Beruhigungstee – Anwendung, Sorten und Selbstgemacht

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Beruhigungstee- ganz einfach selber machen

Teure Teemischungen zur Beruhigung gibt es im Handel mehr als genug. Dabei kann man sich seinen eigenen Beruhigungstee eigentlich auch kostengünstig selbst herstellen. Entsprechende Beruhigungskräuter gibt es in jedem Kräuterhandel zu kaufen, sodass sich ein Vorrat leicht anlegen lässt. Voraussetzung ist natürlich, dass man weiß, welche Kräuter man braucht. Dabei können wir Ihnen helfen.


Warum Beruhigungstee?

Der moderne Alltag ist voll mit stressigen Situationen. Bei all der gesellschaftlichen Leistungsorientiertheit kommt die Entspannung häufig zu kurz. Termindruck, Spannungen auf der Arbeit, familiäre Anforderungen, Prüfungsstress – irgendetwas steht immer. Dabei vergessen wir häufig, dass neben Leistung auch Ruhe einen wichtigen Platz in unserem alltäglichen Leben finden sollte, wenn wir gesundheitliche Beschwerden vermeiden wollen.

Beruhigungstee ist ein Stresslöser im Alltag. (Bild: Antonioguillem/fotolia.com)

Die häufigste Folge eines dauerhaft überfüllten Zeitplans ist dabei der Verlust eines gesunden Alltagsrhythmus, wodurch es unserem Körper zunehmend schwerer fällt abzuschalten, wenn es eigentlich angebracht wäre. Getrieben von Ruhelosigkeit und Hektik leiden unter dieser inneren Unruhe zahlreiche Körperfunktionen. Typische Gesundheitsbeschwerden sind dann:

  • Abgeschlagenheit,
  • Depressionen,
  • Immunschwächen,
  • Kopfschmerzen,
  • Leistungseinbußen,
  • Müdigkeit,
  • Schlafstörungen,
  • Verwirrtheit und Desorientiertheit,
  • Wahrnehmungsstörungen.

Darüber hinaus sind auch die Konsequenzen im sozialen Bereich nicht zu unterschätzen. Denn Menschen, die sich chronisch überarbeiten, gestresst sind und deshalb an innerer Unruhe leiden, ziehen sich häufig aus dem sozialen Geschehen zurück. Sie finden einfach nicht mehr die Kraft, um Verabredungen wahrzunehmen. Die soziale Isolation kann wiederum zu einer Verschlimmerung psychischer Beschwerden wie Gemütsschwankungen oder Depressionen führen. Hieraus ergibt sich manchmal ein wahrer Teufelskreis. Gerade unruhige Gemüter neigen nämlich dazu, psychische Belastung mit noch mehr Arbeit zu verdrängen.

Umso wichtiger ist es, bei ersten Anzeichen von innerer Unruhe rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und gezielte Maßnahmen der Entspannung zu ergreifen. Neben konkreten Entspannungstherapien (z.B. Yoga oder Meditation) ist ein effizienter Beruhigungstee dabei am besten geeignet, um dem körpereigenen System beim „Runterfahren“ zu helfen. Darüber hinaus kann so ein Tee auch in harmloseren Fällen von Nervosität wie vor einer Prüfung oder einem Bewerbungsgespräch helfen. Und selbst als begleitende Therapiemaßnahme bei Krankheiten, die erfahrungsgemäß mit innerer Unruhe einhergehen, können beruhigende Teekräuter zuverlässige Unterstützung bieten.

Tee als Beruhigungsmittel hat lange Tradition

Es ist kein Geheimnis, dass Kräutertees zu den ältesten Heilmitteln der Welt gehören. Gerade zur Entspannung nutzten alle Völker der Erde standardmäßig heiß gebraute Beruhigungstränke, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Kein Wunder also, dass das Teetrinken bis heute Bestandteil alltäglicher Pausenrituale ist. Vom 5-Uhr-Tee in Großbritannien über den Tee beim deutschen Kaffeekränzchen, bis hin zu antiken, aber bis heute praktizierten Traditionen wie der japanischen Teezeremonie gibt es unzählige Beispiele, die verdeutlichen, wie sehr die Menschen Tee stets mit einem gewissen Beruhigungs- und Entspannungseffekt verbunden haben.

Außerdem sind die meisten Heilpflanzen, die zur Herstellung von Beruhigungstee genutzt werden, echte Traditionskräuter. Viele davon sind jedoch in Vergessenheit geraten, weil wir heute üblicherweise gegen fast jedes Beschwerdebild Tabletten einnehmen. Gesund ist das nicht und kann insbesondere bei nervlicher oder seelischer Belastung eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen mit sich bringen. Pharmazeutische Präparate vermögen es zwar, aufgrund hochkonzentrierter Wirkstoffe eine schnelle Symptomlinderung herbeizuführen, greifen zu diesem Zweck aber nicht selten massiv ins Körpergeschehen ein. Nervöse oder in Bezug auf ihre innere Ruhe besonders sensible Personen erfahren durch medikamentöse Maßnahmen deshalb oftmals nur noch mehr geistiges und körperliches Chaos.

Per Pille an nur einer „Stellschraube“ im Körpergeschehen zu drehen, hat bei innerer Unruhe häufig keinen dauerhaften Erfolg. Vielmehr kommt es auf ganzheitliche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ausgeglichenheit an. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) erkannte dies als eine der ersten Medizindisziplinen. Innere Unruhe wird hier als Hinweis für einen gestörten Energiefluss, den sogenannten Qi-Fluss, gewertet. Zielführende Maßnahmen zur Beruhigung zielen in der TCM deshalb darauf ab, den Körperrhythmus des Patienten ganzheitlich wieder in Einklang zu bringen, um unruhige Energieströmungen zu beseitigen.

Essenziell hierfür ist eine Umstellung der Lebens-, Verhaltens- und Ernährungsgewohnheiten hin zu mehr Ausgeglichenheit und Harmonie. Ernährungstechnisch beinhaltet diese Umstellung zumeist auch eine Entschlackungskur, die schädliche Körperstoffe ausleiten soll, um das Qi zu reinigen. Ein tägliches Teeritual dient dabei der besseren Entspannung, da sich von Unruhe Betroffene für die Zubereitung und Einnahme des Tees bewusst Zeit nehmen müssen. Der bloße Vorgang der Teezubereitung trägt somit bereits zur Entschärfung von Alltagsstress bei.

Das Teeritual selbst dient schon der Entspannung. (Bild: creativefamily/fotolia.com)

Welche Teekräuter wirken beruhigend?

Bei beruhigenden Teekräutern muss zunächst zwischen Kräutern aus der westlichen Heilkunde und (maßgeblich) der Traditionellen Chinesischen Medizin unterschieden werden. Obwohl beide Disziplinen viele Kräuter gemeinsam haben, werden sie je nach Auffassung der jeweiligen Schule doch sehr unterschiedlich eingesetzt.

Westliche Beruhigungskräuter

In der traditionellen Kräuterkunde Europas konzentriert sich die Heilwirkung von Beruhigungskräutern überwiegend auf nerven- und schmerzlindernden Aspekte der Pflanzen. Auch krampflindernde und schlaffördernde Kräuter fallen unter den Begriff „beruhigend“. Kräutertees oder Teemischungen zum Beruhigen vermögen es deshalb meist, die drei Hauptbeschwerdefelder

  • Nervenleiden,
  • Schlafstörungen
  • und Schmerzbeschwerden abzudecken.

Nervenleiden im Speziellen umfassen dabei neben innerer Unruhe auch depressive Verstimmungen, sowie andere psychische Belastungsstörungen. Die wichtigsten Kräuter in diesem Bereich sind:

  • Echter Hafer (Avena sativa)
  • Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus)
  • Echter Hopfen (Humulus lupulus)
  • Echtes Johanniskraut / Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum)
  • Echter Sternanis (Illicium verum)
  • Echter Lavendel (Lavandula officinalis)
  • Echte Kamille (Matricaria chamomilla)
  • Melisse / Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
  • Leuchtende Passionsblume (Passiflora incarnate)
  • Lindenblüten (Tilia cordata / Tilia platyphyllos)
  • Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
  • Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis)

Viele dieser Kräuterempfehlungen gehen auf die berühmteste aller Heilkundlerinnen, Hildegard von Bingen, zurück. Zur Herstellung eines Beruhigungstees reicht es dabei nach ihrer Meinung für gewöhnlich aus, sich auf eines der genannten Kräuter festzulegen. Üblicherweise ist für eine Tasse ein Teelöffel Beruhigungskräuter genug.

Tipp: Wer möchte, kann die Kräuter natürlich auch mischen, beispielsweise zur Geschmacksverbesserung. Es ist jedoch empfehlenswert, dann den Anteil milder Kräuter wie Hafer, Kamille, Lindenblüten oderMelisse deutlich höher zu wählen als den der geschmacks- und wirkstoffintensiven Beruhigungskräutern wie Baldrian oder Lavendel.

Unser Rezept für 1 Kanne (1 ½ Liter) Beruhigungstee:

  • 1 Teelöffel (TL) Baldrianwurzel,
  • 1 TL Eichenrinde,
  • 1 TL Lavendelblüten,
  • 2 TL Lindenblüten,
  • 1 TL Melissenblätter.

Geben Sie die Kräuter in ein Teesieb und hängen Sie dieses in eine große Teekanne ein. Übergießen Sie die Kräuter anschließend mit heißem Wasser und lassen Sie den Tee ca. 10 Minuten ziehen. Der Beruhigungstee kann dann über den Tag verteilt getrunken werden. Ein wenig Zitrone und/oder Honig verfeinern das Aroma.

Beruhigungskräuter aus der TCM

Auch die Traditionelle Chinesische Medizin kennt viele der oben genannten Beruhigungskräuter. Der Baldrian heißt hier zum Beispiel „Xie Cao“ und das Eisenkraut „Ma Bian Cao“. Grundsätzlich unterscheidet sich die Zusammenstellung von Beruhigungstees in der TCM aber deutlich. Denn nach Auffassung der Qi-Lehre entstehen Nervosität, innere Unruhe und Schlaflosigkeit aufgrund eines gestörten Energieflusses in der Leber bzw. Milz. Es werden beruhigenden Kräutermischungen deshalb auch immer Leber-, Milz- und häufig auch Herzkräuter zugefügt, welche den Qi-Fluss in entsprechenden Organen regulieren sollen.

Die Rezepturen werden von TCM-Experten individuell auf die Patienten zugeschnitten, weshalb es eines Besuchs beim Fachmediziner bedarf. Wer stattdessen aber lieber einzelne Beruhigungskräuter aus Fernost selbst zu Hause ausprobieren möchte, für den haben wir hier einige Empfehlungen:

  • Bärtiges Helmkraut (Scutellaria Barbata)
    Chinesischer Name: Ban Zhi Lian
  • Chinesische Angelikawurzel (Angelicae sinensis Radix)
    Chinesischer Name: Dang Gui
  • Chinesische Hasenohrwurzel (Bupleuri Radix)
    Chinesischer Name: Chai Hu
  • Ingwerwurzel (Zingiberis rhizoma recens)
    Chinesischer Name: Sheng Jian
  • Süße Braunwurz (Rehmanniae Radix)
    Chinesischer Name: Di Huang>/li>
  • Kieferschwamm (Poria cocos)
    Chinesischer Name: Fu Ling
  • Kraut der Unsterblichkeit (Gynostemma pentaphyllum)
    Chinesischer Name: Jiao Gulan
  • Hoher Goldbaldrian (Patrinia scabiosifolia)
    Chinesischer Name: Huang Hua Bai Jiang

Wichtig: Die in der Packungsbeilage enthaltenen Dosierungshinweise der einzelnen Kräuter sollten bei TCM-Kräutern strikt befolgt werden. Ein Herumexperimentieren mit selbst gewählten Mischverhältnissen ist hier nicht zu empfehlen. (ma)