Hohe berufliche Anforderungen machen Frauen dick – Männer aber nicht

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Stress im Job fördert Übergewicht bei Frauen

In einer neuen Studie hat sich gezeigt, dass hohe berufliche Anforderungen zur Gewichtszunahme bei Frauen beitragen. Bei Männern wurde dieser Zusammenhang nicht bestätigt. Die Forscher haben die zugrundeliegenden Ursachen dafür zwar nicht untersucht, nehmen aber an, dass die Doppelbelastung zuhause und im Job dazu führt, dass Frauen eher zunehmen.


Stress im Job kann der Gesundheit schaden

Viele Menschen sind bei der Arbeit im Dauerstress. Das gefährdet die Gesundheit. Denn durch zu viel Stress wird das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen wie Depressionen oder Bluthochdruck erhöht. Zudem tragen belastende Arbeitsbedingungen zur Gewichtszunahme bei – allerdings nur bei Frauen, wie Forscher nun berichten.

Bei Frauen führen hohe berufliche Anforderungen und Stress im Job häufig zu einer Gewichtszunahme. Bei Männern ist dies laut einer Studie jedoch nicht der Fall. (Bild: Kaspars Grinvalds/fotolia.com)

Ungesunde Ernährung wegen hoher Belastung

Vor einigen Jahren wurde eine US-amerikanische Studie veröffentlicht, die zeigte, dass dauerhafter Stress am Arbeitsplatz eine ungesunde Ernährung fördert.

Auch deutsche Wissenschaftler stellten in einer Untersuchung fest, dass Berufstätige bei Stress im Job verstärkt zu gesundheitsschädlichen Snacks neigen.

Daher ist es eigentlich nicht weiter verwunderlich, dass hohe berufliche Anforderungen zur Gewichtszunahme beitragen. Doch einer neuen Studie zufolge ist dies nur bei Frauen der Fall.

Kein Zusammenhang bei Männern

Laut einer Studie von Forschern der Universität Göteborg (Schweden) nehmen Frauen, die bei der Arbeit starken psychischen Belastungen ausgesetzt sind, eher an Gewicht zu.

„Wir konnten feststellen, dass hohe berufliche Anforderungen zur Gewichtszunahme von Frauen beigetragen haben, während für Männer kein Zusammenhang zwischen hohen Anforderungen und Gewichtszunahme bestand“, erklärte Studienautorin Sofia Klingberg von der Universität Göteborg in einer Mitteilung.

Die in der Fachzeitschrift „International Archives of Occupational and Environmental Health“ veröffentlichte Studie umfasste Daten von 3.872 Probanden aus Schweden, die an einer Langzeituntersuchung teilgenommen hatten.

Die Frauen und Männer wurden über einen Zeitraum von 20 Jahren dreimal im Hinblick auf Variablen wie Körpergewicht und ihrer Situation am Arbeitsplatz befragt.

Es ging dabei um Fragen zum Arbeitstempo, zum psychologischen Druck und ob genügend Zeit vorhanden war, Aufgaben zu erledigen.

Aber auch, ob im Job Neues gelernt wurde, Phantasie oder fortgeschrittene Fähigkeiten erforderlich waren und ob der Befragte persönlich entscheiden konnte, was zu tun ist und wie er es tun soll.

Über die Gründe können die Autoren nur spekulieren

Die Ergebnisse zeigten, dass die Befragten mit geringer Kontrolle ihrer Arbeit im Verlauf der Studie häufiger beträchtlich an Gewicht zunahmen. Hier gab es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Doch die langfristige Exposition gegenüber hohen beruflichen Anforderungen spielte nur für Frauen eine Rolle.

Bei etwas mehr als der Hälfte der Frauen, die hohen Anforderungen ausgesetzt waren, kam es im Studienzeitraum zu einer erheblichen Gewichtszunahme. Diese war etwa 20 Prozent höher als bei Frauen mit geringen Arbeitsanforderungen.

Die Forscher können aber nur spekulieren, warum das so ist. „Wir haben die Ursachen nicht untersucht, aber es ist vorstellbar, dass es eine Kombination aus beruflichen Anforderungen und der größeren Verantwortung für das Zuhause ist, die Frauen oft übernehmen“, so Klingberg.

„Dies macht es möglicherweise schwierig, Zeit zu finden, um Sport zu treiben und ein gesundes Leben zu führen.“

Laut den Forschern ist die Studie angesichts der mit arbeitsbedingtem Stress verbundenen Probleme auch für die öffentliche Gesundheit relevant.

Die Wissenschaftler glauben, dass die Identifizierung von Gruppen, die anfällig für Stress sind, und die Bemühungen, diesen zu reduzieren, nicht nur die Gewichtszunahme, sondern auch das Auftreten von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes verringern würden. (ad)