Extreme Hitze macht MS-Patienten zu schaffen

Alfred Domke

Warum die Sommerhitze MS-Erkrankten so zusetzt

Die schweißtreibende Hitzewelle sorgt bei zahlreichen Menschen für enorme Gesundheitsprobleme. Besonders betroffen sind Personen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Experten erklären, warum das so ist und was dagegen unternommen werden kann.


Unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Trotz intensiver Forschung gilt die Krankheit noch immer als unheilbar. Doch dank neuer Medikamente ist MS immer besser beherrschbar. Die hohen Temperaturen im Sommer sorgen allerdings oft dafür, dass sich die Beschwerden der Betroffenen verschlechtern. Die Patienten fühlen sich schlapper, müder und benommener beziehungsweise klagen über eine Verstärkung ihrer Sehstörungen oder eine Verschlechterung ihrer motorischen Fähigkeiten.

Die hohen Temperaturen im Sommer machen Multiple Sklerose-Erkrankten stark zu schaffen. Experten erklären, was Betroffene dagegen machen können. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

MS-Patienten reagieren auf Hitze mit einem Pseudoschub

Experten aus dem Multiple Sklerose Zentrum am Zentrum für klinische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus erklären in einer Mitteilung, warum die Hitze MS-Erkrankten so zusetzt.

„Das hängt mit den Folgen der Multiplen Sklerose als entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks zusammen“, sagt Prof. Dr. Tjalf Ziemssen, Direktor am Multiple Sklerose Zentrum.

„Dort bilden sich nach Abheilen der aufgetretenen Entzündungsherde Narben im Bereich der Nervenfasern, die bei Erhöhung der Körpertemperatur schlechter die Informationen weiterleiten können und somit zum Wiederauftreten von Beschwerden führen können.“

Der MS-Patient reagiert daher auf Hitze mit einer deutlichen Verstärkung schon vorhandener Beschwerden, dies ist aber kein Krankheitsschub im eigentlichen Sinne, sondern ein sogenannter Pseudoschub, der auch als Uhthoff-Phänomen beschrieben ist.

Beschwerden durch Kühlung lindern

Als Uhthoff-Phänomen wird die vorübergehende Verschlechterung von MS-Beschwerden bei einer Erhöhung der Körpertemperatur zum Beispiel bei Fieber oder erhöhter Umgebungstemperatur bezeichnet, heißt es in der Mitteilung.

Den Angaben zufolge sind mehr als 80 Prozent der an MS-Erkrankten betroffen. Als Ursache wird eine temperaturbedingte Verschlechterung der Leitfähigkeit geschädigter Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark angenommen.

Das Phänomen wurde erstmals vom deutschen Augenarzt Wilhelm Uhthoff (1853-1927) beschrieben. Die Prophylaxe besteht in der Vermeidung erheblicher körperlicher Anstrengung sowie in der Vermeidung von Umständen, die die Körpertemperatur erhöhen.

Die Beschwerden können auch durch das Tragen von Kühlkleidung, wie Kühlwesten, Kühlhauben und Kühlstrümpfen begrenzt werden. Die Alternative ist dann die einfache Schüssel mit kaltem Wasser, in die Füße und Arme getaucht werden können.

Wichtig ist auch für MS-Patienten, dass sie möglichst viel trinken, um einem Flüssigkeitsverlust vorzubeugen, der zusätzlich die Beschwerden verschlimmern kann. Am besten geeignet ist hierzu Wasser.

„Leider gibt es im Bereich der Multiplen Sklerose immer noch viele Mythen und Gerüchte, die den Patienten einschränken“, sagt Prof. Tjalf Ziemssen.

„So wird zum Beispiel berichtet, dass MS-Patienten aufgrund der Hitzeempfindlichkeit nicht in die Sauna gehen können.“

Dies ist als allgemeiner Grundsatz nicht richtig, viele Patienten profitieren von der Sauna. (ad)