Frühstücksverzicht belastet das Herz

Fabian Peters

Höheres Risiko von Herzkrankheiten für Frühstücksmuffel

23.07.2013

Wer auf das Frühstück verzichtet, unterliegt den Ergebnissen einer aktuellen US-Studie zufolge einem deutlich erhöhten Herzinfarkt-Risiko, zumindest als Mann. Die Wissenschaftler der Harvard School of Public Health in Boston hatten die Essgewohnheiten von 26.902 Männern analysiert, mit dem Ziel mögliche Zusammenhänge zu Erkrankungen des Herzens aufzudecken. Dies ist ihnen eindeutig gelungen, doch haben sie auch eine Korrelation zwischen dem Verzicht auf das Frühstück und zahlreichen weiteren Risikofaktoren für Herzkrankheiten festgestellt.
Die US-Forscher nutzten für ihre Studie die Daten aus einer im Jahr 1992 gestarteten Langzeitstudie, bei der 26.902 amerikanische Männer im Alter zwischen 45 und 82 Jahren zu ihren Essgewohnheiten befragt wurden. Alle Probanden waren in Gesundheitsberufen tätig und keiner der Teilnehmer litt bei Studienbeginn an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs. In den 16 Jahren des Beobachtungszeitraums seien 1.527 Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit) erstmals zu Tage getreten, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Circulation“. Dabei waren Frühstücksmuffel deutlich häufiger betroffen, als Männer, die morgens eine Schale Müsli oder eine Stulle verzehrten.

Frühstücksmuffel leiden vermehrt an Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes
„Unter den Erwachsenen ist das Auslassen des Frühstücks nachweislich mit Übergewicht, Bluthochdruck, Insulinresistenz (Diabetes) und erhöhten Blutfettwerten assoziiert“, doch blieb bisher unklar, ob bestimmte Ernährungsgewohnheiten unabhängig von Diätzusammensetzungen Einfluss auf das Risiko koronarer Herzkrankheiten (KHK) haben, berichtet das Forscherteam um Studienleiterin Leah Cahillvon von der Harvard School of Public Health. Ihre aktuelle Studie sollte hier Abhilfe schaffen. Um Verzerrungen durch andere Faktoren, die als Herz-Risiko gelten, auszuschließen, wurden im Rahmen der Studie zum Beispiel auch Angaben zum Lebensstil, den Schlafgewohnheiten, dem Familienstand, dem Alkohol- und Tabakkonsum abgefragt. So stellten die US-Wissenschaftler nicht nur fest, dass Männer, die auf das Frühstück verzichten, einem um 27 Prozent erhöhten Risiko akuter Herzbeschwerden unterliegen, sondern auch deutlich häufiger Raucher waren, im Schnitt ein niedrigeres Durchschnittsalter aufwiesen, weniger körperlicher Bewegung nachgingen und mehr Alkohol tranken. Sie waren zudem öfter unverheiratet und häufiger in einem Vollzeitjob. Hier lässt sich vermuten, dass auch die übrigen Faktoren einen Einfluss auf das deutlich erhöhte Risiko von Herzbeschwerden hatten.

Der Verzehr des Frühstücks senkt das Risiko einer koronaren Herzkrankheit
Die Studie zeigte außerdem, dass Männer mit der ungewöhnlichen Angewohnheit spät nachts zu essen, einem besonders hohen Risiko der koronaren Herzkrankheit unterlagen. Sie hatten gegenüber den Männern, die nicht spät in der Nacht essen, ein um 55 Prozent höheres KHK-Risiko, berichten Cahillvon und Kollegen. Die Gruppe der Männer mit entsprechenden Essgewohnheiten ist jedoch verschwindend gering und daher für das Risiko akuter Herzbeschwerden insgesamt eher zu vernachlässigen. Anders ist die Situation bei den Männern, die auf das Frühstück verzichteten. Sie zeigten deutlich häufiger auch an einem erhöhten „Body-Mass-Index, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes mellitus“, erläuterte die Studienautorin Leah Cahillvon. Die Forscher kommen zu der Schlussfolgerungen, dass die Einnahme des täglichen Frühstücks mit einem deutlich geringeren KHK-Risiko einhergeht. Nicht ohne Grund gilt das Frühstück daher als wichtigste Mahlzeit des Tages.

Frauen zeigen bei Verzicht aufs Frühstück ein erhöhtes Diabetes-Risiko
Ob die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung in ähnlicher Weise auf Frauen übertragen werden können, sollen nun weiterer Studien überprüfen. Allerdings hat Leah Cahillvon bereits in einer zusätzlichen Untersuchung mögliche Zusammenhänge zwischen dem Verzehr des Frühstücks und dem Risiko einer Typ-2-Diabetes bei Frauen nachgewiesen. Die Analyse der Daten aus der sogenannten „Nurses Health Study“, an der 46.289 amerikanische Frauen beteiligt waren, habe ergeben, dass eine unregelmäßige Einnahme des Frühstücks zu einem erhöhten Diabetes-Risiko führt, berichtete Cahillvon Anfang Juni im Fachmagazin „The American Journal of Clinical Nutrition“. (fp)

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