Erythema migrans – Ursachen und Behandlung

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ICD-Codes für diese Krankheit: A69.2 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Erythema chronicum migrans

Das Erythema migrans (auch Erythema chronicum migrans genannt) ist das charakteristische Leitsymptom der Borreliose im ersten Stadium. Ein Erythem ist eine entzündliche Rötung und ein Erythema migrans eine sogenannte „Wanderröte“. Diese Hauterscheinung muss nach einem Zeckenbiss jedoch nicht zwingend auftreten. Tage bis Wochen nach dem Stich kann sich um die Einstichstelle eine Hautrötung bilden, die sich langsam kreisförmig ausbreitet.

Dieses Erythema migrans kann nicht nur an der Stichstelle, sondern auch an anderen Hautstellen auftreten. Das macht es auch zur „Wanderröte“. Ausgelöst wird dies durch die Borrelien, die durch die Haut „wandern“. Die Hautreaktion kann mitunter ein enormes Ausmaß annehmen, aber auch ganz spontan ohne Beschwerden abheilen.


Die Wanderröte

Die Wanderröte, das Erythema migrans, entwickelt sich circa zehn bis 30 Tage nach der Infektion. Die leichte Rötung, die sich in manchen Fällen direkt um den Stich herum bildet und in der Regel mit massivem Juckreiz verbunden ist, heilt meistens nach circa zehn Tagen wieder ab und hat nichts mit der Wanderröte zu tun. Diese entwickelt sich erst danach. Sie ist oval bis kreisförmig berandet und breitet sich vom Stich ausgehend immer weiter nach außen aus und kann bis zu einem Durchmesser von circa 60 Zentimeter anwachsen.

Im Verlauf blasst das Erythem in der Mitte immer mehr ab, wodurch sich eine ringartige Struktur entwickelt. Nur dann, wenn die Zecke auch mit Borreliose-Erregern infiziert war, tritt auch ein Erythema migrans auf. Dies kann aber, wie bereits erwähnt, auch trotz Infektion ausbleiben.

In etwa der Hälfte aller Fälle von Borreliose-Infektionen tritt das Erythema migrans als erstes, typisches Krankheitssymptom auf. (Bild: Ingo Bartussek/fotolia.com)

Die Hautreaktion verschwindet ohne Behandlung meist nach circa zehn Wochen von selbst. Die durch drei Stadien gekennzeichnete Borreliose-Erkrankung kann aber auch während der ganzen Zeit durch das Erythema migrans begleitet werden. So kann es sich zum Beispiel im zweiten Stadium an mehreren – von der Bissstelle unabhängigen – Stellen als Hautausschlag zeigen. Dies ist dann der Fall, wenn der Erreger sich bereits über die Blutbahnen verbreitet hat. Es ist aber auch möglich, dass das Erythem, wie oben beschrieben, gar nicht entdeckt wird oder frühzeitig wieder abheilt. Die ist jedoch kein Zeichen dafür, dass keine Borreliose besteht oder diese abgeheilt ist.

Zusammen mit dem Auftreten eines Erythema migrans ist eine sogenannte Lymphadenosis cutis benigna (Synonym: Borrelien-Lymphozytom; knötchenförmige, blaurote Schwellung von Hautpartien) möglich. Davon sind vor allem die Ohrläppchen, die Mamillen (Brustwarzen) oder die Skrotalregion (Bereich des Hodens) befallen. Diese Erkrankung kann aber auch mit Virusinfektionen vergesellschaftet sein. Bei Kindern zeigt die Wanderröte häufig Besonderheiten auf. Sie tritt vor allem im Kopf-Halsbereich und im Gesicht mit uncharakteristischen Rötungen auf. Des Weiteren ist es möglich, dass das Erythema migrans „streut“ und sich somit an verschiedenen Körperstellen zeigt.

Zusätzliche Symptome

Neben der Hautrötung sind im Frühstadium einer Borreliose zusätzliche Symptome möglich. Diese sind grippeähnliche Beschwerden wie Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, allgemeines Schwächegefühl, Muskelschmerzen, Lymphknotenschwellung, Übelkeit, Bindehautentzündung und Fieber.

Neben der Wanderröte sind grippeähnliche Symptome wie zum Beispiel Kopf- und Gliederschmerzen möglich – hier sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Borreliose

Borrelien können ganz unterschiedliche Infektionskrankheiten auslösen. Zum Beispiel wird das Rückfallfieber auch von Borrelien übertragen. Wenn jedoch von Borreliose die Rede ist, ist die Lyme-Borreliose damit gemeint. Diese kommt am häufigsten vor. Die für die Krankheit verantwortlichen Borrelien werden dabei durch einen Zeckenbiss übertragen. Die Symptome unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Was auf jeden Fall den Verdacht auf Borreliose lenkt, ist das Erythema migrans.

Der Gang zum Arzt

Nach einem Zeckenstich sollte die Stelle unbedingt beobachtet werden. Tritt ein Erythema migrans auf, ist der Arztbesuch ein Muss. Aber auch eine länger bestehende Hautrötung, ohne sich an einen Zeckenbiss erinnern zu können, sollte abgeklärt werden. Von Schnelltests wird abgeraten. Deshalb ist unbedingt eine Untersuchung beim Arzt nötig. Bei Verdacht auf Borreliose wird sofort ein Antibiotikum verordnet. Ein Bluttest ist im Frühstadium nicht nötig, da sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Erreger nachweisen lassen.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch werden von dem Erythema migrans folgende Erkrankungen abgegrenzt. So können auch andere Insektenstiche eventuell eine Hautreaktion hervorbringen, die an eine Wanderröte erinnert. Eine wichtige Differentialdiagnose ist Tinea corporis. Dies ist eine Pilzerkrankung, die sich durch Schuppung und Juckreiz zeigt.

Auch Arzneimittelexantheme müssen von einem Erythema migrans abgegrenzt werden. Diese sind in der Regel akut und deshalb im Rahmen einer ausführlichen Anamnese leicht von den Hauterscheinungen im Zusammenhang mit Borreliose zu unterscheiden. Des Weiteren ist das Erysipel in die Differenzialdiagnose mit einzubeziehen. Das Erysipel, auch Wundrose genannt, ist eine akut verlaufende Hautinfektion, ausgelöst durch eingedrungene Streptokokken. Leitsymptome sind ein glänzendes, schmerzhaftes, feuerrotes Erythem, begleitet von allgemeinem Krankheitsgefühl, Fieber und Schüttelfrost.

Was ebenso ausgeschlossen werden sollte, ist das Erythema anulare centrifugum. Diese akute Hauterkrankung mit unklarer Ursache zeigt sich ringförmig, rot, randbetont und leicht schuppend. Ist das Gesicht befallen, müssen Ringelröteln ausgeschlossen werden. Der Erreger hierbei ist das Parvovirus B19. Meistens sind von dieser Infektionskrankheit, die auch fünfte Krankheit genannt wird, Schulkinder betroffen. Die Hauterscheinung, die dabei auftritt, wird Erythema infectiosum genannt.

Schutz vor Zecken

Um erst gar kein Erythema migrans zu bekommen, ist ein ausreichender Zeckenschutz nötig. Eine Impfung schützt davor, FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) zu bekommen, aber nicht vor einer Borreliose. Am besten ist es daher, gar nicht erst gestochen zu werden. Dabei ist Folgendes zu beachten:

Wer draußen unterwegs ist, sollte lange Hosen und auch Langarm Oberteile, die am Bündchen geschlossen sind, tragen. Die Socken werden am besten über die Hosenbeine gezogen. Der Kopf wird mit einem Hut bedeckt. Im hohen Gras, in Hecken und im Unterholz ist die Gefahr größer, da sich dort gerne Zecken aufhalten. Demnach werden diese Gebiete am besten gemieden. Gummistiefel erschweren den Zecken den Zugang zur Haut. Helle Kleidung sollte bevorzugt werden, da die Zecken hier schneller erkannt werden können. Die Haut, die nicht bedeckt wird, ist mit einem geeigneten, insektenabweisenden Mittel einzureiben. Die Apotheke hält die verschiedensten Produkte bereit.

Im hohen Gras tummeln sich gerne Zecken, mancherorts wird daher ausdrücklich davor gewarnt. Seien Sie also vorsichtig. (Bild: Heiko Barth/fotolia.com)

Nach jedem Ausflug in die Natur wird am besten der ganze Körper nach Zecken abgesucht, auch der Kopf und der Nacken. Hat trotz aller Vorkehrungen eine Zecke zugebissen, wird diese so schnell wie möglich entfernt. Der Erreger benötigt circa zwölf Stunden (Angaben variieren), um in den menschlichen Organismus einzudringen.

Das Erythema migrans kann natürlich auch bei der Borreliose entstehen, wenn diese durch andere Insekten als die Zecke übertragen wird. Hierbei kommen Läuse, Stechmücken und Bremsen in Frage, welche aber eher selten die Infektionsüberträger sind.

10 Tipps zum Schutz vor Zecken

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen. Am besten ist, gar nicht erst gestochen zu werden. Wir zeigen Ihnen 10 Tipps zum Schutz vor Zecken.
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Natürliche Abwehrmaßnahmen

Wer lieber zu einer natürlichen Abwehr greift, kann folgende Methoden anwenden und ausprobieren. Jeder Mensch reagiert jedoch anders auf die natürlichen Präparate. Aus der Aromatherapie sind ätherische Öle wie Rosmarin (bitte nicht bei Bluthochdruck anwenden), Teebaum, Zitronenmelisse, Wacholder, Grapefruit, Lavendel, Nelke und Myrrhe zu empfehlen. Stellen Sie sich selbst eine Mischung zusammen.

Verwenden Sie dafür ein gutes, kalt gepresstes Trägeröl, wie zum Beispiel Mandelöl, und dazu hochwertige ätherische Öle. 20 Milliliter Trägeröl werden mit vier Tropfen ätherischem Öl vermischt. Reiben Sie sich damit die Pulse, den Hals und den Nacken ein. Probieren Sie dies aber erst mit einem Tropfen in der Armbeuge aus. Reagieren Sie allergisch, ist diese Art der Prävention nichts für Sie.

Sie können das fertige Öl auch in ein sogenanntes Roll-on Fläschchen füllen. So ist dies unterwegs leicht aufzutragen. Diese kleinen Fläschchen sind in Naturkosmetikläden oder aber auch online erhältlich. Eine weitere Möglichkeit ist das Einreiben mit Kokosöl. Dies kann großflächig am ganzen Körper verwendet werden. Nebenbei bemerkt, bewahrt das auch Hunde vor lästigen Zeckenbissen, beziehungsweise reduziert die Angriffe dieser Blutsauger.

Was ebenso helfen kann, ist das Schwarzkümmelöl. Den Geruch mögen die Zecken gar nicht. Reiben Sie sich damit ein, dazu können Sie noch ein hochwertiges Schwarzkümmelöl (in Kapselform erhältlich) einnehmen. Dies verstärkt die Wirkung. Übrigens ist das Schwarzkümmelöl, oral angewandt, auch eine gute Möglichkeit, sich gegen Allergien zu schützen.

Schwarzkümmel wirkt als natürliches Abwehrmittel aufgrund seines hohen Anteils ätherischer Öle effektiv gegen Zecken. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Ein weiterer Geruch, den die Zecken überhaupt nicht mögen, ist Knoblauch. So eine richtige deftige Mahlzeit mit ordentlich viel Knoblauch vor dem Spaziergang trägt ebenso zur Prävention bei.

Weitere Tipps

Damit sich erst gar kein Erythema migrans entwickelt, sollte, wie bereits erwähnt, die Zecke so schnell wie möglich gezogen werden. Danach ist das homöopathische Mittel Ledum gefragt, sowohl innerlich als auch äußerlich. Ein paar Globuli werden mit etwas abgekochtem Wasser verrührt und mehrmals täglich wird damit die Einstichstelle abgetupft. Hat sich bereits die Wanderröte gebildet, sind die Einnahme und auch die äußerliche Anwendung von Ledum immer noch einen Versuch wert. (sw)

Autoren:
Susanne Waschke, Dr. med. Andreas Schilling
Quellen:
  • Heidelore Hofmann et al.: Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Kutane Lyme Borreliose, Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), (Abruf 10.07.2019), AWMF
  • Hildegard Gabel, Hans-Peter Gabel: Zecken-Borreliose, ZAG Verlag, 2015
  • M.Gaubitz et al.: Empfehlungen zur Therapie der Lyme-Borreliose, Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e. V. (DGRh), (Abruf 10.07.2019), DGRh
  • Sebastian Rauer et al.: Neuroborreliose – Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, (Abruf 10.07.2019), AWMF
  • Robert Koch Institut: Lyme-Borreliose, (Abruf 10.07.2019), RKI

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.