Zu wenige Menschen in Deutschland lassen sich gegen Grippe impfen

Alfred Domke

Experten warnen: Nutzen der Grippeimpfung von Risikogruppen oft nicht erkannt

Im vergangenen Winter mussten fast 60.000 Menschen in Deutschland stationär in Krankenhäusern behandelt werden. Bei mehr als 1.000 Personen endete die Infektion tödlich. Schutz kann unter anderem die Grippeimpfung bieten. Doch laut Gesundheitsexperten lassen sich hierzulande zu wenige Menschen impfen.


Besonders schwerer Verlauf

Die vergangene Grippesaison verlief besonders schwer und führte zu rund neun Millionen Arztbesuchen. Über 330.000 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle mit Influenza-Viren wurden im letzten Winter gemeldet. Fast 60.000 Menschen mussten stationär in Kliniken behandelt werden. Bei 1.665 Personen endete die Infektion tödlich. Schutz kann unter anderem eine Impfung gegen Influenza bieten. In der Grippesaison 2018/2019 haben gesetzlich Versicherte erstmals einen verbindlichen Anspruch auf einen Vierfach-Impfstoff gegen Grippe. Doch laut Gesundheitsexperten lassen sich zu wenige Deutsche impfen.

Einer aktuellen Umfrage zufolge hat sich die Einstellung der Deutschen zum Impfen zwar allgemein verbessert, doch der Nutzen der Grippeimpfung wird von Risikogruppen oft nicht erkannt. (Bild: Production Perig/fotolia.com)

Schutz vor Infektionen

Die kalte Jahreszeit naht und damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an einer „echten“ Grippe (Influenza) zu erkranken.

Um sich vor einer Grippe-Infektion zu schützen, ist es grundsätzlich sinnvoll, die Abwehrkräfte zu stärken, von Erkrankten Abstand zu halten und sich regelmäßig die Hände zu waschen.

Schutz bietet auch die Grippeimpfung. Impfen lassen sich vor allem gefährdete Personen.

Keine einfache Erkältung

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung im Oktober oder November.

Dies gilt insbesondere für sogenannte Risikogruppen wie Menschen ab 60 Jahren, Schwangere oder chronisch Kranke sowie Personengruppen mit erhöhter Ansteckungsgefahr, wie zum Beispiel medizinisches Personal.

„Eine echte Grippe ist keine einfache Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung“, erklärte Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, in einer Mitteilung.

„Dass die Grippe nicht unterschätzt werden darf, verdeutlichen die hohen Erkrankungszahlen aus dem vergangenen Winter 2017/2018“, so die Expertin.

„Laut Saisonbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza kam es dabei schätzungsweise zu neun Millionen Influenza-bedingten Arztbesuchen. Die BZgA weist deshalb auf die Grippeimpfung als wirksamen Schutz vor einer schwerwiegenden Infektionskrankheit hin.“

Grippeimpfung wird von vielen als nicht besonders wichtig angesehen

Wie es in der Mitteilung heißt, zeigen die Ergebnisse der aktuellen bundesweiten Repräsentativbefragung der BZgA, dass sich die Einstellung zum Impfen in der Bevölkerung allgemein verbessert hat.

Dennoch schätzen nur knapp die Hälfte aller Befragten (47 Prozent), denen eine Grippeimpfung empfohlen wird, diese als „(besonders) wichtig“ ein. Nur 40 Prozent der Befragten, die zu einer der Risikogruppen gehören, geben an, sich regelmäßig gegen Grippe impfen zu lassen.

Einer der wichtigsten Gründe, warum die Impfung nicht regelmäßig wahrgenommen wird, ist die Einschätzung, dass die Grippe keine besonders schwere Krankheit sei.

Dabei sind Grippeviren sehr ansteckend und können sich somit schnell verbreiten. Meist zeigt sich die Influenza mit schweren Krankheitszeichen wie plötzlichem hohem Fieber über 38,5 Grad Celsius, trockenem Reizhusten sowie Kopf- und Gliederschmerzen.

Die Erkrankung betrifft den ganzen Körper und dauert selbst in unkomplizierten Fällen fünf bis sieben Tage. Beispiele für Komplikationen sind Lungen- oder Herzmuskelentzündungen, in schweren Fällen sogar mit Todesfolge.

Die BZgA empfiehlt erkrankten Personen, zu Hause zu bleiben, Bettruhe einzuhalten und damit auch einer weiteren Verbreitung der Krankheitserreger vorzubeugen. (ad)