Mit Heilfasten alter Gewohnheiten entkommen

Fabian Peters

Heilfasten mit gesundheitlichen Vorteile aber auch Risiken

16.02.2012

Fasten kann auf die Gesundheit zahlreich positive Effekte haben, doch sollten die körperlichen Belastungsgrenzen nicht überschritten werden. So sind einige Grundregeln beim Heilfasten dringend zu berücksichtigen.

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Fastenzeiten sind in den verschiedenen Religionen fest verankert und auch aus rein gesundheitlichen Gründen brechen viele Menschen gelegentlich mit ihren Essgewohnheiten und legen eine Fastenkur ein. Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit der Christen. Für viele ein guter Anlass ihre persönliche Ernährungsweise zu überdenken und ihrem Körper eine Auszeit zu gönnen. Doch beim Heilfasten müssen einige grundlegende Regeln beachtet werden, damit das Fasten seine gesundheitsfördernde Wirkung entfalten kann.

Fasten als Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel
Während die traditionellen Fastenzeiten der verschiedenen Glaubensrichtungen in den letzten Jahren hierzulande tendenziell an Bedeutung verloren haben, erfreut sich das sogenannte Heilfasten einer wachsenden Beliebtheit. Die Fastenden erhoffen sich positive Effekt auf die Gesundheit und eine Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens. Dem Heilfasten werden dabei unter anderem darmreinigende, entschlackende und entgiftende Wirkungen zugesprochen. Eine Fastenkur sieht in der Regel einen zeitlich begrenzten Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel bei ausschließlichem Verzehr von Mineralwasser, Tee, Säften und Gemüsebrühe vor, erklärte die ärztlich geprüfte Fastenleiterin der Deutschen Fastenakademie aus Darmstadt, Christa Kling, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Diese Form des Fasten sei „unter anderem beim Heilfasten nach Otto Buchinger“ vorgesehen. „Der Mediziner entwickelte es vor gut 80 Jahren und war damit einer der großen Pioniere des Fastens in Deutschland“, erläuterte Christa Kling. Als weitere Methoden des Heilfastens beschrieb die Expertin zum Beispiel das Fastenmodell der Molkekur nach Dr. Anemueller und die Markert-Diät, bei der Gemüsesuppe mit einem Eiweißzusatz kombiniert wird.

Unterstützende Maßnahmen beim Fasten
Neben dem Verzicht auf feste Nahrungsmittel steht beim Fasten auch der Verzicht auf jegliche Genussmittel wie Alkohol, Kaffee oder Zigaretten im Vordergrund. Der Nachkomme von Otto Buchinger, Dr. Andreas Buchinger, Mitglied der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung sowie Chefarzt der (Privat-)Klinik Dr. Otto Buchinger in Bad Pyrmont erklärte, dass „auf diese Weise dem Körper eine Art zeitlich begrenzte Auszeit“ gegeben werde. Der Körper könne sich regenerieren und seine Altlasten loswerden. Um die positiven gesundheitlichen Effekte des Fastens und die entgiftende Wirkung zu fördern, werden dabei eine Reihe unterstützender Maßnahmen wie beispielsweise Einölungen zur Anregung der Ausscheidung über die Haut oder Leberwickel eingesetzt.

Darmspülungen im Rahmen des Heilfastens
Die Expertin der Deutschen Fastenakademie aus Darmstadt, Christa Kling, erklärt das bei den unterstützenden Maßnahmen die Darmreinigung sicher „am wichtigsten ist“. So sollten Kling zufolge bei Fastenbeginn Glaubersalze als Abführmittel eingesetzt werden und anschließend mindestens alle zwei Tage Darmspülungen erfolgen. „Auf diese Weise werden schädliche Ablagerungen gelöst“, betonte die Fastenleiterin. Wie die Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet, hatte der Berufsverband Deutscher Internisten jedoch erst kürzlich auf Basis einer aktuellen Studie aus den USA vor Darmspülungen zur „Entgiftung“ gewarnt. So sei weder die Wirkung noch die Verträglichkeit der erhältlichen Darmreinigungssysteme zur Wellness-Anwendung wissenschaftlich belegt. Es bestehe die Gefahr, dass derartige Darmspülungen bei falscher Anwendung zu erheblichen unerwünschten Nebenwirkungen führen, wobei Durchfall, Übelkeit und Erbrechen noch zu den harmloseren drohenden Beeinträchtigungen zählen.

Heilfasten mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen
Die von den Befürwortern des Heilfastens angebrachten gesundheitlichen Vorteile sind so weitreichend, dass sich der gelegentlich Nahrungs- und Genussmittelverzicht einer wachsenden Beliebtheit erfreut. So soll das Heilfasten das Immunsystem stärken, die Selbstheilungskräfte aktivieren und sogar zur Prävention chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes beitragen. Die Expertin der Deutschen Fastenakademie ergänzte, dass Heilfasten generell auch beim Abnehmen helfen könne. Denn während der Fastenzeit verlieren die Fastenden rund ein halbes Kilogramm täglich (einer der Gründe warum Fasten immer zeitlich begrenzt sein muss) und die Fastenkur ist nicht selten Initialzündung für mehr, erläuterte Christa Kling. Die Voraussetzung hierfür ist laut Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn jedoch, „dass ich danach nicht gleich wieder in alte Gewohnheiten verfalle.“ Denn „wer dauerhaft abnehmen will, muss seine Ernährung langfristig umstellen und kommt um ein umfangreiches Bewegungsprogramm nicht herum“, betonte die DGE-Expertin gegenüber der „dpa“. Restemeyer ergänzte, dass eine Heilfastenkur nur dann sinnvoll sei, wenn die Fastenden auch etwas über gesundheitsbewusste Ernährungs- und Lebensweise lernen.

Intensives Fasten birgt auch Risiken
Von einem zu intensiven Fasten rät die Ernährungsexpertin ohnehin dringend ab. Denn „trinkt man etwa tagelang nur Wasser, kommt es zu erheblichen Verlusten von Körpereiweiß – der Harnsäurespiegel im Blut steigt an“, erläuterte Restemeyer. Dies könne insbesondere für Menschen mit erhöhtem Purinspiegel wegen des Risikos eines akuten Gichtanfalls kritisch sein. Auch drohen weitere unerwünschte Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen (z.B. Herzstolpern oder Herzrasen) durch die fehlende Energiezufuhr oder Nierenkoliken durch den massiven Elektrolytverlust. Nach Ansicht der Ernährungswissenschaftlerin sollte daher auch bei „bester Gesundheit der Fastenzeitraum nicht länger als fünf Tage sein.“ Insbesondere Fasten-Anfängern sei dringend professionelle Aufsicht zu empfehlen. Bei angeschlagener Gesundheit oder gar chronisch Erkrankungen ist laut Aussage von Silke Restemeyer am besten ganz auf das Fasten zu verzichten.

Fasten auch zum Heilen von Krankheiten geeignet
Dieser Einschätzung kann Dr. Andreas Buchinger nur begrenzt folgen. „Tatsache ist, dass man mit Heilfasten eine ganze Reihe von Krankheiten und Beschwerden lindern oder sogar heilen kann“, betonte der Mediziner. Beispielsweise wirke Heilfasten nachhaltig blutdrucksenkend und könne eine Insulinresistenz zurückbilden, das heißt zur Linderung einer Diabetes beitragen. Allerdings sei den chronisch Kranken das Fasten tatsächlich nur unter ärztlicher Aufsicht zu empfehlen, da das Komplikationsrisiko bei ihnen deutlich höher liegt. Auch können hier während des Fastens je nach Erkrankung besondere Maßnahmen wie die Verabreichung von Vitaminen und Mineralien erforderlich sein. Buchinger zufolge sollte daher vor Beginn der Fastenkur eine eingehende körperliche Untersuchung durchgeführt werden und im Verlauf des Fastens seien regelmäßige Gesundheitschecks ratsam, um das Wohlbefinden der Fastenden sicherzustellen. Für die Fastenden ist es vom medizinischen Standpunkt her besonders wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme während der Fastenzeit zu achten. Zudem sollten sie das eigene körperliche Wohlbefinden stets im Auge zu behalten und im Zweifelsfall die Fastenkur unterbrechen. (fp)