Farbtherapie – Wirkung und Anwendung

Junge Frau liegt im Handtuch auf einem farbigen Kopfkissen und diverse Farben leuchten

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Gemäß der Farbenlehre haben bestimmte Farben eine unterschiedliche Wirkung auf die menschliche Psyche. So vermittelt Rot zum Beispiel ein Gefühl der Wärme und macht aktiv, während Blau eine gewisse Kühle und Ruhe ausstrahlt. Diese unterschiedlichen Farbstimmungen macht sich auch die Farbtherapie (Chromotherapie) zunutze, um bestimmte psychische Beschwerden zu behandeln oder die Gehirnleistung insgesamt anzuregen. Wie genau die Farbtherapie funktioniert, haben wir dabei im nachstehenden Beitrag für sie festgehalten.


Farbtherapie – Was ist das?

Die Grundlagen der Farbtherapie reichen bis in die Antike zurück. Schon im alten Ägypten, wie auch in der Volksmedizin zahlreicher Naturvölker, wurde mit Farbbehandlungen zu Heilzwecken experimentiert und Patienten mit Farbpasten bestrichen oder in farbige Heiltücher gewickelt, um verschiedene Gesundheitsprobleme zu beheben. Dabei taten sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Farbkonzepte hervor. Bestens bekannt ist zum Beispiel die Zuordnung der Farben zu bestimmten Jahreszeiten, die zumeist dem Farbverlauf folgt und sich wie folgt gestaltet:

  • Frühling: Türkis bis Grün,
  • Sommer: Gelb bis Orange,
  • Herbst: Rot bis Rosa,
  • Winter: Violett bis Blau.
Der Farbenlehre nach haben einige Farben unterschiedliche Wirkungen auf die Psyche des Menschen. Im Rahmen von Farbtherapien macht man sich dies zu Nutze. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Ausgehend von dieser saisonalen Farbeinteilung werden mitunter auch bestimmte Elemente, Charaktereigenschaften und sogar Heilsteine oder Sternzeichen mit den Farben assoziiert. Als Ausgangspunkt dienen dabei meist die Grundfarben Rot, Blau und Gelb. Allerdings ist in bestimmten Bereichen auch die Symbolkraft von Mischfarben wie Grün oder Violett, die sich jeweils aus der Mischung zweier Grundfarben ergeben, üblich.

Rot

Rot gilt gemeinhin als Farbe des Feuers, des Temperaments und des Tatendrangs und ist deshalb im Tierkreis die Farbe der Feuerzeichen Widder, Löwe und Schütze. Ebenso werden Romantik und Leidenschaft, aber auch Aggressivität und Gefahrenpotential mit der roten Farbe in Verbindung gebracht. Letzteres lässt sich gut an Warnschildern beobachten, die zumeist einen gefahrsignalisierenden Rotton tragen. Je nach Farbprinzip kann zudem auch die Mischfarbe aus Rot und Gelb (Orange) für die selben Eigenschaften stehen, dann jedoch in abgeschwächter Form.

Blau

Blau ist in der Regel die Farbe des Wassers und der Wasserzeichen Krebs, Skorpion und Fische. Sie symbolisiert Emotionalität und Ruhe, aber auch Fantasie und Kreativität. Letztere werden gelegentlich auch mit der Farbe der Magie Violett assoziiert, die eine Mischfarbe aus Rot und Blau darstellt.

Gelb

Gelb und manchmal auch Orange sind häufig die Farben des Windes sowie der Windzeichen Zwillinge, Waage und Wassermann, wobei der Wassermann bereits anzeigt, dass die farbliche Zuordnung je nach Farblehre auch oft zwischen Gelb und Blau, manchmal auch zwischen Blau und Weiß variieren kann. In jedem Fall gilt der Wind als Symbol des logischen Denkens, des Intellekts, der Rationalität und der Wandlungsfähigkeit. In letzterer Funktion kommt der Luft auch oft eine spirituelle Bedeutung zu, da sie als Mittler zwischen den anderen Elementen gilt und als Medium für den ähnlich ungreifbaren Äther angesehen wird.

Grün

Die Mischfarbe aus Gelb und Blau, Grün, hat in der Farbenlehre fast immer mit der Erde, der Pflanzenwelt oder Natur zu tun. Darauf weist bereits ihr Name hin, der sich vom althochdeutschen Wort „gruoen“ für „wachsen“, „sprießen“ oder „gedeihen“ ableitet. Dementsprechend sind ihr die Erdzeichen Stier, Jungfrau und Steinbock zugeordnet, welche Beständigkeit, Körperkraft, Robustheit und Wachstum symbolisieren. Stellvertretend für Grün kann dabei auch die Farbe Braun stehen, welche als Mischfarbe zweiten Grades aus einer Kombination von Grün und Rot hervorgeht.

Aus diesen Assoziationen entstand später die Farbtypenlehre, welche vor allem in der Innenarchitektur und der Stilberatung für Mode und Make-Up eine Rolle spielt. Auch astrologische und esoterische Konzepte kommen ohne die farblichen Zuordnungsschemata der Elemente und Persönlichkeitsmerkmale nicht aus.

Ganz ähnlich gestaltet sich im Übrigen auch die Farblehre des Taoismus. Hier werden Farben nicht nur mit bestimmten Elementen, Jahreszeiten und Charaktereigenschaften verbunden, sondern auch mit individuellen Organen. Damit ist die Farbtherapie ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und spielt für zahlreiche Behandlungsmaßnahmen, wie etwa die Akupunktur oder Reflexzonenmassage, eine gewisse Rolle.

In westlichen Kulturkreisen war die Farbenlehre dagegen bis ins späte Mittelalter für die Kunst von Bedeutung. Der berühmte Farbkreis, wie er noch heute in jedem Kunstunterricht gelehrt wird, entstammt dabei der Feder des legendären Poeten Johann Wolfgang von Goethe. Er verfasste mehrere Schriften zur Wirkung von Farben und entwarf so eine der ersten gängigen Varianten der modernen Farbenlehre.

Ein konkretes Konzept zur Farbtherapie entwickelte im Westen jedoch erst der US-amerikanische Arzt Edwin D. Babitt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. In seinem 1878 erschienenen chromotherapeutischem Werk „The Principles of Light and Color“ beschäftigte er sich auf Grundlage von Goethes Farbenlehre eingehend mit der Wirkung von Farben und Licht auf die menschliche Psyche. Seine Ideen machten sich später zahlreiche Neurologen und Psychotherapeuten zu Nutze, weshalb die Farbtherapie heute insbesondere bei der Behandlung von psychischen Beschwerden wie einer Depression sowie in der Traumabewältigung Anwendung findet. Gerade die Kinderpsychologie setzt hier vermehrt auf Mal- und Farbtherapien, um die kindliche Psyche so schonend wie möglich, unter zu Hilfenahme kreativer Ausdrucksfähigkeit, zu behandeln. Je nach Behandlungsziel gibt es inzwischen zahlreiche verschiedene Formen der Farbtherapie.

Farbmeridiantherapie

Der Energiefluss im Körper wird nach Auffassung der TCM durch sogenannte Meridiane reguliert. Darunter versteht man Energiebahnen, die sich durch den ganzen Körper ziehen und von denen jede einem bestimmten Organ und damit verbunden auch einer bestimmten Farbe zugeordnet ist. Die Farbmeridiantherapie, welche von der deutschen Krankengymnastin und Medizinerin Christel Heidemann entwickelt wurde, hat nun zum Ziel, den Energiefluss der Meridiane durch geeignete Farbpflaster oder gefärbte Stoffstücke positiv zu beeinflussen. Verwendet werden hierfür Naturfarben bzw. Pflanzenfarben. Die Pflaster und Stoffstücke werden vorab mit diesen Farben durchtränkt und dann in Form von ein Zentimeter großen Seidenkreisen auf die betroffene Körperstelle gelegt.

Während die dem Meridian entsprechende Farbe bei Funktionsschwächen diesen anregt, vermag die Komplementärfarbe, also die der Meridianfarbe im Farbkreis gegenüberliegende Farbe, den Meridian bei Überreaktionen zu beruhigen. Um einen funktionsgestörten Meridian zu ermitteln, erfolgt im Vorfeld der Farbmeridiantherapie eine Abtastung des am Rücken befindlichen Bindegewebes. Besonders gut soll die Therapie bei Schmerzbeschwerden sowie bei der Krankheitsprävention helfen.

Farbpunktur

Wie bereits aufgezeigt, orientieren sich zahlreiche Behandlungspraktiken von Haus aus an einer bestimmten Farblehre. Die Farbpunktur stellt hierbei eine auf die Farbtherapie ausgelegte Weiterentwicklung der gewöhnlichen Akupunktur dar. Sie wurde von dem deutschen Heilpraktiker Peter Mandel erfunden und basiert auf einer gezielten Bestrahlung der Akupunkturpunkte mit gebündeltem Farblicht, das über stiftförmige Lämpchen auf den jeweiligen Akupunkturpunkt gerichtet wird.

Das Verfahren wird meist mit einer herkömmlichen Akupunktur kombiniert und stellt somit eine Ergänzung zum traditionellen Akupunkturverfahren dar. Ziel ist es, den Körper durch die Farbeinstrahlung dabei zu unterstützen, seine Energieschwingungen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Je nachdem, welcher Körpermeridian dabei einer Störung unterliegt, werden gemäß der TCM-Lehre verschiedene Strahlungsfarben eingesetzt. Sehr häufig angewandt wird die Farbpunktur bei

  • Bronchitis,
  • Entzündungen,
  • Hämorrhoiden,
  • Lebererkrankungen,
  • Muskelverspannungen,
  • Nervosität,
  • Rheuma,
  • Schlafstörungen.
Die Maltherapie beruht auf diversen theoretischen Grundlage und ist mit unterschiedlichen Methoden der Kunsttherapie verwandt. Hierbei stehen die Symbolik und die Wirkung der Darstellung sowie die Farbwirkung auf Patienten im Fokus. Es gibt unterschiedliche Ansätze der Maltherapie.(Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Maltherapie

Das therapeutische Malen besteht weniger aus einer gezielten Anwendung von Farben auf den Patienten, sondern eher daraus, den Patienten entsprechende Farben anwenden zu lassen. Dabei gibt es zwei verschiedene Therapievarianten:

  • anthroposophische Maltherapie: Die anthroposophische Maltherapie wurde von der schottisch-französischen Maltherapeutin Liane Collot d’Herbois in Zusammenarbeit mit der deutschen Ärztin und Anthroposophin Margarethe Hauschka-Stavenhagen entwickelt. Das Verfahren geht davon aus, dass Farben als abstrakte Wesenheiten zwischen Licht und Finsternis verstanden werden können und durch aktives Erleben des Farbspektrums zu einer Reinigung der Seele beitragen können. Genutzt werden für die anthroposophische Maltherapie vor allem Aquarell- und Pflanzenfarben, die es dem Malenden in besonderer Weise erlauben, seine eigenen natürlichen Polaritäten von Licht (symbolisiert durch Gelb) und Dunkel (symbolisiert durch Blau) zu erforschen.
  • tiefenpsychologische Maltherapie: Die Grundlagen der tiefenpsychologischen Maltherapie gehen auf den Psychoanalytiker Carl Gustav Jung zurück. Der Patient bekommt eine Palette von Farben zur Verfügung gestellt, mit der er nach Belieben ein Bild malen kann. Das Bild wird in der Tiefenpsychologie als Visualisierung von unbewussten symbolischen Darstellungen verstanden, die einen Ausdruck seelischer Vorgänge darstellen. Im Anschluss an die Maltherapie erfolgt dann gemeinsam mit dem Therapeuten eine Deutung des Gemalten innerhalb eines Therapiegespräches.

Weitere Farbtherapien

Das Konzept der Farbtherapie reicht sogar bis in die Ernährung, Körperpflege, Kosmetik und Innenarchitektur. Hier gibt es mitunter unzählige Therapieansätze, die sich grob wie folgt definieren lassen:

Farbtherapie in der Ernährung

Um Nahrungsmittel mit der energetischen Wirkung bestimmter Farben „aufzuladen“, werden sie vor dem Verzehr mit farbigem Licht bestrahlt. Auch eine Aufladung von Getränken ist denkbar, wobei maßgeblich stilles Mineralwasser oder Heilwasser für derartige Zwecke verwendet wird.

Farbbäder

Das farbliche Aufladen von Wasser kann auch im Rahmen eines Farbbades Anwendung finden. Dazu wird das Badewasser vorab mit farbigem Licht bestrahlt oder durch Naturfarben direkt eingefärbt. Manche arbeiten hier auch mit bunten Blumenblüten, welche den farblich heilsamen Effekt unterstützen sollen.

Aura-Soma

Eine kosmetische Farbaufladung von Wasser erfolgt bei der Aura-Soma-Behandlung. Die Engländerin Vicky Wall entwickelte um 1984 spezielle Aura-Soma Fläschchen, die auch als Equilibrium bekannt sind und zu je 50 % aus zwei verschieden gefärbten Flüssigkeiten bestehen. Während die obere Flüssigkeitsschicht zumeist aus gefärbtem Lotusblüten- oder Olivenöl besteht, wird die untere Schicht von gefärbtem Wasser gestellt, welches aus einer besonderen Heilquelle in Glastonbury (Vereinigtes Königreich) stammt. Die Farbkombinationen richten sich an der indischen Chakrenlehre aus und sollen bei Anwendung einen positiven kosmetischen Effekt besitzen.

Farbtherapie in der Raumgestaltung

Einen besonderen Effekt haben Farben freilich auch im Bereich der Innenarchitektur. Vor allem öffentliche Einrichtungen wie Arztpraxen, Kindergärten oder Trainingseinrichtungen setzen hier inzwischen vermehrt auf Farbkonzepte, welche die Psyche der Besucher in besonderem Maße positiv beeinflussen sollen. Üblich sind sanfte Pastellfarben, die den Geist beruhigen und entspannen, wie etwa hellgrün oder hellblau, aber auch aktivitätsfördernde Farben, wie etwa kräftige Rot- und Orangetöne in Einrichtungen wie Fitnessstudios.

Farben zum Sehen und Anfassen

Das Spielen mit der Farbwahrnehmung geht sogar so weit, dass manche Therapeuten und Heilpraktiker ihre Patienten bewusst über einen gewissen Zeitraum bestimmte Farben ansehen oder gefärbte Objekte berühren lassen, um einen Heilungseffekt zu erzielen. Meist werden derartige Therapieansätze mit anderen, auf die Sinneswahrnehmung ausgerichteten Behandlungsansätzen wie der Aromatherapie oder Klangtherapie kombiniert.

Wirksamkeit der Farbtherapie

Ob all diese farbtherapeutischen Maßnahmen auch tatsächlich wirksam sind, ist bislang noch nicht wissenschaftlich belegt. Allerdings lässt sich die grundsätzliche Wirkung bestimmter Farben auf die Psyche nicht bestreiten, weshalb es zumindest bei der einen oder anderen Farbtherapien wohlbegründete Behandlungserfolge gibt. Auch wurden zahlreiche Konzepte von professionellem Fachpersonal entwickelt, was zumindest eine ausreichende Prüfung der Verfahren im Vorfeld nahelegt. Ob sie bei konkreten Beschwerden tatsächlich helfen kann, muss also jeder für sich selbst herausfinden. (ma)