Heftige Reaktionen an den Augen: Mehrere Notfälle wegen Eichenprozessionsspinner

Entzündetes Auge

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Eichenprozessionsspinner: Mehrere Notfälle in Augenklinik

In den vergangenen Wochen wurde immer wieder über Verletzte durch Eichenprozessionsspinner berichtet. Die Raupen des Falters sorgen nicht nur für allergische Reaktionen der Haut, sondern verursachen manchmal auch heftige Reaktionen an den Augen. Mehrere Menschen mussten deshalb als Notfälle in die Augenklinik.


Nur die Raupen werden gefährlich

Immer wieder weisen Experten darauf hin, dass es bei Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann. Genauer gesagt geht es dabei nicht um den Nachtfalter selbst, sondern um die Raupen, die sogenannte „Brennhaare“ besitzen. „Häufig kommt es nach einem Kontakt mit den Brennhaaren zu Symptomen an der Haut, die mit Rötungen und einem teils starken, mehrere Tage andauernden Juckreiz einhergehen (Raupendermatitis)“, erklärt das Umweltbundesamt. Doch der Schädling kann offenbar auch an den Augen heftige Reaktionen verursachen.

Entzündetes Auge
In den vergangenen Tagen mussten mehreren Patienten Härchen des Eichenprozessionsspinners aus den Augen operiert werden. (Bild: julia_diak/fotolia.com)

Härchen des Prozessionsspinners aus dem Auge operiert

Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der Augenklinik des Universitätsklinikums Münster (UKM) berichtet in einer Mitteilung von sechs Patienten, denen in den vergangenen Tagen Härchen des Prozessionsspinners aus dem Auge operiert werden mussten.

Wie es in der Mitteilung heißt, sind solche Fälle in Deutschland bisher noch nie beschrieben worden.

Laut der Ärztin erklärten die betroffenen Patienten, „dass sie vorher Fahrrad gefahren sind, Laub aufgewirbelt haben oder bei der Reinigung der Bäume vom Eichenprozessionsspinner zugeschaut haben.“

Weiter gab die Medizinerin an, dass die Patienten über Augenrötung, ein Fremdkörpergefühl im Auge, Tränen, Jucken und starke Schmerzen klagten, weshalb entschieden wurde, die Härchen operativ zu entfernen.

Operation gestaltet sich schwierig

Frau Dr. Baydoun erläutert, dass die Operation gar nicht so einfach ist. Nach ihren Angaben mussten die Mediziner feststellen, „dass die Härchen so fein sind, dass wir sie selbst mit unseren feinsten Instrumenten kaum zu fassen kriegen.“

Den Angaben zufolge muss der Operateur das Bild des Auges dabei mit der größten Einstellung vergrößern, um die kleinen Härchen sehen zu können.

„Und es ist sehr schwierig, die Härchen aus der Hornhaut zu bekommen, in der sie sich festsetzen“, so Dr. Baydoun.

Bei unerklärlichen Augenbeschwerden zum Arzt

Was also sollen Menschen tun, die in diesen Tagen unerklärliche Augenbeschwerden haben und befürchten, das könnte mit dem Eichenprozessionsspinner zusammenhängen?

„Wir empfehlen Patienten, die plötzlich – auch einseitig – ein rotes Auge haben, das heftig schmerzt, tränt und juckt, nicht einfach abzuwarten, ob das von alleine weggeht“, sagt Frau Dr. Baydoun,

„Menschen mit solchen Beschwerden sollten schnell zum Augenarzt gehen und überprüfen lassen, ob da vielleicht etwas im Auge ist. Denn wenn es wirklich der Prozessionsspinner ist, dann werden die Beschwerden ohne Behandlung nicht abklingen“, erklärt die Expertin. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Universitätsklinikum Münster: Eichenprozessionsspinner: Jetzt auch Notfälle in der UKM-Augenklinik, (Abruf: 03.07.2019), Universitätsklinikum Münster
  • Umweltbundesamt: FAQ Eichenprozessionsspinner, (Abruf: 03.07.2019), Umweltbundesamt