Schmerzlose Schwellung – Symptome, Ursachen und Behandlung

Schmerzlose Schwellungen und ihre Ursachen

Schwellungen ohne Schmerzen können unterschiedlichste Ursachen haben. Viele davon sind ungefährlich. Doch bisweilen bedeutet schmerzlos nicht harmlos. So sind Schwellungen ohne Schmerzen auch ein frühes Symptom bösartiger Tumore.


Die wichtigsten Fakten – Eine Übersicht

  • Schmerzlose Schwellungen sind ein Symptom, keine Erkrankung.
  • Das Symptom der schmerzfreien Verdickungen ist unspezifisch, es wird erst spezifisch durch die Lage und die Art der Verdickungen (Hals oder Kinn, hart oder weich, Knubbel oder Knötchen etc.).
  • Ursachen für solche Schwellungen gibt es sehr viele. Sie reichen von Unfällen, Hämatomen und angeborenen Fehlbildungen bis zu gut- und bösartigen Tumoren.
  • Bei Schwellungen ohne Schmerzen kommen die unterschiedlichsten Ursachen in Frage, viele davon sind ungefährlich aber nicht jede. (Bild: amazing studio/fotolia.com)

    Lymphödeme

    Lymphödeme, Wasseransammlungen an den Lymphgefäßen, sind die häufigste Ursache für Schwellungen ohne Schmerzen. Zu der schmerzlosen Schwellung kommt hier eine starke Spannung in den betroffenen Körperteilen hinzu. Außerdem vermehrt und verhärtet sich das Bindegewebe in den betroffenen Körperregionen, dies nennt man Fibrose.

    Schwellung an der Unterseite des Kinns

    Wirkt eine solche Schwellung elastisch und sieht sie aus wie Teig? Dann ist die Ursache oft ein Blutgerguss infolge einer Verletzung oder der Einnahme von Gerinnungshemmern. Sehr selten liegt der Auslöser in einer Mundbodenzyste – einer angeborenen Fehlbildung. Diese ist aber harmlos. Oder – weniger harmlos – die Speicheldrüse im Unterkiefer hat sich entzündet.

    Hier sollten Sie abwarten, ob die Schwellung von selbst verschwindet, und, wenn nicht, in den folgenden Wochen einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

    Zeigt sich die Schwellung als harter Knoten? Dann kann eine Ursache ein Speichelstein in den Speicheldrüsen des Unterkiefers sein. Äußerst selten handelt es sich um einen Tumor in der Unterkieferspeicheldrüse oder im Kieferknochen. Dieser kann gut- oder bösartig sein. Gehen Sie auf jeden Fall zum HNO-Arzt.

    Schwellung am vorderen Hals, die sich mitbewegt

    Eine solche Schwellung geht oft einher mit Nervosität, Gewichtsverlust- oder Zunahme und Frieren. Mögliche Ursachen sind ein Kropf, eine chronische Entzündung der Schilddrüse, eine Zyste im mittleren Halsbereich,oder auch ein versprengtes Gewebe der Schilddrüse. Falls die Schwellung nicht in wenigen Tagen nachlässt oder wiederkehrt, sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat hinzuziehen.

    Wachsende Knoten am vorderen Hals können harmlos sein, sollten aber unbedingt ärztlich abgeklärt werden. (Bild: sebra/fotolia.com)

    Schmerzloser wachsender Knoten am vorderen Hals

    Solche Knoten sind bisweilen verbunden mit Heiserkeit und Geräuschen beim Einatmen. Auch Störungen beim Schlucken können auftreten. Vorsicht: Diese Knoten können zwar harmlos sein, sie sollten aber unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Hier kann es sich um Tumore handeln, genauer gesagt um Schilddrüsenkarzinome oder Kehlkopfkrebs.

    Schwellung am Vorderhals, die sich mit Luft füllt

    Hier handelt es sich um einen sogenannten Luftsack. Der Kehlkopf ist ausgesackt. Sie sollten dies fachärztlich untersuchen lassen.

    Knötchen am seitlichen Hals

    Diese Knötchen können sich auch über den Schlüsselbeinen befinden. Begleiterscheinungen sind manchmal Fieber, Nachtschweiß und Abgeschlagenheit. Hier liegt oft eine chronische Entzündung der Lymphknoten vor, bedingt durch vorhergehende Infektionen. Möglich sind auch Toxoplasmose, HIV oder Tuberkulose. Auch Metastasen von bösartigen Tumoren können ein Auslöser sein. Wenn Sie solche schmerzlosen Knötchen spüren, gehen Sie deshalb unbedingt zur HNO-Ärztin bzw. dem HNO-Arzt ihres Vertrauens.Betroffene sollten sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wenn die Knötchen sich vermehren und/oder vergrößern, Sie Fieber haben oder nachts schwitzen.

    Einzelknoten über dem Schlüsselbein

    Solche glatten schmerzlosen Knoten liegen meist an gutartigen Tumoren in der Haut oder im Gewebe. Typisch sind Lipome, also Fettgewebsgeschwulste oder Fibrome. Dies sind gutartige Wucherungen im Bindegewebe.

    Chronische Schwellungen seitlich am Hals

    Verursachen diese keine Schmerzen, sind sie aber mit dem unwillkürlichen Hochwürgen unverdauter Nahrung verbunden, liegt wahrscheinlich eine Ausbeulung der Speiseröhrenwand vor. Betroffene sollten dies umgehend fachärztlich untersuchen lassen.

    Treten solche schmerzlosen Beinschwellungen einseitig auf, ist oft die akute Ursache dafür eine Thrombose in den Beinvenen. (Bild: luaeva/fotolia.com)

    Schmerzlose Beinschwellungen

    Solche Verdickungen können am gesamten Bein auftreten, von Fuß und Knöchel bis zur Leiste. Treten diese einseitig auf, dann ist die häufigste akute Ursache eine Thrombose in den Beinvenen.

    Bei einer chronischen Beinschwellung liegt hingegen oft ein postthrombotisches Syndrom (PTS) vor. Das ist die Folge einer akut nicht erkannten Thrombose in den Venen des Beckens oder Oberschenkels. Wer darunter leidet, dem müssen Ärzte die Venen zum Teil wieder öffnen. Betroffene benötigen einen Kompressionsstrumpf am Unterschenkel.

    Auch ein Lymphödem am Bein, also eine Wasseransammlung, kann eine schmerzfreie Schwellung auslösen. Ein solches Lymphödem kann erworben sein, als Folge einer Verletzung, einer Operation oder eines Tumors. Es ist manchmal aber auch angeboren. Dies lässt sich bisweilen für die behandelnden Ärzte schwer erkennen, da ein Lymphödem tardum oft erst zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr zum Vorschein kommt, insbesondere bei Frauen. Auch Blutergüsse führen mitunter zu einseitigen Beinschwellungen, die keine Schmerzen verursachen.

    Weichgewebstumore

    Das Erstsymptom der sogenannten Weichteilsarkome sind schmerzlose Schwellungen. Fast die Hälfte dieser Tumore liegt in den unteren Gliedmaßen, weitere Orte sind Körperstamm, Bauchraum, obere Gliedmaßen und Hals/Kopf. Manchmal gehen mit der schmerzlosen Schwellung des Tumors unspezifische Symptome einher wie Abgeschlagenheit, verminderter Leistung oder mysteriöser Gewichtsverlust.

    Weichteiltumore stellen Mediziner vor die Herausforderung, diese überhaupt zu erkennen. Deshalb ist bei dem Verdacht schon ein Expertenteam gefragt. (Bild: Gorodenkoff/fotolia.com)

    Was sind Weichteiltumore?

    Bösartige Weichteiltumore umfassen circa 100 verschiedene Tumorarten im Weich- wie Stützgewebe des Körpers. Darunter fallen sowohl Tumore, die kaum Metastasen bilden, als auch andere, die weit streuen. Der Sammelbegriff kommt zustande, weil diese Krebsform insgesamt so selten ist, dass die verschiedenen Karzinome als Gruppe gelten – für die Diagnose und Behandlung. Ihre Seltenheit und die anfangs unspezifischen Symptome wie Schwellungen ohne Schmerzen stellen Mediziner vor die Herausforderung, diese Zellwucherungen überhaupt zu erkennen. Bereits bei dem Verdacht auf ein solches Karzinom ist ein Expertenteam gefragt.

    Wo bilden sich diese Tumore?

    Zu dem Weichgewebe gehören ungefähr 50 Prozent unseres Körpers: Muskeln, Bindegewebe, Blutgefäße und Nerven. Als bösartig gelten diese Tumore, weil sie Metastasen bilden,welche sich in anderen Organen verbreiten.

    Wie häufig sind Weichteilkarzinome?

    Diese Sarkome treten sehr selten auf. Nur ein Erwachsener von 50.000 entwickelt eine solche Wucherung. Das sind ein Prozent aller bösartigen Tumore. Kinder und Jugendliche leiden häufiger darunter als junge Erwachsene und alte Menschen. Zwischen dem 45. bis 55. Lebensjahr häuft ist dieser Krebs hingegen seltener.

    Ursachen

    Die Ursachen von Weichteilkrebs ist weitgehend unklar. Nur wenige der Tumore lassen auf genetische Veranlagung schließen, wie die am Nervenscheidegewebe.

    Schwellungen an der Speicheldrüse können auch durch Alkoholismus ausgelöst werden. (Bild: Rainer Fuhrmann/fotolia.com)

    Schwellungen der Speicheldrüse

    Sialose lautet der Fachbegriff für eine meist schmerzfreie Schwellung der Speicheldrüse, die sich nicht entzündet. Ursachen sind in der Regel Erkrankungen, die sich auf den Stoffwechsel auswirken – wie eine Überfunktion der Schilddrüse oder Diabetes mellitus. Doch auch Alkoholismus, Mangelernährung sowie Beta-Blocker können diese Schwellung auslösen.

    Wann zum Arzt?

    Wenn Sie in ihren Funktionen nicht beeinträchtigt sind, müssen Sie nicht in Behandlung. Allerdings empfinden viele Betroffene eine geschwollene Speicheldrüse als hässlich und unterziehen sich aus kosmetischen Gründen einer Behandlung.

    Geschwollener Hodensack

    Ein Schwellung ohne Schmerzen am Hodensack kann viele Auslöser haben – teils unproblematische, teils lebensgefährliche, darunter gutartige wie bösartige Tumore. Mit einem geschwollenen Hodensack sollten Sie in jedem Fall zum Urologen, allein, um einen malignen Tumor auszuschließen oder entfernen zu lassen, soweit er vorhanden ist.

    Ursache Varikozele

    Hier handelt es sich um einen schlechten Abfluss der Venen. Die Schwellung zeigt sich an der linken Seite. Sie kann auch sekundär entstehen, durch Druck oder eine Thrombose in anderen Teilen des Unterleibs. Im ersten Grad ist sie nur mit bildgebenden Verfahren zu erkennen, im zweiten Grad lässt sie sich ertasten, im dritten Grad ist sie sichtbar.

    Diese Varikozele verursacht zwar keine Schmerzen, aber: Die Temperatur der Hoden steigt, da wärmeres Blut aus dem Körper hinein fließt, der Abfluss aber gestört ist. Die Hoden erhalten zu wenig Sauerstoff. Dies kann zu einer Fehlfunktion des Kernepithels führen. Deshalb sollten Sie eine Varikozele umgehend behandeln lassen, wenn Sie Kinder zeugen möchten. Eine Varikozele bei Kindern wird operativ behandelt. Dabei werden die Venen wieder geöffnet und zur Not neu gelegt.

    Ursache Hyrdocele funiculi spermatici

    Hier sammelt sich Flüssigkeit im Umfeld des Samenstrangs. Ursache sind Infektionen, Schäden nach Verletzungen und Operationen sowie Tumore. Typisch für die Schwellung ist, dass sie im Tagesverlauf auf- und abschwillt. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt genau die Ansammlung von Flüssigkeit, aber auch, ob Hoden oder Nebenhoden geschädigt sind.

    Eine mangelnde, aber auch eine übertriebene Pflege des Mundraums, kann ein Auslöser für schmerzlose Schwellungen des Zahnfleisches sein. (Bild: Stefano Garau/fotolia.com)

    Geschwollenes Zahnfleisch

    Schmerzlos schwillt Zahnfleisch aus diversen Gründen an. Eine ungenügende Pflege des Mundraums kann ebenso Auslöser sein wie eine übertriebene Hygiene. Letztere führt zu einem Überreiz, auf den das Zahnfleisch reagiert. Auch eine Parodontitis kann vorliegen. Fisteln, Hämatome, starke Durchblutung während der Schwangerschaft und Folgen einer Verletzung kommen ebenfalls in Frage. Zudem ist das frühe Stadium einer Infektion des Zahnfleisches meist schmerzlos. Wir bezeichnen sie als Gingivitis. Dehnt sie sich bis zum Kieferknochen aus, heißt sie Parodontitis, diese verursacht Schmerzen.

    Diagnosen

    Schmerzlose Schwellungen umfassen eine Vielzahl von Körperregionen und Erscheinungen. Bei Schwellungen im Halsbereich sind HNO-Ärzte gefragt, beim Zahnfleisch Zahnärzte, bei geschwollenen Hodensäcken Urologen.

    Die jeweiligen Mediziner informieren sich erst einmal, ob und welche Kosymptome es gibt, welche Krankheitsgeschichte die Betroffenen haben (Unfälle, Verletzungen, Operationen) und entscheiden sich dann für weitergehende Untersuchungen. Besteht der Verdacht auch auf einen bösartigen Tumor, entnehmen sie Gewebeproben und schicken diese ins Labor. Besteht der Verdacht auf Infektionen mit Viren und Bakterien, entnehmen sie ebenfalls Proben und lassen diese auf Erreger untersuchen.

    Behandlung

    Für die Vielfalt möglicher Ursachen gibt es nicht die „Eine“ Behandlung. Ärzte gehen die Ursache an, zum Beispiel Diabetes mellitus oder Überfunktionen der Schilddrüse. Bei Krebserkrankungen sind Operationen, Bestrahlung und Chemotherapien meistens notwendig. (Dr. Utz Anhalt)

    Quellen

    • http://www.bayerischerinternistenkongress.de/bik2015/abstracts-2009/Tepohl.pdf
    • https://hno.uk-koeln.de/erkrankungen-therapien/speicheldruesen/speicheldruesenschwellungen/
    • https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/medizinische_klinik/Abteilung_5/docs/patinfo/PatinfoWeichteilsarkom.pdf
    • https://www.minimed.at/medizinische-themen/krebs/ohrspeicheldruesenkrebs/