Eine Kräuterspirale anlegen

Über frische Kräuter aus dem Garten geht nichts. Sie sind kein Vergleich zu den kommerziell gezogenen Topfkräutern, welche im Supermarkt erhältlich sind. Letztere werden kostengünstig und schnell produziert, durch Überdüngung und übereiltes Wachstum taugen sie meist nur für eine einzige Ernte. Was spricht also dagegen, eine eigenes Kräuterbeet im Garten anzulegen? Mit Hilfe einer Kräuterspirale – oder auch Kräuterschnecke – bietet sich eine optimale Raumnutzung für unterschiedlichste Kräuter an, horizontal wie vertikal. Sie passt perfekt in den Naturgarten. Mit nur wenigen Materialien und etwas Vorbereitung ist der Bau der Kräuterspirale auch für unerfahrene Gartenfreunde ein einfaches Unterfangen – im zweiten Teil des Artikels gehen wir näher darauf ein. Zuerst aber einige Informationen über die Herkunft dieser Spiralen.


Spiralen

Eine Spirale, von lat. Spira, ist ein in Schneckenlinie gewundener Körper, also eine gekrümmte Linie, die um einen festen Punkt – eine Achse – läuft. Die Spirale findet sich bereits in magischen Tunneln und alten schamanischen Bildern als zentrales Element. Bei den Hopi in Arizona ebenso wie bei Schamanen Sibiriens. In der Natur sind Spiralen in Pflanzen zu finden, bei Schnecken und Windhosen. Wasserwirbel und die Galaxien des Weltalls sind meist spiralförmig – ebenso unsere DNA. Schrauben halten durch ihre Spiralform im Material, Wendeltreppen verlaufen in einer Spirale. Die Spirale ist ein Sinnbild für dem Weg vom Diesseits in das Jenseits, von der sichtbaren in die unsichtbare Welt.

So kann eine Kräuterspirale bepflanze aussehen, . Bild: FRÜH/fotolia.com
So kann eine Kräuterspirale bepflanzt aussehen, der Teich ist hier im Bild schlecht zu sehen. (Bild: FRÜH/fotolia.com)

In der Naturwissenschaft handelt es sich bei der Spirale um einen Halbstrahl, der sich in einer Ebene um seinen Endpunkt dreht. Wobei sich auf dem Halbstrahl ein Punkt mit gleichförmiger Geschwindigkeit bewegt, so Archimedes – eine Kurve aus Windungen um einen festen Punkt.

Die Spirale ist ein Symbol für die Schöpfung, weil der Weg in die Spirale hinein und aus ihr hinaus für den Weg in die Welt, der Geister, der Götter, des Universums steht, vom Leben in den Tod, vom Tod in das Leben. Die Spirale ist das Sinnbild des Irrens und Wiederfindens. Christliche Kathedralen bilden ebenso Spiralen ab wie keltische Ornamente, griechische Säulen wie Schmuck aus der Bronzezeit. Kreis, Einfach- Doppel- Vielfachspiralen prägen die älteste Kunst, Felszeichnungen und Keramik.

Navajos malen Sandbilder in Spiralform. Ihre Pueblo-Nachbarn tanzen zum Beginn des neuen Jahres Spiraltänze. Die Mayas sahen in der Wintersonnenwende den festen Punkt der Spirale. Sie verhalfen der Sonne auf ihrem Weg mit einem Ballspiel, das den Kosmos darstellte. In Indien ist die Spirale das Symbol der Wiedergeburt, psychologisch betrachtet steht sie für Erneuerung dadurch, dass zu den Wurzeln zurückgekehrt wird.

Die organische Form der Spirale findet sich häufig in der Natur, wie hier beim Romanesco – einer Variante des Blumenkohl. Die Fibonacci-Spiralen verleihen ihm ein fraktales Erscheinungsbild. (Bild: Maren Winter/fotolia.com)

Die Ursache der symbolischen Bedeutung mag in der Beobachtung der Spiralen bei elementaren Lebensprozessen liegen: Die Windungen des Gehirns sind spiralförmig, die Därme ebenfalls. Nahrung einführen, verdauen und ausscheiden, wobei aus den Ausscheidungen neues Leben entsteht – das spiegelt den Lebensprozess.

Die Kräuterspirale

Wie wir eben erfahren haben, spricht eine Spirale unser Unbewusstes also auf besondere Weise an. Auch deswegen eignet sie sich hervorragend als Form für ein Kräuterbeet. Doch eine solche Kräuterspirale hat sogar einen praktischen Nutzen: Sie ermöglicht, auf engstem Raum Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen zu ziehen. Eine solche Spirale schlingt sich um einen Steinhaufen von unten nach oben, die Pflanzen werden dabei spiralförmig zwischen den Steinen platziert.

Ursprung der Kräuterspirale

Die Kräuterspirale erfand der Australier Bill Mollison 1978 als Permakultur. Sein Vorbild waren die Sandbilder der Aborigines. 1988 veröffentlichte er „Permaculture: A designer´s manual“ und umriss darin die universelle Bedeutung der Spirale in der Natur und als Symbol bei so genannten Naturvölkern. Seine Kräuterspirale machte weltweit Furore und ist heute bei Klein-, Kräuter- und Profigärtnern weit verbreitet. Neben den gebräuchlichen Küchenkräuter finden hier auch Wildkräuter einen Platz.

Steht bereits ein prächtiger Teich im Garten, an dessen Nordseite noch ausreichend Platz für die Spirale ist – so wird dieser als natürliche Verlängerung der Spirale genutzt. (Bild: sonne_fleckl/fotolia.com)

Standort der Kräuterschnecke

Im besten Fall wird das Beet unweit der Küche angelegt, sodass die Kräuter immer gut erreichbar sind. Niemand möchte bei Sauwetter erst durch den gesamten Garten stiefeln, auch sind die Pflanzen in trockenen Sommern so einfacher zu wässern. Je windgeschützter der Platz, desto besser werden die Zöglinge auch noch im Herbst und bei stürmischem Regenwetter gedeihen.

Ideal dafür ist ein Teich an der Südseite der Spirale. Das Wasser unweit des Bodenbereichs sorgt für ein feuchtes Mikroklima und reflektiert zusätzlich Licht und Wärme. Dieser „Fuß“ der Spirale ist für Kräuter gedacht, die Feuchtigkeit lieben – wie Minze oder Waldmeister. Der Teich sollte zum Süden der Kräuterspirale hin liegen, damit die Wasserpflanzen auch in lichtarmen Jahreszeiten noch genug Sonnenlicht erreicht.

Der Aufbau

Der untere Teil der Spirale muss den feuchten Ansprüchen der Wasserpflanzen genügen, je Vorraussetzungen bieten sich ein richtiger Teich oder eine Wassertonne an. Brunnenkresse und Minze mögen die Feuchtigkeit, auch kann solch ein Feuchtbiotop gern gesehene Gartenbewohner anlocken.

Liegen bereits alte Mauersteine oder flache geformte Findlinge in einer Ecke des Gartens, so können diese wunderbar zum Schnellbau einer kleinen Kräuterschnecke genutzt werden. (Bild: focus finder/fotolia.com)

Der Mittelteil der Spirale besteht aus Humus, also Komposterde. Der Boden ist durchlässiger als in der feuchten Zone. Er liegt vor allem im Halbschatten. Geeignet sind dort Koriander, Estragon, Kümmel, Oregano, Schnittlauch, Pimpinelle oder Dill. Aber auch Borretsch (Vorsicht, er wuchert), Fenchel, Wermut, Kerbel, Sauerampfer, Kapuzinerkresse und Rucola wachsen hier bestens.

Den oberen Teil Richtung Südseite der Spirale bildet die Trockenzone. Der Humus wird hier mit Sand durchmischt; der Boden ist so durchlässig und mager. Regenwasser fließt schnell ab, die Kräuter sind direkt der Sonne ausgesetzt. Hier gedeihen Kräuter des Mittelmeeres: Salbei, Ysop, Bohnenkraut, Thymian, Lavendel, Oregano, Rosmarin und Currykraut.

Möglicherweise befindet sich schon ein Teich im Garten, an dessen Nordseite genug Platz für eine solche Steinspirale ist. Je nach Platz können wir aber auch einfach einen „richtigen“ Teich anlegen, mit Teichfolie und Uferbefestigung aus Steinen. Der Durchmesser der Spirale sollte wenigstens 2,3 Meter betragen, auch größere Varianten sind möglich. Die Erde innerhalb der Spirale sollte erst einsacken, bevor Pflanzen gesetzt werden. Die Mauer muss deswegen schon im Herbst errichtet werden und unmittelbar mit dem Substrat befüllt werden.

Die eigentliche Spirale des Beetes kann unterschiedlich angelegt werden – hier im Bild wurden einheitliche Natursteine gewählt, die gleichmäßig gestapelt wurden. (Bild: ehrenberg-bilder/fotolia.com)

Teichbau und Teichbewohner

Einfacher, und für die Praxis geeigneter als ein richtiger Teich, ist ein „Balkonteich“. Dafür braucht man zuerst eine alte Tonne. Ein Holzfass ist noch schöner, eine Zementwanne erfüllt aber den gleichen Zweck. Wir heben ein Loch in der Tiefe und Größe dieser Tonne aus. Den Rand können wir mit einem Erdwall von circa 20 cm Höhe umgeben und außen mit Steinen befestigen. Um den Erdwall fest zu verwurzeln, bietet sich Schnittlauch für die unteren Freiflächen zwischen den Steinen sowie um diesen Erdwall an. Dann mischt man Sand mit Lehm, und füllt damit bis zur Hälfte auf. Wasser bis unter den Rand gießen und Sumpf-Pflanzen hinein setzen. Dafür eignen sich schwimmende Pflanzen wie Froschbiss oder Laichkraut. Besonders Schwertlilien sind hier ein Augenfang. Man lässt sie am besten im Topf, für mehr Halt. Zudem sind verschiedene Varianten eines Balkon—Sumpfbeetes möglich.

Als wahrer Kräutergärtner ist man ökologisch orientiert und sorgt sich auch um das Wohlergehen der Tierwelt: Wasserflöhe gibt es im Aquarien-Handel, Wasserschnecken ebenso. Die Wasserläufer, Frösche, Florfliegen und verschiedenen Libellen kommen von allein, wenn ihnen das Biotop gefällt. Eine Wurzel, ein Stein und etwas Rinde im Wasser können dafür als Einstieg dienen. Molche oder Kröten, die in den Natursteinen der Spirale Unterschlupf finden könnten, laichen dann idealerweise vor Ort.

Der Teich gibt den unteren Pflanzen Feuchtigkeit, die aufsteigende Steinmauer spendet Schatten. Ganz oben ist die Erde recht trocken. Auf kleinster Fläche wird die Spirale somit Ansprüchen von feucht-schattig – über halbfeucht-halbschattig – bis hin zu sonnig-trocken gerecht.

Solch schöne Fluginsekten wie die Gemeine Becherjungfer besuchen die Kräuterspirale, wenn zur Südseite hin ein ökologischer Teich für die Feuchtzone angelegt wurde. (Bild: goldi69/fotolia.com)

Konstruktion des Beetes

Für eine Kräuterspirale sucht der Gärtner zuerst einen sonnigen Platz von mindestens 2,30 Meter Durchmesser. Dieser liegt entweder an der Nordseite (notfalls auch Nordost/Nordwest) eines vorhandenen Teiches – oder aber wir schaffen uns nach der oben stehenden Beschreibung einen Mini-Tümpel. Mit Pflöcken stecken wir dann den Grundriss der Spirale ab – die Windung nicht vergessen. Eine Schnur verbindet die Pflöcke zur Übersicht. Dann heben wir im unteren Bereich die Erde 30 cm ab.

Die Mauer errichten wir am besten als Trockenmauer. Die Steine werden also ohne Mörtel aufeinander gestapelt. Dadurch können viele Nützlinge im Garten Unterschlupf finden – Eidechsen, wilde Hummeln und Blindschleichen lieben trockene Mauern. Welche Steine wir verwenden, bleibt dem Geschmack überlassen. Feldsteine und Schiefer sehen zwar natürlich aus, Mauer-, Klinker- und Ziegelsteine erfüllen aber den gleichen Zweck. Womöglich gibt es einen Restbestand von Steinen, diese können nach Belieben kombiniert werden. Wichtig ist nur eine gewisse Größe, damit die Mauer steht. Sind die Steine zu klein, so muss mit Mörtel nachgeholfen werden. Die Steine stapeln wir versetzt aufeinander; die Mauer sollte unten ungefähr 60 Zentimeter hoch sein und sich bis zur Mitte auf einen Meter hoch winden. Die versetzten Steine halten nicht nur die Spirale stabil, sie bieten auch Lebensraum für Insekten, Asseln, Spinnen und Molche.

Für die Spirale ziehen wir die Steine treppenartig nach oben, das heißt, wir beginnen bei der Feuchtzone und lassen bei jeder Außenreihe einen Stein aus. So entsteht eine Steigung. Unten bleibt die Spirale flach, nach oben hin wird sie steiler.

So wie hier im Bild können ganz unterschiedliche Steine zum Bau der Mauer gewählt werden. Tipp: Unbedingt herumliegende Restbestände mit einbauen.
(Bild: fotoak80/fotolia.com)

In die entstehende Spirale füllen wir als Grund Kies oder Schotter, unten nur eine dünne Schicht; den Mittelteil füllen wir zur Hälfte mit kleinen Steinen. Bims, grober Sand und Lava eignen sich bestens. Diese Schicht dient der Drainage: Die Mittelmeerkräuter sind trockene Sommer gewöhnt, bei Staunässe sterben ihre Wurzeln ab. Die Drainage wird von oben nach unten angelegt: Wasser fließt so zu den Pflanzen am Boden, die Nässe lieben.

Auf die Kiesschicht füllen wir Erde. Unten nehmen wir normale Gartenerde und reichern sie mit Kompost an. In der Mitte verwenden wir Gartenerde ohne Kompost, und den „Mittelmeerteil“ füllen wir mit einem Gemisch aus Kies, Kalkstein, Sand und Erde auf.

Pflanzenstandorte

Die Kräuterspirale bietet Platz sowohl für ein- wie auch mehrjährige Pflanzen. Direkt am „Teich“ wächst die pikant schmeckende Brunnenkresse, im Teich die leckere Wassernuss. Mehrjährig sind dabei Minze, Waldmeister, Zitronenmelisse und Liebstöckel. Sie fühlen sich im feuchten, unteren Bereich der Spirale zum Teichbereich hin wohl. Die Pfefferminze pflanzt sich unterirdisch fort und wird schnell zum Fluch – so lecker sie auch schmeckt und so wichtig sie als Heilkraut ist. Um die Minze zu vermehren, können wir Teilstücke der Pflanze einfach an andere schattige Stellen im Garten versetzen. Das gleiche gilt für Zitronenmelisse, auch diese breitet sich schnell aus. Bei Minze und Zitronenmelisse ist deshalb zu überlegen, sie in einem bodenlosen Topf einzusetzen, damit sie den anderen Kräutern nicht den Raum nehmen.

Die Kräuter können vorgezogen im Handel erworben werden. Ebenso ist die eigene Aussaat im Pikierschälchen oder Frühbeet möglich. (Bild: vege/fotolia.com)

Basilikum, Dill und Tulsi müssen wir jedes Jahr neu pflanzen oder säen, ebenso verhält es sich mit Koriander, Majoran und Kresse. Diese können einfach etwas zeitversetzt gesät werden, um auch noch im Spätherbst frisch zu ernten. Lavendel, Salbei und Rosmarin hingegen treiben jedes Jahr aufs neue aus und wuchern weiter. Auch Thymian, Bergbohnenkraut, Estragon und Bärlauch sind mehrjährig. Schnittlauch und Petersilie gehen bei starkem Frost ein, ebenso Rosmarin und Thymian. Der Salbei kann stark in die Höhe und Breite wuchern. Wir pflanzen ihn wie den Liebstöckel einfach in eine Ecke, so dass er nicht ausufert.

Platzierung der Pflanzen

Gepflanzt wird im Frühjahr oder Frühsommer, je heißer es ist, desto besser müssen die Kräuter angegossen werden. Kresse, Kerbel und auch die Petersilie können bereits früh im Jahr direkt an Ort und Stelle ausgesät werden, sie wachsen auch bei kühlen Temperaturen gut an. Auch im Herbst können noch Pflanzen in die Erde gebracht werden, wenn dies rechtzeitig vor dem Frost geschieht.

Sollen die Kräuter gedeihen, gilt das gleiche wie sonst im Garten auch: Die hohen und robusten nehmen den Sensibelchen die Erde, das Wasser und die Sonne. Schnittlauch und Knoblauchkraut vertragen sich bestens. Oregano, Minze und Thymian mögen sich ebenso, auch bieten sie durch die enthaltenen ätherischen Öle eine gute Abwehr gegen Fraßschädlinge bei ihren Nebenpflanzen.

Pimpinelle, Borretsch, Schnittlauch, Petersilie, Kerbel, Kresse und Sauerampfer benötigt man für die berühmte Grüne Soße. Steht all das im Beet, so kann sie den Großteil des Jahres selbst zubereitet werden. (Bild: Peteers/fotolia.com)

Basilikum, Majoran und Dill harmonieren; Borretsch und Petersilie sind ein Herz und eine Seele. Schnittlauch und Petersilie – das ist für letztere das Todesurteil. Dill und Salbei können sich nicht leiden, Kümmel und Fenchel hassen sich, Kerbel und Koriander sind wie Feuer und Wasser. Es empfiehlt sich also vor dem Einpflanzen zu überlegen, ob es unpassende Nachbarn gibt. Ein Plan der Spirale auf Papier kann helfen, Inkompatibilitäten zwischen den Pflanznachbarn zu sehen. Behelfsweise können auch abgrenzende Zwischensteine in die Spirale gesetzt werden, um die Pflanzen besser voneinander zu trennen.

Schnitt & Ernte der Kräuter

Als wichtigste Pflegemaßnahme bei Kräutern dient das Beschneiden bzw. regelmäßiges Ernten. Nur dadurch bilden die Pflanzen zahlreiche neue Triebe aus und bleiben schön buschig. Spätestens Ende Februar (vor dem Neuaustrieb) schneiden wir also zurück, gegebenenfalls auch schon im Frühsommer und Herbst. Je nachdem wie gut die Kräuter sprießen, kann zu diesem Zeitpunkt schon eine größere Menge zum Trocknen geerntet werden. Lavendel, Thymian, Rosmarin und Salbei verholzen – bei diesen Halbsträuchern werden spätestens nach der Blüte (bis September) die Blütenstiele mit etwas Laub abgeschnitten.

Je mehr von dem Holz wir wegschneiden, um so besser sprießt das Grün. Dabei dürfen wir maximal zwei Drittel der Grünmasse wegschneiden, da die Pflanzen sonst eine lange Zeit brauchen, um sich wieder zu erholen. Der Rückschnitt im Frühjahr kann stärker sein als der Herbstschnitt, da die Pflanzen dabei stärker austreiben. Kräuter, die zu den kleinen Stauden (mehrjährige) gehören, schneidet man vor dem Neuaustrieb im Frühjahr maximal fünf Zentimeter über dem Boden ab. Wurde im Spätsommer bereits ein Großteil geerntet, sollte der Schnitt im Frühjahr nur leicht sein. Die geernteten Kräuter können frisch verzehrt, zum Trocken aufgehangen oder passend geschnitten eingefroren werden.

Holzige Kräuter (wie hier der Rosmarin) sollten auch an dickeren Zweigen etwas beschnitten werden, nur so treiben sie in der nächsten Saison kräftig aus. (Bild: Marek Gottschalk/fotolia.com)

Gießen und Düngen

Die Kräuterspirale ist zwar eine Permakultur, deren Drainage den Regen als Gießkanne nutzt; anfangs müssen wir aber aufmerksam gießen, und zwar ein Mal pro Woche. Wir beginnen von oben und gießen nach unten hin immer mehr. Im zweiten Jahr gießen wir nach Bedarf, also wenn Kräuter schlapp werden und sich verfärben, oder wenn länger der Regen ausbleibt. Ist das „System“ Kräuterspirale aber erst einmal am Laufen, gießen wir nur noch gelegentlich den unteren Bereich – das Wasser zieht sich allein nach oben.

Die Drainage müssen wir im Blick behalten. Wenn der Boden sich verhärtet, dringt nicht genug Wasser zu den Wurzeln. Ein mal pro Monat harken reicht aus, um dem vorzubeugen.

Chemischer Dünger ist im Naturgarten ein No-Go und verändert zudem den Geschmack einiger Kräuter. Wir düngen ein Mal im Frühjahr und ein Mal im Herbst mit Kompost, eine einmalige leichte Stickstoffdüngung mit selbstgerührten Jauchen ist zu Anfang der Wachstumssaison ebenso möglich. Achtung, nach dem Düngen sprießt das Unkraut umso besser, dieses sollte regelmäßig gejätet werden.

Der Kompost für die Kräuterspirale kann zur Beetanlage ruhig in grober Form verwendet werden, die Pflanzen mögen Drainage. Zum Düngen sollte er dann besser grob gesiebt werden. (Bild: ArTo/fotolia.com)

Brühen zur Stärkung der Pflanzen

Die gesetzten Pflanzen haben im Durchschnitt keine hohen Ansprüche an die Düngung, trotzdem benötigen sie ein ausgeglichenes Angebot an Mineralstoffen im Boden. Mangelt es an diesen Stoffen, so kann eine Brühe aus Beinwell, Brennnesseln oder Ackerschachtelhalm Wunder vollbringen.

Jauchen liefern den Pflanzen schnell die Stoffe, die sie im Frühjahr zum Wachsen und Ansetzen der Früchte brauchen. Besonders Stickstoff und Kalium sind reichlich enthalten. Im Gegensatz zu Komposterde kann die flüssige Mischung deutlich schneller von den Pflanzen aufgenommen werden. Die Nährstoffe liegen nämlich in einer pflanzenverfügbaren Form vor, sie müssen nicht erst durch Bodenorganismen umgewandelt werden.

Wird die Jauche fachmännisch ansetzt, so stinkt sie nicht geruchsintensiv, sondern müffelt nur leicht. Zur Herstellung einer Jauche einfach die Nesseln oder den Schachtelhalm pflücken und etwas zerkleinern. Das kann durch Zerreissen oder mit einer Gartenschere gemacht werden, bei Brennnesseln zieht man besser Handschuhe über. Pro fünf Liter Gießjauche werden ein halbes Kilo der frischen Kräuter benötigt, außerdem fünf Liter Wasser. Hierfür am besten Regenwasser nutzen, die enthaltenen Bakterien helfen den Fäulnisprozessen der Jauche, auch ist es kalkärmer.

Pflanzenjauchen sind ein kostengünstiger biologischer Dünger, der sich selbst herstellen lässt. Hier im Bild muss noch das Knochenmehl zugefügt werden, um starken Gestank zu vermeiden. (Bild: Patryssia/fotolia.com)

Als Gefäß zur Herstellung eignen sich ein alter Eimer oder eine ausgediente große Schüssel. Empfehlenswert ist, dieses nach dem Anrühren luftig abzudecken, damit keine Tiere hineinfallen oder Schnecken über den Rand steigen. Blätter und Wasser zusammen in das Behältnis geben, umrühren. Darauf unbedingt noch eine kleine Handvoll Steinmehl geben, das dämmt den unangenehmen Geruch ein. Nun jeden Tag einmal kräftig umrühren, bei Bedarf noch etwas Steinmehl dazu kippen. Die Jauche benötigt wenigstens zwei Wochen, bis sie verwendbar ist. Problemlos kann sie mehrere Wochen im Garten stehen, bis sich die Blätter darin stark zersetzt haben. Zum Gießen mindestens 1:10 mit Wasser verdünnen, pur ist die Brühe zu stark für die Pflanzen.

Winterpflege

Viele Kräuter aus dem Mittelmeerraum sind nicht winterhart. Besonders Rosmarin und Lavendel sind recht empfindlich, sie halten nur wenige Grad Celsius unter Null aus. Wir können sie in Töpfen, in der Gartenhütte oder im Wintergarten überwintern lassen. Auch Kübel aus Styropor, ein Gartenvlies, Reisig oder Laub können ausreichend schützen. Auch im Winter brauchen Pflanzen Wasser, und viele vermeintlich erfrorene Kräuter sind in Wirklichkeit lediglich verdurstet. An frostfreien Tagen gießen wir also insbesondere in der Feuchtzone. Das passiert am besten direkt morgens, da die Wurzeln bei höheren Temperaturen besser arbeiten als während der nächtlichen Kälte.

Trockenmauern und Feldsteinbeet

Wer keinen geeigneten Platz für eine Kräuterspirale findet, kann mit einer Trockenmauer und einem Hochbeet den gleichen Erfolg erziehen. Solch ein Trockenhochbeet benötigt deutlich weniger Platz als ein vollständige Kräuterspirale, drei Quadratmeter Fläche lassen sich meist noch am Randbereich des Grundstückes finden, auf solch ein Beet lässt sich einiges pflanzen. Eine Kräuterspirale ist nämlich nichts anderes als eine spiralförmige Trockenmauer – und wird eine solche Mauer eingesetzt, um den Garten von Nachbarn abzugrenzen, nimmt sie kaum Platz weg. In einem Hochbeet können wir Kräuter ziehen, die viel Sonne brauchen. Ebenso gern mögen Chili und Paprika diese Wurzelwärme, im Handel gibt es viele Sorten die auch für die Kultur im Freiland geeignet sind. Zur Pflanzung eines kleinen Duftgartens eignet sich ein solches Beet ebenfalls. Die Blüten ziehen Wildbienen und Hummeln an.

Ein solches Feldsteinbeet (hier im Bild mit Steppenwolfsmilch) bietet zahlreichen Nützlingen schützenden Unterschlupf. (Bild: Ruckszio/fotolia.com)

Wer hingegen viel Platz hat, kann statt einer Kräuterspirale auch ein Feldsteinbeet anlegen. Auf ebener Erde sorgen große Natursteine für das gleiche Wechselspiel von Sonne und Schatten, Kälte und Wärme wie die Schichten der Spirale. Wem die Spirale zu aufwändig ist, der kann auch einen Lesesteinhaufen aufschütten. Dazu kippen wir aufgelesene Feldsteine nur auf einen Haufen und reichern diesen mit den gleichen Erdmischungen wie die Spirale an. Dazu sollten allerdings einige große Steine genutzt werden, sonst sind die entstandenen Erdlöcher als Pflanzloch nicht tauglich.

Artenschutz und Apotheke

Für die Spirale gilt das gleiche wie für andere Trockenmauern: Sie sind wichtige Lebensräume für bedrohte Tierarten. Schlingnattern, Eidechsen, Blindschleichen, Erdkröten, Wildbienen und Laufkäfer lieben sie. So können wir etwas gegen das Insektensterben und für den Insektenschutz tun. Achten wir darauf, dass auch einige Spalten, Ritzen und Hohlräume zwischen den Steinen bleiben, dann können wir Heckenbraunelle, Rotkehlchen und Zaunkönig beim Insekten suchen beobachten.

Außerdem schützen Trockenmauern den Boden, weil ihre Drainage das Wasser bremst und so die Erosion des Untergrundes aufhält. Das Wasser versickert langsamer und die Wurzeln nehmen es ebenso langsam auf. Die Lücken zwischen den Steinen sorgen dafür, dass das Wasser nicht auf die Mauer drückt.

Mauereidechsen (wie diese im mediterranen Raum) lieben Steine, die sich in der Sonne erhitzen. Die Spalten im natürlichen Mauerwerk eignen sich bei Gefahr hervorragend als Rückszugsort. (Bild: Manfred/fotolia.com)

Trockenmauern waren früher in der kleinteiligen Landwirtschaft weit verbreitet, heute sind sie leider oft der Flurbereinigung zum Opfer gefallen. Wer eine Kräuterschnecke mit Natursteinen anlegt, dient also auch dem Natur- und Artenschutz. Dem helfen wir zusätzlich, indem wir unsere Küchenkräuter mit nützlichen Naturpflanzen ergänzen: Auf der Sonnenschicht sind das zum Beispiel Steintäschel, Hungerblümchen, Pfingst- und Geröllnelke, an der Schattenseite Mauerraute, Gelber Lerchensporn und Farne. Typische Arten sind Weißer Mauerpfeffer, Gewöhnlicher Natternkopf, Fingerkraut, Zimbelkraut und Zypressenwolfsmilch.

Manche Mauerpflanzen sind fast vergessene Heilpflanzen: Der Braunstielige Streifenfarn kann zu „Tee“ aufgekocht werden; der Goldlack enthält das Glykosid Cheiranthin und die Dach-Hauswurz hilft gegen Hautwunden, Stiche und Sonnenbrand. Außer für Küchenkräuter können wir unsere Kräuterspirale also auch noch als Haus-Apotheke nutzen.

In solchen Trockenmauern finden nicht nur Kröten oder Lurche ein Rückzugsgebiet – bei einem sonnigen Standort lieben auch Zauneidechsen die Schlupflöcher zwischen den Wurzeln. Ein jeder Gärtner kann sich glücklich schätzen, diese Artgenossen im Garten zu beherbergen, vertilgen sie doch Unmengen von Schnecken, Larven und Käfern. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder chemischer Insektenabwehr wird so unnötig, besonders im ökologisch geplanten Garten ist das wünschenswert.

(Dr. Utz Anhalt, dp; aktualisiert am 31.10.2018)