Euphrasia (Augentrost)

Heilpflanzen tragen bisweilen ihren erhofften Nutzen bereits im Namen: Augentrost (lat. Euphrasia) heißt auch Augen- oder Lichtkraut und soll die Sehkraft verbessern, Kurzsichtigkeit korrigieren und den Augen helfen, sich an starkes Licht anzupassen. Euphrasia wird auch eingesetzt, um Schwellungen der Augenlider bei Entzündungen zu lindern. Diese Wirkungen sind wissenschaftlich nicht belegt.

Euphrasia – Die wichtigsten Fakten

  • Vorkommen: Der Augentrost wächst in ganz Europa auf nährstoffarmen Trockenböden, auf Feldern, Wiesen und Weiden.
  • Traditionelle Heilkunde: In der ländlichen Heilkunde galt Euphrasia als Mittel, um die Sehkraft zu stärken, Entzündungen am Auge zu heilen und das Auge gegen starkes Licht zu desensibilisieren (besonders im Sommer bei der Feldarbeit).
  • Wirkung: Vermutet werden abschwellende Effekte bei Entzündungen, zum Beispiel der Epidermis, des Mundes und des Rachens. Bitterstoffe regen wahrscheinlich den Appetit an und wirken gegen Beschwerden der Verdauung.
  • Anwendung: Innerlich wie äußerlich verwenden wir zu Heilzwecken die ganze Pflanze.
Eine Frau mit geschwollenem, geröteten Auge.
Zubereitungen aus dem Augentrostkraut wurden schon im Mittelalter für die Behandlung von Augenerkrankungen eingesetzt. (Bild: andrei310/stock.adobe.com)

Heilwirkung von Euphrasia

Euphrasia soll antibakteriell wirken und Entzündungen bekämpfen – vor allem am Auge. Wissenschaftlich ist diese Wirkung jedoch nicht belegt, und deshalb ist der Augentrost als pflanzliches Heilmittel in Deutschland nicht zugelassen.

Euphrasia – Anwendungsgebiete

Augenkraut wurde (und wird) traditionell eingesetzt gegen:

Inhaltsstoffe von Euphrasia

Assoziationen zwischen dem Aussehen einer Pflanze und Körperteilen haben zwar nichts mit heilenden Inhaltsstoffen zu tun; das Denken in Analogien bedeutete aber nicht im Umkehrschluss, dass in der Volksheilkunde verwendete Kräuter per se keine Wirkung hatten. Oft zogen die Menschen aus einer wirklichen Heilwirkung assoziative Schlüsse.

Beim Augentrost gilt hier: Er wurde bislang wissenschaftlich unzureichend untersucht. Es ist also nicht so, dass umfassende Studien eine Heilwirkung äußerst unwahrscheinlich machen – vielmehr fehlen zum jetzigen Zeitpunkt aussagekräftige Studien.

Euphrasia verfügt über Flavonoide, Gerbstoffe und Iridoidglykoside. Diese wirken adstringierend, antibakteriell und gegen Entzündungen. Deshalb ist es zwar nicht wissenschaftlich belegt, aber sehr gut möglich, dass Augentrost gegen bakterielle Erkrankungen und Entzündungen wirkt.

Die Pflanze enthält viele Bitterstoffe und diese regen das Verdauungssystem an. Höchstwahrscheinlich hilft ein Augentrost-Tee gegen Verdauungsstörungen und fehlenden Appetit, denn ähnliche Bitterstoffe in Wermut, Enzianwurzel und Löwenzahn zeigen genau diese Wirkung.

Woher kommt die Bezeichnung Augentrost?

Euphrasia galt in der historischen Heilkunde als Mittel gegen Augenleiden – nicht wegen nachgewiesener Inhaltsstoffe, sondern im Rahmen der Signaturenlehre des Mittelalters, die in Analogien dachte. So sollte beispielsweise Mistel gegen Epilepsie (Fallsucht) helfen, weil sie nicht vom Baum fiel. Wer an Epilepsie litt, sollte dementsprechend nicht umfallen, wenn er Mistelkraut zu sich nahm.

Die weißen Blüten der Euphrasia mit ihrem oft gelben Fleck auf der Unterlippe und dem dunklen Schatten aus dem Inneren der Blüte erinnerten unsere Vorfahren an ein Auge. Deswegen sollte die Pflanze gegen Augenleiden helfen und erhielt Namen wie Augentrost, Lichtkraut oder Augenkraut.

Zwei weiße Euphrasiablüten mit feinen violetten Adern und gelbem Fleck.
Die kleinen weißen Blüten des Augentrosts sind meist violett geadert und haben auf der Unterlippe einen gelben Fleck. (Bild: bennytrapp/stock.adobe.com)

Augenkraut botanisch

Das Lichtkraut heißt lateinisch Euphrasia officinalis und gehört zur Gattung Euphrasia in der Familie der Rachenblütler (Scrophulariaceae). Es handelt sich um eine einjährige Blühpflanze mit einfachem bis verästeltem Stängel. Dieser ist behaart und wächst bis zu 40 Zentimeter hoch, manche Formen sind aber auch kahl.

Die Blätter

Die Blätter des Augentrosts sind gerade bis oval mit einem Blattgrund in Keilform. Der Blattrand ist gezähnt. Manche Blätter sitzen am Stängel an, andere zeigen einen kurzen Stiel. Näher am Boden wachsen sie wechselstielig, weiter oben stehen sie sich gegenüber.

Die Blüten

Augenkraut trägt Früchte in Form von endständigen Trauben. Diese wachsen in den Blattachseln der Deckblätter. Der Kelch hat die Form einer Röhre mit vier Zähnchen am Ende. Die Krone läuft ebenfalls als Röhre zu, der Rachen teilt sich in zwei Hälften. Die Oberlippe teilt sich oft noch einmal in zwei Teile, die Unterlippe hingegen in drei. Die Blütenblätter sind meist weiß, der Blütenrachen färbt sich rosa mit gelben Flecken.

Die Früchte

Euphrasia bildet kleine, längliche Kapseln. Diese sind im Kelche eingeschlossen und enthalten viele gestreifte Samen.

Verbreitung von Euphrasia

Euphrasia kommt in ganz Europa als typische Pflanze von mageren Wiesen, Weiden und Feldern vor. In der Vergangenheit war das Augenkraut weit verbreitet so wie die Kornblume. Es handelt sich um ein klassisches Wildkraut der kleinteiligen Landwirtschaft.

Heute findet sich die Pflanze weit seltener. Ursache ist die Agrarindustrie und der Mineraldünger. Euphrasia liebt nährstoffarme Böden und wächst bevorzugt auf mageren Wiesen. Diese waren vor der Erfindung des Mineraldüngers allgegenwärtig und Folge einer Agrarwirtschaft mit Wanderhirten, die Heu als Viehfutter nutzte und lediglich organischen Dünger wie Pflanzenreste und Tierkot einsetzte. Schafe weideten die Wiesen ab, und die Bauern nutzten den Kot der Tiere auf den Äckern, auf den Wiesen blieben kaum Nährstoffe vorhanden.

Heute ist selbst die Luft mit Stickstoff gesättigt, und die Böden enthalten allerorten zu viel Nährstoffe für Magerwiesen. Magerwiesen gibt es in Deutschland heute nur noch auf zwei Prozent der Fläche. Euphrasia finden wir heute besonders in Berglagen bis zu 2400 Meter Höhe.

Augentrost sammeln

Augentrost wird zwischen Juli und September gesammelt. Wir nutzen die ganze Pflanze, graben das Lichtkraut also mitsamt der Wurzeln aus, säubern das Sammelgut lediglich von anhaftender Erde und trockenen Blättern.

Lagerung

Wir schichten die gesammelten Pflanzen locker übereinander, und zwar an Schattenplätzen. Wir können das Sammelgut auch in Bündeln an die Wand hängen. Die getrockneten Pflanzen lassen sich in Töpfen aus Keramik oder in Gläsern aufbewahren.

Euphrasia anwenden

Euphrasia lässt sich innerlich als Tee anwenden und äußerlich in Form von Tropfen, Kompressen oder Waschungen.

Eine Person tropft sich Augentropfen in den Bindehautsack.
Euphrasia Augentropfen sind ein beliebtes Heilmittel bei gereizten Bindehäuten und anderen Beschwerden im Bereich des Auges. (Bild: Stefano Garau/stock.adobe.com)

Augentrost-Tee für die innere Anwendung

Lichtkraut soll den Appetit anregen und die Verdauung fördern. Dafür lassen wir circa ein Gramm der getrockneten Pflanze in 100 Milliliter Wasser ziehen und trinken eine kleine Tasse davon vor den Hauptmahlzeiten.

Äußerliche Anwendung

Um Euphrasia bei einer Augenentzündung einzusetzen und das Abschwellen zu fördern, lassen wir zunächst ein Gramm getrocknetes Augentrostkraut in 100 Milliliter Wasser ziehen. Dann waschen wir damit die Augenregion aus und legen auf die erkrankten Stellen Kompressen, die wir mit dem Augentrost-Tee getränkt haben.

Bei Entzündungen im Rachen, der Epidermis und des Mundes nehmen wir sechs Gramm Augenkraut auf 100 Milliliter Wasser und gurgeln dieses zwei bis drei Minuten kräftig durch. Auch im Mund legen wir mit Augentrost-Tee getränkte Kompressen auf die entzündeten Stellen.

Euphrasia Augentropfen

Euphrasia Augentropfen enthalten eine verdünnte Zubereitung aus dem Augentrostkraut und sollen gegen gereizte und/oder trockene Augen helfen. Eine gewisse Verdünnung, bei der noch real nachweisbare biochemische Wirkstoffe vorhanden sind, ist vermutlich nötig, da höhere Dosierungen das Auge reizen können. Die Studienlage dazu ist jedoch unzureichend.

Die Tropfen sollen Reize lindern, Entzündungen hemmen und zusammenziehend wirken. Dazu träufeln Sie diese zwei bis dreimal pro Tag auf die Bindehaut des Auges. Bei Euphrasia-Augentropfen können als Nebenwirkungen bei Überempfindlichkeit leichte Beschwerden wie Augenbrennen, Rötungen, Juckreiz, geschwollene Augen oder vermehrter Tränenfluss auftreten.

Verschiedene Anbieter bieten die Augentrost-Tropfen an. Anwendungsgebiete sind:

Weleda Augentropfen und Wala Augentropfen sind die bekanntesten Produkte in diesem Bereich. Beide gehören zu den sogenannten anthroposophischen Arzneimitteln.

Anwendungen mit Euphrasia – Nebenwirkungen

Kompressen, Augentropfen und das Waschen der Augen führen bei bestehenden Entzündungen schnell zu Rötungen, Brennen und Jucken. Generell sollten Sie deshalb bei Augenentzündungen jegliche Reizungen von außen auf ein Minimum beschränken. Falls das Brennen, Jucken und die Rötung anhält, suchen Sie bitte ihren Arzt/ihre Ärztin auf. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Metherell, Chris: Eyebrights (Euphrasia) of the UK and Ireland, Botanical Society of Britain and Ireland, 2018
  • Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur, Nikol Verlag, 2006
  • Soyer-Willemet, Hubert Felix: Euphrasia Officinalis Et Especes Voisines: Erica Vagans Et Multiflora (1855), Kessinger Publishing, 2010
  • Liu, Ying et al.: Protective Effects of Euphrasia officinalis Extract against Ultraviolet B-Induced Photoaging in Normal Human Dermal Fibroblasts, in: International Journal of Molecular Sciences, 19(11): 3327, November 2018, PMC
  • Paduch, Roman; Woźniak, Anna; Niedziela, Piotr; Rejdak, Robert: Assessment of Eyebright (Euphrasia Officinalis L.) Extract Activity in Relation to Human Corneal Cells Using In Vitro Tests, in: Balkan Medical Journal, 31(1): 29–36, März 2014, PMC
  • Bigagli, Elisabetta; Cinci, Lorenzo; D'Ambrosio, Mario; Luceri, Cristina: Pharmacological activities of an eye drop containing Matricaria chamomilla and Euphrasia officinalis extracts in UVB-induced oxidative stress and inflammation of human corneal cells, in: Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology, 173: 618-625, August 2017, ScienceDirect

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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