Aromatherapie – Wirkung und Rezepte

Susanne Waschke

Rezepte und Wirkung der Ganzheitliche Aromatherapie

Die Aromatherapie ist eine ganzheitliche Therapieform, bei der durch die Wirkung pflanzlicher Essenzen Körper, Seele und Geist in Einklang gebracht werden. Diese Essenzen, auch ätherische Öle genannt, werden auf verschiedenste Art und Weise angewandt. Im Vordergrund dieser Therapie steht dabei der Geruchssinn, über den die ätherischen Öle als Erstes aufgenommen werden. Der Geruchssinn reagiert unmittelbar, zum Beispiel mit Freude, Entspannung, aber auch Ekel und Ablehnung. Dies macht sich die Aromatherapie bei der Behandlung unterschiedlichster Beschwerden zu Nutzen.

Inhaltsverzeichnis:
Geschichtlicher Rückblick
Wirkungsbereiche
Ätherische Öle
Herstellungsverfahren der ätherischen Öle
Klassen der ätherischen Öle
Anwendungsbereiche der ätherischen Öle
Beispiele zur Anwendung

Geschichtlicher Rückblick

Schon 4500 vor Christus wurden für die Einbalsamierung der Mitglieder der Oberklassen Öle, wie Zedernholz, Muskat und Zimt verwendet. Die Ägypter erkannten circa 3000 vor Christus den Zweck der Pflanzen und verwendeten die Essenzen zur Einbalsamierung, in der Kosmetik, zur Massage und auch für die Gesundheit. Bei wichtigen Staatsakten wurde damals Weihrauch verbrannt, wobei Sklavinnen Parfumkegel auf dem Kopf trugen, aus denen der Duft strömte. Aus den ätherischen Ölen wurden damals schon Pillen, Salben, Puder und Zäpfchen hergestellt. Zurzeit Christi Geburt existierte bereits eine große Anzahl an Duftläden, die feine Öle aus Ägypten verkauften. Kaiser Nemo ließ in seinem Palast Röhren verlegen, durch die der Duft verschiedener Parfums verströmte.

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Wirkungsbereiche

1. Der Geruchssinn
Tier und Mensch waren seit jeher auf das Riechen angewiesen. So gingen Tiere mithilfe ihrer Nase auf Beutefang, verdorbene Nahrungsmittel mussten erkannt werden und auch um Wetteränderung zu prognostizieren, nutzen Menschen die Nase.

Über die Jahre hinweg ist den Menschen von heute, beeinflusst durch Ernährung, Rauchen, Umwelt und einem Übermaß an Gerüchen, die ständig auf uns einströmen, der urtümliche Geruchssinn etwas abhanden gekommen. Selbst die Sprache schafft eine Brücke zwischen Worten und dem Geruch, wie zum Beispiel „ich kann ihn nicht riechen“, „es stinkt zum Himmel“ oder „folge der Nase nach“. Auch lässt das Riechen Erinnerungen aufkommen. Wie oft denken wir „so hat es bei Oma gerochen“ oder, „dieser Geruch erinnert mich an…“.

Das Riechen selbst beginnt in der obersten Nasenmuschel. Dort befinden sich, eingebettet in Riechzellen zwei briefmarkengroße bräunliche Bezirke. Diese nehmen den Geruch auf, leiten ihn dann über die Riechnerven ins limbische System und von dort aus in das Zentralhirn weiter. Vom Gehirn aus kommt es zu einer Rückkopplung, wodurch sogenannte Neurochemikalien ausgeschüttet und eine Reaktion in Form von Empfindungen ausgelöst wird. Die dabei auftretenden Gefühle werden beispielsweise als dämpfend, anregend oder euphorisierend wahrgenommen. Auf diese Art und Weise wirken die in der Aromatherapie verwendeten ätherischen Öle, die für die verschiedensten Krankheiten, Seelenbefindlichkeiten oder Unpässlichkeiten eingesetzt werden.

2. Die Haut
Die Haut ist ein großes Entgiftungs- und Aufnahmeorgan mit einer Fläche von circa zwei Quadratmetern. Die Haut trennt die Außenwelt von der Innenwelt. Über die Poren der Haut und auch über ihre Haarfollikel können kleine Moleküle in den Körper gelangen. Ätherische Öle besitzen eine einfache Molekularstruktur von geringer Größe, was das Eindringen in die Haut erleichtert. Die ätherischen Öle, über die Haut angewandt, zeigen reflektorische Wirkungen auf die verschiedensten Organe.

3. Die Atmung
Über die Schleimhäute des Atemtraktes dringen die Dämpfe der ätherischen Öle ein. Dies hat zum Beispiel eine krampflösende, schleimlösende oder desinfizierende Wirkung.

Ätherische Öle

Der Begriff ätherische Öle stammt zu aller erst von dem Wort „Äther“ aus dem Griechischen ab. „Äther“ nannten die Griechen damals den Wohnsitz der Götter. Später, im 18. Jahrhundert, bezeichnete man als „Äther“ die Urmaterie und in der Neuzeit wird darunter eine äußerst flüchtige und betäubende Flüssigkeit verstanden, was der Eigenschaft eines ätherischen Öls durchaus am nächsten kommt.

Ätherische Öle sind flüssige Bestandteile duftender Pflanzen, die zwar als Öle eingestuft werden, jedoch völlig andere Konsistenz besitzen. Sie sind hochgradig flüchtig, vermischen sich schlecht mit Wasser, lösen sich jedoch gut in hochprozentigem Alkohol. Der Ausgangsstoff für ätherische Öle ist in verschiedenen Pflanzenteilen, wie Schalen, Blätter, Blüten oder Harz enthalten.

therische le - Minze, Lavendel, Salbei
In der Aromatherapie können entsprechend den Bedürfnissen der Patienten unterschiedliche ätherische Öle zum Einsatz kommen. Bild: Floydine/fotolia.com

Herstellungsverfahren der ätherischen Öle

1.Wasserdampfdestillation
Dies ist das gebräuchlichste Verfahren. Zerkleinertes Pflanzenmaterial wird im Destillierkolben auf einen Rost gelegt. Von unten wird Dampf hinzugefügt. Dadurch löst sich das ätherische Öl heraus. Der Dampf wird aufgefangen und in ein Auffanggefäß geleitet, das Wasser enthält. Das Öl schwimmt auf der Wasseroberfläche. Dies wird anschließend abgeschöpft. Um bei der Wasserdampfdestillation eine gute Qualität erreichen zu können, muss der Vorgang langsam ausgeführt werden. Ein zu hoher Druck und/oder zu große Hitze können die Inhaltsstoffe zerstören.

2. Enfleurage
Dieses Verfahren ist äußerst kostspielig. Es wird angewandt, um schwer isolierbare Blütenteile zu gewinnen, wenn dies mit der Wasserdampfdestillation nicht möglich ist. Eine Glasplatte wird mit Butter oder frischem Schweinefett bestrichen und darauf die frisch gepflückten Blütenteile arrangiert. Darüber kommt eine zweite Glasplatte, bestrichen mit Butter oder Fett und eine Lage Blüten. Auf diese Art und Weise werden circa fünf bis sechs Glasplatten übereinander gelegt. Die Blüten werden täglich gewechselt. Der ganze Vorgang erstreckt sich über mehrere Wochen, solange, bis das Fett gesättigt ist. Mit Hilfe von Alkohol wird dann das ätherische Öl aus dem Fett extrahiert. Der Alkohol wird später durch Verdampfen entfernt. Das Verfahren kommt vor allem bei Blüten wie denen des Jasmins oder der Rose zum Einsatz. Das aufwendige Verfahren spiegelt sich auch im Preis eines hochwertigen Rosen- oder Jasminöls wieder.

3. Extraktion mithilfe chemischer Lösungsmittel
Die Extraktion wird bei Blüten angewandt, die sehr empfindlich auf Temperaturen reagieren. Zur Extraktion werden chemische Lösungsmittel, wie zum Beispiel Hexan oder Tetrachlormethan verwendet. Dies macht das Verfahren natürlich günstiger und wesentlich einfacher. Die Pflanzenteile werden mit einem der Lösungsmittel versetzt und erwärmt. Sobald sich das ätherische Öl gelöst hat, wird das Lösungsmittel unter Vakuum abdestilliert und mit Alkohol ausgewaschen. Jedoch ist der Umgang mit solch hergestellten ätherischen Ölen nicht ganz unkritisch, da immer wieder Spuren von chemischen Lösungsmitteln in den Ölen verbleiben können.

4. Kaltpressung
Die Kaltpressung verwendet keine Hitze, da ansonsten die wichtigen Bestandteile der Pflanzen zerstört werden können. Die Fruchtschalen werden zerkleinert und anschließend kalt gepresst.

Klassen der ätherischen Öle

Die ätherischen Öle sind in verschiedene Klassen, je nach Flüchtigkeitsgrad, eingeteilt, was auf vielen Flaschen zu lesen ist. So bleibt bei Ölen der untersten Klasse der Duft am längsten haften, wobei bei Düften der obersten Klasse der Duft am schnellsten flüchtig wird.

Basisnote
Dies ist die unterste Klasse, was nichts über die Wertigkeit aussagt. Beispiele für den Einsatz der Basisnote sind Nervosität, Unruhe, Unbeständigkeit und chronische Prozesse. Myrrhe, Weihrauch, Zedernholz, Sandelholz und zahlreiche andere Öle besitzen die Basisnote. Bei Düften der Basisnoten ist die Flüchtigkeit am geringsten, der Duft bleibt am längsten haften.

Herznote
Die Herznote ist die mittlere Klasse, welche zuständig für Verdauung und den Stoffwechsel ist. Dazu gehören Öle, wie zum Beispiel Kardamom, Fenchel, Anis, Koriander, Pfefferminze und Basilikum.

Kopfnote
Die Kopfnote stellt die oberste Klasse dar. Ein Öl der Kopfnote wirkt und verdunstet am schnellsten. Die Kopfnote wird eingesetzt bei Lethargie, Melancholie, Teilnahmslosigkeit und nutzt Öle, wie Rosmarin, Wachholder, Salbei und Lavendel. Eine gute Mischung enthält von jeder Note ein Öl. Dies verbindet Körper, Seele und Geist zu einer Einheit.

Anwendungsbereiche der ätherischen Öle

1. in der Aromalampe
Zwei bis fünf Tropfen eines ätherischen Öls, je nach Raumgröße, werden in das Wasser der Aromalampe gegeben. Sind Kinder mit im Raum, sollten geringere Dosen verwendet werden. Die Aromalampe sollte nicht länger als zwei bis drei Stunden am Stück brennen.

2. zur Massage
Für die Anwendung in der Aromatherapie werden häufig ätherische Öle zur Massage genutzt. Nach einer ausführlichen Anamnese gilt es herauszufinden, welche Aromaöle für die betreffende Person gerade jetzt die Richtigen sind.

Manche Therapeuten lassen auch den Patienten selbst die Öle „ziehen“. Das bedeutet, dass diese sich, ohne die Namen der Öle zu kennen, oder gar daran zu riechen, einfach intuitiv für ein oder mehrere Öle aus einer Anzahl heraus entscheiden. Die ätherischen Öle werden dann einem sogenannten Trägeröl zugesetzt, mit dem massiert wird. Beispiele für Trägeröle sind Mandelöl, Jojobaöl, Olivenöl, Kokosnussöl, Sonnenblumenöl und Sesamöl.

3. für Umschläge
Ätherische Öle wirken sehr gut in Verbindung mit Umschlägen. Dem kalten oder warmen Wasser werden die Öle oder das Öl hinzugegeben, miteinander vermischt und ein Tuch damit getränkt.

4. als Badezusatz
Da sich die Aromaöle äußerst schlecht mit Wasser vermischen lassen, wird für die Anwendung in der Badewanne mit einer Trägersubstanz gearbeitet. Die Aromaöle werden in Honig, Sahne, Butter oder Öl (zum Beispiel Mandelöl) eingerührt, vermischt und das Ganze dem Badewasser zugesetzt.

5. zur Inhalation
Eine Inhalation kann mit dem passenden ätherischen Öl unterstützt werden. Dies wird dem heißen Wasser zugegeben, verrührt und anschließend inhaliert. Hier sind zwei bis drei Tropfen absolut ausreichend. Bei Kindern reicht ein Tropfen des ätherischen Öls.

6. zum Gurgeln
Reine ätherische Öle können zum Gurgeln eingesetzt werden. Hier gilt der Grundsatz, weniger ist mehr.

7. Innerliche Einnahme
Die innerliche Einnahme eines ätherischen Öls gehört vollkommen in die Hand eines erfahrenen Therapeuten. Zum einen kann nicht jedes Öl oral verabreicht werden, zum anderen muss hier äußerst auf die Reinheit geachtet werden. Auch die Menge des Öls, das eingenommen werden soll, darf auf keinen Fall eigenmächtig überschritten werden. Die Experten warnen ausdrücklich zur Vorsicht vor einer Eigenmedikation.

Bei allen Anwendungen gilt: Weniger ist mehr. Ebenso ist es äußerst wichtig auf die Reinheit des ätherischen Öls zu achten. Öle aus Billigherstellungen können mehr Schaden anrichten, als sie helfen. Unwillkommene Reaktionen sind zum Beispiel Unwohlsein, Übelkeit und Kopfschmerzen bis hin zur Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion).

Aromatherapie Anwendungsgebiete

Bei Insektenstichen hilft ein Tropfen von reinem Lavendelöl gegen Juckreiz und Schwellung. Zur Linderung von Kopfschmerzen eignet sich Pfefferminzöl, mit dem die Schläfen massiert werden. Doch Vorsicht, in der Nähe der Augen darf das ätherische Öl nur ganz sparsam verwendet werden. Bei Pickel eignet sich das Betupfen der entzündeten Stellen mit einem Hauch von Teebaumöl. Aphrodisierend wirken Öle, wie Ylang Ylang, Rose, Jasmin und Sandelholz. Warzen können ebenfalls mit einem kleinen Tropfen Teebaumöl betupft werden. Für eine Entspannungsmassage ist Lavendelöl zu empfehlen. (sw)