Adonisröschen – Adonis vernalis

So ein kleines, hübsches, gelbes Blümchen mit einer so großen Wirkung und dann noch giftig dazu – da ist von dem Adonisröschen die Rede. Wenn auch der Name an eine Rose erinnert, so gehört diese Pflanze nicht zu den Rosengewächsen. Schon der Anblick des Adonisröschens verzaubert den Betrachter und hellt die Stimmung auf.

Steckbrief zu Adonisröschen

  • Wissenschaftlicher Name: Adonis vernalis
  • Pflanzenfamilie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
  • Volkstümliche Namen: Frühlingsröschen, Böhmische Nieswurz, Frühlings-Teufelsauge, Sommerröschen, Sommer-Teufelsauge, Blutauge, Ackerröschen, Ziegenblume
  • Vorkommen: Ost-, Zentral- und Südeuropa
  • Anwendungsgebiete:
  • Verwendete Pflanzenteile: Kraut
  • Inhaltsstoffe: Flavonoide, Glykoside vom Typ der Cardenolide, vor allem Adonitoxin und Cymarin

Heilwirkung

Das Hauptanwendungsgebiet des Adonisröschens ist das Herz. Aufgrund seiner herzwirksamen Glykoside besitzt die Heilpflanze eine sogenannte positiv inotrope Wirkung. Dies bedeutet, dass die Schlagkraft des Herzens gestärkt und gleichzeitig die Herzaktion verlangsamt und der Kreislauf stabilisiert wird. Ebenso wird sie als Kardiosedativum eingesetzt.

Deshalb wird diese Heilpflanze auch bei funktionellen Herzbeschwerden zusammen mit Tachykardie (Herzrasen, Herzfrequenz mehr als 100 Schläge/Minute) und Extrasystolen (Herzschläge, die außerhalb des physiologischen Herzrhythmus auftreten) verwendet. Aber auch Herzbeschwerden, die aufgrund von Angst, Panik oder Unruhe entstehen, sprechen recht gut auf die Behandlung mit dem Adonisröschen an. Des Weiteren besitzt diese Pflanze eine Heilwirkung zur Verarbeitung seelischer Traumen, die am Herzen zu spüren sind.

Leicht eingeschränkte Herzfunktion

Adonisröschen wird gerne bei leicht eingeschränkter Herzfunktion, bei Patienten mit der Diagnose NYHA I – II, angewandt. NYHA bedeutet New York Heart Association, damit wird die Herzinsuffizienz in Stadien eingeteilt. Stadium I bedeutet, dass die Betroffenen sich unter Belastung nicht eingeschränkt fühlen, dabei auch keine Beschwerden haben, wobei eine diagnostizierte Herzerkrankung vorliegt.

Das Stadium II spricht für eine leichte Einschränkung der Belastbarkeit, Beschwerdefreiheit in Ruhe und unter leichter Anstrengung, auftretende Symptome nur bei stärkerer Belastung. Gerade wenn die leicht eingeschränkte Herzfunktion im Zusammenhang mit nervösen Begleiterscheinungen auftritt, ist das Adonisröschen ein probates Mittel – jedoch stets durch erfahrene Therapeuten angewandt. Diese Heilpflanze sollte niemals in eigener Regie, ohne Arzt oder Heilpraktiker, zum Einsatz kommen.

Weitere Heilwirkungen

Weitere Heilwirkungen sind folgende: Das Adonisröschen wirkt venentonisierend, koronardilatierend, hilft bei postinfektiöser Herzschwäche, zum Beispiel nach einer Grippe, und auch bei Herzjagen in Verbindung mit einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion).
In der russischen Volksmedizin wird das Röschen bei Wassersucht, Krämpfen, Fieber und bei Menstruationsanomalien verwendet.

Adonisröschen - Heilkräuter
Aus Adonisröschen werden sowohl Tinkturen als auch homöopathische und Fertigarzneimittel hergestellt. (Bild: Spline_x/stock.adobe.com)

Anwendung

Das Adonisröschen kommt als Tinktur, in Fertigarzneimitteln und als Homöopathikum zum Einsatz.

Homöopathie

Das Adonisröschen ist in der Homöopathie wohl bekannt. Verwendet wird es hier, aufgrund seiner Giftigkeit, erst ab der Verdünnung D4 (Verdünnung D4 = 1:104 = 1:10.000). Das homöopathische Mittel wird aus der Urtinktur frisch blühender Frühlingsadonisröschen hergestellt. Auch in der Homöopathie wird die Heilpflanze bei Herzstörungen auf nervlicher Grundlage angewandt.

Aufgrund ihrer leicht beruhigenden Wirkung sind ihre Einsatzgebiete die Tachykardie und die Herzarrhythmien. Das Adonisröschen ist stark harntreibend. Hinzu kommt, dass das Herz ein sogenanntes Projektionsfeld ist. Das bedeutet, dass die Beschwerden häufig nicht körperlich erklärbar sind, sondern auf das Organ Herz projiziert werden. Dies wird als Herzneurose, Herzphobie oder auch Herzangstsyndrom bezeichnet.

Die davon Betroffenen lehnen diese Bezeichnungen oft ab, da sie sich nicht ernst genommen fühlen. Jedoch ist Schmerz überwiegend somatisch und niemals eingebildet. Patienten und Patientinnen ohne körperlichen Befund müssen unbedingt ernst genommen werden, ansonsten wird der Leidensdruck immer größer. Adonisröschen zur Linderung anzubieten, ist daher auch unter diesem Gesichtspunkt durchaus eine Hilfe.

Klinische Erfahrungen

Folgende klinischen Erfahrungen zur Behandlung mit Adonis vernalis sind hinsichtlich einer Studie von 2009 zu erwähnen. Getestet wurde in 57 Fällen sowohl die orale als auch die rektale Anwendung des Mittels Adonigen, ein Adonis versalis Präparat. Dieses Mittel hat neben seiner strophanthinähnlichen Wirkung eine ausgeprägte sedative Wirkung, nicht nur auf das Reizbildungszentrum des Herzens, sondern auch auf das zentrale Nervensystem. Dies ist der Hauptunterschied zu Digitalis-Präparaten und anderen Glykosiden zweiter Ordnung. Beispiele für den Einsatz von Adonigen sind das Altersherz, leichte Stauungserscheinungen des kleinen Kreislaufs, nervöse Herzstörungen, Extrasystolen mit oder ohne vorliegende Hyperthyreose.

Allgemeines

Das Adonisröschen wird 15 bis 30 Zentimeter groß und bevorzugt hohes Steppengras und warme, trockene Kalkböden. In unseren Breitengraden ist diese Pflanze nur noch sehr selten anzutreffen. Die gold-gelben bis zu sieben Zentimeter großen Blüten öffnen sich in Richtung Sonne und schließen sich wieder, wenn diese untergeht.

Im 16. Jahrhundert entdeckte Hieronymus Bock (1498 – 1544), ein deutscher Botaniker, das Adonisröschen als Heilpflanze und dachte, es sei die Helleborus (Christrose) des Hippokrates. Doch damit täuschte er sich. Später wurde das Adonisröschen dann Pseudo-Helleborus genannt. Der wissenschaftliche Name Adonis vernalis wird wie folgt übersetzt: „Adonis“ ist semitischen Ursprungs und bedeutet „Herr“ und die Bezeichnung „vernalis“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Frühling“. Diese Pflanze steht unter Naturschutz, sie darf nicht gesammelt werden.

Adonisroeschen
Das Adonisröschen bevorzugt kalkhaltige Böden und Steppen beziehungsweise steppenartige Wiesen. (Bild: Illiuta/stock.adobe.com)

Geschichtliches, Mythologie

Hinter dem Namen „Adonisröschen“ verbirgt sich ein Mythos, der das Kommen und Gehen in der Natur beschreibt: Adonis, der Sohn der Prinzessin Myrrha, war der Jünglingsgeliebte der Aphrodite. Jedoch gab es da noch Ares, den Kriegsgott der Griechen. Dieser wurde als ihr dauerhafter Liebhaber gesehen. Da Adonis sehr hübsch war, gab es viele Neiderinnen. Die eifersüchtige Persephone berichtete Ares von der Liaison. Dieser war ebenso sehr eifersüchtig und ließ Adonis töten.

Dem Mythos zufolge vermischten sich die Tränen von Aphrodite mit dem Blut von Adonis, woraus das Adonisröschen entstand. Im Altertum existierte ein sogenannter Adoniskult. Hierbei wurde der Jüngling verehrt. So feierten Frauen jedes Jahr Adonisfeste, als Sinnbild für das Zurückziehen und das Erwachen der Natur.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine bekannt, jedoch liegt für das Adonisröschen eine sehr geringe therapeutische Breite vor. Dies bedeutet, dass der Abstand zwischen der therapeutischen Dosis und der Menge, die zur Intoxikation führt, sehr klein ist. Die Symptome einer Überdosis sind Herzrhythmusstörungen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, schneller Puls und Störungen des Farbensehens. Schwere Vergiftungen können aufgrund von Kammerflimmern tödlich sein.

Kontraindikationen

Das Adonisröschen ist kontraindiziert bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, bei Hypokaliämie (zu wenig Kalium im Blut), bei einer bereits vorliegenden Therapie mit Digitalis-haltigen Herzglykosiden, während der Schwangerschaft und Stillzeit und ebenso bei Kindern.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Adonisröschen eine uralte Heilpflanze ist, die sich jedoch in unseren Breitengraden sehr rar gemacht hat. Diese Heilpflanze hat ihr besonderes Einsatzgebiet, das Herz, und erfordert Erfahrung bei der Verabreichung. Niemals sollte sie ohne therapeutische Hilfe eingenommen werden. (sw)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Urban, Helga; Nickig, Marion: Schön aber gefährlich: Geheimnisvolle Pflanzen im Garten, BoD, 2009
  • Vonarburg, Bruno: Homöotanik Bd.1: Farbiger Arzneipflanzenführer der klassischen Homöopathie: Zauberhafter Frühling, Karl F. Haug Verlag, 2005
  • Madejsky, Margret; Rippe, Olaf: Heilmittel der Sonne: Mythen, Pflanzenwissen, Rezepte und Anwendungen, AT Verlag, 2013
  • Bäumler, Siegfried: Heilpflanzenpraxis Heute: Porträts Rezepturen Anwendung, Urban & Fischer, 2007
  • Bäumler, Siegfried: Phytotherapie funktioneller Herzbeschwerden, Karl F. Haug Verlag, 2007, thieme
  • Prentner, Angelika: Heilpflanzen der Traditionellen Europäischen Medizin: Wirkung und Anwendung nach häufigen Indikationen, Springer Verlag, 2017
  • Crassusi, VD: Klinische Erfahrungen mit Adonis vernalis (Adonigen); Georg Thieme Verlag, 2009, thieme

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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