Zunahme der Borreliose-Infekte, doch bislang kein Fall von FSME

Alfred Domke
Mehr Borreliose-Fälle durch Zeckenbisse, kein Fall von FSME
Zecken sind Überträger gefährlicher Infektionskrankheiten. Manche davon können schwerwiegende Folgen haben. Im Südwesten Deutschlands sind in diesem Jahr offenbar mehr Erkrankungen durch Zeckenbisse aufgetreten, als 2016. Doch solche Schwankungen sind nicht ungewöhnlich.

Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen
Zecken lauern nicht nur im Wald und auf Wiesen, sie fühlen sich auch im Garten wohl. Auch in manchen Städten sind sie stark verbreitet. Die kleinen Blutsauger können gefährliche Infektionskrankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Von letzterer sind im Südwesten Deutschlands in diesem Jahr besonders viele Fälle bekannt geworden.

Zeckenbisse haben bislang in diesem Jahr mehr Borreliose-Erkrankungen in Rheinland-Pfalz ausgelöst als 2016. Einen FSME-Fall gab es in dem Bundesland 2017 allerdings noch nicht. (Bild: Schlegelfotos/fotolia.com)

Mehr Borreliose-Erkrankungen
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa haben Zeckenbisse in diesem Jahr mehr Borreliose-Erkrankungen in Rheinland-Pfalz ausgelöst als 2016.

Einer Mitteilung des Landesuntersuchungsamts (LUA) in Koblenz zufolge gab es demnach von Jahresanfang bis Mitte September 769 Fälle, 31 mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

Wie Philipp Zanger vom Landesuntersuchungsamt (LUA) erklärte, seien diese Schwankungen allerdings normal.

Die europaweit häufigste durch Zecken übertragene Krankheit
„Borreliose ist die europaweit häufigste durch Zecken übertragene Krankheit“, schreibt das LUA auf seiner Webseite.

Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge sind zwischen fünf und 35 Prozent der Zecken mit Borrelien, dem bakteriellen Erreger der Lyme-Borreliose, infiziert.

Die Gefahr einer Infektion mit Borrelien besteht – im Gegensatz zur FSME – in allen Teilen Deutschlands.

Die Borreliose-Erkrankung beginnt beim Menschen symptomatisch oft mit der sogenannten Wanderröte (Erythema migrans) um den Zeckenbiss herum.

Diagnose ist häufig schwierig
Symptome können unter anderem Hautrötungen, Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen sein. Manche Beschwerden können erst nach Monaten auftreten.

Wie Zanger in der dpa-Meldung erläuterte, könnten im schlimmsten Fall bei einer chronischen Neuro-Borreliose Lähmungserscheinungen auftreten.

Borreliose sollte so früh wie möglich mit Antibiotika behandelt werden. Die Diagnose ist allerdings oft schwierig, vor allem, wenn keine Wanderröte auftritt.

Einen Impfstoff gegen die Krankheit gibt es nicht.

Kein einziger FSME-Fall in Rheinland-Pfalz
Viel seltener ist die Viruserkrankung FSME, die ebenfalls von Zecken übertragen wird. Diese tritt fast ausschließlich im Süden Deutschlands auf.

„Man findet FSME-Risikogebiete in Baden-Württemberg und Bayern sowie im südlichen Hessen und in vereinzelten Landkreisen in Thüringen. In Rheinland-Pfalz gilt der Landkreis Birkenfeld seit einigen Jahren als Risikogebiet“, schreibt das LUA.

Allerdings gab es dem LUA zufolge im laufenden Jahr in Rheinland-Pfalz noch keinen einzigen Fall.

Wichtig zu wissen: Nicht jeder Zeckenbiss führt zu einer Infektion, aber bei etwa jedem dritten Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf, zunächst Fieber und grippeähnliche Symptome.

Bei manchen Patienten entsteht auch eine Hirnhaut- und Gehirnentzündung mit der Gefahr der Schädigung des Rückenmarks. Im Extremfall verläuft die Krankheit tödlich.

Gegen FSME selbst stehen keine Medikamente zur Verfügung, lediglich die Symptome können behandelt werden.

Allerdings gibt es eine Impfung gegen FSME. Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) und anderen Gesundheitsexperten wird Personen, die sich in FSME-Risikogebieten häufig im Freien aufhalten, ein Impfschutz empfohlen.

Vor Zeckenbissen schützen
Gesundheitsexperten weisen immer wieder darauf hin, wie man sich vor lästigen Zecken schützen kann.

Bei Aufenthalten in der Natur wird empfohlen, festes Schuhwerk und lange Hosen zu tragen, die in die Socken gesteckt werden. Auch spezielle Insektensprays können die kleinen Tierchen fernhalten.

Nach einem Ausflug in Wald, Wiese oder an stark bewachsenen Bachläufen sollte man die Kleidung und den ganzen Körper nach Zecken absuchen, vor allem Kniekehlen, Leistengegend, Armbeugen
und Kopfhaut.

Bemerkt man eine Zecke am Körper, sollte man diese schnellstmöglich mit einer Pinzette, einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte entfernen.

Hat sich das Tier schon festgesaugt, ist wichtig, dass „möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden“, schreibt das RKI auf seiner Webseite. (ad)