Achtung Nesselgift: Wegen Eichenprozessionsspinnern wurden zwei Schulen vorübergehend geschlossen

Eichenprozessionsspinnerraupen an Baumstamm

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Schulen mussten wegen Eichenprozessionsspinnern geräumt werden

Eichenprozessionspinner wirken zunächst wie vermeintlich harmlose Raupen, doch können sie auch uns Menschen durchaus gefährlich werden. Dies macht die Räumung und vorübergehende Schließung von zwei Schulen in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg deutlich. Rund 40 Kinder hatten hier auffällige Beschwerden entwickelt, welche in Zusammenhang mit Eichenprozessionsspinnern gebracht wurden, deren Härchen bei Kontakt ein Nesselgift freisetzen.


Zwei Schulen zweimal geräumt

Raupen des Eichenprozessionsspinners haben an der Schillerschule und Max-Planck-Realschule in Bretten bei Karlsruhe (Baden-Württemberg) innerhalb weniger Tage zweimal dafür gesorgt, dass die Schulen evakuiert werden mussten. Rund 700 Schüler mussten die Gebäude verlassen. Laut einer Mitteilung der Stadt haben am Montag etwa 40 Kinder leichte bis mittlere allergische Reaktionen gezeigt, die auf die Tierchen zurückzuführen sind. Vier wurden bewusstlos. Die jungen Patienten wurden ärztlich betreut.

Die Härchen der Eichenprozessionsspinner-Raupen können zu allergischen Reaktionen bei Menschen führen. Das mussten auch zahlreiche Kinder zweier Schulen in Baden-Württemberg schmerzhaft erfahren. (Bild: conserver/fotolia.com)

Raupenhaare enthalten ein Nesselgift

„Die Ursache des erneuten Ausbruchs der allergischen Reaktionen wird im Moment darin vermutet, dass die Haare der Eichen-Prozessionsspinner am Freitag und am Wochenende durch den Wind in die Schul- und Klassenräume geweht wurden“, heißt es in der Mitteilung.

Beim Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) handelt es sich um einen unscheinbaren graubraunen Nachtfalter. Der Falter selbst ist harmlos, aber der Nachwuchs kann gefährlich werden.

Die Raupen der Tierchen schlüpfen – je nach Witterung – im April oder Mai und durchlaufen in mehreren Wochen verschiedene Entwicklungsstadien und Häutungen.

Die Härchen der Raupen enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Sie stellen eine akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen dar.

Heftige allergische Reaktionen möglich

Experten zufolge können die feinen Brennhaare bei günstiger Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen werden.

Laut dem Niedersächsischem Landesgesundheitsamt (NLGA) können sie bis zu einem Jahr giftig bleiben.

Bei Hautkontakt oder beim Einatmen kann es dann zu allergischen Symptomen kommen.

„Die allergische Reaktion des Immunsystems kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen“, erklärt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) auf ihrer Webseite.

„Bei betroffenen Personen steigt die Empfindlichkeit und Reaktionsintensität mit der Anzahl der Einzelkontakte von Eichenprozessionsspinner-Brennhaaren stetig an“, so die Experten.

Zu den typischen Symptomen gehören unter anderem lokale Hautausschläge (Raupendermatitis), die sich in punktuellen Hautrötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen äußern.

Zudem bilden sich oft Quaddeln am ganzen Körper. „Reizungen an Mund und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen“, schreibt die LWF.

Und: „Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen Schockreaktionen.“

Duschen und Haare waschen

Nach dem Kontakt mit den Raupenhaaren sollte man laut dem NGLA sofort die Kleider wechseln, sich duschen und die Haare waschen.

„Kleidung bei 60 °C mit viel Wasser waschen, um das Nesselgift der Raupenhaare zu vernichten / auszuspülen“, so die Fachleute.

Und die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung weist auf ihrer Webseite darauf hin, bei Symptomen einen Arzt aufzusuchen.

„Keine falsche Scheu! Bei schweren Reaktionen wie Atemnot oder Asthma bitte den Rettungsdienst rufen“, mahnt die Behörde.

Schulgebäude werden professionell gereinigt

Auch in Bretten wurden die Eltern gebeten, die Kleider und Jacken ihrer Kinder vorsorglich zu waschen.

Laut der Stadt werden beide Schulgebäude professionell gereinigt.

Der Unterricht fällt an beiden Schulen vorerst aus. (ad)