Zu wenig Bewegung ist gefährlicher als Rauchen, Diabetes und Herzerkrankungen

Alfred Domke

Mangelnde Fitness: Ungesünder als Rauchen, Diabetes und Herzkrankheiten

Gesundheitsexperten weisen immer wieder drauf hin, wie sinnvoll es ist, den inneren Schweinehund zu überwinden und sich regelmäßig zu bewegen. Denn wer zu wenig körperlich aktiv ist, hat ein höheres Risiko für zahlreiche Krankheiten. Wie groß diese Gefahr tatsächlich ist, hat sich nun in einer Studie US-amerikanischer Forscher gezeigt. Demnach ist mangelnde Fitness ungesünder als Rauchen, Diabetes und Herzkrankheiten.


Viele Menschen bewegen sich zu wenig

Erst vor kurzem wurde eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht, in der sich das dramatische Ausmaß der weltweiten Unsportlichkeit gezeigt hat: fast jeder Dritte bewegt sich zu wenig. Auch die Mehrheit der Deutschen sind Bewegungsmuffel. Laut Experten bewegen sich gerade einmal vier von zehn Menschen hierzulande genug. Dabei gibt es genügend gute Gründe für regelmäßige körperliche Aktivitäten. Bewegungsmangel hingegen kann das Risiko für verschiedene Krankheiten erhöhen. Wie groß die Gefahr durch fehlende Fitness sein kann, hat sich nun in einer Studie US-amerikanischer Wissenschaftler gezeigt.

Wer sich ausreichend körperlich betätigt hat ein deutlich geringeres Risiko für schwere Krankheiten. Durch mangelnde Fitness hingegen steigt das Sterberisiko enorm, wie sich in einer neuen Studie zeigte. (Bild: luckybusiness/fotolia.com)

Erhöhte Sterblichkeitsrate

Dass wenig Bewegung ungesund ist, ist nichts Neues. Doch wie problematisch es wirklich ist, wenn man sich nicht ausreichend körperlich betätigt, zeigt eine Studie, die von Experten der US-amerikanischen Cleveland Klinik durchgeführt wurde.

Laut der Untersuchung, die in der Fachzeitschrift „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde, erhöht mangelnde Fitness das Sterberisiko deutlich mehr als Rauchen, Diabetes und Herzkrankheiten.

Studienautor Dr. Wael Jaber nannte die Ergebnisse „äußerst überraschend“. Gegenüber dem Nachrichtensender „CNN“ sagte er: „Unfit auf einem Laufband oder in einem Belastungstest zu sein, hat eine schlechtere Prognose, was den Tod betrifft, als wenn man hypertensiv, Diabetiker oder Raucher ist“.

„Wir haben noch nie etwas so ausgeprägt und so objektiv gesehen.“

Laut dem Kardiologen sollte „Unsportlichkeit als Risikofaktor angesehen werden“ und zwar „wie Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen – wenn nicht sogar stärker als alle davon.“

Und: „Sie sollte ähnlich wie eine Krankheit behandelt werden, gegen die es ein Rezept gibt, das Bewegung genannt wird“.

Vorteile in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern

Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen haben die Forscher Daten von 122.007 Patienten untersucht, die zwischen dem 1. Januar 1991 und dem 31. Dezember 2014 in der Cleveland Klinik Laufbandtests durchführten, um die Gesamtmortalität im Zusammenhang mit den Vorteilen von Bewegung und Fitness zu messen.

Wie „CNN“ berichtet, wurden die Vorteile der Bewegung bei allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern gesehen, „wahrscheinlich ein wenig stärker ausgeprägt bei Frauen“, so Jaber.

Schockierend sei, wenn man die Risiken bei denjenigen betrachtet, die sich nicht viel bewegen.

„Wir alle wissen, dass ein sitzender Lebensstil oder Unsportlichkeit ein gewisses Risiko birgt. Aber ich bin überrascht, dass sie sogar so starke Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder sogar Krankheiten im Endstadium überragen.“

Laut den Forschern starben Studienteilnehmer, die sich kaum bewegten, mit fünfmal höherer Wahrscheinlichkeit im Studienzeitraum. Bei mittelmäßiger Fitness war die Sterbewahrscheinlichkeit noch eineinhalb mal so hoch.

Den Studienautoren zufolge wirke sich Fitness im Übrigen in jedem Alter positiv auf die Gesundheit aus.

„Ob du in deinen 40ern oder deinen 80ern bist, du wirst auf die gleiche Weise profitieren“, sagte Jaber.

Es kann gar nicht genug Fitness sein

Zudem zeigte sich in der Untersuchung, dass die Sorge, dass „ultra“ Trainierende ein höheres Sterberisiko haben könnten, unberechtigt ist.

„Es gibt kein Maß an Übung oder Fitness, das dich einem Risiko aussetzt“, so Jaber. „Wir können aus der Studie sehen, dass die Supersportlichen immer noch eine niedrigere Sterblichkeitsrate haben.“

Dr. Satjit Bhusri, ein Kardiologe, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte, dies bestärkt das, was wir wissen.

„Sitzende, westliche Lebensstile haben zu einer höheren Inzidenz bei Herzerkrankungen geführt, und dies zeigt, dass es veränderbar ist. Es ist reversibel“ erklärte der Mediziner vom Lenox Hill Hospital in New York gegenüber „CNN“.

Für Patienten, vor allem diejenigen, die einen sitzenden Lebensstil pflegen, gelte laut Jaber: „Sie sollten ein Rezept von Ihrem Arzt für Leibesübungen verlangen.“ (ad)