Silberdistel – Anwendung, Geschichte und Anbau

Silberdistel – Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Silberdistel ist eine Charakterpflanze des Kalkmagerrasens, sie liebt die offene Landschaft und viel Sonne. In Mitteleuropa war sie allgegenwärtig, aber durch die Stickstoffanreicherungen in den Böden gehört sie heutzutage zu den bedrohten Pflanzenarten. Diese typische Distel, die im traditionell gewonnenen Heu zu finden war, diente ebenso als Heilpflanze wie als Nahrung. Aktuelle Studien zeigen hochinteressante medizinische Effekte einiger ihrer Inhaltsstoffe.

Steckbrief zur Silberdistel

  • Wissenschaftlicher Name: Carlina acaulis
  • Volksnamen (eine Auswahl): Eberwurz, Distelbrötchen, Jägerbrot, Wiesenkas, Wiesenkäse, Alpenkas, Barometerdistel, Frauendistel, Wasserwurz, Karlsdistel, Silbersonne, Wetterdistel, Wetterrose, Röhndistel, weiße Pferdewurz, Roßwurz, Kraftwurz (Schweiz), Bergdistel, Sonnenwenddistel, Sonnenblume, Dornrosen, Regenwurzel, Juradistel, Jägerdistel, Nebelpflanze, Stengellose, Tschöggli
  • Familie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Verbreitung: Die Silberdistel ist in Europa weit verbreitet: Von Spanien bis nach Rumänien, in Deutschland, Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowakei, Liechtenstein, den Balkanstaaten, Italien, Moldawien, der Ukraine und Weißrussland. In Deutschland ist sie in den Alpen, im Alpenvorland und Bayerischem Wald häufig zu finden, ebenso auf der schwäbischen Alb, der Frankenalb und der Rhön (Rhöndistel). In Norddeutschland kommt sie nur regional im Harz und Harz-Vorland sowie zwischen Weser und Leine vor.
  • Verwendete Pflanzenteile: Die im Herbst gesammelte Wurzel, die Blätter und die Blüten
  • Anwendung in der Volksmedizin:

Silberdistel – Eine Übersicht

  • Die Silberdistel trägt ihren Namen aufgrund ihrer silbrig-weißen Blütenblätter.
  • Ihre Blüte öffnet sich in der Sonne und schließt sich bei schlechtem Wetter. Deshalb heißt sie auch Wetterrose oder Wetterdistel.
  • Die Böden der Blütenkörbe lassen sich wie Artischocken zubereiten. Bei den Menschen auf dem Land war diese Speise beliebt und daher stammen Namen wie Jägerbrot oder Distelbrötchen.
  • Die Distel galt als Mittel, um Erkrankungen des Nutzviehs zu behandeln. Deshalb heißt sie auch Eberwurz, Eberdistel oder Roßwurz.
  • Alpenkas oder Wiesenkäse heißt sie hingegen vermutlich, weil die Blüten genutzt wurden, um Käse herzustellen, da sie Milch zum Gerinnen bringen kann.
  • Die Silberdistel steht in Deutschland unter Naturschutz. Im Westen, Norden und Osten des Landes kommt sie sehr selten vor.
  • Silberdistel wächst auf mageren Weiden auf Waldlichtungen, am häufigsten ist sie auf kalkreichen Böden in Gebirgen zu entdecken. Früher, als das Land noch von Menschen bestellt wurde, konnte Magerrasen überall gefunden werden. Heutzutage sind Magerrasen durch den Stickstoffausstoß der modernen und hoch technisierten Agrarindustrie fast gänzlich verschwunden. Die Silberdistel ist daher in Deutschland fast nur noch in Naturschutzgebieten zu finden.

Inhaltsstoffe

Die Silberdistel enthält

  • Bitterstoffe,
  • ätherische Öle,
  • Harze,
  • Gerbstoffe
  • und Inulin.

Das ätherische Öl in der Wurzel besteht vor allem aus Carlinaoxid und Carligen. Rund 20 Prozent der Wurzel bestehen aus Inulin, welches der Pflanze als Energievorrat dient. Inulin gehört bei der menschlichen Ernährung zu den Ballaststoffen. Zwei Prozent der Wurzeln sind essenzielle Öle mit über 90 Prozent Carlinaoxid. Isoliert ist dieses Öl gegen pathogene Mikroben wirksam.

Silberdistel im Magerrasen
Der natürliche Standort der Silberdistel ist der Magerrasen, der aber zunehmend verschwindet. (Bild: magann/stock.adobe.com)

Silberdistel – Magie und Mythos

Wie auch viele andere Heilpflanzen galt die Silberdistel als Zauberpflanze. Ein Engel soll Karl dem Großen geweissagt haben, dass die „Eberwurz” die Pest heilen könnte. Daher lautet der wissenschaftliche Name dieser Distel Carlina (Karlsblume). Im Aberglauben spielte die Silberdistel überdies vielfältige Rollen:

  • Die Menschen glaubten, dass eine Carlina acaulis-Wurzel um den Hals vor Hexenschuss schütze, denn dieser sei durch unsichtbare Pfeile einer Hexe ausgelöst.
  • Wer stark werden wollte wie ein Eber, sollte laut Albertus Magnus das Sperma eines Ebers in die Erde geben und an diese Stelle bei Neumond eine Silberdistel pflanzen. Wer die dort wachsende Wurzel esse, bekäme die Kraft und sexuelle Potenz eines Ebers.
  • Rennpferden wurde eine Silberdistel um den Hals gehängt, damit sie schneller liefen.
  • Jäger trugen sie bei sich, damit ihnen jeder Schuss gelingt.
  • Eine an die Haustür genagelte Silberdistel sollte Blitz, Feuer, böse Geister und Seuchen fernhalten.

Zugeschriebene Wirkungen

Carlina acaulis gilt in der Volksmedizin als Mittel gegen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, um abzuführen und die Verdauung anzuregen. Sowohl die enthaltenen Gerbstoffe wie auch das Inulin lassen diese Wirkungen plausibel erscheinen. Inulin gehört zu den Präbiotika. Dies sind unverdauliche Stoffe, die sich beim Menschen günstig auswirken, da sie die Aktivität der nützlichen Darmbakterien fördern.

In der Volksmedizin Europas galten besonders die Wurzeln, aber auch die Blätter und Blüten der Silberdistel als Mittel gegen verschiedenste Leiden:

  • Auf die Haut aufgetragen sollten die Blätter gegen Hautentzündungen, Akne, Geschwüre und Ekzeme wirken.
  • Ein Tee aus der Wurzel sollte bei einer Lungenentzündung sowie bei einem grippalen Infekt helfen.
  • Silberdistel wurden fiebersenkende und harntreibende Eigenschaften zugeschrieben.
  • Ebenso sollte sie Magen-Darm-Leiden wie zum Beispiel eine Darmentzündung,
    Verstopfung, Völlegefühl oder einen Blähbauch lindern.

Das Gurgeln mit Silberdistel-Tee sollte Mundgeschwüre heilen, schweißtreibend wirken und bei Wasseransammlungen im Körper helfen. Nicht zuletzt galt die Silberdistel als Arznei gegen die Beulenpest. Zudem gibt es Studien, die belegen, dass Pulver aus der getrockneten Wurzel der Silberdistel als beliebte Medizin gegen Würmer und andere Darmparasiten genutzt wurde.

Inhaltsstoffe der Silberdistel
Die Silberdistel enthält auch Antioxidantien, die antientzündliche Wirkungen haben. (Bild: sunday pictures/stock.adobe.com, Eigenüberarbeitung heilpraxisnet.de)

Belegte Wirkungen

Antioxidative Wirkungen sind durch In-vitro-Studien belegt, In-vivo-Daten stehen jedoch nach wie vor aus. In der Distel wurden Apigenin, Luteolin und deren Glukoside als starke Antioxidantien identifiziert.

Auch antientzündliche Wirkungen einiger Stoffe im Distelkraut konnten nachgewiesen werden, wie zum Beispiel für Isoorientin. Die enthaltene Chlorogensäure bremst die Produktion verschiedener entzündlich wirkender Stoffe im Körper.

Magenschützende Wirkung der Silberdistel

Möglicherweise ist die antioxidative Aktivität getesteter Silberdistelextrakte auch für die antientzündlichen Effekte verantwortlich sowie vermutlich für eine belegte magenschützende Wirkung der Heilpflanze. Die vom Sauerstoff abgeleiteten Radikale gelten als eine Ursache für die Entstehung bestimmter Magengeschwüre und die Effekte der Silberdistel gegen diese Radikale würden ihre positive Wirkung für den Magen erklären.

Silberdistel gegen Krebs

2017 wurde in einer polnischen In-vitro-Studie nachgewiesen, dass Carlina acaulis caulescens gegen Schwarzen Hautkrebs beim Menschen wirkt, genauer gesagt gegen die Hautkrebszelllinien UACC-903, C32 und UACC-647. Die beteiligten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vermuteten Triterpene als Ursache der Antitumor-Aktivität. Volksmedizinische Anwendungen von Disteln der Gattung Caluna gegen Hautkrebs ließen sich mit der Studie bestätigen, zumindest In-vitro.

Weitere wissenschaftliche Studien sind nötig, um die Auswirkungen der belegten positiven medizinische Effekte auf die menschliche Gesundheit nachzuweisen und so möglicherweise Medikamente aus den Stoffen der Silberdistel zu entwickeln.

Medizinische Anwendungen

In der Volksmedizin erfreute sich die Silberdistel vielfältiger Anwendungen, zum Beispiel als

  • Tee,
  • Tinktur,
  • Pulver aus den Wurzeln,
  • Magenbitter
  • sowie als Umschlag.

In Silberdistelwurzel-Tee getränkte Umschläge wurden auf Hautausschlag, Hautpilz, Ekzeme oder Hautflechten gelegt.

Nebenwirkungen

Carlina acaulis kann Allergien auslösen und wirkt in größeren Mengen toxisch. Vergiftungserscheinungen sind Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Vorsicht beim Sammeln der Silberdistel, denn sie ist leicht mit der Golddistel zu verwechseln. (Bild: Schmutzler Schaub/stock.adobe.com)

Silberdistel sammeln

Die Silberdistel steht in Deutschland unter Naturschutz und darf nicht im Freiland gesammelt werden. Um sie zu nutzen, müssen Sie die Distel selbst anpflanzen. Die Samen sind in Gärtnereien erhältlich und die Kultivierung der Pflanze ist gar nicht schwierig, wenn Sie die Samen in einen kalkhaltigen Boden pflanzen. Carlina acaulis bevorzugt einen sonnigen Standort und sollte nur gelegentlich gegossen werden.

Achtung: Silberdisteln lassen sich leicht mit Golddisteln verwechseln. Diese haben aber goldene Blütenblätter und weisen an den Stängeln Blätter auf.

Silberdistel – Produkte

Die getrocknete Wurzel der Silberdistel können Sie im Kräuterhandel erwerben und auf verschiedene Weise verarbeiten. Schnell zubereitet ist beispielsweise ein Tee, welcher unter anderem bei Erkältung Linderung verschaffen kann.

Silberdistel – Tee

Tee aus den Wurzeln der Silberdistel war als bäuerliche Medizin ein beliebtes Mittel bei Harnstörungen, Erkältung, Verschleimungen der Lunge und anderen Atemwegserkrankungen sowie bei einem Befall mit Band- oder Spulwürmern, der früher häufiger vorkam.

Für diesen Tee ziehen rund 15 Gramm Silberdistelwurzel sechs Stunden in einer Tasse mit kaltem Wasser. Dieses wird dann aufgekocht, abgegossen und heiß getrunken.

Silberdistelwein

Für Silberdistelwein geben sie rund 50 Gramm der Wurzeln in ein Glas mit 0,2 Millilitern Weißwein und lassen die Mischung 14 Tage in der Wärme stehen. Dann sieben Sie die festen Teile heraus. Ein Schnapsglas davon vor dem Essen soll die Verdauung anregen.

Mundspülung mit Silberdistel

Für eine Spülung wird der oben beschriebene Tee mit der doppelten Menge Distelwurzel hergestellt. Mit ihm zu gurgeln und den Mund zu spülen diente dazu, Zahnfleisch- und Rachenentzündungen zu behandeln. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • S. Dordevic; V.Tadic et al: Bioactivity assays on Carlina acaulis and C. acanthifolia root and herb extracts, Digest Journal of Nanomaterials and Biostructures, Ausg. 7, Nr. 3, Juli - September 2012, S. 1213 - 1222 , Chalgocen
  • P. Link; K. Roth et al: Carlina acaulis Exhibits Antioxidant Activity and Counteracts Aβ Toxicity in Caenorhabditis elegans. Molecules, Juli 2016, Ausg. 21 (7), MDPI
  • M. Strzemski; M. Wójciak-Kosior et al: Historical and traditional medical applications of Carlina acaulis L. - A critical ethnopharmacological review, Journal of Ethnopharmacol, Juli 2019, Ausg. 239, ScienceDirect
  • M. Strzemski; K. Wojnicki et al: In Vitro Antiproliferative Activity of Extracts of Carlina acaulis subsp. caulescen and Carlina acanthifolia subsp. Utzka, 13. Juni 2017, Frontier in pharmacology
  • M. Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaca. Stuttgart 2002

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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