Karde – Wirkung und Verwendung

Die Wilde Karde (Dipsacus fullonum / Dipsacus sylvestris) wurde im Mittelalter aufgrund ihrer stacheligen Blütenköpfe von Webern als Handwerksinstrument genutzt. In der Naturheilkunde wird hingegen vor allem die Kardenwurzel verwendet, etwa bei Hauterkrankungen oder Magen-Darm-Beschwerden. Auch bei rheumatischen Erkrankungen und Infektionskrankheiten wie Borreliose soll Dipsacus fullonum eine gute Hilfe sein. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr zur Heilwirkung der Wilden Karde und wie man sie richtig anwendet.


Steckbrief zur Karde

Wissenschaftliche Namen: Dipsacus fullonum oder Dipsacus sylvestris
Pflanzenfamilie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Volkstümliche Bezeichnungen: Wald-Karde, Kardenwurzel, Kardendistel, Bubenstral, Strohle, Zeisel, Ageleia, Frau Venus Bad, Immerdurst, Zeisela
Verwendete Pflanzenteile: Wurzeln, Pflanzenteile
Herkunft: Afrika, Asien, Europa
Wichtigste Inhaltsstoffe: Glucoside, Saponine, Kaffeesäure
Anwendungsgebiete:

  • Hautkrankheiten
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Borreliose
Die Wilde Karde stammt aus der Familie der Geißblattgewächse und bevorzugt lehmige Böden. (Bild: JuriAlexander/fotolia.com)

Kräuterportrait: Die Pflanze der Weber und Kräuterkundigen

Die Karde zählt zur Gattung der nach ihr benannten Kardengewächse (Dipsacaceae). Beheimatet ist sie ursprünglich im mediterranen Raum, kommt heute jedoch auch in Mittel- und Osteuropa vor. Man findet sie hauptsächlich an sonnigen Standorten wie Ufern, an den Rändern von Wegen und auf Feuchtwiesen. Da die Karde einen lehmigen Boden bevorzugt, gilt sie in der Botanik als Anzeiger für Lehmböden.

Auffällig ist die Pflanze besonders während ihrer Blütenpracht zwischen Juli und September. Die zahlreichen kleinen Blüten sitzen an bis zu zehn Zentimeter großen eiförmigen Blütenköpfen und leuchten in einem hellen violett. Die stacheligen Hüllblätter der Karde wurden dabei im Mittelalter gerne zum Aufrauen oder Durchkämmen von Wolle verwendet. Anders als in der Heilkunde kam hierfür aber die sogenannte Weberkarde (Dipsacus sativus) zum Einsatz. Zu Behandlungszwecken nimmt man hingegen die als Waldkarde oder Kardendistel bekannte Wilde Karde (Dispacus fullonum).

Aufgrund ihrer trichterförmigen Blätter wird die Karde auch als Zisternenpflanze bezeichnet, aus der Tiere oder Wanderer trinken können. Daher stammt auch ihr griechischer Name Dipsacus, der übersetzt so viel wie Durst bedeutet. Beinamen wie Immerdurst erklären sich somit von selbst. Das in den Trichterblüten gesammelte Wasser wurde außerdem für Gesichtswaschungen verwendet. Der kosmetische Reinigungseffekt verlieh der Karde beispielsweise den BeinamenFrau Venus Bad. Bei den Anwendungen der Kardenwurzel steht die Hautpflege tatsächlich stark im Vordergrund.

Die auch als Immerdurst bekannte Wilde Karde liebt sonnige Standorte. (Bild: evbrbe/fotolia.com)

Bereits Dioskurides, ein römischer Militärarzt aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, empfahl in Wein gekochte Karde bei Warzenleiden und Fisteln. Doch es gibt noch andere Beschwerden, bei denen Karde helfen kann. Hier ein kleiner Überblick:

Inhaltsstoffe und Wirkung

Für die Heilwirkungen der Karde ist zum einen die in ihren Wurzeln enthaltene Kaffeesäure verantwortlich, zum anderen spielen die pflanzeneigenen Glykoside der Karde eine essenzielle Rolle. Glykoside sind spezielle Pflanzenstoffe, die aus je einem Alkohol- und einem Zuckermolekül aufgebaut sind.

Kaffeesäure gegen Magen-Darm-Beschwerden

Kaffeesäure ist nicht nur im Kaffee enthalten. Auch einige Heilpflanzen, darunter die Karde, enthalten nennenswerte Mengen dieser Säure, der nachgesagt wird, dass sie

  • antioxidativ,
  • appetitanregend,
  • magen-darm-stärkend
  • und verdauungsfördernd wirkt.

Hilfreich sind diese Eigenschaften der Kaffeesäure vor allem bei

Bei einem Reizmagen oder allgemeinen Magen- und Darmbeschwerden kann die Kaffeesäure in der Karde hilfreich sein. (Bild: Denis Mamin/fotolia.com)

Saponine wirken schmerz- und entzündungshemmend

Zur Gruppe der Glykoside gehören unter anderem die in Kardenwurzel enthaltenen Saponine. Zwar sollten sie nicht auf direktem Wege in die Blutbahn gelangen, da sie hier blutauflösende Effekte haben. Maßvoll dosiert und oral eingenommen besitzen Saponine jedoch heilsame Eigenschaften und wirken

  • cholesterinsenkend,
  • schmerzlindernd,
  • magen-darm-stärkend,
  • entzündungshemmend
  • und wie natürliche Antibiotika.

Die besondere Wirkungsweise der Saponine macht sie zu wunderbaren Helfern bei

  • Kopfschmerzen,
  • Gelenkschmerzen,
  • entzündlichen Hauterkrankungen,
  • Entzündungen im Magen-Darm-Bereich,
  • rheumatischen Erkrankungen
  • und Infektionen.

Wissenswertes: Kombiniert mit anderen Präparaten, wie der Heilerde Zeolith, wird eine Tinktur aus Kardenwurzel häufig verwendet, um Infektionen wie Borreliose zu behandeln. Pharmakologisch nachgewiesen ist eine Wirkung in diesem Fall allerdings noch nicht.

Glucoside lindern Hautprobleme

Wie Saponine gehören auch Glucoside zu den Glykosiden. Sie sind für ihre besonders milde sowie hautverträgliche Wirkung bekannt und wirken auf die dermalen Schichten unter anderem

  • zellregenerierend,
  • abschwellend,
  • porenreinigend
  • und beruhigend.
Schon lange ist die Karde als Heilpflanze bei Hautproblemen wie Akne und Warzen bekannt. (Bild: Александр Поташев/fotolia.com)

Dabei sind Glucoside nicht nur in zahlreichen Hautpflege- und Kosmetikprodukten enthalten, sondern werden auch gezielt eingesetzt zur Behandlung von

Übersicht zu wirksamen Inhaltsstoffen in der Karde
Kaffeesäure Besitzt antioxidative, appetitanregende, magen-darm-stärkende und verdauungsfördernde Eigenschaften.
Saponine Haben eine cholesterinsenkende, schmerzlindernde, magen-darm-stärkende, entzündungshemmende und antibiotische Wirkung.
Glucoside Wirken zellregenerierend, abschwellend, porenreinigend und beruhigend.

Anwendung und Dosierung

Kaufen kann man Kardenwurzel meist als Tee oder Tinktur. Dabei gelten – wie bei allen Kräutern – natürlich die grundlegenden Dosierungshinweise.

Tee aus Kardenwurzel nicht nur zur inneren Anwendung

Ein Tee aus wilder Karde ist vor allem bei Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen zu empfehlen. Allerdings kann man den kalten Tee auch für Waschungen bei Hautproblemen und Wundheilstörungen verwenden.

Heißer Teeansatz aus der Kardenwurzel:

  • Ein Teelöffel Kardenwurzel,
  • 150 Milliliter kochendes Wasser,
  • aufkochen lassen und
  • dreimal täglich vor den Mahlzeiten trinken<./li>
Bei Kopfschmerzen kann die Einnahme von Tee aus Kardenwurzel helfen. (Bild: Prostock-studioL/fotolia.com)

Kardentinktur bei größeren Hautbeschwerden

Genau wie Kardentee wirkt auch eine Tinktur aus Kardenwurzel innerlich angewendet bei Verdauungsproblemen. Allerdings ist diese hoch konzentrierte Form der Inhaltsstoffe für die Behandlung von Hauptproblemen und dermalen Krankheiten noch wesentlich interessanter. Ob als Zutat für ein Heilbad, Gesichtswasser oder zum Abtupfen von Wunden und Hautirritationen, Kardentinktur kann bei vielen Hautbeschwerden sehr zuverlässig helfen. Wichtig ist aber, die Tinktur vorab ausreichend zu verdünnen.

Rezept für eine Tinktur aus Kardenwurzel:

  • 100 Gramm geschnittene Kardenwurzel (frisch oder getrocknet),
  • ein Liter Weinbrand, Vodka oder Doppelkorn und
  • eine saubere Flasche.

1. Schritt: Füllen Sie die Flasche mit den geschnittenen Kardenwurzeln auf und übergießen Sie das Ganze mit dem hochprozentigen Alkohol. Danach wird die Flasche gut und luftdicht verschlossen.

2. Schritt: Stellen Sie die Flasche an einen warmen und lichtreichen Ort (am besten auf die Fensterbank). Hier muss der Tinkturenansatz nun circa sechs bis acht Wochen reifen. Wichtig ist, die Flasche hin und wieder kräftig zu schütteln, damit sich die Wirkstoffe gleichmäßig in dem Alkohol verteilen können.

3. Schritt: Nach der Extraktion wird die Kardentinktur durch ein Sieb oder einen Kaffeefilter gefiltert und anschließend in eine dunkle Flasche abgefüllt. Diese wir dann, je nach Behandlungziel

  • zwei- bis dreimal (je circa zehn bis 50 Tropfen) täglich mit Wasser verdünnt eingenommen,
  • zum Badewasser oder Gesichtswasser gegeben
  • oder verdünnt auf problematische Hautstellen getupft.

Übrigens: Kardenwurzelextrakt gibt es auch in Kapselform. Hier wird empfohlen, täglich eine Kapsel mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen.

Nebenwirkungen

Es sind bisher keine Nebenwirkungen zur Karde bekannt.

Es wird untersucht, inwieweit Karde bei Borreliose, die von Zecken übertragen werden kann, hilft. (Bild: Rafail/fotolia.com)

Erfahrungen mit Karde – bislang noch keine Studienergebnisse

Leider gibt es zur Wirksamkeit der Karde bislang keinerlei Studienbelege. Privatanwender berichten teilweise jedoch von guten Ergebnissen. Wer sich selbst ein Bild von der Heilwirkung der Kardenwurzel machen möchte, wird hier wohl um einen Selbstversuch nicht herumkommen. Solch einen, wie er schreibt, erfolgreichen Selbstversuch hat der Ethobotaniker Dr. Wolf-Dieter Storl gemacht und in seinem Buch „Borreliose natürlich heilen: Ethnomedizinisches Wissen, ganzheitliche Behandlung und praktische Anwendungen” beschrieben. Als medizinischer Nachweis ist diese Studie allerdings nicht haltbar. An der Universität Leipzig wir derzeit die Wirkung von Karde auf Borreliose untersucht. In den bisherigen Ergebnissen ist eine wachstumshemmende Wirkung auf die Borreliose allerdings schon erkennbar.

Karde kaufen

Wer sich Kardenwurzel zulegen möchte, muss dafür nicht sämtliche Apotheken und Reformhäuser nach preiswerten Angeboten durchstöbern. Im Internet gibt es hier manchmal echte Schnäppchen zu ergattern, ohne dass die Produktqualität darunter leidet.

Fazit

Erforscht ist die Heilwirkung der Karde bislang noch nicht ausreichend. Allerdings blickt sie auf eine Jahrhunderte lange Nutzung in der Volksheilkunde zurück, was ein gewisses Heilpotential nahelegt. Wer das Kraut ausprobieren möchte, der kann dies jedenfalls ohne Bedenken tun, denn besondere Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt. (ma)