Borreliose: Schlimme Gesichtslähmungen durch einen Zeckenstich?

Alfred Domke

Falsche Diagnose: Gesicht einer Britin durch Borreliose entstellt

Gesundheitsexperten weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, sich bei Ausflügen in die Natur vor Zecken zu schützen. Schließlich können die kleinen Krabbeltierchen gefährliche Krankheiten übertragen. Leider werden solche Erkrankungen nicht immer gleich richtig diagnostiziert. Dies zeigt auch ein Fall aus Großbritannien: Das Gesicht einer dreifachen Mutter war nach einem Zeckenbiss schwer entstellt.


Erkrankungen mit schwerwiegenden Folgen

Wer in den Frühlings- und Sommermonaten in der Natur unterwegs ist, muss damit rechnen von Zecken gebissen zu werden. Die kleinen Blutsauger können gefährliche Infektionskrankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. In manchen Fällen können die Erkrankungen schwerwiegende Folgen haben. So auch bei einer Frau aus Großbritannien, deren Gesicht nach einem Zeckenbiss gelähmt war.

Eine Frau aus Wales hat sich nach einem Zeckenbiss mit Lyme-Borreliose infiziert. Die Krankheit blieb jedoch längere Zeit unentdeckt. Aufgrund der ausbleibenden Behandlung erlitt sie schwere Schmerzen und eine Gesichtslähmung. (Bild: Smileus/fotolia.com)

Vor drei Jahren von einer Zecke gebissen

Laut einem Bericht der „BBC“ erlitt eine Frau aus Wales nach einem Zeckenbiss eine schwere Gesichtslähmung. Die dreifache Mutter konnte sich längere Zeit nur durch einen Strohhalm ernähren.

Die 43-jährige Rachel Foulkes-Davies aus Llanarmon-yn-Ial, Denbighshire, wurde demnach im Juni 2015 in ihrem Garten von einer Zecke gebissen.

Die dreifache Mutter erklärte, dass der Biss als kleine rote Markierung an ihrem Hals zu erkennen war. Diese wurde immer größer und nach einiger Zeit weiß.

Als sich die Frau deshalb ins Krankenhaus begab, stellten die Ärzte dort eine Gesichtslähmung fest und schickten die Patientin mit einem Augenverband nach Hause.

Ernährung durch eine Strohhalm

Doch ihr Zustand besserte sich nicht, im Gegenteil: „Im Laufe von sieben bis acht Monaten verschlechterte sich meine Fähigkeit zu sprechen“, so die 43-Jährige.

„Ich konnte zwei Jahre lang nicht reden. Ich lebte nur von Suppen und Eintöpfen und musste sie durch einen Strohhalm trinken. Das gleiche galt für heiße Getränke.“

Schließlich zahlte Frau Foulkes-Davies selbst weitere Tests und wurde mit Lyme-Borreliose diagnostiziert, verursacht durch einen Zeckenbiss.

Die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit

Experten zufolge ist Borreliose die europaweit häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) sind zwischen fünf und 35 Prozent der Zecken mit Borrelien, dem bakteriellen Erreger der Lyme-Borreliose, infiziert.

Die Erkrankung beginnt beim Menschen symptomatisch oft mit der sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) um den Zeckenbiss herum.

Weitere Symptome können unter anderem Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sein. Auch Erschöpfung und verschwommenes Sehen werden oft beschrieben. Manche Beschwerden können erst nach Monaten auftreten.

Im schlimmsten Fall können bei einer chronischen Neuro-Borreliose auch Lähmungserscheinungen auftreten.

Die Krankheit sollte so früh wie möglich mit Antibiotika behandelt werden. Laut Medizinern ist die Diagnose allerdings oft schwierig, vor allem, wenn keine Wanderröte auftritt.

Frühzeitige Diagnose hätte Patientin viel Leid erspart

Frau Foulkes-Davies meinte gegenüber der „BBC“: „Wenn die Krankheit sofort diagnostiziert und mit Doxycyclin behandelt worden wäre, hätte ich das alles nicht durchmachen müssen.“

Nun, drei Jahre später, habe sie noch immer Schmerzen und leide an chronischer Müdigkeit: „Ich bin ständig müde und habe keine Energie, um einfache Aufgaben zu erledigen.“

Sie sei wütend, dass die korrekte Diagnose nicht früher gestellt wurde: „Ich war vor dem Biss sehr gesund.“

Ein Sprecher vom „Betsi Cadwaladr University Health Board“, meinte zwar, er könne Einzelfälle nicht „in jedem Detail“ kommentieren, fügte aber hinzu: „Wir würden jeden, der Bedenken hinsichtlich der Pflege hat, ermutigen, uns direkt zu kontaktieren, um dies zu besprechen.“

Und weiter: „In Wales und anderswo im Vereinigten Königreich haben Fälle von Labor-bestätigter Lyme-Krankheit in den letzten Jahren zugenommen.“

Dies sei das Ergebnis einer besseren Berichterstattung, erhöhter diagnostischer Tests und einer erhöhten Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Angehörigen der Gesundheitsberufe. (ad)