Impulsstörungen

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Susanne Waschke

Impulsstörungen sind eigentlich unter dem Begriff „Impulskontrollstörungen“ oder „Störungen der Impulskontrolle“ bekannt. Darunter ist ein Verhalten zu verstehen, das, wie der Name bereits ausdrückt, impulsiv geschieht, zum Beispiel in Form von Kaufen, Spielen, Essen, Nägelkauen, Selbstverletzungen oder exzessivem Masturbieren. Diese dranghaften Handlungen werden zwar bewusst erlebt, lassen sich jedoch nur sehr schwer aus eigenem Antrieb heraus verhindern. Die Betroffenen lösen einen für sie selbst unangenehmen Anspannungszustand durch diese Verhaltensweisen auf. Die von den Personen durchgeführten Störungen der Impulskontrolle, werden zwar bewusst erlebt, können aber mit dem eigenen Willen kaum durchbrochen werden. Impulsstörungen bilden Verhaltensstörungen, die in der gesamten Gesellschaft verbreitet sind.

Impulsstörungen – Zuordnung Klassifikation

Die Impulsstörungen sind einem Klassifikationsschema zugeordnet, nach dem die Diagnosen von Ärzten international verschlüsselt werden. Dies ist das sogenannte Diagnoseklassifikationssystem der WHO (Weltgesundheitsorganisation), genannt ICD. ICD bedeutet „International Classification of Diseases“, auf Deutsch „Internationale Klassifikation der Krankheiten“. Mit dem Schüssel ICD-10 werden die verschiedensten physischen und psychischen Erkrankungen und Gesundheitsstörungen beziffert. Jede Krankheit oder gesundheitliche Störung ist noch zusätzlich einem Code zugeordnet. So sind „abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“ mit dem Schlüssel F63 versehen, der noch weiter unterteilt wird, so zum Beispiel in F63.0 „pathologisches Spielen“.

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Exzessives Glücksspiel kann eine Form der Impulsstörung sein. Bild: fotolia © Kiko Jimenez

Verschiedene Impulsstörungen

Die Kodierung F63.0 steht für pathologisches Spielen, die als eine abnorme Gewohnheit ebenfalls zu den Impulsstörungen gehört. Sie umfasst häufiges, wiederholtes Glücksspiel, welches das Leben der Betroffenen enorm beeinflusst beziehungsweise nahezu beherrscht. Die Patienten sind dadurch nicht mehr in der Lage, ihrem Beruf nachzugehen und /oder ihre soziale Umgebung zu pflegen, was sich sehr negativ auf Familie, Umfeld und letztendlich auch auf die materielle Versorgung auswirkt. In der Umgangssprache wird dies als Spielsucht oder Spielabhängigkeit bezeichnet. Immer wieder versuchen Betroffene sich von dem Gedanken zu spielen loszulösen, was aber nicht gelingt. Die Patenten, vor allem Männer, sind oftmals bemüht ihre Sucht vor ihren Angehörigen und Freunden zu verbergen. Sie denken bei dem Verlangen an das Spielen nicht an die damit verbundenen Folgen, wie Arbeitslosigkeit, Schulden und/oder Beziehungsprobleme.

Gründe für dieses zwanghafte Handeln sind Probleme oder negative Stimmungen, denen die Patienten versuchen durch dieses Verhalten versuchen zu entkommen, da das Spielen oder auch das Wetten eine innere Spannung und einen Erregungszustand auslöst. Häufig verlieren die Betroffenen erhebliche Summen und befinden sich irgend wann in dem bekannten Teufelskreis: Das Geld reicht eigentlich nicht mehr aus, um der Sucht nachzugehen und es wird oftmals Alles versucht, um dennoch weiter spielen zu können. Viele Spielsüchtige sind massiv verschuldet und nehmen mitunter auch kriminelle Handlungen n Kauf, um sich die finanziellen Mittel für die Befriedigung ihrer Sucht zu besorgen.

Hinter der Bezeichnung F63.1 verbirgt sich die Impulsstörung der pathologischen Brandstiftung, auch Pyromanie genannt. Die davon Betroffenen beschäftigen sich wiederholend mit dem Feuer, legen Brände an Eigentum oder auch an fremden Gebäuden, wobei für Dritte kein wirkliches Motiv zu erkennen ist. Dabei stehen die Patienten unter innerlicher Spannung und Erregung, was im Allgemeinem alle Impulskontrollstörungen ausmacht. Ist eine Person von Pyromanie betroffen, so besitzt sie großes Interesse an Feuer und dem, was damit verbunden ist. Die Betroffenen empfinden Freude oder Erleichterung während der Brandstiftung. Sie begehen die Tat nicht aus Rachegelüsten oder Ähnlichem. Auch bei dieser Störung können die Patienten zu Straftaten neigen.

Eine weitere Impulsstörung, F63.2 ist das pathologische Stehlen, die Kleptomanie. Dabei werden nicht (nur) Dinge gestohlen, die benötigt werden, sondern oftmals wird das Diebesgut nach der Handlung weggeworfen, verschenkt oder aber gehortet. Die Spannung vor der Tat wächst an und die Betroffenen empfinden währenddessen oder unmittelbar danach ein Gefühl von Befriedigung. Pathologisches Stehlen bedeutet, dass die Betroffenen stehlen, nicht um sich oder andere damit zu bereichern. Hinzu kommt die innere Spannung vor dem Diebstahl und die anschließende Befriedigung, die durch die Tat eintritt. Die Betroffenen haben zwar ein schlechtes Gewissen nach einem Diebstahl, begehen diese jedoch immer wieder. Die Ursachen für die Impulsstörung sind vielfältig. So werden Zwang, Sucht oder Ersatzbefriedigung als Auslöser diskutiert. Durch die Kleptomanie geraten die Patienten nicht selten mit dem Gesetz in Konflikt. Auch hierbei bekommen die Betroffenen ein schlechtes Gewissen, was sie jedoch nicht von erneuten Taten abhält.

Eine Impulsstörung ist auch die Trichotillomanie, F63.3. Dabei steht das Zupfen, Drehen und Ausreißen von Haaren im Vordergrund, verbunden mit einem, nicht kontrollierbaren Drang. Wie bei den bereits beschriebenen Störungen ist diese ebenso mit innerer Spannung und einem Gefühl von Erleichterung und Befriedigung nach der Handlung verbunden. Die Betroffenen erleiden mitunter einen recht großen Haarverlust. Als Ursachen für die Trichotillomanie werden Verlustsituationen, Missbrauchserfahrungen oder andere schwerwiegende Einschnitte im Leben diskutiert. Jedoch können auch einfachere Zwischenfälle in der Familie oder dem zwischenmenschlichen Bereich dazu führen, dass das Selbstwertgefühl vermindert ist und auf diese Weise die Impulsstörung verursachen. Meist sind die Betroffen besonders stressanfällig. Begleitet wird die Trichotillomanie häufig von anderen seelischen Störungen, wie massiver Angst, Depressionen, Essstörungen, Zwangs- oder Ticstörungen. Meist leiden die Patienten in Folge dieser Impulsstörung an Hautentzündungen. In selten Fällen werden ausgerissenen Harre geschluckt , was bei größeren Mengen zu einem Darmverschluss führen kann. Weitere Impulsstörungen sind unter der Klassifikation F63.8 zusammengefasst.

Allgemeine innerseelische Prozesse

All den genannten Störungen geht nahezu derselbe seelische Prozess voraus. Die Betroffenen leiden vor der Handlung unter einer unangenehmen Anspannung, die jedoch durch die durchgeführte Tat wieder nachlässt. Die unangenehme Selbstwahrnehmung wird unterdrückt und auf die Ausführung der Handlung, aber auch deren Folgen gelenkt. Die seelische Entwicklung wird gestört, was die innerliche Spannung verstärkt und zu wiederholten Handlungen führt.

Behandlung von Impulsstörungen
Bei der Behandlung von Impulsstörungen kommen Medikamente, wie zum Beispiel Antidepressiva, zum Einsatz, da die Störungen der Impulskontrolle häufig zusammen mit Depressionen auftreten. Eine Psychotherapie steht im Vordergrund. Entspannungsverfahren, wie Autogenes Training, spezielle Atemübungen und die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen unterstützen die Behandlung. Mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie wird nicht nur versucht, den Impuls zu verhindern, sondern anderes, alternatives Verhalten zu erlernen. Die Therapie sollte dabei stets auf die individuellen Erfordernisse der Patienten und ihre spezielle Form der Impulsstörung angepasst sein. (sw)

Bild: Gerd Altmann, Pixelio