Prothesen: Steigende Zahlen machen Kassen nervös

Thorsten Fischer

Prothesen: Steigende Zahlen machen Kassen nervös.

(30.07.2010) Seit 2003 haben die gesetzlichen Krankenkassen etwa 1,4 Millionen Hüftgelenksoperationen und eine Million Knieoperationen, zahlen müssen. Experten reden schon davon, dass bald fast jeder ältere Mensch in Deutschland eine Prothese des Knies oder der Hüfte benötigen werde. Bei geschätzten 30 Millionen Rentnern in Deutschland sind dies beunruhigende Zahlen. Dabei stellen Fachleute aus dem Bereich der Naturheilkunde die Frage, warum die Kassen nicht Methoden wie Osteopathie oder das Fasziendistorsionsmodell bezahlen, die eine kostengünstige Alternative oder Ergänzung sein könnten.

Seit 2003 sind die Hüft- Operationen um achtzehn Prozent und die Knie- OPs um mehr als 50 Prozent gestiegen und betragen mittlerweile stolze zwei Prozent der Gesamt- Kosten der Krankenkassen. Ohne Nachsorge oder Rehabilitationsmaßnahmen einzurechnen, betragen die Kosten für die ersten Prothesen an Knie oder Hüfte jährlich fast drei Milliarden Euro. Die Nachoperationen sollen mit etwa 550 Millionen Euro bei den Kassen zu Buche schlagen.

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Geht es an die Zügelung der Kosten im Gesundheitssystem, kommen Funktionäre im Krankenkassenwesen auf Betriebstemperatur. Denn die Kassen sind aufgeschreckt und rätseln, wie man die Steigerung der Kosten und der Fallzahlen in Deutschland zügeln kann. Gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ schüttelt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, die altbewährten Phrasen aus dem Ärmel. Dort ist von Überprüfung der individuellen Kriterien, Vergütungshöhe und „erfolgsorientierter Vergütung“ und Qualitität die Rede.

Alleine bei der „erfolgsorientierten Vergütung“ stellt sich unter Experten die Frage, wie beispielsweise ein Chirurg im Vornherein die Erfolgschancen eines Implantates beurteilen soll. Selbst Vertreter bildgebender Verfahren geben mittlerweile zu, dass die Bildbefunde ganz häufig nicht mit den Beschwerdebildern der Patienten in Einklang zu bringen sind. Durch lange Schmerzperioden vor den Implantat- Operationen verkümmern bei den Betroffenen häufig bestimmte Muskeln und Bindegewebsstrukturen. Bei Hüftgelenkspatienten beispielsweise leiden die seitlichen Hüftmuskeln, die nach der OP mühsam wieder aufgebaut müssen und wo das Gewebe gelockert werden muss.

Eingriffe durch Methoden wie Osteopathie oder das Fasziendistorsionsmodell (FDM) könnten hier im Vornherein sinnvoll sein, um die Betroffenen bei Hüftschmerzen oder bei Knieschmerzen schmerzfreier und die Gewebe (Faszien) lockerer und anpassungsfähiger zu machen. Gerade in der Ärzteschaft sind die Bereitschaft und das Engagement da, um für eine weitere Verbreitung beispielsweise des Fasziendistorsionsmodells zu führen. Kurse für Ärzte im FDM, durchgeführt von der A.I.M. – Arbeitsgemeinschaft für interdisziplinäre Medizin Hannover (Leitung: Prof. Dr. Matthias Fink) an der Medizinischen Hochschule Hannover bzw. im Hannover Medical Park, sind regelmässig ausgebucht und können kaum der Nachfrage gerecht werden.

Beobachter bedauern schon lange, dass die Krankenkassen hier nicht aufspringen und solche interdisziplinären Initiativen fördern, um perspektivisch Kosten einsparen zu können, statt operierende Ärzte und die Prothesensparte zu gängeln. (tf)