensität oder 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität. Auch eine entsprechende Kombination ist möglich.

E-Bike-Fahrten können dazu beitragen, wenn sie den Körper entsprechend fordern; sehr lockeres Fahren ist nicht automatisch mit mäßig intensivem Training gleichzusetzen. Die Empfehlung bedeutet zugleich nicht, dass kürzere Bewegungszeiten wertlos wären.

Zusätzlich empfiehlt die WHO muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche. Für ältere Menschen kommen Übungen hinzu, die Gleichgewicht und Kraft fördern – das Fahrrad allein deckt somit nicht alle Bereiche eines vielseitigen Bewegungsprogramms ab.

Was verschiedene Fahrweisen für das Training bedeuten

Nutzung des E-Bikes Möglicher gesundheitlicher Nutzen Worauf es ankommt
Alltagswege ersetzen Autofahrten Zusätzliche Bewegung im Tagesablauf Regelmäßige Nutzung und tatsächliche eigene Tretarbeit
Fahren mit geringer Unterstützung Stärkerer Ausdauerreiz bei entsprechendem Einsatz Belastung an die persönliche Fitness anpassen
Stärkere Unterstützung an Steigungen Anspruchsvolle Strecken werden leichter bewältigbar Die gesamte Fahrt betrachten, nicht nur einzelne Abschnitte
Sehr lockere Fahrten mit viel Motorhilfe Niedrigschwelliger Einstieg in mehr Aktivität Für größere Fortschritte kann mehr Dauer oder Eigenleistung nötig sein
Gelegentliche lange Touren Bewegung an einzelnen Tagen Keine dauerhafte Trainingsroutine durch seltene Ausflüge erwarten

Hilft E-Biking beim Abnehmen?

Auch beim elektrisch unterstützten Treten verbraucht der Körper Energie. Wie viel, hängt unter anderem vom Körpergewicht, der eigenen Leistung, der Fahrdauer und der Strecke ab.

Pauschale Versprechen über einen bestimmten Kalorienverbrauch pro Stunde sind deshalb wenig hilfreich. Eine entspannte Fahrt mit hoher Unterstützung lässt sich nicht mit einer langen Tour vergleichen, bei der die Beine einen großen Teil der Arbeit übernehmen.

Zur Gewichtsabnahme kann E-Biking beitragen, wenn es den Energieverbrauch dauerhaft erhöht und diese zusätzliche Bewegung nicht durch entsprechend mehr Essen ausgeglichen wird. Allein der Kauf eines elektrischen Fahrrads verändert die Energiebilanz noch nicht.

Auch Wohlbefinden und soziale Kontakte können profitieren

Radfahren bietet mehr als körperliches Training: Es ermöglicht Ausflüge, gemeinsame Aktivitäten und selbstständig zurückgelegte Alltagswege. Unterschiedlich leistungsfähige Menschen können durch eine angepasste Motorunterstützung leichter zusammen unterwegs sein.

Eine 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit über 87 Studien fand Hinweise auf günstige Auswirkungen des Radfahrens auf Stimmung, soziale Beziehungen und verschiedene geistige Fähigkeiten. Die untersuchten Programme waren allerdings sehr unterschiedlich und betrafen häufig stationäre Fahrräder.

Die Ergebnisse lassen sich daher nicht uneingeschränkt auf jede E-Bike-Tour übertragen. Hintergründe erläutert der Heilpraxis-Beitrag „Radfahren verbessert nachweisbar Hirngesundheit und Wohlbefinden“.

Bei Herzerkrankungen die Belastung vorher abstimmen

Menschen mit einer bekannten Herzerkrankung sollten Trainingsintensität, Dauer und Häufigkeit mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Die elektrische Unterstützung kann die Belastung dosierbarer machen, ersetzt diese Abstimmung aber nicht.

Treten beim Fahren Brustschmerzen oder ungewöhnliche Atemnot auf, sollte die Belastung sofort beendet und medizinische Hilfe eingeholt werden. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden ist der Notruf 112 angezeigt.

Mehr Unterstützung verlangt trotzdem sichere Fahrtechnik

Ein E-Bike kann Wege erleichtern, stellt aber auch Anforderungen an die Fahrenden. Das häufig höhere Gewicht sowie das Anfahren, Bremsen und langsame Manövrieren verdienen besonders nach längerer Fahrradpause Aufmerksamkeit.

Ein geschützter Bereich eignet sich, um das Fahrrad kennenzulernen, bevor die erste längere Tour im Straßenverkehr beginnt. Ein passender Helm, gut erreichbare Bremsen und ein sicherer Stand beim Anhalten gehören zu einer vernünftigen Vorbereitung.

Ein Beispiel aus dem Alltag

Die 61-jährige Sabine fährt bisher fast alle Wege mit dem Auto, weil sie den Anstieg zu ihrer Wohnung mit dem normalen Fahrrad scheut. Mit einem Pedelec beginnt sie, an vier Tagen pro Woche jeweils 25 Minuten zu fahren.

Damit kommen zunächst 100 Minuten zusätzliche Bewegung zusammen, ohne dass daraus schon ein bestimmter Fitnessgewinn berechnet werden könnte. Wenn sie die Fahrten regelmäßig beibehält und später Dauer oder Eigenleistung passend steigert, schafft sie gute Voraussetzungen für Fortschritte.

Häufige Fragen zu E-Biking und Gesundheit

Ist E-Bike-Fahren tatsächlich Sport?

Beim Pedelec bleibt das eigene Treten erforderlich, sodass auch mit Motor körperliche Aktivität stattfindet. Ob daraus ein deutlicher Trainingsreiz entsteht, hängt von der eigenen Anstrengung, der Dauer und der Regelmäßigkeit ab.

Ist ein E-Bike genauso gesund wie ein normales Fahrrad?

Eine pauschale Gleichsetzung ist nicht möglich, weil sich Fahrweise und Belastung stark unterscheiden. Beide können die Fitness fördern, wobei die Unterstützung zusätzliche oder längere Fahrten ermöglichen kann.

Kann man mit dem E-Bike abnehmen?

Ja, E-Biking kann durch zusätzlichen Energieverbrauch eine Gewichtsabnahme unterstützen. Voraussetzung ist, dass über längere Zeit insgesamt weniger Energie aufgenommen als verbraucht wird.

Wie oft sollte man mit dem E-Bike fahren?

Regelmäßig eingeplante Fahrten erleichtern es, ausreichend Bewegung in die Woche zu bringen. Als Orientierung dienen die WHO-Empfehlungen, wobei die tatsächliche Belastung und weitere Aktivitäten berücksichtigt werden müssen.

Muss man für einen Trainingseffekt den Motor ausschalten?

Nein, auch mit Unterstützung kann die eigene Tretleistung ausreichend fordernd sein. Der Motor lässt sich so einsetzen, dass die Belastung über die Strecke gut bewältigbar bleibt.

Ist E-Biking für ältere Menschen geeignet?

Es kann älteren Menschen den Zugang zu regelmäßiger Bewegung erleichtern. Voraussetzung sind eine passende Belastung und die Fähigkeit, das Fahrrad sicher zu beherrschen; bei Erkrankungen sollte das Training individuell abgestimmt werden.

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Sebastian Bertram
Quellen:
  • Höchsmann et al.: „Effect of E-Bike Versus Bike Commuting on Cardiorespiratory Fitness in Overweight Adults: A 4-Week Randomized Pilot Study“, Originalstudie im Clinical Journal of Sport Medicine, 2018, zur Entwicklung der Ausdauer bei 32 untrainierten Erwachsenen mit Übergewicht.
  • Haufe et al.: „Impact of electrically assisted bicycles on physical activity and traffic accident risk: a prospective observational study“, Originalstudie in BMJ Open Sport & Exercise Medicine, 2022, mit 1.250 Pedelec-Nutzenden und 629 Personen mit herkömmlichen Fahrrädern.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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