Ernährungsexperten: Kakao-Produkte liefern Vitamin-D

Leckere Vitamin-D-Quellen: Kakaobutter und dunkle Schokolade

In vielen Regionen der Welt sind zahlreiche Menschen nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt. Ein Vitamin-D-Mangel kann unter anderem brüchige Knochen und ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen zur Folge haben. Forscher haben nun eine neue, bislang unbekannte Quelle für das wichtige Vitamin entdeckt: Kakao.


Weit verbreiteter Vitamin-D-Mangel

Erst vor wenigen Monaten wurde berichtet, dass rund 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland mehr oder weniger erniedrigte Werte an Vitamin D aufweisen. Zudem zeigte eine Studie, dass etwa die Hälfte der über 65-Jährigen von einem Vitamin-D-Mangel betroffen sind. Allgemein gilt die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland als mangelhaft. Verbessern könnte sich die Situation möglicherweise durch eine neue, bislang unbekannte Vitamin-D-Quelle: Kakao.

Forscher haben eine neue, bislang unbekannte Vitamin-D-Quelle entdeckt: Kakaoprodukte. Den höchsten Vitamin-D2-Gehalt haben laut den Forschern Kakaobutter und dunkle Schokolade. (Bild: karepa/fotolia.com)

Wichtige Sonnenstrahlen

Vitamin D ist für den menschlichen Körper von zentraler Bedeutung. Es kommt in den zwei Varianten Vitamin D2 und D3 vor.

Letzteres wird in der menschlichen Haut durch die Einwirkung von Sonnenstrahlen gebildet. So deckt der Mensch rund 90 Prozent seines Vitamin-D-Bedarfs.

Den Rest nimmt der Mensch im Idealfall über die Nahrung zu sich, also beispielsweise über fetthaltigen Fisch oder Hühnereier.

Vitamin D2, das ebenfalls vom menschlichen Körper genutzt werden kann, kommt zudem auch in Pilzen vor. Mittlerweile gibt es sogar mit Vitamin D angereicherte Champignons.

Dennoch: „Viele Menschen sind nicht optimal mit Vitamin D versorgt. Das Problem steigert sich in den sonnenarmen Monaten im Winter noch einmal“, erklärte die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Gabriele Stangl von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in einer Mitteilung.

Bisher unbekannte Vitamin-D-Quelle

Eine Forschergruppe der MLU und des Max Rubner-Instituts hat nun in einer neuen Studie den Vitamin-D-Gehalt von Kakao und kakaohaltigen Produkten, weil sie darin eine bisher unbekannte Quelle des Vitamins vermuteten.

Kakaobohnen werden nach der Fermentation getrocknet und dazu auf Matten gelegt und ein bis zwei Wochen der Sonne ausgesetzt.

Durch dieses Sonnenlicht wandeln sich die Vorstufen des Vitamin D, die vermutlich aus harmlosen Pilzen stammen, zu Vitamin D2 um.

Um ihre Idee zu testen, analysierten die Forscher verschiedene Kakaoprodukte und -pulver mit Hilfe moderner Massenspektrometrie.

Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Food Chemistry“ veröffentlicht.

Dunkle Schokolade mit relativ hohem Vitamin-D2-Gehalt

Die Wissenschaftler stellten fest, dass kakaohaltige Produkte eine Quelle für Vitamin D2 sind. Der Gehalt variiert aber von Lebensmittel zu Lebensmittel sehr stark.

Während dunkle Schokolade über einen relativen hohen Vitamin-D2-Gehalt verfügt, fanden die Forscher in weißer Schokolade nur wenig davon.

„Das ist nicht verwunderlich, da der Kakaogehalt in weißer Schokolade deutlich geringer ist. Das bestätigt unsere Annahme, dass Kakao die Quelle für das Vitamin D2 ist“, sagte Stangl.

Aus ihrem Befund leitet die Ernährungswissenschaftlerin allerdings nicht die Empfehlung ab, große Mengen Schokolade zu verzehren:

„Man müsste Unmengen an Schokolade essen, um darüber den Bedarf an Vitamin D2 zu decken. Das wäre aufgrund des hohen Zucker- und Fettanteils extrem ungesund“, so Stangl.

Das Ergebnis der Studie sei vielmehr dafür wichtig, korrekte Daten darüber zu erlangen, welche Nährstoffe die Bevölkerung im Durchschnitt zu sich nimmt.

In Nationalen Verzehrstudien wird dazu der Lebensmittelverzehr der Bevölkerung ermittelt. In Kombination mit dem Bundeslebensmittelschlüssel, einer umfangreichen Nährstoffdatenbank, berechnet das Max Rubner-Institut daraus die tägliche Nährstoffzufuhr der Bevölkerung.

Fehlt in dieser Datenbank eine Quelle für Vitamin D, so stimmen die Zahlen am Ende nicht. Deshalb empfehlen die Forscher, die Lebensmittel- und Nährstoffdatenbanken regelmäßig zu überarbeiten.

Kakao mit gesundheitlichen Vorteilen

Auch die Arbeitsgruppe an der MLU nutzt die Erkenntnisse der neuen Studie in einem Folgeprojekt:

„Kakao ist ein spannender Lebensmittelrohstoff, weil er zusätzliche sekundäre Pflanzenstoffe beinhaltet, die zum Beispiel förderlich für das Herzkreislauf-System sind“, erklärte Ernährungswissenschaftlerin Stangl.

Dass Kakao der Herzgesundheit dient, konnte auch schon in wissenschaftlichen Studien gezeigt werden.

Und auch, dass dunkle Schokolade Bluthochdruck reduzieren und gegen Stress und Entzündungen helfen kann.

Stangl untersucht nun mit ihrem Team, ob sich zuckerfreie, kakaohaltige Lebensmittel, zum Beispiel Teigwaren, produzieren lassen und ob diese einen Beitrag zu einem verbesserten Vitamin-D2-Spiegel beim Menschen leisten können. (ad)