Abszess – Ursachen und Behandlung

Ein Abszess kann an verschiedenen Körperstellen auftreten und dabei in seiner Größe deutlich variieren. (Bild: kaliantye/fotolia.com)
Susanne Waschke

Ein Abszess, in der Umgangssprache auch Eiterbeule genannt, ist eine Eiteransammlung in einem abgekapselten Hohlraum, der vorher noch nicht existiert hat, sondern erst durch die Einschmelzung von abgestorbenem Gewebe entstanden ist. Ein Abszess ist von allen Seiten durch eine Membran abgeschlossen und kann nahezu überall im und am Körper auftreten, sowohl in Organen, als auch auf der Haut, was in der Regel wesentlich häufiger vorkommt. Diese Eiteransammlung ist meist mit massiven Schmerzen verbunden und lässt den Betroffenen bald den Arzt aufsuchen. Ein Abszess kann die unterschiedlichsten Ausmaße annehmen, vom kleinen Knötchen bis hin zu handtellergroßen Eiterherden.

Abszess: Wie der Eiter entsteht

Eiter ist meist weißlich-gelblich, kann dick- oder dünnflüssig sein. In Verbindung mit einem Abszess bildet sich diese Absonderung in einen Hohlraum. Eiter entsteht aufgrund einer Entzündung, ausgelöst durch Bakterien. Eigentlich ist dies eine ganz natürliche Abwehrreaktion des Körpers, bei der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) , Gewebereste, Bakterien und etwas Blutserum zusammen eine gelbliche Flüssigkeit, den Eiter – in der Fachsprache auch Pus genannt – bilden. Eiter kann im ganzen Körper vorkommen. So ist eine Eiteransammlung im Gewebe ein Abszess, bildet sich dieser in bestehenden Körperhöhlen ist von einem Empyem die Rede, eine eitrige Haarbalgsentzündung wird als Furunkel bezeichnet und wenn mehrere Haare betroffen sind, heißt dies Karbunkel.

Ein Abszess kann an verschiedenen Körperstellen auftreten und dabei in seiner Größe deutlich variieren. (Bild: kaliantye/fotolia.com)
Ein Abszess kann an verschiedenen Körperstellen auftreten und dabei in seiner Größe deutlich variieren. (Bild: kaliantye/fotolia.com)

Ursachen

Bakterielle Errerger, wie Staphylokokken und Streptokokken können Entzündungsherde auslösen, die sich im Gewebe rundherum abkapseln. Zum Beispiel dringt ein Bakterium tiefer in die Haut ein, nach außen ist durch Talg oder Schmutz kein Abfluss möglich und schon entwickelt sich daraus eine Eiterbeule.

Äußerst selten entwickeln sich Abszesse ganz ohne Einwirkung von Bakterien, ohne Entzündungsherd, zum Beispiel nach großen Operationen oder Injektionen.

Wo Abszesse häufig auftreten können

Am häufigsten entstehen sie auf der Haut, vor allem in Form von Furunkeln oder Karbunkeln. Bei einem Furunkel hat sich ein Haarbalg entzündet und sich ein Eiterherd gebildet, wobei bei einem Karbunkel mehrere Haarbälge betroffen sind. Die betroffene Stelle ist rot, geschwollen und meist kann der Abszess als ein pralles Gebilde ertastet werden. Der Patient klagt über Schmerzen, die je nach Lokalisation und Ausmaß nahezu unerträglich werden können. Zum Beispiel kann ein Abszess nach dem Rassieren der Achselhaare oder auch der Intimbehaarung aus einer Entzündung entstehen.

Abscesses in the middle of the back, inflammation, swelling and redness.
Ein oberflächlicher Abzess ist durch die Rötung und Schwellung mit Eitereinschlüssen relativ leicht erkennbar. (Bild: www.fotolia.com © ninun)

Entstehung eines Furunkels

Meist bildet sich ein Abszess, wenn der Betroffene eine geschwächte Abwehr hat, so zum Beispiel in Prüfungszeiten, während der Menstruation oder bei psychischer Belastung. Liegt eine Diabetes mellitus-Erkrankung vor, so ist der Betroffene verstärkt gefährdet zu erkranken. Ist die Haut empfindlich und dazu noch geschädigt, wie dies bei Neurodermitis oder Schuppenflechte der Fall ist, kann auch hierdurch das Entstehen einer Eiteransammlung begünstigt werden. Hautverletzungen nach Operationen, schlechte Wundversorgung oder zu eng anliegende Kleidung können ebenfalls dazu führen.

Wie sich ein Abszess bemerkbar macht

Je nach Größe und Ort zeigen sich unterschiedliche Symptome. Bei einem oberflächlichen Abszess zeigt sich von außen eine Entzündung, ähnlich wie bei einem großen Pickel. Das betroffene Gebiet ist gerötet, geschwollen, eventuell heiß und reagiert sehr schmerzhaft auf Druck.

Je nach Ort des Geschehens verursachen Bewegungen eventuell große Beschwerden. Im weiteren Verlauf kann sich die eitrige Entzündung ausbreiten und die Schmerzen nehmen zu. Die Eiteransammlung unter der Haut ist durch eine weißlich-gelbliche Farbe erkennbar.

Hat der Abszess ein größeres Ausmaß oder befindet sich dieser innerhalb des Körpers sind Allgemeinsymptome, wie Abgeschlagenheit, allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen durchaus möglich. Abszesse, die sich im Körperinneren befinden, sind nicht zwingend schmerzhaft, oft ist das Fieber hier das einzige Symptom. Um eine Diagnose zu stellen, sind in solchen Fällen Untersuchungsverfahren, wie Ultraschall, MRT oder CT nötig. Ein zusätzliche Blutuntersuchung zeigt bei Patienten Entzündungsparameter und Antikörper gegen den verursachenden Erreger.

Abszess Behandlung

Auf keinen Fall sollte eine Eiterbeule selbst ausgedrückt werden, vor allem dann nicht, wenn sich dieser im Gesicht befindet. Durch das Quetschen können die Bakterien in tiefer gelegenes Gewebe gelangen. Dadurch breitet sich die Entzündung unter Umständen weiter aus, die Erreger können über denn Blutweg transportiert werden und im schlimmsten Fall droht ein Hirnabszess.

Befindet sich der Abszess im Gesicht, verschlimmern sich die Symptome von Tag zu Tag oder kommen noch Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen hinzu, ist auf jeden Fall ein Arzt aufzusuchen.

Bei kleinen, oberflächlichen Eiteransammlungen reicht häufig eine medikamentöse Behandlung mit einer speziellen Zugsalbe aus. Diese enthält Wirkstoffe, die wie der Name schon verrät, den Eiter mehr an die Oberfläche „ziehen“. Oft öffnet sich daraufhin der Abszess nach ein paar Tagen von selbst und die Wunde kann anschließend versorgt werden. Sitzt der Eiter tiefer oder lässt sich dieser schlecht behandeln, kommt ein Antibiotikum zum Einsatz. Hilft dies alles nichts, wird ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Je nach betroffenem Gebiet findet dies in Teil- oder Vollnarkose statt. Das befallene Gewebe wird dabei gespalten und der Eiter mit Hilfe einer Drainage nach außen abgeleitet. Anschließend wird die Wunde gesäubertund nicht vernäht, sondern muss „offen“ abheilen, damit sich nicht wieder Erreger und Flüssigkeit in der entstandenen „Höhle“ abkapseln können. Ein gründliches Spülen der Wunde und das Tragen eines Verbandes ist in den ersten Wochen nach der Operation wichtig. Wurde zum Beispiel ein Analabszess entfernt, so helfen Sitzbäder. Auch ist hier eine peinliche Hygiene nach jedem Toilettengang unerlässlich.

Treten sie gehäuft auf, so ist dies eventuell ein Hinweis auf Diabetes mellitus oder eine andere Grunderkrankung, die behandelt werden muss.

Therapie in der Naturheilkunde

Auch wenn der Abszess grundsätzlich eine schulmedizinische Behandlung erfordert, kann diese sinnvoll durch geeignete Mittel aus der Naturheilkunde unterstützt werden. Die Schüssler Salz Therapie setzt hier das Salz Nr. 11 Silicea ein, um den Eiter zum Abfließen zu bringen. Ist dies der Fall, unterstützt das Salz Nr. 12 Calcium sulfuricum den Heilungsprozess. Verstärkt wird diese Therapie mit der äußerlichen Anwendung der Schüssler Salben Nr. 1 Calcium fluoratum, Nr. 3 Ferrum phosphoricum, Nr. 11 Silicea und Nr. 12 Calcium sulfuricum. Bei einem kleinen, oberflächlichen Abszess, wenn sich dieser nicht im Gesicht befindet, bringen ein Teilbad in einer Kernseifenlauge oder in warmem Wasser mit Kamillenabsud, Erleichterung. Auch können Umschläge mit Salzwasser oder Heilerde zur Heilung beitragen. Die Homöopathie hat zudem gegen Abszesse ein Mittel zur Hand, das in Fachkreisen als „homöopathisches Messer“ bezeichnet wird. Myristica sebifera (Talgmuskatnußbaum) soll den Abszess entweder zum Einschmelzen bringen oder ihn öffnen. Ätherische Öle, wie Lavendelöl, Teebaumöl oder Thymianöl auf einen Tupfer aufgebracht und mit einer Mullbinde über nacht fixiert, können den Abszess zum „Reifen“ bringen.

Unterstützende Naturheilkunde bei einem Abzess. (Bild: Johanna Mühlbauer/Fotolia)
Unterstützende Naturheilkunde bei einem Abzess. (Bild: Johanna Mühlbauer/Fotolia.com)

Bei Betroffenen, die häufiger leiden, ist an eine Stimulation des Immunsystems zu denken. Auch die Psyche spielt hier oft eine große Rolle. So wird immer wieder festgestellt, dass sich diese Eiteransammlungen gerne in Zeiten von psychischer Belastung häufen.

Abszess Heilungsverlauf

Der Heilungsverlauf hängt von Größe, Lage und Ausmaß ab. Kleine, Oberflächliche heilen in der Regel vollständig ab. Je rechtzeitiger ein Eiterherd behandelt wird, desto komplikationsloser ist der Heilungsprozess. Wichtig ist auf jeden Fall, dass kein Abszess selbst mit den Fingern ausgedrückt wird, vor allem nicht, wenn sich dieser im Gesicht befindet. Tägliches Säubern der Wunde und täglicher Verbandswechsel tragen nach erfolgtem Eingriff zu einem positiven Heilungsverlauf bei.

Prävention

Ein abwehrfreudiges Immunsystem ist eine gute Voraussetzung, sich zu schützen. Der Haupterreger, der Stapylococcus aureus, gehört bei vielen Menschen zur ganz normalen Hautflora, ohne eine Erkrankung zu initiieren. Eine tägliche, gründliche Körperpflege, vor allem an Stellen, an denen Schweiß entsteht, trägt dazu bei, dass dies so bleibt. Gerade an behaarten Stellen des Körpers, die eventuell noch zusätzlich durch zu enge Kleidung gereizt werden, kann leicht eine Entzündung entstehen. Um sich vor einem Abszess zu schützen, sollte zum Beispiel auf das Tragen von zu engen Jeans verzichtet werden. Um das Immunsystem gegen die Bildung von Abszessen zu wappnen, ist auf eine vitaminreiche und ballaststoffhaltige Ernährung zu achten. Spezielle Waschlotionen für den Intimbereich sind in der Regel nicht nötig, sondern tragen eher dazu bei, den Säureschutzmantel der Haut zu zerstören. (sw)