Alpenveilchen – Wirkung, Anwendung und Gefahren

Der Name „Alpenveilchen“ lässt vermuten, dass diese Pflanze in den Alpen wächst. Dies ist jedoch nur bei dem europäischen Alpenveilchen der Fall. Alle anderen Arten sind im Mittelmeerraum und in Kleinasien beheimatet. Der wissenschaftliche Name für das europäische Alpenveilchen (auch „wildes Alpenveilchen“ genannt) lautet Cyclamen europaeum oder Cyclamen purpurascens. Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich die Beschreibungen im Folgenden auf eben diese Alpenveilchen-Art. Achtung: Die Pflanze ist sowohl für Menschen als auch für Haustiere giftig.

Steckbrief zum Europäischen Alpenveilchen

  • Wissenschaftlicher Name: Cyclamen purpurascens, Cyclamen europaeum
  • Pflanzenfamilie: Primelgewächse (Primulaceae)
  • Volkstümliche Namen: Erdbrot, Saubrot, Erdscheibe, Zyklame, wildes Alpenveilchen
  • Vorkommen: Südalpen, Ostalpen bis zum Balkan
  • Verwendete Pflanzenteile: Knolle
  • Anwendungsgebiete:
Europäisches Alpenveilchen in Nahaufnahme.
Cyclamen purpurascens ist immergrün und blüht von Juli bis September. Es ist die einzige Alpenveilchen-Art, die tatsächlich in den Alpen weit verbreitet ist. (Bild: Viktor/stock.adobe.com)

Inhaltsstoffe

Die Knolle des Alpenveilchens enthält sogenannte Saponine, bei denen es sich um pflanzliche Glycoside handelt. In geringen Dosen können diese Stoffe heilkundlich genutzt werden. Jedoch gelten bereits 0,2 Gramm der Knolle des Veilchens als toxisch und acht Gramm sind für einen Menschen tödlich.

Therapeutische Mengen wirken

  • entzündungshemmend,
  • harntreibend,
  • schleimlösend,
  • stärkend
  • und immunstimulierend.

Zudem unterstützen sie die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm.

Alpenveilchen – Heilwirkung

Die Verwendung des Alpenveilchens als Heilkraut wird in der Volksheilkunde der Alpen beschrieben. In der allgemeinen Heilpflanzenkunde wird jedoch von einem eigenmächtigen Gebrauch dieser Pflanze unbedingt abgeraten, da sie, wie oben erwähnt, giftig ist. Sie ist jedoch in einigen Fertigarzneimitteln enthalten sowie als homöopathisches Mittel im Einsatz – häufig bei der Behandlung frauenspezifischer Beschwerden.

Hauptanwendungsgebiete des Alpenveilchens sind

  • starke Kopfschmerzen,
  • Migräne verbunden mit Sehstörungen und Schwindel,
  • Unverträglichkeit fetter Speisen,
  • Magen-Darm-Beschwerden,
  • Amenorrhoe (Ausbleiben der Periode),
  • Menorrhagie (starke Periodenblutung),
  • Regelschmerzen
  • und prämenstruelles Syndrom (PMS).

Früher wurde es zudem als Abführmittel verwendet.

Geschichtliches

Alpenveilchen sind nicht nur aufgrund ihrer kräftigen Blütenfarbe schön anzusehen, sondern haben auch etwas zu erzählen. Bei den Griechen wurde früher aus der Wurzelknolle eine Tinktur hergestellt oder die Knolle getrocknet und pulverisiert. Dies sollte bei Schlangenbissen, Verdauungsstörungen und Erkältungen helfen.

Auch die Römer kannten die Heilwirkung und nutzten das Alpenveilchen bei Schlangenbissen und Vergiftungen, außerdem streuten sie das Cyclamenpulver auf offene, nässende und eiternde Wunden wie Geschwüre. Herz und Nieren sollten durch die Einnahme bei Wassersucht unterstützt werden.

Der griechische Arzt Hippokrates (460 v. Chr. – 370 v. Chr.) setzte das Alpenveilchen aufgrund der reinigenden Eigenschaften zur Reinigung nach Entzündungen und als Menstruationsauslöser ein. In alten Kräuterbüchern existieren Rezepte zur Anwendung des Alpenveilchens. Davon ist jedoch unbedingt abzusehen. Wie erwähnt ist das Cyclamen giftig und sollte nur in Form von fertigen Tropfenmischungen und in homöopathischer Form zum Einsatz kommen.

Ein Blatt und Blüten vom Alpenveilchen sowie eine liegende Braunglasflasche mit Pipette auf weißem Grund.
Cyclamen europaeum ist häufig ein Bestandteil homöopathischer Komplexmittel. (Bild: Comugnero Silvana/stock.adobe.com)

Der Name „Saubrot“

Den ungewöhnlichen Namen „Saubrot“ bekam das Alpenveilchen aufgrund der Tatsache, dass Wildschweine die Knolle der Pflanze gerne fressen. Die Alten Ägypter verwendeten diese vor Hunderten von Jahren in der Schweinemast. Durch die enthaltenen Saponine wurde die Verdauung der Schweine angeregt und das Futter besser verwertet. Gegen Saponine, die bei Menschen leicht zu Reizungen führen können, sind die Schweine anscheinend resistent. Natürlich auch nur, wenn die Knollen behutsam und in einer angemessenen Menge an die Tiere verfüttert werden.

Fische hingegen vertragen diese Inhaltsstoffe gar nicht, sie entfalten hier ihre toxische Wirkung. Schon kleinste Mengen führen zu Lähmungen und betäuben sie noch dazu. Früher machten sich Fischer diese Auswirkungen zunutze und setzten das Alpenveilchen gezielt als Gift ein. Die Fische konnten dadurch viel leichter abgefischt werden.

Alpenveilchen – Aussehen

Das wilde Alpenveilchen hat langgestielte, herz- oder nierenförmige Blätter mit gerundeten Blattlappen und lederartigem Charakter. Diese sind immergrün, auf der Oberseite silbrig gefleckt und unten dunkelpurpurn. Die Blätter entspringen einer scheibenartigen Knolle (von griechisch kyklos = Scheibe), die auf der Seite und unten bewurzelt sind. Die Blüten sitzen einzeln auf langen Stielen, sind dunkelrosa bis purpurn, nickend und stark duftend.

Vorkommen

Das europäische Alpenveilchen ist die einzige Alpenveilchen-Art, die ihrem deutschen Namen entsprechend tatsächlich in den Alpen verbreitet ist. Heute ist es in den Süd- und Ostalpen bis hin zum Balkan zuhause. Wild wächst es in Deutschland in den Berchtesgadener Alpen, am Inn und an der Donau. Alle andere Arten wie zum Beispiel Cyclamen persicum oder Cyclamen hederifolium stammen aus den Regionen rund um das Mittelmeer und Kleinasien, also verhältnismäßig warmen Gegenden.

Die Pflanze bevorzugt kalkhaltigen Boden in lichten Waldgebieten oder in Gebüschen, gerne auch in Höhenlagen bis zu 2000 Metern. Das wilde Alpenveilchen ist giftig und steht in Bayern auf der roten Liste der gefährdeten Tiere und Gefäßpflanzen.

Mehrere europäische Alpenveilchen blühen in karger Erde.
Das wilde Alpenveilchen steht in Bayern auf der roten Liste der gefährdeten Tiere und Gefäßpflanzen. (Bild: kazakovmaksim/stock.adobe.com)

Alpenveilchen in der Homöopathie

Das Europäische Alpenveilchen findet seine Anwendung vor allem in der Homöopathie. Hierbei handelt es sich um eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die für viele Menschen eine wichtige Alternative zur Schulmedizin darstellt. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es bislang keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von homöopathischen Arzneimitteln gibt.

Verwendet wird die homöopathische Aufbereitung bei Schläfrigkeit, Verdrossenheit und Mattigkeit. Hierfür wird die frische Wurzelknolle des Cyclamen europaeum im Herbst gesammelt. Ebenso kommt Cyclamen bei nächtlichem Husten, von dem vor allem Kinder nicht aufwachen, sowie einem Flackern vor den Augen (eventuell in verschiedenen Farben) zum Einsatz.

Ebenso hat es seine Daseinsberechtigung bei Beschwerden im Verdauungstrakt wie

Im Bereich der Frauenheilkunde wird Cyclamen bei starker, klumpiger, zu früh einsetzender Menstruationsblutung mit wehenartigen Schmerzen empfohlen. Der Bewegungsapparat profitiert von der homöopathischen Verreibung des Alpenveilchens bei Schmerzen in knochennahen oberflächlichen Gebieten. Allgemein bietet sich Cyclamen europaeum bei allen Schmerzen im Periost (Knochenhaut) an. Ein großes Einsatzgebiet sind unerträgliche Kopfschmerzen, besonders im Bereich von Stirn und Schläfe, in Verbindung mit Sehstörungen und Kreislaufproblemen. Auch die Migräne wird damit behandelt.

Cyclamen ist in verschiedenen Potenzen erhältlich, wird aber gerne in niedrigen Potenzen wie D3 oder D4 verwendet. „Typische“ Cyclamen-Patienten und -Patientinnen sind Personen, die blond, blass und schnell reizbar sind. Hinzu kommen Perfektionismus, Gedächtnisschwäche und die mangelnde Fähigkeit, eigene Fehler zuzugeben. Mit eigenem Versagen können die Betroffenen gar nicht umgehen und suchen die Fehler stets bei anderen. Ständiges Grübeln und ein großes Schlafbedürfnis gehören ebenfalls dazu.

Fertigpräparate mit Cyclamen

Das Alpenveilchen wird häufig in verschiedenen Fertigpräparaten verwendet. Gerne auch zusammen mit anderen Pflanzen wie zum Beispiel Tigerlilie (Lilium Tigrinum), Mönchspfeffer (Agnus castus), Ignatiusbohne (Ignatia), Schwertlilie (Iris versicolor), Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und Wurmkraut (Spigelia). Cyclamen ist vor allem in Mischungen anzutreffen, die bei Migräne, prämenstruellem Syndrom, Beschwerden während der Periode und menopausalen Leiden wie zum Beispiel Hitzewallungen hilfreich sind. Des Weiteren sind Nasensprays im Handel, die Cyclamen enthalten. Diese werden vor allem bei zähem Schleim verwendet.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Alpenveilchen zwar eine giftige Pflanze darstellt, in der richtigen Dosierung und Herstellung kann es jedoch durchaus ein hilfreiches natürliches Heilmittel sein. Verwendet werden sollten nur Fertigpräparate aus der Apotheke und Homöopathika. Haupteinsatzgebiete des Alpenveilchens sind massive Kopfschmerzen, Migräne und Störungen im weiblichen Zyklus. (sw)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Pahlow, Mannfried: Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur, Nikol Verlag, 2013
  • Boericke, William: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen, Verlag Grundlagen und Praxis, Wissenschaftlicher Autorenverlag, 1995
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU): Botanischer Garten - Alpenveilchen (Abruf: 10.2.2020), JGU
  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Rote Liste der gefährdeten Tiere und Gefäßpflanzen Bayerns, 2003 (Abruf: 10.2.2020), Bayerische Staatsregierung
  • Jagel, Armin; Lubienski, Markus: Cyclamen persicum – Zimmer-Alpenveilchen (Primulaceae) und andere Alpenveilchen im Garten, in: Bochumer Botanischer Verein e. V. (Hrsg.): Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins, Band 9: 195–206, 2018, Bochumer Botanischer Verein e. V.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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