Reden im Schlaf – Ursachen und Gegenmaßnahmen

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Das Sprechen im Schlaf (Somniloquie) ist ein Phänomen, dessen Ursachen bis heute noch nicht gänzlich erforscht sind. Betroffene geben während des Schlafs entweder einzelne Worte bzw. Laute oder ganze Sätze von sich, was für Beobachter bisweilen äußerst faszinierend ist. In der Antike wie auch im Mittelalter glaubte man sogar, dass die Schlafenden bei Somniloquie mit den Göttern kommunizieren und so Zukunftsvorhersagen oder göttliche Weisheiten preisgäben. Dementsprechend wurde das Gesagte häufig sogar niedergeschrieben. Was tatsächlich hinter dem Reden im Schlaf steckt, verrät Ihnen unser Beitrag zu diesem Thema.


Definition

Als Somniloquie bezeichnet die Medizin Gespräche, Wort- und Lautäußerungen, die bei Betroffenen meist während der REM-Phase vorkommen, also in jener Schlafphase, in der wir auch die meisten Träume haben. Gelegentlich lässt sich das Phänomen aber ebenso in Phasen des Non-REM-Schlafes bzw. beim Wechsel zwischen den einzelnen Schlafphasen beobachten.

Im Kindesalter treten derartige Schlafprobleme schätzungsweise bei 50 Prozent aller Drei- bis Zehnjährigen auf. Jedoch verliert sich das Sprechen im Schlaf für gewöhnlich im Laufe der Pubertät, weshalb im Erwachsenenalter nur noch etwa 5 – 17 Prozent aller Personen eine Somniloquie aufweisen. Dabei sind Männer deutlich häufiger als Frauen betroffen. Das Phänomen gilt als eher harmlose Variante der Insomnien (Schlafstörungen) und hier speziell der sogenannten Parasomnien. Einzelheiten hierzu finden sie übrigens in unserem Spezialbeitrag zum Thema Schlafprobleme.

Das Reden im Schlaf tritt bei circa 50 Prozent der Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren auf, wobei es sich im Laufe der Pubertät für gewöhnlich verliert. Lediglich rund fünf Prozent der Erwachsenen weisen derartige Verhaltensweisen während des Schlafs auf und Männer sind häufiger davon betroffen als Frauen. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

Wenngleich Sprechen im Schlaf selbst für Betroffene keine gesundheitlichen Gefahren bedeutet, so können die Schlafgespräche für Partner doch eine starke Belastung sein und – wie das Schnarchen – zu Durchschlafstörungen beim Lebenspartner führen. Auch rätseln Angehörige oft über den Sinn oder das Wohlergehen des Partners oder versuchen das Gesprochene nachts zu enträtseln, da die Worte und Sätze oftmals nur gemurmelt werden. Denn die Sprachmuskulatur erschlafft im Schlaf, so dass eine klare Aussprache oftmals nicht möglich ist. Die nächtlichen Störungen führen bei Ehe- und Lebenspartnern also nicht selten zu wenig erholsamen Schlaf, was die Beziehung auf Dauer belasten kann. Darüber hinaus geben Schlafgespräche gelegentlich auch Hinweise auf vorliegende seelische Belastungen oder andere Gesundheitsbeschwerden.

Ursachen

Wie bereits erwähnt, sind die genauen Entstehungsursachen für Somniloquie bislang noch nicht abschließend geklärt. In jedem Fall gibt es aber verschiedene Faktoren, die das Sprechen im Schlaf begünstigen:

  • Erbliche Faktoren: Es scheint gesichert zu sein, dass Somniloquie vielfach familiäre Häufungen aufweist. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder dazu neigen, höher, wenn ein oder gar beide Elternteile im Schlaf sprechen. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieses Schlafphänomen nicht auch ohne bestimmte familiäre Dispositionen auftreten kann.
  • Seelische Belastung: Egal ob Stress im Alltag, ungelöste seelische Traumata oder innere Ängste und Sorgen – die denkbaren Gründe seelischer Belastung, deretwegen Menschen im Schlaf sprechen, sind vielseitig. Die Somniloquie ist hier eng mit der Aufarbeitung von Sinneseindrücken verbunden, die tagsüber oder in Momenten traumatischer Erlebnisse gesammelt wurden. Dabei dauert das Phänomen zumeist so lange an, bis der seelische Konflikt gelöst ist.
  • Träume: Sofern die Somniloque im REM-Schlaf oder beim Übergang von einer Phase des Non-REM-Schlafes in den REM-Schlaf auftritt, können Schlafgespräche auch Ausdruck lebhafter Träume sein. Das im Traum Gesagte wird dabei laut ausgesprochen und ist deshalb mit dem Schlafwandeln oder Bewegungen im Schlaf vergleichbar.
  • Rauschmitteleinfluss: Als besonders begünstigender Faktor wird der Einfluss von Alkohol angesehen. Das Rauschmittel trägt allgemein zu einer Reihe von Schlafstörungen bei, darunter das Schnarchen, Bettnässen und Alpträume. Auch das Sprechen im Schlaf kommt bei Personen, die regelmäßig und zudem auch viel Alkohol konsumieren, verhältnismäßig oft vor. Gleiches gilt für andere Rauschmittel und insbesondere bei der Einnahme chemischer Drogen. Demzufolge kann Somniloquie in manchen Fällen auch auf eine ausgeprägte Alkoholsucht oder Drogenmissbrauch hinweisen.
  • Sonstige Ursachen: Auch Fieber bzw. Fieberkrankheiten sowie in Kombination mit der Somniloquie auftretende andere Schlafstörungen können das Sprechen im Schlaf begünstigen. Leiden Betroffene beispielsweise zeitgleich an Alpträumen, kann dies zu schreckbedingtem Aufschreien im Schlaf führen.
Abhängig von den Ursachen für das Reden im Schlaf können unter anderem Begleitsymptome wie Schweißausbrüche, Bluthochdruck oder Herzrasen auftreten. Die Somniloquie kann sich mitunter auf die Gemütslage auswirken, was zu Traurigkeit oder euphorischer Freude führen kann. (Bild: fizkes/fotolia.com)

Begleitsymptome

Die Begleitsymptome sind beim Reden im Schlaf stark von den zugrundeliegenden Ursachen abhängig. Krankheitsbedingt oder auch bei zeitgleichen Alpträumen sind

Auch abweichende Gemütslagen, zum Beispiel Traurigkeit oder extreme Freude, können die Somniloquie je nach Traumgeschehen begleiten.

Bei Ehe- und Lebenspartnern, die mit dem Betroffenen im selben Bett schlafen, wirft die Schlafstörung ebenfalls einige Begleiterscheinungen auf. Zum Beispiel sind sie durch die nächtlichen Störungen tagsüber häufig müde und gereizt. Hält die Somniloquie länger an und ist sie besonders stark ausgeprägt, kann dies beim Partner dauerhaft zu Schlaflosigkeit und Schlafstörungen führen – mit folgenden Begleitsymptomen:

  • Abgeschlagenheit,
  • Augenringe,
  • Gemütsschwankungen und leichte Reizbarkeit,
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden,
  • Konzentrations- und Koordinationsstörungen,
  • Kopfschmerzen,
  • Leistungseinbußen,
  • Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • und Tagmüdigkeit.

Auf diese Weise kann Somniloquie, auch wenn sie für sich genommen keinen Krankheitswert besitzt, zu einer enormen Belastung für eine Beziehung werden, weshalb es ratsam ist, bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

Diagnose

Die Diagnose wird in den meisten Fällen durch Angehörige gestellt, die Zeugen des Sprechens im Schlaf geworden sind. Genauere Details zum Ausmaß sowie möglichen Ursachen für die Schlafstörung bringt in der Regel ein Besuch im Schlaflabor zu Tage. Beginnend mit einem Schlaf-Fragebogen, in dem vom Patienten – eventuell auch von dessen Partner – Angaben zur Häufigkeit und Besonderheiten der Schlafstörungen sowie möglichen Gesundheitsbeschwerden und Begleitsymptomen notiert werden, können so erste Vermutungen zu den Ursachen und dem Ausmaß der Somniloquie gestellt werden. Speziell Informationen zur Belastung für den Partner zeigen hier auf, ob eine Behandlung notwendig ist oder nicht. Ergänzend hilft oft auch eine Patientenbefragung (Anamnese) weiter.

Im Anschluss an die Vorbefragung erfolgt dann eine Untersuchung des Schlafverhaltens mittels spezieller Verfahren wie der Elektroenzephalographie (EEG), dem Elektrokardiogramm (EKG) oder der Kameraüberwachung. Der Patient und ggf. auch der Partner werden zu diesem Zweck über Nacht unter realen Schlafbedingungen an entsprechende Gerätschaften angeschlossen bzw. während des Schlafes gefilmt. Auf diese Weise können Schlafmuster genau erfasst und die individuellen Zeitpunkte, zu denen die Somniloquie auftritt, festgehalten werden. Ebenso werden durch die Überwachung eventuell begleitende Schlafstörungen wie Schnarchen oder Albträume aufgedeckt. Bei konkretem Verdacht, etwa auf Alkoholkonsum oder Drogenmissbrauch, sind ferner labortechnische Untersuchungen des Blutbildes üblich.

Therapie

In den meisten Fällen muss das Reden im Schlaf nicht gesondert behandelt werden. Liegen ursachenbedingt jedoch konkrete Gefahren für die Patientengesundheit vor oder beeinträchtigt die Somniloquie ein friedliches Zusammenleben mit dem Partner, sind aber gezielte Behandlungsmaßnahmen durchaus denkbar. Zur Option stehen dabei die anschließend aufgeführten Therapieansätze

Psychotherapie

Sollten seelische Belastungen in Form von nicht aufgearbeiteten Traumata für die Somniloquie verantwortlich sein, ist es wichtig, diese in einer Gesprächstherapie anzugehen. Auch etwaige Beziehungskonflikte, die aus dem Schlafmangel oder der Sorge des Partners erwachsen, können hier mit angegangen werden. In einigen Fällen hilft gegen Schlafstörungen auch eine fachtherapeutische Hypnose.

Stressbelastung im Alltag kann ebenfalls ein Fall für psychotherapeutisches Verhaltenstraining sein. Ähnlich wie traumatische Erlebnisse erfordert Stress manchmal eine fachärztliche Hilfestellung zur Beendigung der Situation. Richtige Verhaltensweisen im Umgang mit stressreichen Situationen zu erlernen, kann deshalb zur Reduzierung von Schlafstörungen beitragen.

Um das Risiko von Albträumen und unruhigem Traumgeschehen zu reduzieren, kann es hilfreich sein, gezielte Entspannungsmaßnahmen wie autogenes Training, Meditation, Yoga oder Qi Gong anzuwenden. (Bild: Vasyl/fotolia.com)

Entspannungsmaßnahmen

Die Gedanken vor dem Einschlafen durch geeignete Privatmaßnahmen zu beruhigen und so das Risiko von Albträumen und heftigem Traumgeschehen zu reduzieren, hat bei der Behandlung von Somniloquie ebenfalls einen hohen Stellenwert. Gezielte Entspannungsmaßnahmen, wie sie zum Beispiel durch

vermittelt werden, unterstützen den Stressabbau im Alltag ebenfalls und sind somit eine weitere Behandlungsoption. Selbst Klangschalentherapien helfen hier manchen Betroffenen weiter. Gleiches gilt für leichte Bewegungstherapien in Form entspannender Spaziergänge, die am besten durch die beruhigende Natur oder Waldumgebungen führen. Bei sportlicher Betätigung ist ein maßvolles Vorgehen gefragt, denn Extremsport erhöht die Ausschüttung aufputschender Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin, welche einen ruhigen Schlaf beeinträchtigen können, sofern der Sport direkt vor dem Schlafengehen ausgeübt wird.

Des Weiteren lässt sich Entspannung im Privatbereich zudem gezielt durch eine stressfreie Alltagsplanung und feste Schlafrituale fördern. Insbesondere hektische und für den Geist aufwühlende Tätigkeiten, wie das Ansehen reißerischer Horror- oder Actionfilme, das Spielen von Computer- und Konsolenspielen sowie das Hören lauter und aggressiver Musik vor dem Schlafengehen, ist für viele Personen ein Somniloquie begünstigender Faktor, wenn die Schlafstörung bereits vorhanden ist.

Ernährung

Verzichten Sie als Patient mit Somniloquie am besten auf exzessiven Alkoholgenuss, wenn Sie bestrebt sind, ihren nächtlichen Selbstgesprächen ein Ende zu bereiten. Auch sollte in den letzten Stunden vor dem Zubettgehen keine schwerverdauliche Nahrung mehr verzehrt werden, da dies den Magen-Darm-Trakt wie auch das Gehirn unnötig in Schach halten kann. Ebenso sind Kaffee und Energy-Drinks mit Blick auf ihre aufputschenden Eigenschaften zu meiden. Stattdessen empfiehlt sich ein Beruhigungstee oder das altbewährte Glas warme Milch mit Honig.

Naturheilkunde

In Sachen Naturapotheke lässt sich der Somniloquie vor allem durch eine entspannende Aromatherapie und beruhigende Kräutertees beikommen. Geeignete Teekräuter für einen ruhigen Schlaf sind diesbezüglich insbesondere

Zur Aromatherapie können außerdem die ätherischen Öle von Benzoe, Weihrauch und Ylang-Ylang zum Einsatz kommen – stressbedingte Schlafstörungen reagieren gemeinhin auf beide Behandlungsmethoden sehr gut.(ma)

Autoren:
Miriam Adam, Dr. med. Andreas Schilling
Quellen:
  • Jürgen Staedt, Dieter Riemann: Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen, Kohlhammer Verlag, 1. Auflage, 2006
  • Thomas-Christian Wetter, Roland Popp, Michael Arzt, Thomas Pollmächer: Schlafmedizin, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2019
  • Hanni Rönnlund, Marko Elovainio, Irina Virtanen, Jaakko Matomäki, Helena Lapinleimu: Poor Parental Sleep and the Reported Sleep Quality of Their Children, American Academy of Pediatrics, (Abruf 01.07.2019), AAP News & Journals
  • Heinrich F. Becker et al.: S3-Leitlinie: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), (Abruf 01.07.2019), DGSM
  • Boris A. Stuck, Joachim T. Maurer, Angelika A. Schlarb, Michael Schredl, Hans-Günter Weeß: Praxis der Schlafmedizin: Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Therapie bei Erwachsenen und Kindern, Springer Verlag, 3. Auflage, 2018

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.