US-Studie: Schlank durch Schokolade?

Fabian Peters

Studie: Regelmäßiger Schokoladenkonsum reduziert den Body-Mass-Index

27.03.2012

Regelmäßiger Schokoladenkonsum hat offenbar ein positive Wirkung auf den Body-Mass-Index (BMI). Zu dieser auf den ersten Blick widersprüchlichen Aussage kommen US-Forscher um Beatrice Golomb an der Universität von Kalifornien in San Diego. Die Wissenschaftler hatten den Schokoladenkonsum von über tausend Studienteilnehmer ausgewertet und mit deren BMI verglichen.

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Beim Vergleich des Schokoladenkonsums mit dem BMI stellten die Forscher fest, dass Probanden, die angaben regelmäßig Schokolade zu verzehren, durchschnittlich schlanker waren, als die Studienteilnehmer, die nur selten Schokolade konsumierten. Ihre Ergebnisse haben die Beatrice Golomb und Kollegen in der Fachzeitschrift „Archives of Internal Medicine“ veröffentlicht. Ob ein erhöhter Schokoladenkonsum tatsächlich zu einer signifikanten Verbesserung der Figur beiträgt, ist dennoch zu bezweifeln.

Schokoladenkonsum von über 1.000 Probanden untersucht
Die US-Forscher hatten im Rahmen ihrer Studie den Schokoladenkonsum von 1.018 Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 85 Jahren untersucht, um mögliche Zusammenhänge mit dem BMI zu überprüfen. Keiner der Probanden litt bei Studienbeginn unter „Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen (Herzkrankheiten) oder anderen schwerwiegenden gesundheitlichen Probleme“, die als typisches Anzeichen für das sogenannte metabolische Syndrom gewertet werden könnten, schreiben die Beatrice Golomb und Kollegen. Das „Schokolade günstige metabolische Assoziationen mit dem Blutdruck, der Insulin-Empfindlichkeit und dem Cholesterinspiegel“ hat, war laut Aussage der Forscher bereits aus früheren Studien bekannt. Auch die positive Wirkung der enthaltenen Antioxidantien in den sekundären Pflanzenstoffen, den sogenannte Flavonoiden (insbesondere Catechine), auf die Insulinsensitivität und den Blutdruck wurde bereits nachgewiesen. Lediglich aufgrund der Tatsache, dass Schokolade oft als Süßigkeit mit hohem Kaloriengehalt konsumiert wird, „gibt es Bedenken in Bezug auf ihre Aufnahme“, erklärten die US-Forscher.

Zusammenhang zwischen Schokoladenkonsum und Reduzierung des BMI
Die Wissenschaftler von der University of California stellten die Hypothese auf, dass ein häufiger Verzehr kleinerer Schokoladenportionen aufgrund der positiven Einflüsse auf den Stoffwechsel und vorbeugenden Wirkung gegenüber mehreren Grunderkrankungen des metabolischen Syndroms (z.B. Bluthochdruck, Insulinresistenz) auch „zu reduzierten Fett-Ablagerungen“ und somit einem geringeren BMI führen könnte. Tatsächlich stellten Golomb und Kollegen bei der Auswertung der Daten einen „Zusammenhang zwischen höher frequentiertem Schokoladenkonsum und einem niedrigerem Body-Mass-Index“ fest. So hätten „Erwachsene, die regelmäßig Schokolade essen, einen geringeren Body-Mass-Index als die, die weniger oft zur Schokolade greifen“, berichten die US-Forscher. Zwar seien die beobachteten Unterschiede nur gering, doch zu eindeutig für einen statistischen Zufall, schreiben Beatrice Golomb und Kollegen. Da keine weiteren gravierenden Unterschiede im Verhalten der Probanden als Erklärung für den Gewichtsunterschied festgestellt werden konnten, ist davon auszugehen, „dass regelmäßiger Schokoladenkonsum mit einem geringeren BMI“ einhergeht, so das Fazit der Studie.

Schokolade regt den Stoffwechsel an
Die positive Wirkung der Schokolade auf den BMI ist nach Ansicht der US-Wissenschaftler vermutlich auf die Anregung des Stoffwechsels durch die Inhaltsstoffe der Schokolade zurückzuführen. Insbesondere dunkle Schokolade sei für ihre Stoffwechsel anregende Wirkung bekannt und gelte aufgrund des geringeren Zucker-Gehalts sowie der enthaltenen Flavonoiden als gesunde Schokolade, erklärte Beatrice Golomb. Möglicherweise hat auch die Art des Konsums einen Einfluss auf die Reduzierung des BMI durch den regelmäßigem Schokoladenkonsum, da die schlankeren Probanden zwar durchschnittlich häufiger zur Schokolade griffen, jedoch nach eigenen Angaben mit kleineren Portionen zufrieden waren. Sämtliche Angaben der Studie zum Schokoladenkonsum der Probanden basierten jedoch auf deren individueller Einschätzung, so dass hier auch Fehler nicht ausgeschlossen werden können.

Zweifel an der Eignung von Schokolade zum Abnehmen
Die Expertin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn, Silke Restemeyer, zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ angesichts der aktuellen Studienergebnisse eher skeptisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man durch Schokolade abnehmen kann“, betonte Restemeyer. Allerdings sei der vollständige Verzicht auf Schokolade unter Umständen ebenfalls kontraproduktiv. Denn „wer sich alles verbietet, bekommt oft Heißhungerattacken“, warnte die DGE-Expertin. Auch bestätigte Restemeyer gegenüber der „dpa“, dass Flavonoide unter anderem gut für das Herz-Kreislauf-System sein und entzündungshemmend wirken. Doch derartige positive Inhaltsstoffe könnten „auch wunderbar über andere Lebensmittel“ wie beispielsweise Beeren, Nüsse oder Weintrauben aufgenommen werden, erläuterte die Ernährungswissenschaftlerin. (fp)