Was gegen Zwangsstörungen und Tics hilft

Alfred Domke

Mit Entspannungsübungen Zwangsstörungen und Tics lindern

„Habe ich die Haustüre abgeschlossen?“, „Ist der Herd wirklich aus?“: Solche und ähnliche Gedanken gehen manchen Menschen immer wieder durch den Kopf. Ständig müssen sie etwas überprüfen. Wiederholungs- und Kontrollzwänge oder auch Reinigungsrituale können auf eine Zwangsstörung hindeuten. Betroffenen können unter anderem Entspannungsübungen helfen.


Über zwei Millionen Deutsche betroffen

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) leiden in Deutschland jedes Jahr etwa 2,3 Millionen Menschen unter den Symptomen einer Zwangsstörung. „Zwangsstörungen sind mit großem Leidensdruck verbunden: Die Betroffenen wenden oftmals mehrere Stunden am Tag dafür auf, ihren Zwängen nachzukommen. Dadurch können sie einen normalen Tagesablauf nicht mehr bewältigen und werden handlungsunfähig“, schreiben die Experten in einer Mitteilung. Die richtige Therapie kann Betroffenen nachhaltig helfen. Auch Entspannungsübungen spielen hier eine Rolle.

Händewaschen schützt zwar vor gefährlichen Krankheitserregern, es kann aber auch zum Zwang werden. In solchen Fällen kann Betroffenen eine Therapie helfen. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Massive Beeinträchtigungen des täglichen Lebens

Wie das Max-Planck-Institut für Psychiatrie auf seiner Webseite erklärt, sind die wesentlichen Symptome einer Zwangsstörung ungewollt wiederkehrende, als unsinnig oder quälend erlebte Gedanken und Handlungen, die beim einzelnen Patienten in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination auftreten.

„Diese sogenannten Zwangsgedanken und Zwangshandlungen können zu einer massiven Beeinträchtigung des täglichen Lebens führen“, so die Experten.

Den Angaben zufolge werden Zwangsgedanken von den Betroffenen meist als völlig sinnlos beschrieben, beispielsweise Zählzwänge, gelegentlich haben sie aber auch auch sexuelle, religiöse oder aggressive Inhalte.

Auch Angst vor Infektionen durch Keime oder Schmutz sowie starker Ekel vor Körperausscheidungen kommen vor. Bei Betroffenen werden dann Waschzwänge beobachtet.

Vorgänge müssen ständig wiederholt werden

Laut dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie werden Zwangsgedanken als eigene Gedanken empfunden, aber gleichzeitig als unwillkürlich und oft auch als abstoßend.

Wie die Experten erklären, sind Zwangshandlungen Vorgänge, die ständig wiederholt werden müssen. Diese Handlungen werden jedoch weder als angenehm empfunden noch dienen sie der Erfüllung nützlicher Aufgaben.

Bei manchen betroffenen Patienten wird aus der Zwangshandlung ein Zwangsritual, das in einer bis ins Einzelne ausgearbeiteten Art und Weise oft stundenlang ausgeführt werden muss, gelegentlich verbunden mit Entschlusslosigkeit und Verlangsamung.

Typische Zwangshandlungen betreffen die persönliche Hygiene (beispielsweise unnötig häufiges und lang dauerndes Händewaschen), das Kontrollieren (übertriebene und wiederholte Überprüfung von Türschlössern, Herdplatten, Wasserhähnen usw.), das Berühren (Gegenstände müssen angefasst oder dürfen gerade nicht angefasst werden) oder das Horten (Sammeln wertloser oder verbrauchter Gegenstände).

Die Zwangshandlungen werden häufig als Vorbeugung gegen objektiv höchst unwahrscheinliche Ereignisse erlebt, die den Patienten schaden oder bei denen sie selbst Schaden verursachen könnten.

Genaue Ursachen noch unklar

In den meisten Fällen beginnen Zwangsstörungen in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind noch nicht bekannt.

„Forschungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass Veränderungen in Hirnsystemen vorliegen, welche die Ausführung sich wiederholender Handlungsschritte regulieren“, berichtet das Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

„Ein gehäuftes Auftreten in betroffenen Familien deutet auf eine genetische Veranlagung hin“, schreiben die Experten.

Allerdings bedeute dies nicht, dass die Erkrankung regelmäßig auch bei den leiblichen Angehörigen der Erkrankten auftritt. „Möglicherweise begünstigen psychologische Faktoren und Stress das Auftreten und die Ausprägung der Erkrankung.“

Betroffene verheimlichen ihre Erkrankung oft

Viele Betroffene verheimlichen ihre Krankheit lange Zeit. Der DGGPN zufolge dauert es durchschnittlich „zehn bis fünfzehn Jahre, bis Patienten mit einer Zwangsstörung professionelle Hilfe aufsuchen.“

Wurde eine Zwangsstörung diagnostiziert, kann bei leichter Symptomatik eine alleinige Verhaltenstherapie ausreichen.

„Wenn die Symptomatik stärker ausgeprägt ist, müssen Verhaltenstherapie und medikamentöse Therapie kombiniert werden“, erklärt das Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Laut dem DGPPN-Vorstandsmitglied Professor Fritz Hohagen aus Lübeck ist bekannt, dass „betroffenen Patienten die richtige Therapie nachhaltig hilft“.

Tic-Störungen

Zwangsstörungen haben auch einige Gemeinsamkeiten mit sogenannten Tic-Störungen.

„Hauptsymptome der Tic-Störung sind motorische und vokale Tics, die sich in einfache und komplexe Tics unterteilen lassen“, heißt es auf dem Informationsportal „Neurologen und Psychiater im Netz“.

Laut Fachleuten treten die Tics unter Spannung auf und dienen keinem bestimmten Zweck. Schätzungen zufolge entwickeln bis zu 15 Prozent aller Grundschüler vorübergehend Tics.

„Tics zeigen eine starke Tendenz von alleine zu verschwinden. Bestehen sie allerdings länger als 1 Jahr, spricht man von einer chronischen Tic-Störung“, erklärt die Kinder und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Dresden auf ihrer Webseite.

Dann empfiehlt sich eine Abklärung bei einem Spezialisten.

Mit Entspannungsübungen Druck abbauen

Fachleuten zufolge können sowohl bei Zwangsstörungen als auch bei Tics neben einer Therapie auch Entspannungsübungen wie Yoga oder Autogenes Training helfen.

Wenn Betroffene ein „Vorgefühl“ verspüren, können sie dem etwa entgegenhalten, indem sie die Faust anspannen, sich besinnen und die Energie in andere Bahnen lenken.

Achtsamkeitsübungen können ebenfalls dazu beitragen, sich aufbauenden Druck zu lösen. (ad)