Milchiger Urin (Trüber Urin) – Ursachen, Symptome, Therapie

Das sind die Ursachen und Hintergründe von milchigem Urin
Harntrübungen kommen in vielen verschiedenen Varianten vor. Während leichte Urinverfärbungen aber oftmals nur harmlosen Ursachen, zum Beispiel einem vorübergehenden Flüssigkeitsmangel geschuldet sind, ist mit starken Trübungen meist nicht zu Spaßen. Gerade milchiger Urin weist im Großteil aller Fälle auf ernste Grunderkrankungen hin, weshalb bei anhaltenden Beschwerden zeitnah ein Arzt aufgesucht werden sollte. Und auch zusätzliche Verfärbungen können ein bedenkliches Warnsignal sein.


Definition

Die Farbe des Urins wird von zahlreichen Faktoren bestimmt. Grundsätzlich besteht er aus körpereigenen Abbauprodukten, die der Stoffwechsel nicht verwerten kann und die deshalb ausgespült werden müssen. Zu unterscheiden ist dabei zwischen dem Primärharn und dem Endharn. Der noch relativ klare Primärharn ist das unkonzentrierte Urinsubstrat (auch: Ultrasubstrat), das in den Sammelrohren der Niere zusammenfließt. Er wird maßgeblich aus wässrigem Blutplasma gebildet, das über den Blutkreislauf der Niere abgesondert wird und noch ungefilterte Abbauprodukte des Stoffwechsels enthält. Diese besitzen einen maximalen Durchmesser von 4,4 Nanometern und setzen sich unter anderem aus Proteinen, Traubenzucker (Glucose), Aminosäuren und Elektrolyten zusammen.

Die Farbe des Urins ensteht durch darin vorkommende Stoffwechselprodukte (Urochrome). (Bild: Björn Wylezich/fotolia.com)

Im nächsten Schritt wird der Primärharn von den Nierenkörperchen zu Endharn gefiltert, um letzte, für den Körper verwertbare Stoffe zurück zu gewinnen. Auch etwa 99 Prozent Wasser werden dem Urin hierbei entzogen, was dessen stoffliche Zusammensetzung dahingehend verändert, dass er seine typische, gelbe Färbung erhält.

Verantwortlich für die Urinfarbe sind sogenannte Urochrome. Es handelt sich hierbei um gelb färbende Stoffwechselprodukte, die in der Niere beim Abbau von Hämoglobin aus gefiltertem Blutplasma entstehen. Gemeinsam mit anderen Filterstoffen machen Urochrome einen Anteil von 5 % des Endharnfiltrats aus. Weitere Filterstoffe im Endharn sind diesbezüglich

  • Duftstoffe
  • Harnsäure
  • Harnstoff
  • Hormone
  • organische Säuren
  • und wasserlösliche Vitamine

Durch die besondere Zusammensetzung des Endharns ergibt sich eine Partikeldichte von 1015 bis 1024 g pro 1 l Urin. Eine Trübung geht demnach immer mit einer erhöhten Partikelkonzentration von über 1024 g pro l Harn einher. Je nachdem, welche Ursache für die erhöhte Partikeldichte verantwortlich ist, kann es zusätzlich auch zur Urinverfärbung kommen. Sie geben oftmals schon erste Hinweise auf die Art der Ursache, da für verschiedene Färbungen nur bestimmte Partikelkonzentrationen in Frage kommen.

Grob einteilen lassen sich besagte Trübungen des Urins in vier verschiedene Farbklassen:

  1. gelbe Harntrübungen
  2. rote Trübungen des Urins
  3. braune Urintrübungen
  4. weißliche Harntrübungen

Während leichte Abweichungen vom natürlichen Gelbton es Urins dabei meist noch kein Grund zur Sorge sind, gibt es für alle weiteren Arten von Trübungen mitunter sehr heikle Gründe, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten.

Ist der Urin dunkelgelb bis orange gefärbt, kann eine Dehydration die Ursache sein. (Bild: oscar williams/fotolia.com)

Gelbe Harntrübungen sind meist unbedenklich

Nicht immer muss hinter einer Trübung des Harns eine ernste Grunderkrankung stecken. Sofern dieser lediglich etwas dunkler als sonst erscheint, kann beispielsweise eine kurzfristige Dehydration verantwortlich sein. Er besitzt dann eine dunkelgelbe bis orange Färbung, die an naturtrüben Apfelsaft erinnert und auf eine erhöhte Urochromkonzentration zurück zu führen ist. Begünstigt werden solche Harntrübungen durch eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr, den Verzehr bestimmter Lebensmittel (z.B. Zitrusfrüchte) und wasserzehrende Körperprozesse, wie sie durch Alkoholkonsum und intensive körperliche Betätigung entstehen.

Eine weitere Ursache für gelblich trüben oder milchig gelben Urin können schwangerschaftsbedingte Hormonumstellungen sein. Vor allem eine erhöhte Konzentration des Schwangerschaftshormons hCG (humanes Choriongonadotropin), verändert die Zusammensetzung des Harns häufig dahingehend, dass dieser zum einen extrem gelb und ggf. auch sichtlich trüb erscheint. Darüber hinaus kann ein erhöhter hCG-Wert im Harn dessen Geruch beeinflussen, weshalb der Urin von Schwangeren nicht selten eine süßliche Note trägt.

Manchmal stammt eine gelblich-trübe Färbung auch gar nicht vom Urin selbst. So können bei Frauen zum Beispiel natürliche Absonderungen von Vaginalsekret vorübergehend für eine Eintrübung sorgen. In aufgestautem Harn kommt es daneben zu einem vermehrten Ausfall von Salzkristallen, was hin und wieder für trüben Morgenurin sorgen kann. Solange frischer Urin noch warm ist, bleiben die Salze ungelöst im Harnfiltrat. Kühlt er allerdings ab, verfestigen sich die Salze zu kristallinen Strukturen, die eine kurzfristige Änderung der Farbe bedingen. Diese kann bei erhöhter Salzkonzentration von gelblich bis leicht rötlich reichen.

Vorsicht bei roter Harntrübung

Rote Harntrübung muss nicht zwangsläufig die Beimengung von Blut im Urin bedeuten. Neben Urinsalzen sind auch Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Carotin oder Betanin durchaus dazu in der Lage, ihre orangen bis rötlichen Färbeeigenschaften auf den Harn zu übertragen. Die rote Verfärbung erschreckt Betroffene hier auf den ersten Blick ungemein, ist gesundheitlich aber völlig unbedenklich. Typische Nahrungsmittel, die als Ursache für diese harmlose Urintrübung in Frage kommen, sind Möhren und Rote Beete.

Fernab des Ernährungsaspekts muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass rote Harntrübungen häufiger durch die sogenannte Hämaturie ausgelöst werden. Der Begriff beschreibt die Beimengung von Blut im Urin und ist ein Alarmzeichen für innere Blutungen. Hellrote Trübungen lassen diesbezüglich auf eine besonders frische Wunde oder einen nur leicht ausgeprägten Blutfluss im Bereich der Harnwege (z.B. bei schwerer Blasenentzündung) schließen. Dunkelrot bis rotbraun gefärbter Harn deutet hingegen entweder auf einen starken Blutfluss oder eine anders geartete Erkrankung hin.

Eine rötliche Harntrübung sollte immer ernst genommen werden, denn sie kann beispielsweise auf einen schweren Harnwegsinfekt hindeuten. (Bild: sercansamanci/fotolia.com)

Wichtig: Harnwegsblutungen als Ursache für rot getrübten Urin sind klar von Einblutungen im Zuge des weiblichen Zyklusgeschehens zu unterscheiden. Diese sind natürlich unbedenklich, auch wenn sie den Harn bisweilen deutlich verfärben.

Braune Trübung des Harns ist Alarmzeichen

Tatsächlich gibt es für rotbraune bzw. schwarzbraune Harntrübungen deutlich mehr Ursachen als es zunächst den Anschein hat. Außer einer Hämaturie ist beispielsweise eine Alkaptonurie denkbar. Dahinter verbirgt sich eine angeborene Störung des Tyrosinstoffwechsels, welche zur vermehrten Einlagerung des Abbauproduktes Homogentisat führt. Im Harn oxidiert dieses Abbauprodukt zum schwarzbraun färbenden Alkapton, daher auch der Krankheitsname Alkaptonurie.

Problematisch ist die Erkrankung vor allem deshalb, weil es neben Stoffablagerungen im Urin auch zu Kristallablagerungen von Homogentisat bzw. Alkapton in den Gelenken, Augen und der Niere kommen kann. Letzteres erhöht das Risiko auf Nierensteine.

Eine weitere denkbare Ursache für eine rötlich-braune Verfärbung des Harns sind erhöhte Blutfarbstoffwerte. Zu nennen wäre hier einerseits der Blutfarbstoff Bilirubin. Er ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes ‚Häm‘ und kann bei Störungen im Blutstoffwechsel für eine unnatürliche Einlagerung von Bilirubin im Körper sorgen. Auf diese Weise entsteht die wohlbekannte Gelbsucht (Ikterus), die neben Augen, Haut, Schleim- und Bindehäuten auch den Urin verfärben kann. Während andere Körperteile im Zuge des Ikterus jedoch die krankheitstypische Gelbfärbung annehmen, bewirkt der Blutfarbstoff im Harn eher eine bräunlich-trübe Farbveränderung.

Der zweite Blutfarbstoff, der bräunliche Trübungen verursachen kann, ist der rote Blutfarbstoff Häm selbst. Eine Krankheit, die in diesem Zusammenhang besonders häufig für bräunliche Trübungen sorgt, ist die Stoffwechselerkrankung Porphyrie. Wie bei Gelbsucht lagern sich im Laufe der Erkrankung Abbauprodukte des Blutfarbstoffs im Körper ein. Verantwortlich für die Stoffwechselstörung sind erblich bedingte Enzymdefekte im Häm-Aufbau.

Achtung: Sowohl Gelbsucht als auch Porphyrie stehen mit schweren Leberschäden in Verbindung. Entsprechende Harntrübungen machen deshalb eine zeitnahe Behandlung notwendig!

Es gibt noch eine weitere Erkrankung, die bei bräunlichen Verfärbungen als besonders gefährlich einzustufen ist. Gemeint ist der Schwarze Hautkrebs (Malignes Melanom). Er befällt die Pigmentzellen der Haut und kann im weiteren Krankheitsverlauf zur gesteigerten Ausscheidung abgestorbener Pigmente über den Urin führen, welcher in der Folg trüb wird und braun verfärbt.

Weißlicher / Milchiger Urin kann vieles bedeuten

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff „milchiger Urin“ gerne für alle der oben genannten Urintrübungen verwendet. Wirklich milchiger Harn weist neben der Trübung selbst jedoch eine ungewöhnliche, weißliche Farbe auf. Sie ist auf einen Anstieg weißlich färbender Urinpartikel zuführen, was nicht selten mit Fehlfunktionen der Niere, Wundprozessen im Bereich der Harnwege oder feinen Gewebsrückständen im Urin in Verbindung steht. Ursachen, die aus milchigem Harn eine äußerst ernste Angelegenheit machen.

Ursache Harnwegserkrankungen

Besonders häufig tritt der milchig-getrübte Harn im Rahmen von Harnwegsinfekten wie der Blasenentzündung auf. Doch auch eine entzündete Prostata und Nierensteine stehen immer wieder in Verbindung mit einer Verfärbung dieser Art. Geht es um die Diagnose besagter Harnwegserkrankungen, nehmen Ärzte standardmäßig die Leukozytwerte im Urin unter die Lupe. Aus gutem Grund, denn die als Leukozyten bekannten weißen Blutkörperchen trüben nicht nur den Harn milchig, sondern sind auch ein Anzeichen für einen fortgeschrittenen Krankheitsverlauf.

Häufig tritt milchiger Urin in Verbindung mit einer Blasenentzündung auf. (Bild: absolutimages/fotolia.com)

Ursächlich für den erhöhten Leukozytgehalt sind Immunvorgänge, bei denen die Körperabwehr auf Infektionserreger wie Bakterien oder Viren reagiert. Leukozyten fungieren hierbei als Immunzellen, die Erreger im Körper aufspüren und unschädlich machen. Sollten sich Bakterien und Co. also in den Harnwegen eingenistet haben, nimmt folglich auch die Anzahl weißer Blutkörperchen im Urin zu. Man spricht in diesem Fall von einer Leukozyturie, wobei neben Leukozyten auch Wundeiter oder Rückstände von Infektionserregern im Harn enthalten sein können. Zusätzlich zur milchigen Farbe geht Leukozyturie außerdem mit weiteren Begleitsymptomen einer Infektion einher. Zu ihnen zählen unter anderem:

Achtung: Besonders alarmierend sind bei Leukozyturie Urineinblutungen, Nierenschmerzen und Fieber. Es handelt sich hierbei um eindeutige Hinweise, dass ein Harnwegsinfekt bereits sehr weit fortgeschritten ist. Im schlimmsten Fall droht hier eine Nierenbeckenentzündung, die dann auch eine Niereninsuffizienz nach sich ziehen kann.

Milchiger Urin bei gestörtem Lymphabfluss

Eine weitere kritische Ursache sind Störungen im Lymphabfluss. Ein Szenario das vorrangig im Zuge ernster Erkrankungen auftritt und deshalb abermals eine zeitnahe Diagnose erfordert. Die milchige Harntrübung tritt hierbei ein, wenn vermehrt Lymphfette in den Urinkreislauf gelangen. Genauer gesagt, sind es sogenannte Chylusfette, die in diesem Fall die weißlich-trübe Färbung auslösen.

Ein möglicher Entstehungsweg für erhöhten Chylusfettgehalt im Blut sind Infektionen durch Parasiten. Insbesondere tropische Fadenwürmer nisten sich gerne im Lymphsystem ihres Wirtes ein, wo sie kleine Nahrungszysten anlegen, die anschließend den Lymphabfluss stören. Da die Lymphfette so nicht mehr vollständig abgebaut werden können, werden Sie vermehrt über die Blutbahn in die Niere transportiert, von wo aus sie weiter in den Urin gelangen. Eine mögliche Fadenwurmart, die nachweislich zu entsprechenden Lymphstörungen sowie zu störungsbedingten Urintrübungen führen kann, ist Wucheria bancrofti.

Ebenfalls möglich ist eine erhöhte Konzentration von Chylusfetten im Urin durch Verwachsungen im Lymphgewebe. Der Verlauf bis zur Harntrübung ist relativ identisch mit der einer Fadenwurminfektion und beruht maßgeblich auf einem gestörten Fettstoffwechsel im Lymphsystem. Darüber hinaus sei Lymphdrüsenkrebs als mögliche Ursache für besagte Störungen im Lymphabfluss genannt. Nicht nur, dass die tumorbedingten Abflussstörungen einen milchigen Urin begünstigen, besteht bei dieser Krebsart auch das Risiko, dass sich Tumorzellen aus den Lymphomen lösen, über die Lymphbahnen in andere Körperbereiche abwandern und dort schlussendlich Metastasen bilden. Die Harnwege sind von diesem Metastasenrisiko nicht ausgeschlossen. Patienten sollten darum sehr genau auf folgende begleitenden Symptome achten:

Milchige Harntrübung – Anzeichen für Niereninsuffizienz?

Nährstoffe wie Proteine werden im Zuge der Filterung des Primärharns normalerweise resorbiert und an den Körper zurückgegeben. Liegen allerdings Funktionsstörungen der Niere oder Nierenkörperchen vor, kann eine erhöhte Eiweißkonzentration durch mangelnde Harnfilterung die Folge sein. Zwar erscheint der trübe Urin bei dieser sogenannten Proteinurie meist immer noch leicht gelb, die Färbung ist jedoch deutlich heller und geht fast schon ins Weiße.

Hauptursache für eine Proteinurie ist vor allem chronische Niereninsuffizienz. In seltenen Fällen ist die Erkrankung durch Fehlbildungen oder angeborene Gendefekte begünstigt. Viel häufiger wird sie jedoch durch vorangegangene Grunderkrankungen hervorgerufen. Gerade als Begleiterscheinung von Diabetes mellitus stellt sich häufig eine Nierenschwäche ein, die im weiteren Verlauf zum Komplettversagen der Niere führen kann. Nierenzysten, Durchblutungsstörungen der Niere und Entzündungsprozesse im Bereich der Nierenkörperchen, beispielsweise durch eine fortgeschrittene Nierenbeckenentzündung, gelten ebenso als Risikofaktoren. Eine Dialyse ist in solchen Fällen oft unausweichlich, um einen ausreichenden Stoffaustausch zwischen Blut und Nieren überhaupt noch gewährleisten zu können. Auffällige Begleitsymptome bei Niereninsuffizienz sind zudem:

  • Appetitlosigkeit
  • Atemnot
  • geistige Leistungseinbußen
  • auffällige Hautveränderungen
  • Krampfanfälle
  • Übelkeit und Erbrechen
  • vermehrte Wassereinlagerungen

Harmloser sind erhöhte Eiweißkonzentrationen im Blut, wenn sie nur kurzfristig anhalten. Häufig kann man dann natürliche Absonderungen der Harnschleimhaut als Ursache für den milchigen Harn ausmachen. Die Schleimhautreste sind stark eiweißhaltig und gelangen als kleine Schleimwölkchen, sogenannte Nubecula in den Urin, während dieser die Harnwege passiert. Grund zur Sorge besteht bei dieser Form der Trübung gemeinhin nicht.

Ist der Urin milchig, rötlich oder rotbraun getrübt, sollte auf jeden Fall zeitnah ein Arzt aufgesucht werden. (Bild: Csaba Deli/fotolia.com)

Wann zum Arzt bei Harntrübungen?

Wie zu Beginn aufgezeigt, muss eine Trübungen des Harns nicht in jedem Fall für eine Erkrankung sprechen. Kein Grund zur Sorge besteht in der Regel, wenn diese nur kurzfristig anhält, auf bestimmte Ernährungs- bzw. Alltagsgewohnheiten (z.B. Verzehr färbender Lebensmittel oder körperliche Anstrengung) zurück zu führen ist und keine Begleitbeschwerden bestehen. Bei Alkoholkonsum und mangelnder Flüssigkeitszufuhr hängt die Dringlichkeit eines Arztbesuches allerdings von der Häufigkeit entsprechender Gewohnheiten ab. Wer viel Alkohol konsumiert oder chronisch zu wenig trinkt, muss deshalb dringend eine Verhaltensumstellung anstreben und sollte zur Sicherheit einen Routinecheck beim Arzt durchführen lassen.

Definitiv angeraten ist der Arztbesuch, wenn der Urin sehr stark getrübt und verfärbt ist. Hier stehen meist gesundheitliche Probleme hinter der Beschwerde, die dann so schnell wie möglich abgeklärt werden müssen. Auch Begleitsymptome wie Fieber, häufiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Als Faustregel gilt: milchige, rötliche und rotbraune Trübungen sollten zur Sicherheit immer untersucht werden.

Diagnose

Die Hauptuntersuchung besteht bei jeder Form von Trübung aus einem ausführlichen Urintest. Nach der Entnahme einer Endharnprobe werden hierfür alle relevanten Urinwerte überprüft. Bei Harnwegsinfekten lassen sich im Zuge der Laboruntersuchungen beispielsweise erhöhte Leukozyt- und / oder Proteinwerte feststellen. Sind ferner Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Urin nachweisbar, liegt der Verdacht auf eine fortgeschrittene Infektion mit blutender Wundbeteiligung nahe. Zusätzlich lassen sich im Rahmen des Tests mögliche Infektionserreger, Details wie der pH-Wert des Blutes sowie Salz- und Elektrolytverteilung beurteilen.

Ergänzend sind eventuell weitere Folgeuntersuchungen notwendig. Gerade Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Gelbsucht oder Porphyrie erfordern gemeinhin eine zusätzliche Blutuntersuchung. Bei Verdacht auf Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Lymphdrüsen- oder Hautkrebs, sind auch Organspiegelungen und Gewebeproben üblich. Gleiches gilt für fortgeschrittene Erkrankungen des Stoffwechsels, sofern diese bereits zu Organbeschwerden, wie Leber-, Milz- oder Nierenschwäche geführt haben.

Im Labor werden die verschiedenen Bestandteile des Urins untersucht. (Bild: Gerhard Seybert/fotolia.com)

Therapie bei Harntrübungen

Die Behandlung richtet sich freilich nach der zugrundeliegenden Ursache. Zur Auswahl stehen verschiedene Maßnahmen, die von einfachen Ernährungsumstellungen bis hin zu operativen Eingriffen reichen:

Hygiene

Zur Behandlung von trübem Urin als Ursache von Harnwegsinfektionen ist es äußerst wichtig, den Intimbereich keimfrei zu halten. Entsprechende Hygienemaßnahmen sind deshalb ein wichtiger Bestandteil persönlichen Therapieunterstützung. Nur so kann verhindert werden, dass erneut Infektionserreger in die Harnwege eindringen und somit für weitere Verunreinigungen des Urins sorgen. Auf aggressive Pflegeprodukte, ebenso wie auf ungeeignete Kleidung (z.B. Stringtangas) und Geschlechtsverkehr ist während der Ausheilung sicherheitshalber zu verzichten, um Reizungen der geschwächten Harnwege und deren intimer Umgebung zu vermeiden.

Ernährungstherapie

Im Bereich der Ernährung ist zur Reinigung des Urins eine zielführende Kost durch harntreibende Lebensmittel empfehlenswert. Gemüsesorten wie Gurken, Tomaten, Sellerie oder Spargel sind hier ebenso gut geeignet wie wasserreiche Obstsorten (z.B. Wassermelonen oder Weintrauben). Auch sollte eine gezielte Flüssigkeitszufuhr nicht fehlen. Mindestens 2,5 bis 3 l pro Tag sind für eine gute Durchspülung der Harnwege unabdingbar. Wasser, ungesüßte Tees und warme Brühen, die den angeschlagenen Flüssigkeitshaushalt nicht noch mehr belasten, sind diesbezüglich klar zu bevorzugen.

Naturheilkunde bei milchigem Urin

Die richtigen Trinkgewohnheiten können mit Blick auf trüben Urin auch Erkrankungen wie der Blasenentzündung entgegenwirken und deren Heilungsverlauf sogar positiv unterstützen. Zum einen werden Infektionserreger durch eine gute Flüssigkeitsversorgung zuverlässig aus dem Harnwegssystem gespült, zum anderen helfen bestimmte Heilkräuter wunderbar bei der Ausheilung von Entzündungen.

So gilt die als Aronia bekannte Apfelbeere laut Studien beispielsweise als ausgezeichnetes Naturheilmittel bei Harnwegsinfekten. Verantwortlich für die Heilwirkung sind hier vor allem die antibakteriellen sowie desinfizierenden Gerbstoffe und Anthocyane der Aronia. Sie wirken antibakteriell, desinfizierend und immunstärkend. Außerdem enthält die Apfelbeere zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe, die geschwächten Harnwegen schnell wieder auf die Sprünge helfen.

In ihrer Wirkung und inhaltsstofflichen Zusammensetzung relativ ähnlich sind der Aronia andere Beerenarten Cranberries, Heidelbeeren und Johannisbeeren. Als Saft oder Tee zubereitet, stärken die heilsamen Beeren die Harnwegsschleimhäute und helfen dem Immunsystem bei der raschen Bekämpfung von Krankheitserregern. Trüber Urin sollte deshalb bei einer regelmäßigen Anwendung bald kein Problem mehr sein.

Ebenfalls gut zur Behandlung von infektionsbedingten Trübungen geeignet sind natürliche Diuretika wie die Brennnessel, Estragon, Holunder oder Rosmarin. Sie können ebenfalls unkompliziert zu Tee aufgebrüht und ihr Absud zur Durchspülung der Harnwege getrunken werden. Ein besonderer Tipp sind außerdem frische Salate mit entwässernden Gemüsesorten, die dann mit besagten Kräutern bestückt werden.

Brennnesseltee ist besonders gut geeignet, um bei einem Infekt die Harnwege durchzuspülen. (Bild: Madeleine Steinbach/fotolia.com)

Medikamentöse Therapie

Ob und welche Medikamente notwendig sind, muss im Einzelfall vom Arzt entschieden werden. Infekte wie Blasen-, Prostata- oder Nierenbeckenentzündungen erfordern gemeinhin eine antibiotische Behandlung, um sicherzugehen, dass die Krankheit rasch ausheilt und keine bakteriellen Rückstände in den Harnwegen verbleiben. Dies könnte Infektionsherde im schlimmsten Fall wieder aufflammen lassen und für chronische Krankheitsverläufe sorgen. Auch parasitäre Infektionen lassen sich mit Antibiotika beheben.

Sollten die Schmerzen und Entzündungsvorgänge bei Harnwegserkrankungen besonders schlimm sein, verschreiben Ärzte gelegentlich auch schmerzstillende sowie entzündungshemmende Arzneimittel. Präparate wie Acetylsalycilsäure (ASS), Ibuprofen oder Diclofenac sind hierbei oft die Mittel erster Wahl. Es sei aber darauf hingewiesen, dass manche dieser Medikamente, ebenso wie Antibiotika, die Harntrübung vorübergehend weiter intensivieren können.

Lymphdrüsen- und Hautkrebs als Ursache machen eine Therapie mit Zytostatika unausweichlich. Zusätzlich könnte eine Strahlentherapie erforderlich sein. Die Urintrübungen können auch hier im Zuge der Medikation bzw. des Strahlenverfahrens zunächst weiter zunehmen.

Stationäre und operative Behandlung

Ist ein Steinleiden verantwortlich, kann zunächst versucht werden, die Nierensteine medikamentös aufzulösen. Dies gelingt allerdings nur bei Steinen mit bestimmter stofflicher Zusammensetzung. Zudem bleiben im medikamentöse Verfahren immer wieder Steinpartikel in der Niere zurück, die dann zu neuen Nierensteinen heranwachsen. Besser ist es darum, die kristallinen Ablagerungen operativ zu entfernen. Die Extraktion mittels Schlinge gilt diesbezüglich inzwischen als veraltet. Stattdessen setzt die moderne Medizin auf die endoskopische Zertrümmerung mittels Stoßwellen, Laser oder Ultraschall (Nephrolitholapaxie). Nachdem der Stein entfernt wurde, sind auch dessen mineralische Ausfälle im Urin unterbunden, was dem Harn wieder eine klare gelbe Färbung verleiht.

Bei Diabetes mellitus ist eine Dialyse im Krankenhaus vielfach unvermeidlich. Ein gut eingestellter Patient kann einer krankheitsbedingten Niereninsuffizienz und damit auch trüben Urinverfärbungen zwar lange Zeit vorbeugen, früher oder später wird die Gesundheitsbelastung für die Niere jedoch oft so groß, dass die Blutreinigung maschinell durchgeführt werden muss.

Sollte ein Nierenversagen neben trübem Urin auch massive Gesundheitsbeeinträchtigungen hervorrufen, bleibt als letzte Lösung nur eine Nierentransplantation. Sobald eine neue Niere eingesetzt wurde, sollte auch die Harnfilterung wieder reibungslos funktionieren, sodass die Trübung nicht weiter zum Problem wird. (ma)