E-Zigaretten-Dampf kann Lungenschäden wie giftiges Gas verursachen

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Schwere Lungenschäden durch Dampf aus E-Zigaretten

Das Inhalieren des Dampfs aus E-Zigaretten und sogenannten Vaporisatoren kann laut einer aktuellen Studie zu schweren Schäden am Lungengewebe führen. Dabei sind jedoch nicht Akkumulationen von Schadstoffen aus den verdampften Liquiden die Ursache, sondern die Forschenden beobachteten „eine Art direkte chemische Verletzung, ähnlich wie bei der Exposition gegenüber giftigen chemischen Dämpfen, giftigen Gasen und toxischen Substanzen“, so Studienleiter Dr. Brandon Larsen von der Mayo Clinic in den USA.


Seit die ersten Todesfälle in Zusammenhang mit der Nutzung von E-Zigaretten gebracht wurden, läuft in den USA eine intensive Suche nach den Ursachen. In der aktuellen Studie haben die Forschenden nun anhand von Lungenbiopsien untersucht, welche Schäden der Dampf an dem Lungengewebe verursacht. Das Ergebnis ist laut Aussage des Forschungsteams besorgniserregend. Offenbar hat der Dampf eine direkte chemische Verletzung des Lungengewebes zufolge. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Der Dampf aus E-Zigaretten kann schwere Lungenschäden verursachen, die auf eine direkte chemische Verletzung zurückgehen. (Bild: tibanna79/fotolia.com)

800 Erkrankungen und 12 Todesfälle in den USA

Bei der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurden laut Angaben der Forschenden in den letzten Monaten mehr als 800 Fälle von Lungenverletzungen gemeldet, die mit dem Gebrauch von elektronischen Zigaretten oder dem Vaporisieren in Zusammenhang gebracht werden. Zwölf Todesfälle aus zehn unterschiedlichen Bundesstaaten sind mittlerweile bestätigt, aber was genau bei dem Verdampfen die Lungen tödlich geschädigt hat, blieb bisher unklar. Es wird ein Zusammenhang mit Liquiden vermutet, die THC (psychoaktive Verbindung in Marihuana) oder andere Cannabisbestandteile (zum Beispiel Cannabidiol; CBD) enthalten, aber auch dies ist bislang nicht final bestätigt.

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Vorübergehende Verkaufsverbote verhängt

In einigen US-Bundesstaaten wurde angesichts der Erkrankungen und Todesfälle ein vorübergehendes Verkaufsverbot für E-Zigaretten und aromatisierte Flüssigkeiten verhängt, bis geklärt ist, wodurch die schweren Erkrankungen entstanden sind. Die American Lung Association warnt ihrerseits ausdrücklich davor, dass E-Zigaretten nicht sicher seien und irreversible Lungenschäden und Krankheiten verursachen können.

Lungenbiopsien auf Schäden untersucht

Um zu ermitteln, wie die Schäden am Lungengewebe entstehen, hat das Forschungsteam um Dr. Brandon Larsen von der Mayo Clinic nun die Lungenbiopsien von 17 Patienten untersucht, die alle vaporisierten beziehungsweise E-Zigaretten genutzt haben und hiermit verbundene Lungenschäden aufwiesen. „Alle zeigten akute Lungenverletzungen, einschließlich Lungenentzündungen, und zwei der Patienten starben“, so das Forschungsteam in einer Pressemitteilung der Mayo Clinic zu den Studienergebnissen. 71 Prozent der Teilnehmenden verdampften Marihuana oder Cannabisöl.

„Direkte chemische Verletzung“

Überraschenderweise zeigten sich in den Untersuchungen keine Hinweise auf Gewebeschäden, die durch eine Akkumulation der Schadstoffe aus den Lipiden (zum Beispiel Mineralöle) verursacht wurden. Bisher wurde dies als mögliche Ursache für Lungenschäden vermutet. Zwar könne eine potenzielle Beteiligung der Lipide nicht ausgeschlossen werden, „aber wir haben nichts gesehen, was darauf hindeutet, dass dies ein Problem ist, das durch die Lipidakkumulation in der Lunge verursacht wird“, so der Studienleiter. Laut Dr. Larsen scheinen die Lungenschäden stattdessen durch „eine Art direkte chemische Verletzung, ähnlich wie bei der Exposition gegenüber giftigen chemischen Dämpfen, giftigen Gasen und toxischen Substanzen“ zu entstehen.

Plötzlicher Anstieg der Fälle

Dies ist nach Ansicht der Forschenden eine mögliche Erklärung für die schweren Lungenschäden, welche in Zusammenhang mit der E-Zigaretten-Nutzung gebracht werden. In den letzten zwei Jahren war zunächst „eine Handvoll Fälle, verstreute Einzelfälle, festzustellen, in denen wir das Gleiche beobachtet haben, und jetzt sehen wir einen plötzlichen Anstieg der Fälle“, warnt Dr. Larsen. Dies sei eine „Krisensituation der öffentlichen Gesundheit, und viele Menschen arbeiten rund um die Uhr hektisch daran, herauszufinden, was der Auslöser sein könnte – und welche Chemikalien dafür verantwortlich sein könnten.“

Risiken der E-Zigaretten nicht unterschätzen

Das Forschungsteam kommt zu dem Schluss, dass in den meisten Fällen vermutlich chemische Verunreinigungen, toxische Nebenprodukte oder andere schädliche Substanzen in den verdampften Mitteln Ursache für die Lungenschäden waren. Eindeutig identifizieren konnten sie den Auslöser allerdings nicht. Grundsätzlich sollten alle Nutzerinnen und Nutzer sich der potenzielle Risiken, einschließlich lebensbedrohlicher Lungenschäden, jedoch bewusst sein und es scheine erforderlich, die Branche deutlich strenger zu regulieren, betont Dr. Larsen. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Brandon T. Larsen, et al.: Pathology of Vaping-Associated Lung Injury; in: The New England Journal of Medicine (veröffentlicht 02.10.2019), nejm.org
  • Mayo Clinic: Vaping-associated lung injury may be caused by toxic chemical fumes, study finds (veröffentlicht 02.10.2019), mayoclinic.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.