Influenza-Erkrankungen: Wer sich gegen Grippe impfen lassen sollte

Alfred Domke

Schutz vor Viren: Gesundheitsexperten rufen zur Grippe-Impfung auf

Die Grippesaison im vergangenen Winter verlief besonders schwer. Experten zufolge mussten fast 60.000 Menschen stationär in Krankenhäusern behandelt werden. Bei 1.665 Personen endete die Influenza-Infektion tödlich. Wer in dieser Saison kein unnötiges Risiko eingehen möchte, sollte schon jetzt Schutzmöglichkeiten nutzen und sich impfen lassen, raten Gesundheitsexperten.


Anspruch auf einen Vierfach-Impfstoff

Der Herbst hat Einzug in Deutschland gehalten. Schon bald wird es die ersten Grippefälle geben. Manche Menschen leiden stärker unter solchen Infekten. Daher rufen Gesundheitsexperten vor allem Personen aus Risikogruppen dazu auf, sich impfen zu lassen. In der Grippesaison 2018/2019 haben gesetzlich Versicherte erstmals einen verbindlichen Anspruch auf einen Vierfachimpfstoff gegen Grippe.

Eine Influenza-Erkrankung kann einen tagelang ausknocken. Die Grippeimpfung kann in vielen Fällen vor einer Infektion bewahren. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Immunsystem kann massiv geschwächt werden

Im Herbst ist der nächste Infekt oft nicht weit entfernt. Erkältungsymptome wie Abgeschlagenheit, Husten, Schnupfen und Kältegefühl machen sich dann bemerkbar. Nach ein paar Tagen Schonung sind die Betroffenen in der Regel wieder gesund.

Eine richtige Grippe äußert sich hingegen mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten sowie Halsschmerzen.

„Die meisten überstehen die Krankheit ohne größere Komplikationen“, erklärt Dr. Stefan Schwenzer, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Bremen, in einer Mitteilung.

„Sie kann allerdings das Immunsystem derart schwächen, dass die Patienten zusätzlich an Lungen- oder seltener Gehirn- oder Herzmuskelentzündungen erkranken“, warnt der Experte.

Beim Händeschütteln oder Küssen besteht Ansteckungsgefahr

Um eine richtige Grippe zu erkennen, kann beim Hausarzt ein Influenza-Schnelltest (near-patient test) gemacht werden, das Ergebnis steht bereits nach 15 Minuten fest. Liegt eine Grippe vor, muss der Nachweis der Influenza gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) gemeldet werden.

„Die Ansteckung erfolgt schnell und geschieht über Tröpfcheninfektion. Setzt ein Erkrankter durch Niesen oder Husten die Krankheitserreger frei, atmen Umstehende diese Viren leicht ein“, so Schwenzer.

Auch durch direkten Kontakt wie Händeschütteln oder Küssen besteht Ansteckungsgefahr. Die Influenzaviren überleben an der Luft mehrere Stunden, bei geringen Temperaturen entsprechend noch länger.

Aus diesem Grund ist auch eine Übertragung über kontaminierte Türklinken, Lichtschalter, Geldscheine oder Haltegriffe in Bussen und Bahnen möglich.

Wann eine Impfung sinnvoll ist

Experten zufolge lassen sich höchstens 50 Prozent der Menschen gegen Grippe impfen, für die eine Immunisierung empfohlen wird.

Dazu zählen laut Ständiger Impfkommission (STIKO) beispielsweise Erwachsene, die chronische Herz-Kreislauf-und Atemwegserkrankungen oder Beschwerden der Nieren, Leber oder des Nervensystems aufweisen.

Auch Menschen mit Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Krankheiten des Abwehrsystems oder des Blutes sowie Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz oder einer HIV-Infektion zählen dazu.

Zudem sollten sich laut STIKO Schwangere ab dem 2. Trimenon, Kinder ab sechs Jahre, Frauen und Männer ab 60 Jahre und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen impfen lassen.

Gleiches gilt für alle, die beruflich oder privat einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind.

Für die kommende Grippesaison empfiehlt die STIKO erstmals einen Vierfachimpfstoff – mit jeweils zwei Komponenten gegen A- und B-Linien des Influenzavirus, da in der letzten Saison überraschend viele Menschen an einer B-Linie erkrankt waren, die nicht im Dreifach-Impfstoff berücksichtigt wurde.

Nun bekommen auch Kassenpatienten die Vierfach-Dosis. Wichtig zu wissen: „Eine 100-prozentige Sicherheit, nicht an Grippe zu erkranken, ist durch die Impfung zwar nicht gegeben“, sagt der Apotheker. Dennoch mache der Piks Sinn.

„Studien zeigen, dass eine Grippeimpfung Vorteile hat. Die Schutzwirkung liegt bei jungen Erwachsenen bei bis zu 80 Prozent, bei Älteren bei 40 bis 60 Prozent. Kommt es dennoch zur Ansteckung, verläuft die Krankheit wesentlich glimpflicher – meist ohne Aufenthalt im Krankenhaus.

Der beste Zeitpunkt

Wer sich für eine Grippeimpfung entscheidet, macht am besten einen Termin noch im Oktober oder November. Nach der Spritze dauert es zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig gegeben ist.

„Sollten Patienten dennoch an Grippe erkranken, lindern frei in der Apotheke erhältliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol die Kopfschmerzen und das Fieber. Gegen den Husten und Schnupfen helfen inhalieren, Nasenspray, Halsbonbons sowie Hustentropfen und –saft“, so Apotheker Schwenzer.

Außerdem sollten sich Betroffene Bettruhe halten und viel trinken. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, vom Arzt antivirale Wirkstoffe, sogenannte Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir und Zanamivir, verschrieben zu bekommen.

Frühzeitig eingenommen, verringern sie sowohl die Dauer als auch die Schwere der Erkrankung. (sb, ad)