Bisameibisch (Abelmoschus) – Wirkung und Anwendung

Bisameibisch, die Ambramalve, ist ein tropisches Malvengewächs aus dem Südosten Asiens. Das ätherische Öl der Samen ist begehrt für Parfüme, die gesamte Pflanze enthält bioaktive Stoffe. Die Ambramalve ist reich an Wirkstoffen, die sogar gegen Gifte von Kobras wirken.

Steckbrief zum Bisameibisch

  • Wissenschaftlicher Name: Abelmoschus moschatus
  • Volksnamen: Bisamkorn (Samen), Ambramalve, Ambrette, Gombo
  • Familie: Malvaceae (Malvengewächse)
  • Verwendete Pflanzenteile: Samen (Bisamkörner, Moschuskörner), Blüten, Blätter, Sprossen und Schoten
  • Verbreitung: Tropisches Asien, China, Malaysia, Indonesien, Philippinen, Papua-Neuguinea, Australien
  • Anwendungsgebiete:
Eine Blüte des Bisameibisch in Nahaufnahme.
Der Bisameibisch wächst bis zu zweieinhalb Meter in die Höhe und trägt leuchtend gelbe Blüten. (Bild: ClaraNila/stock.adobe.com)

Bisameibisch – Eine Übersicht

  • Die Ambramalve und ihre Verwandten sind Tropenpflanzen und brauchen dauerhaft feucht-warme Luft, um zu gedeihen.
  • Abelmoschus ist eine traditionelle Heilpflanze in seinen Herkunftsländern, dient als Schleim- und Hustenlöser, um den Appetit anzuregen und als Mittel gegen Krämpfe im Magen-Darm-Bereich.
  • In Indien und Amerika gilt sie als Gegengift bei Schlangenbissen.
  • Das Moschussamenöl soll entspannen, nervöse Anspannung lindern und bei depressiven Zuständen die Stimmung aufhellen.
  • Die Samen und das Räucherwerk sind ein traditionelles Aphrodisiakum. Das Aroma und der Duft sind moschusartig süß und gelten als „animalisch“, „warm“ und erotisierend.

Inhaltsstoffe

Alle Teile des Bisameibisch sind nutzbar und enthalten bioaktive Wirkstoffe. Die gesamte Pflanze bietet Ambrettol und Pineol. Die Samen, auch als Ambrette-, Moschus- oder Bisamkörner bekannt, heißen wissenschaftlich Semen Abelmoschi und beinhalten ätherisches Öl, das Moschuskernöl oder Abelmoschi seminis. Außerdem verfügen sie über Schleimstoffe, Harze und fette Öle.

Das ätherische Öl enthält Ambrettolid, Farnesol und Fettsäuren, wobei das Ambrettolid den Moschusgeruch ausdünstet, der Bisameibisch interessant für die Kosmetikindustrie macht. Das Öl besteht außerdem aus Myricetin-3-Glucosid, Cyanidin-3-glucosid, ß-Sitosterol, Farnesyl-Acetat, Hexadecan- und Octadecan-Verbindungen, Dodecyl-Acetat und Decyl-Acetat.

Moschussamen

Die Samen enthalten vier Formen von Ethanon, Alpha-Cephalin, Farnesol, Lacton, Furfural, Oxacyclonnonadec-10-en-2-one, 5-Tetradecenyl-Acetat, 5-Tetradecen-14-Olid, (Z)-5-Tetradecen-14-Olid und Malvalsäure.

Hinzu kommen, (Z)-5-Tetradecenyl-Acetat, Ergosterol, 2-trans-6-trans-Farnesol, Decyl Alkohol sowie Decyl-Acetat. Weiterhin findet sich in den Samen trans-trans-Farnesyl-Acetat, Campesterol, 12,13-Epoxy-Säure, (Z)-5-Dodecenyl-Acetat, Stigmasterol, Sterculiasäure und Myristinsäure.

Blätter, Blüten und Blütenblätter

Die Blätter, Blüten und Blütenblätter bieten ß-Sitosterol, Myricetin, Myricetin-3‘-Glucosid, Quercetin-3-Glucosid, Quercetin, Kaempferol-3-O-Glucosid, Kaempferol, Cyanidin-3-Sambubiosid sowie Cyanidin-3-Glucosid.

Moschusgeruch

Der ölig-gelbe Moschussamenextrakt riecht süß-würzig nach Moschus und löst sich gut in Pflanzenölen, ätherischen Ölen und Alkohol, nicht aber in Wasser. Er besteht zu 73 bis 77 Prozent aus fettem Öl, das vor allem Palmitin-, Linol-, Öl- und Stearinsäure enthält, der Rest ist das ätherische Moschussamenöl (auch Bisamkörneröl oder Moschuskörneröl genannt).

Moschussamenöl – Medizinische Wirkungen

Dem Moschussamenöl werden folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • aphrodisierend,
  • beruhigend,
  • entkrampfend,
  • aufheiternd,
  • sinnlich
  • und wärmend.

Ätherisches Moschussamenöl hat zudem eine stärkende Wirkung bei körperlicher Erschöpfung, es wirkt spasmolytisch und gegen allgemeine Verdauungsstörungen wie übermäßige Ansammlung von Gasen. Es lindert den Schmerz bei Muskelkrämpfen.

Übersicht der Wirkungen von ätherischem Moschussamenöl
Das ätherische Öl aus den Samen des Bisameibisch wird in der Aromatherapie unter anderem gegen depressive Verstimmungen eingesetzt. (Bild: EniaKlever/stock.adobe.com, Eigenüberarbeitung heilpraxisnet.de)

Ölbad und Massageöl

Ätherisches Bisamkörneröl wird als Ölbad, in Duftlampen und als Massageöl eingesetzt. Gegen Muskelkrämpfe, -verspannungen und Muskelkater hilft es, die betroffenen Stellen mit dem Öl einzureiben. Massagen und Ölbäder sollen bei depressiven Zuständen die Stimmung aufhellen. Das Öl dient auch dazu, Insekten fernzuhalten, wenn es auf die Haut gerieben oder in Duftöllampen verdampft wird.

Reines ätherisches Moschussamenöl ist sehr teuer und harmoniert mit den Düften von

  • Jasmin,
  • Muskatellersalbei,
  • Patchouli,
  • Rose,
  • Sandelholz,
  • Zypresse
  • und Ylang-Ylang.

Bisameibisch in der Volksmedizin

In der Volksmedizin der Herkunftsländer kauen Patientinnen und Patienten die Samen,

  • um sich zu stärken,
  • den Appetit anzuregen,
  • die Verdauung zu fördern,
  • Magen-Darm-Erkrankungen zu lindern
  • und Kopfschmerzen zu mildern.

Moschuskörner

Die getrockneten Samen von Abelmoschus moschatus Medik werden in allen Tropen kultiviert und kommen als Moschuskörner auf den Markt, in Form von Korn oder Pulver.

Schwangere und Säuglinge

Schwangere, Kleinkinder und Säuglinge sollten innerlich kein Moschussamenöl sowie keinen Moschussamenextrakt anwenden. Äußere Anwendungen des Öls und Extrakts bei Säuglingen sollten sich auf niedrige Konzentrationen beschränken (0,5 Prozent beim Extrakt).

Bisameibisch gegen Schlangenbisse

In Südamerika und Indien ist Bisameibisch als Gegengift bei Schlangenbissen verbreitet. Tatsächlich zeigten Studien, dass die Inhaltsstoffe Stigmasterol und ß-Sitosterol die Wirkung der Myotoxine der Schauerklapperschlange (Crotalus durissus terrificus) sowie die durch Vipergift ausgelöste Defibrase beziehungsweise Reptilase und die durch Kobragift ausgelöste PLA2-Aktivität reduzieren.

Schlangengifte sind sehr komplex und äußerst verschieden, und Bismaeibisch wirkt, rezenten Studien zufolge, zumindest gegen drei unterschiedliche toxische Effekte.

Klapperschlangen

Klapperschlangen verfügen über Myotoxin, ein Gift, das Muskeln lähmt und zerstört. Es handelt sich um homologe Peptide mit dieser Funktion. In den 1950er Jahren identifizierte der Brasilianer José Moura Goncales das erste Myotoxin – Crotamin – aus dem Gift der Schauer-Klapperschlange (Crotalus durissus). Bei Beutetieren lähmt das Myotoxin die Muskeln und verhindert so die Flucht. Der Tod erfolgt durch Lähmung der Bauchatmung und lokales Absterben des Muskelgewebes.

Lanzenottern

Die in der Ambramalve enthaltenen Stoffe Myricetin und Quercetin zeigten antihämorrhagisches Potenzial gegen das Gift der Lanzenotter (Bothrops jararaca), eine Art der Grubenottern aus Brasilien, Paraguay und Argentinien.

Kobras

Die Samen und Blätter dienen in Indien und Bangladesch als Mittel gegen diverse Schlangenbisse, besonders gegen die der Monokelkobra (Naja kaouthia) und der Brillenschlange (Naja naja). Die indigenen Stämme Bhil, Meena und Sahariya in Rajasthan nutzen eine Paste aus den Moschuskörnern mit Milch als Serum gegen Kobrabisse. Auch in Sri Lanka wird Abelmoschus gegen Schlangenbisse eingesetzt.

Die Blätter werden zerstoßen, oral eingenommen und außerdem auf die Körperregion rings um den Biss gepresst. Danach wird ein tiefer Schnitt an der Stelle gesetzt, damit das vergiftete Blut herausfließt.

Die Monokelkobra kommt weit verbreitet von Nordindien, Bangladesch und Südwestchina bis in den Norden Malaysias vor. Ursprünglich ein Bewohner des Tropenwaldes, ist sie als Kulturfolger häufig in menschlichen Häusern anzutreffen. Die Brillenschlange steht zwar inzwischen als gefährdet im Washingtoner Artenschutzabkommen – diese „klassische“ Kobra sucht aber ebenfalls die Nähe des Menschen und jagt auf Reisfeldern und in Gebäuden Ratten und andere Kleinsäuger.

Kobragift ist ein Nervengift. Das Polypeptid lähmt die Nerven der Muskeln, da es die Reizübertragung durch den Transmitterstoff Acetylcholin blockiert. Todesursache ist häufig eine Lähmung des Atemzentrums, zudem zerstört Kobragift die roten Blutkörperchen und schränkt die Blutgerinnung ein.

Eine indische Kobra schlängelt sich auf dem Erdboden
Abelmoschus moschatus dient beispielsweise in Indien traditionell als Gegenmittel bei einem Kobrabiss. (Bild: Yakov/stock.adobe.com)

Das Gift der Monokelkobra enthält sieben Typen von Cytotoxinen, sieben Phospholipasen und elf Typen von Neurotoxinen. Zusammen verursachen diese Gifte ein ganzes Spektrum pathologischer Symptome von Nervenvergiftung über Herz- und Nierenvergiftung bis zu Blutungen (verbunden mit Aufhebung der Blutgerinnung) und der Zerstörung von Zellgewebe (Zytotoxizität).

In der traditionellen Medizin in Indien und Bangladesch, vor allem bei indigenen Kulturen, ist Abelmoschus moschatus eine Heilpflanze unter anderen, die die Einheimischen gegen Vergiftungen durch Kobras einsetzen.

Antitoxisch oder Schmerzmittel?

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Bisameibisch die letalen Effekte des Giftes selbst verhindern kann, allerdings stehen Forschungen dazu aus. ß-Sitosterol und Quercetin gelten als Substanzen, die antitoxische Wirkungen haben könnten. Zumindest lindert ß-Sitosterol Schmerzen und wirkt antientzündlich, und allein das spricht für den Einsatz von Ambramalve gegen Kobragift, da immense Schmerzen und Wundentzündungen zu den Auswirkungen eines solchen Schlangenbisses gehören.

Eine Chance für Tausende?

Das Hauptproblem bei Schlangenbissen ist der Mangel an einfach erhältlichem Gegengift vor Ort. Tausende von Menschen sterben in Südasien und Südamerika jährlich an Schlangenbissen, und am stärksten betroffen sind Dorfbewohner und Dorfbewohnerinnen wie zum Beispiel Reisbauern bzw. Reisbäuerinnen oder Holzsammler bzw. Holzsammlerinnen, bei denen Ärzte und Ärztinnen mit verfügbarem Serum zu weit entfernt sind, um den Tod zu verhindern.

Abelmoschus wird von verschiedenen Kulturen unabhängig voneinander als Antidot bei Schlangenbissen eingesetzt, was darauf hindeutet, dass Wirkstoffe in der Ambramalve auf noch nicht erforschte Weise bestimmte Auswirkungen des toxischen Cocktails von Giftschlangen begrenzen können. Weitergehende Forschung für potenzielle Gegengifte auf der Basis von Abelmoschus ist sehr wichtig, da solche Arzneien viele Leben retten könnten.

Moschusaroma in der Küche

In der arabischen Küche dienen die Samen der Moschusmalve dazu, Kaffee zu würzen. Anderweitig dienen sie als Aromastoffe für Magenbitter. Der Extrakt und das Öl riechen und schmecken zu intensiv und sind auch zu teuer, um sie direkt in Speisen zu verwenden. Dafür aromatisieren sie alkoholische Getränke wie Liköre und Schnupf- sowie Kautabak. Die Samenkörner der Moschusmalve sind in der Küche generell ein Geschmacksverstärker. In den Herkunftsländern stellen die Blätter, Sprossen und Schoten ein beliebtes Gemüse dar.

Moschusduft in der Kosmetik

In der Parfümindustrie wird der Bisameibisch als „falscher Moschus“ eingesetzt. Die fetthaltigen Samen sind eine Basis für Cremes und Badeöle, der Geruch gilt als moschusartig und ebenso leicht wie süßlich, dazu „orientalisch“.

Aphrodisiakum gegen Mundgeruch

Ambramalve gilt in vielen Ländern als Aphrodisiakum und sexuelles Stimulans. Ägypter kauen die Samen, um zugleich den Magen zu beruhigen und für einen guten Atem zu sorgen. Aphrodisierende Wirkungen sind medizinisch nicht belegt.

Abelmoschus anbauen

Der Bisameibisch braucht ein feuchtwarmes Klima und ist für den Freilandanbau in Deutschland nicht geeignet. Bei Zimmertemperaturen lässt er sich als einjährige Pflanze aber gut ziehen. Abelmoschus mag einen nährstoffreichen Boden mit viel Sonneneinstrahlung. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Blaschek, W. (Hrsg.) et al.: HagerROM 2004. Hagers Handbuch der Drogen und Arzneistoffe.: Einzelplatzversion/Windows/Up-Date (Deutsch) CD-ROM, Dezember 2004
  • Jahan, Rownak; Jannat, Khoshnur et al.: A Review of Two Plants Used Traditionally in Bangladesh for Treatment of Snake Bites, in: Journal of Pharmacology & Clinical Toxicology, 6(3): 1113, 2018, JSciMed Central
  • Pawar, Anil T., Vyawahare, Neeraj S.: Phytopharmacology of Abelmoschus moschatus Medik.: A review, in: International Journal of Green Pharmacy, 11/04, 2017, IJGP
  • Lans, Cheryl: Ethnomedicines used in Trinidad and Tobago for reproductive problems, in: Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine, 3:13, 2007, PubMed
  • Ushakumari, J., Ramana, V.V., Reddy, K.J.: Ethnomedicinal plants used for wounds and snake-bites by tribals of Kinnerasani Region, AP. India, in: Journal of Pharmacognosy, 3/2: 79-81, 2012, Bioinfo Publications

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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