Wirksame Hausmittel der Naturheilkunde

Hausmittel der Naturheilkunde

Als Hausmittel bezeichnet man alternative und kostengünstige Maßnahmen zur Selbsthilfe bei harmlosen Krankheiten und zu deren Vorbeugung. In der Regel kannten unsere Omas und Uromas auch ohne medizinische Ausbildung den passenden Tee gegen Husten und die richtigen Nahrungsmittel bei Durchfall. In diesem Sinne stellen Hausmittel den Bereich der Naturheilkunde dar, der sich mit einfach praktikablen und naturgemäßen Sebstbehandlungsmöglichkeiten beschäftigt. Doch Hausmittel beschränken sich nicht nur auf die Gesundheit im engeren Sinn, sie bereichern den Kosmetikschrank, die Kochkunst und den Haushalt ganz allgemein. Außerdem profitieren auch Haustiere und Pflanzen von den natürlichen und meist einfach anzuwendenden Tipps und Tricks.

Hausmittel früher und heute

Hausmittel wurden im Alltag von jeher von Familienmitglied zu Familienmitglied weitergegeben und sind häufig bereits seit mehreren Generationen bekannt. Viele sprechen deshalb auch von „Omas Hausmittel“ oder „alten Hausmitteln“. Dies liegt sicherlich daran, dass früher nicht bei jedem Schnupfen ein Arzt konsultiert werden konnte, weil die medizinische Grundversorgung durch Arztpraxen und Krankenhausambulanzen nicht derart flächendeckend geregelt war wie heute. Inzwischen verlassen wir uns auf „Professionelle“, denen wir die Verantwortung für unsere Gesundheit gern überlassen. Die traditionellen Hausmittel kennen wir besser aus Büchern als aus Omas Erzählungen. Dennoch scheint die Zeit für eine „Renaissance der Hausmittel“ gekommen zu sein, ertönen doch klagende Stimmen aus dem Gesundheitssektor über zu viele „überflüssige“ Arztbesuche, während das Interesse an natürlicher und nebenwirkungsarmer Medizin in der Bevölkerung stetig steigt.

Heilkräuter
Heilpflanzen lassen sich auch gut im heimischen Garten oder auf dem Balkon anpflanzen. (Bild: Marina Lohrbach/fotolia

Heilkräuter, Pillen, Salben und mehr

Als Hausmittel sind sämtliche Arzneien und Methoden zu betrachten, die grundsätzlich auch ohne ärztliche oder heilpraktische Hilfe angewendet werden können.

Sie sind kostengünstig oder gar kostenlos erhältlich. Traditionell gehören die Heilpflanzen dazu, die gesammelt und als Tee, Tinktur, Salbe oder Badezusatz selber weiterverarbeitet oder als Fertigarzneien in Apotheke und Kräuterladen gekauft werden können. Ebenso vermögen Nahrungsmittel und Gewürze eine Vielzahl von Beschwerden zu lindern, wenn sie richtig eingesetzt bzw. gemieden werden. Äußerliche Anwendungen, wie Wickel und Packungen zählen genauso zu den Hausmitteln wie Bäder, Güsse und Waschungen. Inzwischen finden sich in den Hausapotheken insbesondere auch die bekanntesten Mittel aus der Homöopathie, die in niedrigen Potenzen vielfach empfohlen werden. Aber auch solche Arzneien, die eigens zur Selbstanwendung entwickelt wurden, wie etwa Bachblüten und Schüßler-Salze, haben längst Einzug in die naturheilkundliche Hausapotheke erhalten.

Die Hausapotheke

Den Aufbewahrungsort unserer Hausmittel nennen wir auch Hausapotheke. Diese sollte gut sortiert und gewissenhaft geführt werden. Zu Beachten ist die Lagerung der Arzneimittel, die in der Regel trocken und kühl sein sollte. Der Ort für die Hausapotheke sollte überdies gut und schnell erreichbar, jedoch für Kinder unbedingt unzugänglich sein. Auch wenn die Hausapotheke vorwiegend natürliche Hausmittel enthält, handelt es sich dabei um wirksame Drogen, die bei falschem Gebrauch Schaden anrichten können. Regelmäßig müssen Zustand und Haltbarkeitsdatum der Hausmittel überprüft werden, um eine ausreichende Wirksamkeit zu gewährleisten.

Eine gut sortierte Hausapotheke erkennt man nicht zuletzt daran, dass zum Beispiel sowohl Arzneimittel für Unfälle (Arnika), allgemeine Beschwerden (zum Beispiel Echinacea für Erkältungen) enthalten und für Symptome, an denen wir typischer Weise öfter leiden (zum Beispiel Heilerde gegen Sodbrennen). Auch eine Reiseapotheke kann aus Hausmitteln zusammengestellt werden, um gegen gängige Beschwerden, von Übelkeit bei Reisekrankheit bis zum Brechdurchfall, gewappnet zu sein. Neben Hausmitteln aus der Naturheilkunde und Verbandszeug zur ersten Hilfe ist es ratsam, Schmerztabletten und Fieberzäpfchen für den Notfall vorrätig zu haben.

Hausmittel der Naturheilkunde sind sanft und meist ohne Nebenwirkungen. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Manuelle Methoden

Neben den einzunehmenden Mittel gibt es auch eine Reihe an physikalischen und manuellen Maßnahmen, die zu den Hausmitteln gerechnet werden. In Methoden und Vorgehensweisen, die sich druch Drücken an bestimmten Stellen auszeichnen, wie zum Teil dem Fasziendistorsionsmodell (FDM) oder Triggerpunkte, werden den Patienten häufig angeleitete Übungen oder Druckpunkte zur Selbstbehandlung und Vervollständigung der eigenen Hausapotheke mitgegeben. Viele Menschen, die einmal Yoga, Feldenkrais, Tai Chi Chuan, Chi Gong, Atemtherapie nach Middendorf oder Pilates gemacht haben, kennen auch Übungen, die ihnen im Fall von Beschwerden helfen.

Grenzen von Hausmitteln

Ob Hausmittel zur alleinigen Behandlung einer Erkrankung ausreichen oder ob zusätzlich ärztliche Maßnahmen ergriffen werden sollten, ergibt sich aus der Schwere der Erkrankung bzw. Verletzung. Stärkerer Blutverlust und Bewusstseinsstörungen gehören genau wie starke Entzündungen, heftigste Schmerzen und hohes Fieber zu den Symptomen, die einem Arzt vorzustellen sind.
Hausmittel unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht von den Methoden, die in einer Naturheilpraxis eingesetzt werden. Bei allen Hausmitteln, Medikamenten und Anwendungen gilt es, bestimmte Vorgehensweisen zu befolgen, um unerwünschte Reaktionen zu vermeiden, sei es beim Temperieren eines medizinischen Vollbads oder der Dauer einer Teekur. Manchmal empfiehlt sich heute deshalb eine Einweisung bzw. die streckenweise Begleitung der gewählten Methoden durch eine Heilpraktikerin. (jvs)

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Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Jeanette Viñals Stein
Quellen:
  • Heinz Schilcher, Susanne Kammerer, Tankred Wegener: Leitfaden Phytotherapie: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2016
  • Elvira Bierbach (Hrsg.): Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 4. Auflage 2009.
  • Ursula Uhlemayr, Dietmar Wolz: "Wickel und Auflagen: Beratung, Auswahl und Anwendung", Deutscher Apotheker Verlag, 2015
  • Edward Bach: Heile Dich selbst: Die 38 Bachblüten: Mit Symptomregister, Goldmann Verlag, 1998
  • Carolin Lockstein, Susanne Faust: Relax! Der schnelle Weg zu neuer Energie. Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2001
  • Haverland, Daniela. Komplementäre Therapien. Theorie und Praxis. Die Grundlagen der Biochemie nach Dr. Schüßler; Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ online), Ausgabe 31/2015, Deutsche Apotheker-Zeitung online

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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