Endobrachyösophagus; Barrett- Ösophagus

Barrett-Syndrom: Erkrankung der Speiseröhre

Als Barrett-Ösophagus wird eine spezielle Erkrankung der Speiseröhre bezeichnet, die zumeist als Folge einer Refluxerkrankung auftritt. Veränderungen der Schleimhaut führen zu einer Verkürzung der Speiseröhre. Das umgewandelte Gewebe trägt ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich. Mögliche Therapien orientieren sich an Behandlungsmethoden für Reflux und Sodbrennen. Sind bereits Krebsvorstufen erreicht oder hat sich ein Barrett-Karzinom entwickelt, kommen operative Verfahren zum Einsatz. Einen wichtigen Stellenwert in der Krebsvorsorge haben regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Barrett-Syndroms mittels Endoskopie und Biopsie.


Ein kurzer Überblick

Während der gesamte Artikel umfassende Informationen rund um den Barrett-Ösophagus liefert, bietet die folgende Zusammenfassung zunächst eine schnelle Übersicht zu den wichtigsten Fakten über diese spezielle Speiseröhrenerkrankung:

  • Definition: Als Barrett-Ösophagus wird eine innerliche Verkürzung der Speiseröhre bezeichnet, die durch einen chronischen Reflux von Magensäure in die Speiseröhre hervorgerufen wird. Dabei kommt es zu spezifischen Veränderung der Schleimhaut an der Speiseröhreninnenwand.
  • Symptome: Nicht immer treten Beschwerden auf. Mögliche Symptome sind typischerweise Sodbrennen, Schluckbeschwerden und Schmerzen oder Brennen hinter dem Brustbein.
  • Ursachen: Es wird davon ausgegangen, dass chronische und starke Refluxerkrankungen zu den spezifischen Gewebeveränderungen der Epithelschicht in der Speiseröhre führen. Dauerhafte Reizzustände und Entzündungen begünstigen die Bildung eines widerstandfähigen Zylinderepithels, welches ein höheres Entartungsrisiko in sich trägt.
  • Diagnose: Für einen gesicherten Befund werden endoskopische Untersuchungen, insbesondere eine Speiseröhrenspiegelung, durchgeführt. Ergänzend werden mittels Gewebeproben das Stadium der Erkrankung und eventuelle Krebsvorstufen festgestellt.
  • Behandlung: Bei der Behandlung sind die Art (Länge unter oder über drei Zentimeter) und das Stadium des Barrett-Ösophagus entscheidend. Erstes Mittel der Wahl sind medikamentöse Therapien. Operationen kommen bei schwerwiegenderen Fällen, Krebsvorstufen oder bösartigen Karzinomen in Frage. Unterstützend können Naturheilverfahren eingesetzt werden. In jedem Fall sollte auf die Ernährung und einen gesunden Lebensstil geachtet werden.

Definition

Als Barrett-Ösophagus (veraltet auch Endobrachyösophagus) wird eine endoskopische (innerliche) Verkürzung der Speiseröhre (Ösophagus) bezeichnet. Diese Krankheit entsteht meist durch einen chronischen Reflux von Magensäure in die Speiseröhre, was zu einer Veränderung der Schleimhaut an der Speiseröhreninnenwand führt. Bei dieser Gewebeveränderung handelt es sich um eine metaplastische zirkuläre Umwandlung des Epithels der unteren Speiseröhre. Dies wiederrum begründet die innerliche Verkürzung, denn der Übergang zwischen Magen und Speiseröhre wird nach oben (kopfwärts) verlagert.

Der Barrett-Ösophagus ist eine ernsthafte Erkrankung bei chronischem Reflux und birgt ein erhöhtes Kebsrisiko. (Bild: ipopba/fotolia.com)

Eine metaplastische Umwandlung beschreibt den Vorgang der Veränderung einer differenzierten Gewebeart in eine andere (Metaplasie). Bei einem gesunden Menschen bildet die Speiseröhrenschleimhaut normalerweise als oberste Zellschicht ein mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel aus. Dieses wird bei der Entstehung eines Barrett-Syndroms in der unteren Speiseröhre durch ein einschichtiges hochprismatisches Zylinderepithel ersetzt (Zylinderepithel-Metaplasie). Das Zylinderepithel entspricht dem typischen Epithel der Darmschleimhaut und bildet im Gegensatz zum Plattenepithel sogenannte Becherzellen aus (spezialisiertes Zylinderepithel). Das Zylinderepithel ist widerstandsfähiger gegenüber den bestehenden Reizungen, trägt aber ein höheres Entartungsrisiko in sich.

In Fachkreisen spricht man von einem Barrett-Ösophagus im engeren Sinne, wenn es sich um eine zirkuläre Metaplasie handelt, das heißt wenn vom Übergang zwischen dem Platten- zum Zylinderepithel (Z-Linie) in Richtung der Mundhöhle der gesamten Umfang der Speiseröhre erfasst ist. Prinzipiell wird zwischen zwei Ausprägungen unterschieden: einer kurzsegmentigen mit einer Länge bis zu drei Zentimetern (Short-Segment-Barrett-Ösophagus) und einer langsegmentigen mit über drei Zentimetern (Long-Segment-Barrett-Ösophagus).

Benannt ist die Krankheit nach dem australisch-britischen Chirurgen Norman Barrett (1903-1979). Verschiedenen Studien zufolge wird bei ein bis vier Prozent der gastroskopischen Untersuchungen ein Barrett-Ösophagus erkannt. Männer sind dabei deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Die spezifischen Gewebeveränderungen der Epithelschicht bilden sich bei dem Barrett-Syndrom in der unteren Speiseröhre aus. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Symptome

Der Prozess der Gewebeumwandlung zieht im Normalfall keine Beschwerden mit sich und auch im weiteren Verlauf können Betroffene symptomfrei bleiben. Ansonsten ähneln die typischen Symptome eines bestehenden Barrett-Ösophagus den Beschwerdebildern der möglichen vorausgegangenen Erkrankungen. So treten bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit, der Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) und bei dem Barrett-Syndrom folgende Leitsymptomen auf:

  • Saures Aufstoßen und Sodbrennen,
  • Schmerzen oder Brennen hinter dem Brustbein,
  • Schluckstörungen (Dysphagie).

Folgeerscheinungen

Ausgeprägte Schluckbeschwerden können bei den Betroffenen auch zu einem Gewichtsverlust führen. Durch eine dauerhafte oder stark ausgeprägte Refluxerkrankung steigt zudem das Risiko, an Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) zu erkranken. Etwa 10 Prozent der Betroffenen mit einem Barrett-Ösophagus entwickeln im weiteren Verlauf ein Barrett-Karzinom in der unteren Speiseröhre am Übergang zum Magen (Adenokarzinom). Diese Krebsart bildet sich aus Drüsenzellen der Schleimhaut. Das Entartungsrisiko ist grundsätzlich bei den langsegmentigen Ausprägungen höher.

Eine weitere mögliche Folgeerscheinung stellt die Geschwürbildung (Barrett-Ulkus) dar. Außerdem können die entzündlichen Prozesse und Vernarbungen auch zu einer beträchtlichen Einengung der Speiseröhre führen (Ösophagusstriktur).

Ein typisches Symptom ist das Sodbrennen, welches unter anderem auch bei Refluxerkrankungen auftritt. (Bild: Adiano/fotolia.com)

Ursachen

Bis zu zehn Prozent der Betroffenen mit einer Refluxerkrankung entwickeln auch ein Barrett-Syndrom. Der Grund für die auftretende Gewebeveränderung ist nicht abschließend geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass Entzündungen in der unteren Speiseröhre, die durch den stetigen Reflux hervorgerufen werden (Refluxösophagitis), neben dauerhaften Reizungen auch bestimmte Signal- und Regenerationsstörungen in den betroffenen Zellen verursachen.

Neben der schädlichen Säureeinwirkung des Magensafts spielen vermutlich auch noch andere äußere Risikofaktoren eine Rolle in der Krankheitsentstehung wie etwa ein erhöhter Konsum von Alkohol und Nikotin. Auch wird dem Barrett-Ösophagus eine gewisse genetische Veranlagung zugesprochen.

Diagnose

Zur sicheren Diagnosestellung des Barrett-Ösophagus wird eine Endoskopie durchgeführt. Dabei wird in einem einzigen Untersuchungsgang zumeist nicht nur die Speiseröhre endoskopisch mit einer Sonde oder einem Schlauch untersucht, sondern auch der Magen (Gaster) und der Zwölffingerdarm (Duodenum). Dies wird unter Medizinern als Ösophagogastroduodenoskopie bezeichnet, im allgemeinen Sprachgebrauch wird von einer Spiegelung der Speiseröhre, des Magens und des Darms gesprochen.

Eine zusätzliche Entnahme von Gewebeproben (vier Quadranten Biopsie) aus auffälligen Arealen dient der genauen Unterscheidung zwischen gutartigen und bösartigen Zellveränderungen. Dabei wird häufig zuvor eine Chromoendoskopie durchgeführt, bei der eingesetzte Spezialfarbstoffe während der Endoskopie die Diagnostik verbessern. Die verdächtigen und auffällig angefärbten Bereiche werden gezielt für die anschließende feingewebliche Untersuchung beprobt.

Kontrolluntersuchungen

Wurde ein Barrett-Ösophagus diagnostiziert, sind regelmäßige endoskopische Kontrolluntersuchungen und Gewebediagnostiken unentbehrlich. Über die notwendige Häufigkeit besteht allerdings kein allgemeiner Konsens. Da das Entartungsrisiko bei einem kurzsegmentigen Barrett-Syndrom laut Expertenmeinungen sehr gering ist, sind hierbei Routineuntersuchungen nicht unbedingt notwendig oder nur in größeren Abständen angeraten. Bei einer langsegmentigen Ausprägung besteht ein höheres Risiko der Karzinomentstehung, weshalb in diesen Fällen zunächst eine (halb-) jährliche Kontrolle ratsam ist.

Liegt keine Dysplasie (Fehlbildung und mögliche Krebsvorstufe) vor, können weitere Kontrollen seltener erfolgen (etwa alle drei Jahre). Somit bestimmen die Art und das Stadium des Barrett-Syndroms maßgeblich die Häufigkeit der Endoskopien und sind von Fachexperten je nach Patientenfall festzulegen. Im ersten Jahr nach der Diagnosestellung erscheinen aber ein bis zwei Kontrolluntersuchungen in jedem Fall sinnvoll.

Zusammen mit einer Biopsie dient die endoskopische Untersuchung der sicheren Diagnosestellung. (Bild: romaset/fotolia.com)

Behandlung

Ein bestehender Barrett-Ösophagus muss nicht zwingend therapiert werden, solange keine bösartigen Veränderungen festgestellt werden. Treten allerdings Beschwerden auf, kann Betroffenen mit Behandlungsmethoden für die Refluxkrankheit geholfen werden.

Während bei leichteren Formen von Reflux gezielte Ernährungs- und Verhaltensumstellungen die Symptome lindern können, ist bei vorliegenden Schleimhautschäden zumeist eine medikamentöse Behandlung notwendig. In diesem Stadium fällt die erste Wahl zumeist auf sogenannte Protonenpumpenhemmer wie beispielsweise Omeprazol oder Pantoprazol. Diese Medikamente sollen die Bildung von Magensäure reduzieren beziehungsweise unterdrücken und dadurch den Reflux und seine schädigende Wirkung vermindern.

Wenn die medikamentöse Therapie erfolglos bleibt oder sich anderweitige Komplikationen andeuten, kann eine Operation in Betracht kommen. Bislang kommt dabei am häufigsten die sogenannte Fundoplikatio (Magenmanschetten-Operation) zum Einsatz. Diese führt bei über 90 Prozent der Patienten zu einer dauerhaften Heilung der Refluxerkrankung. Zunehmend stehen aber auch anderweitige endoskopische Anti-Refluxtherapien und das Einsetzen eines flexiblen Magnetbands als alternative Operationsmethoden zur Wahl. Relativ selten wird eine photodynamische Therapie durchgeführt, bei der sich die Barrett-Schleimhaut mittels einer Laserbehandlung in das normale Plattenepithel zurückbilden soll.

Unter Berücksichtigung von Krebserkrankungen in der Familie und der Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen kann bei einem erhöhten Krebsrisiko die Radiofrequenz Ablation (HALO-Ablation) zur Entfernung der Barrett-Schleimhaut ratsam sein.

Bei bösartigen Veränderungen im Barrett-Ösophagus (Adenokarzinom in der Schleimhaut) findet in aller Regel eine endoskopische Resektion statt. Dabei wird während der endoskopischen Untersuchung das bösartige Gewebe eingesaugt und mit einer Schlinge entfernt. Diese Methode bietet viele Vorteile gegenüber der konventionellen Operationsmethodik. Sind die bösartigen Veränderungen allerdings bis in tiefe Wandschichten unter der Schleimhaut (Submukosa) vorgedrungen, ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, der aufgrund bestehender Risiken von erfahrenen Experten durchgeführt werden sollte.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind bei einem Barrett-Ösophagus aufgrund eines erhöhten Entartungsrisikos äußerst wichtig. (Bild: Wolfilser/fotolia.com )

Naturheilkundliche Behandlung

Mögliche Maßnahmen aus der Naturheilkunde versprechen vor allem bei leichten Symptomen der Refluxkrankheit und Sodbrennen eine wirksame Unterstützung. Aber auch bei einem Barrett-Ösophagus können alternative Therapiemethoden ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein. Nach operativen Eingriffen können zudem die ergänzenden Verfahren der Nachsorge dienen und die Rückfallwahrscheinlichkeit reduzieren.

Umstellung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten

Eine zentrale Rolle spielen gezielte Änderungen von Lebens- und Essgewohnheiten. Dabei sind insbesondere die folgenden Maßnahmen wichtig:

  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol,
  • Reduzierung von Übergewicht,
  • regelmäßige und leichte sportliche Aktivität,
  • Ernährung mit einem ausreichenden Anteil an Obst, Gemüse und Ballaststoffen,
  • Vermeidung von säurebildenden Lebensmitteln,
  • Essen ohne Zeitdruck,
  • Einnehmen kleiner Mahlzeiten,
  • Verdauungsspaziergänge, nach dem Essen keine Liegeposition einnehmen,
  • Schlafen mit erhöhtem Oberkörper,
  • Stressabbau.

Bisher gibt es wenig nachgewiesene Erkenntnisse, welche Nahrungsmittel bei Reflux am häufigsten zu Beschwerden führen. Erfahrungen von Betroffenen zufolge wirken sich aber vor allem säurehaltige, süß-saure, fettige, bittere und würzige (scharf und salzig) Lebensmittel negativ aus. Darunter fallen auch die Genussmittel Kaffee, Schokolade und Alkoholika.

Eine bewusste Umstellung des Lebensstils und der Ernährung können helfen, Beschwerden zu lindern und nach einer Operation die Nachsorge zu unterstützen. (Bild: marilyn barbone/fotolia.com )

Alternative naturheilkundliche Verfahren bei Reflux und Sodbrennen

Zur Selbstmedikation bei Sodbrennen findet in der Phytotherapie oft die Kamille Anwendung (Rollkur mit Kamillentee). Aber auch andere Pflanzen wie zum Beispiel Fenchel, Melisse, Wegerich und Brennessel eignen sich als pflanzliche Naturheilmittel.

Weitere Möglichkeiten, um saurem Aufstoßen und Reflux entgegenzuwirken, bieten zudem Anwendungen aus dem Bereich der Homöopathie, Schüßler Salze, Akupunktur und spezielle Hausmittel.

Aktueller Forschungsstand

Aus einer Initiative von Ärzten und Naturwissenschaftlern an unterschiedlichen deutschen Universitätskliniken hat sich ein Konsortium zusammengefunden, um die genetischen Ursachen des Barrett-Ösophagus und des Barrett-Karzinoms zu erforschen. Die Barrett-Initiative sowie das Barrett-Konsortium, stellen eigene Publikationen und weitere aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung und der Praxis der Allgemeinheit zur Verfügung. (tf, cs; aktualisiert am 12.11.2018)