Zungenbelag: Zunge belegt

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Zungenbelag – Belegte Zunge

Der Zungenbelag (belegte Zunge) eines Menschen wird seit jeher in verschiedenen Kulturkreisen zur medizinischen Diagnosefindung genutzt. Abweichungen in Farbe und Konsistenz der Beläge werden innerhalb der diversen Heilsysteme auch unterschiedlich gedeutet und behandelt. Betrachtet werden Lokalisation, Farbe und Konsistenz der Beläge. Als weitere hinweisdiagnostische Zeichen werden Risse, Furchen, Zahnabdrücke, Erhebungen und Mundgeruch hinzugenommen.

Natürlich sind Verfärbungen durch Nahrungs- und Genussmittel (Rote Beete, Blaubeeren, Wein, Kaffee) zu berücksichtigen. Mithilfe der Betrachtung von Zungenbelag können Diagnosen von Krankheiten erhärtet werden. Darüber hinaus werden organische Störungen bereits sehr früh sichtbar und können ausgeglichen werden, bevor eine (schwere) Erkrankung entstanden ist.

Inhaltsverzeichnis:
Zungenbelag in der westlichen Zungendiagnostik
Zungenbelag im Ayurveda
Zungenbelag in der konventionellen Medizin
Zungenbelag Diagnosebeispiele
Weißer Zungenbelag Ursachen
Brauner Zungenbelag
Schwarze Zunge Ursachen

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Zungenbelag in der westlichen Zungendiagnostik

Nach der westlichen Zungendiagnostik spiegelt sich auf der Zunge der gesamte Verdauungstrakt wider. Je nachdem, wo sich der Belag bildet, erhält man so Hinweise auf den Zustand bestimmter Organe. Während das vordere Drittel erfahrungsgemäß die Speiseröhre und den beginnenden Magenbereich anzeigt, befinden sich die Reflexzonen von Magen, Zwölffingerdarm, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse (links) und Milz (rechts) im mittleren Drittel. Der hintere Zungenteil schließlich soll Aufschluss über den Zustand des Darms geben. Ebenso lassen farbliche Abweichungen auf gestörte Organfunktionen schließen. Bei leichteren Darmstörungen zeigen sich zum Beispiel an Zungenrändern und –spitze häufig rote bis bräunliche Verfärbung. Gelber Zungenbelag wird als Zeichen einer Störung der Darmmuskulatur gedeutet, vor allem aber auch auf eine Beteiligung der Leber. Ein dicker Belag, der bräunlich-gelb erscheint, wird mit Störungen von Leber, Gallenblase und Gallenwegen, aber auch einem möglichen Pfortaderstau in Zusammenhang gebracht. Ebenso kann sich bei Gallenblasen- und Gallenwegserkrankungen grünlicher Belag auf der Zunge zeigen. Die naturheilkundliche Behandlung erfolgt nach der Ursache etwa mit Heilpflanzen, Homöopathika, Milieutherapie oder Ausleitungsverfahren.

Arzt untersucht den Mundraum
Der Belag auf Zunge und Rachen gibt Hinweise zu vorliegenden Erkrankungen. (Bild: eyetronic/fotolia.com)

Zungenbelag im Ayurveda

Wie in der traditionell westlichen Zungendiagnostik, so wird auch im Ayurveda, dem traditionellen Heilsystem Indiens, dem Zungenbelag Bedeutung beigemessen. Nach der als Jhiva bezeichneten Diagnoseform finden sich auf der Zunge jedoch zusätzlich Areale, in denen sich Organe widerspiegeln, die nicht zum Verdauungssystems gehören. So findet man beispielsweise im vorderen Drittel mittig das Herz, während sich rechts und links seitlich die Lungen erstrecken. Im hinteren Drittel sind die beiden Nieren abgebildet, die den Dickdarm seitlich „einrahmen“. Im mittleren Drittel schließlich werden Magen und Bauchspeicheldrüse mittig sowie Milz und Leber seitlich dargestellt, was in etwa der westlichen Vorstellung entspricht. Die Zungenbeläge, die auf diesen Arealen sichtbar sind, werden nach Farben außerdem den drei energetischen Grundprinzipien des Ayurveda, nämlich Vata, Pitta und Kapha, zugeordnet. Ein weißer Zungenbelag gilt danach als Kapha-Störung, während eine rot oder gelb-grün gefärbte Zunge auf eine Pitta-Störung hinweist. Braune und schwarze Verfärbungen schließlich deuten auf ein gestörtes Vata hin. Unter Berücksichtigung der individuellen Konstitution werden diese Störungen mit Medikamenten, Massagen, Asanas (Körperübungen), verschiedenen Entgiftungsverfahren sowie der Ernährungslehre des Ayurveda ausgeglichen.

Zungenbelag in der konventionellen Medizin

Moderne Vertreter der konventionellen Medizin messen Zungenbelägen i.d.R. nicht die gleiche Bedeutung bei wie die Praktiker der Erfahrungsheilkunde, die insbesondere auch sich abzeichnende Störungen vorsorglich behandeln. Es gibt jedoch einige Zungenphänomene, die mit bestimmten Zungenbelägen und Verfärbungen einhergehen, die benannt und häufig spezifischen Erkrankungen zugeordnet werden.

So ist die „Himbeerzunge“ als typisches Symptom von Scharlach bekannt, einer Infektionskrankheit, die durch Streptokokken verursacht wird. In einer bestimmten Phase der Infektion sticht die Zunge durch starke Rötung und hervortretenden Wärzchen hervor, was ihr in der medizinischen Literatur den Vergleich mit der Himbeerfrucht einbrachte.

Eine stark gerötete Zunge wird als Zeichen von Eisenmangel oder perniziöser Anämie (mit Vitamin B12-Mangel) gewertet. Wirkt die Zunge aufgrund untergegangener Papillen überdies sehr glatt und ist sie von Zungenbrennen begleitet, liegt wahrscheinlich ein schwerer Vitamin B12-Mangel vor, der beispielsweise durch Leberzirrhose entstanden ist. Dieses Phänomen wird „Lackzunge“ genannt.

Ist die Zunge von rosa und roten Flecken bedeckt, wird sie als „Landkartenzunge“ mit Störungen des Hormonsystems, aber auch mit Leber- oder Stoffwechselstörungen in Zusammenhang gebracht. Die „Haarzunge“ (s.u.) mit schwarzem Zungenbelag schließlich gilt als harmlos und wird oftmals nur als kosmetisches Problem betrachtet.

Zungenbelag Diagnosebeispiele

Im gesunden Zustand sollte die Zunge rötlich, feucht und glänzend sein und von einem schwach-weißlichen Belag umgeben, der sich nicht abwischen lässt. Eine belegte Zunge weist im Allgemeinen auf Toxine aus dem Bereich des Verdauungssystems hin. Es ist deshalb ein fester Bestandteil der ayurvedischen Morgenhygiene den Zungenbelag mit einem Zungenschaber abzustreifen. Es gibt seltene Zungenbeläge, wie der als lilagrün beschriebene Belag als Hauptsymptom bei Vergiftung mit dem Schwermetall Valadium. Weiße, braune und schwarze Zungenbeläge kommen häufig vor und können vielfältige Ursachen haben. Als Hinweisdiagnostik wird die Zungendiagnostik jedoch nie ausschließlich herangezogen, sondern weiteren Symptomen zur Befunderhebung hinzugefügt. Einige Beispiele sollen aus den verschiedenen Heilsystemen vorgestellt werden.

Weißer Zungenbelag Ursachen

Ein leichter Magenkatarrh kann zum Beispiel mit einem dünnen weißen Belag im Bereich des Übergangs zwischen vorderem und mittlerem Zungendrittel einhergehen.

Die akute Magenschleimhautentzündung wird häufig von gestörten Säureverhältnissen im Magen begleitet. Dieser Zustand kann beispielsweise als dick-weißlicher Belag sichtbar werden, der sich von der Zungenmitte, die in der westlichen Zungendiagnostik reflektorisch den Magen repräsentiert, über die Zunge ausbreitet. Bei Säureüberschuss kann sie aber auch belagfrei oder rot sein.

Geht dicker weißlicher Zungenbelag mit Halsschmerzen und Fieber einher und macht dieser nach 3 bis 4 Tagen einer deutlich roten Zunge mit hervortretenden Wärzchen Platz („Himbeerzunge“), kann dies ein deutlicher Hinweis auf die Infektionskrankheit Scharlach sein.

Ein weißer Zungenbelag, der die gesamte Zunge betrifft und darüber hinaus an den Wangenschleimhäuten sichtbar ist, lässt auf Mundsoor schließen, der durch eine Pilzinfektion mit Hefepilzen (Candida albicans) verursacht wird.

Ist die Zunge insgesamt hell und blass, liegt wahrscheinlich ein Mangel an roten Blutkörperchen vor (Blutarmut).

Brauner Zungenbelag

Brauner Zungenbelag gilt bei westlichen Zungendiagnostikern als recht sicherer Hinweis auf ein krankhaftes Darmgeschehen. Darmgeschwüre können beispielsweise durch einen braunen, lehmartigen Belag im hintersten Bereich der Zunge angezeigt werden.
Eine trockene Zunge, die teilweise borkig und schmutzig-braun belegt ist, kommt aber auch bei einem Darmverschluss häufig vor. Weitere Symptome sind dabei das völlige Ausbleiben von Stuhl und Winden, ein Blähbauch, der sich als harter Bauch tasten lässt sowie alle Zeichen der Akute Bauchschmerzen (akuten Abdomens).

Ist der Zungenbelag dunkelbraun und trocken und von Fieber und Durchfall begleitet, kann es sich um einen Hinweis auf die Infektionskrankheiten Typhus bzw. Ruhr handeln. Manchmal wird in der Literatur bei Ruhr allerdings auch eine bläuliche Verfärbung der Zunge beschrieben.

Ein brauner Belag in der Zungenmitte, der von feucht-roten Rändern umgeben ist, lässt auf eine entzündliche Veränderung im Dickdarm schließen.

Sind rechts und links der Zungenspitze längliche braune Bereiche sichtbar, kann nach ayurvedischem Heilwissen der Verdacht auf eine Lungenentzündung entstehen.

Schwarze Zunge Ursachen

Meist tritt schwarzer Zungenbelag als schwarze Haarzunge (Lingua villosa nigra) auf, die aufgrund von Verlängerungen und Verhornungen entzündeter Zungenpapillen wie „behaart“ aussieht. Die pelzige dunkle Belag entsteht dabei durch pigmentbildende Bakterien, die sich bei geschwächter Abwehrlage im veränderten Schleimhautmilieu (Mundflora) ansiedeln und verbreiten können.
Eine schwarze Zunge wird in alternativen Heilsystemen nicht nur aufgrund ihrer drastischen Erscheinung als bedenkliches Zeichen betrachtet, sondern weil sie auf eine stark geschwächte Abwehrlage des Immunsystems schließen lässt. In der konventionellen Medizin wird ihr edoch wenig Krankheitswert beigemessen. Ohne Behandlung wird abgewartet, bis sich nach einigen Wochen oder Monaten (in Einzelfällen auch nach Jahren) der Belag zurückgebildet hat.

Häufig wird das Auftreten des schwarzen Zungenbelags nach einer (immunschwächenden) Behandlung mit Antibiotika und Kortisonpräparaten beobachtet, aber auch im Rahmen von Hefepilzinfektionen, Vitaminmangelzuständen und bei übermäßigem Tabakkonsum. Auch im Zusammenhang mit AIDS, nach Chemotherapie und schweren Auszehrungszuständen mit Untergewicht wird das Phänomen beschrieben. Daneben begünstigen auch manche Mundwasser und Desinfektionsmittel die Entstehung der schwarzen (Haar-) Zunge.

In der ayurvedischen Heilkunde wird ein schwarzer Zungenbelag als Vata-Störung verstanden und durch eine Regulierung dieses aus dem Gleichgewicht geratenen Doshas nach ayurvedischen Prinzipien behandelt. (jvs, 10.01.2011)

Bildnachweis: Rolf van Melis / pixelio.de