Kamille – Echte Kamille und Kamillentee

Die Echte Kamille wächst häufig in ganz Europa. Diese Heilpflanze ist ebenso ein verbreitetes Hausmittel wie Komponente pflanzlicher Arzneimittel. Kamillenblüten erzeugen ein weites Spektrum medizinischer Effekte: Sie wirken gegen Magen- und Darmbeschwerden, gegen Entzündungen und Krämpfe; sie lindern bakterielle Infektionen der Haut ebenso wie Zahnschmerzen; sie helfen gegen Stress und Erkrankungen der Harnwege.

Steckbrief zur Kamille

  • Wissenschaftlicher Name: Chamomilla recutita (früher: Matricaria recutita)
  • Volksnamen: Feldkamille, Weiße Blume, Laugenblume, Kornkamille, Kamelle, Krottenkraut, Hermel, Mutterkraut, Apfelkraut, Mägdeblume, Kummerblume, Garmille, Camille, Camillenblume, Carmelina, Chamillen, Gänsblumen
  • Pflanzenfamilie: Korbblütler (Asteraceae)
  • Verbreitung: Ursprünglich Vorderasien, Süd- und Osteuropa, heute in ganz Europa häufig, ebenso in Amerika und Australien
  • Verwendete Pflanzenteile: Blüten
  • Anwendungsgebiete (Auswahl):
    • Harnblasen- und Harnwegsinfektionen
    • Halsschmerzen
    • Krämpfe
    • Entzündungen
    • Verdauungsprobleme
    • Magen-Darm-Beschwerden
    • Reizdarm
    • Stress
    • Muskelverspannungen

Kamille – eine Übersicht

  • Kamillentee schätzten schon die antiken Ägypter, Griechen und Römer, um zu entspannen und Schmerzen zu lindern.
  • „Chamaimelon“ bedeutet „erdnaher Apfel“, und diese griechische Bezeichnung leitet sich vom apfelartigen Geruch der Pflanze ab.
  • Der deutsche Volksname „Mutterkraut“ verweist hingegen darauf, dass Kamille dazu dient, Frauenleiden zu behandeln: Prämenstruelles Syndrom, Geburtsverletzungen oder Beschwerden während der Schwangerschaft.
  • Kamillentee wird heute konsumiert, um grippale Infekte zu lindern, Muskelverspannungen zu lösen, Stress abzubauen und hohen Blutdruck auszugleichen.
  • Letzteres liegt besonders daran, dass Kamillentee im Vergleich zu Schwarztee kein Koffein enthält, also den Blutdruck nicht erhöht. Ob er effektiv den Blutdruck senkt, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
  • Kamillentee in Teebeuteln bekommen Sie in jedem Supermarkt. Um Kamillenblüten als Arznei einzusetzen, sollten Sie aber auf getrocknete Blüten sowie Fertigarzneien aus der Drogerie oder Apotheke zurückgreifen.
  • Kamille wird in der Hautpflege, in Seifen, Lotions, Cremes, Salben, Shampoos und Kosmetik eingesetzt. Zum einen bewährt sich hier ihr Duft, zum anderen wirken die antientzündlichen Eigenschaften positiv auf den Hautstoffwechsel.

Inhaltsstoffe

Kamille liefert ätherische Öle und sekundäre Pflanzenstoffe: Cumarine, Chamazulen, Bisabolol und Matricin wirken unter diesen gegen Entzündungen. Blüten und Kraut liefern bis zu sechs Prozent Flavonoide wie Apigenin und Quercetin sowie Schleimstoffe.

Im durch Wasserdampf gewonnenen ätherischen Öl bildet sich das blaue Chamazulen.

Wirkstoffe sind Apigenin (sowie dessen 7-Glucosid), Chamazulen und Chamazulencarbonsäure, Bisaboloide, Guajanolide, Spathulenol und Spiroether.

Übersicht der Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete der Kamille
Als pflanzliche Arznei werden die Blüten der Kamille eingesetzt, welche unter anderem reichlich ätherisches Öl enthalten. (Bild: janbussan/stock.adobe.com)

Kamille – Wirkung

Inhaltsstoffe aus Kamillenblüten wirken bioaktiv: Sie bremsen Stoffe, die Entzündungen fördern und stoppen pathogene Bakterien, sie entspannen verkrampfte Muskeln im Magen und Darm. Sie trocknen aus, beruhigen, reinigen das Blut, treiben den Harn, lindern Schmerzen und treiben den Schweiß. Sie hemmen die Produktion der Magensäure und helfen so gegen Entzündungen der Magenschleimhaut, Blähungen, Brechreiz, Durchfall und Völlegefühl.

Das Bisabolol in der Kamille hemmt Entzündungen und Bakterien und beruhigt strapazierte Haut. Studien zeigen zudem einen Effekt gegen pathogene Pilze: Bisabolol hemmt die Biosynthese von Ergosterol und beschädigt so die Zellwände der Pilze.

Die in der Kamille reichlich vorhandenen Flavonoide schützen und stärken die Zellen, beugen so Ödemen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Bei Magen-Darm-Leiden lösen die Flavonoide Krämpfe. Schleimstoffe in der Kamille stärken die Schleimhäute, erweichen sie und mildern dort Reize – dies gilt besonders für die Magenschleimhäute.

Gegurgelter Kamillenextrakt- oder tee hilft gegen entzündetes Zahnfleisch und Halsschmerzen sowie bei einer Erkältung. Äußerlich eingesetzt wirkt Kamillentee gegen Furunkel, Abszesse, Hautentzündungen oder Fisteln, gegen Akne, unreine Haut und Ekzeme. Sitzbäder mit Kamille lindern Hämorrhoiden sowie Infekte am After und den Genitalien. Das Inhalieren von Wasserdampf mit Kamillenöl hilft gegen Husten und Schnupfen.

Kamillentee

Kamillentee können Sie trinken, als Wickel verwenden, auf die Haut auftragen, sich damit waschen, in ein Bad geben oder gurgeln. Ein Hausmittel gegen Magenbeschwerden besteht darin, einen halben Liter Kamillentee in kleinen Schlucken zu trinken, sich dann auf den Rücken zu legen und nach fünf Minuten auf die linke Seite zu drehen, dort wiederum fünf Minuten zu verharrren, sich dann auf die rechte Seite zu drehen und dort wieder fünf Minuten liegen zu bleiben.

Kamillentee Wirkung

Kamillentee wirkt gegen einen Blähbauch, gegen angespannte Muskeln im Verdauungstrakt, Verstopfung und Durchfall.

Eine iranische Studie belegte, dass die orale Aufnahme von Kamille die Schlafqualität bei älteren Menschen verbessert.

Kamillentee hat Eigenschaften, die den Blutdruck senken könnten. Valide Studien dazu stehen aber aus. Kamille löst Krämpfe und hemmt Entzündungen: Beides ermöglicht dem Blut, ohne Probleme durch Venen und Arterien zu fließen und den Druck in den Blutgefäßen zu mindern.

Die Heilpflanze wirkt als Diuretikum und befreit den Körper so von angesammeltem Salz, was ebenfalls den Blutdruck senkt. Sie fördert die Schlafqualität und entspannt. Da Anspannung, Stress und unruhiger Schlaf zu erhöhtem Blutdruck führen, wirkt Kamille hier indirekt Bluthochdruck entgegen.

Kamillentee Schwangerschaft

Kamillentee dient traditionell dazu, Beschwerden während der Schwangerschaft zu lindern und kann generell von Schwangeren konsumiert werden, außer, wenn Sie auf bestimmte Inhaltsstoffe sensibel reagieren. Er hilft gegen Blähungen, wie sie bei schwangeren Frauen häufig auftreten, gegen Übelkeit und Bauchweh sowie bei Erkältung während der Schwangerschaft. Ein Sitzbad mit Kamille nach der Geburt wirkt gegen Geburtsverletzungen.

Kamillentee, getrocknete Kamillienblüten in einem Mörser und ein Strauß Kamillenblüten auf einem Holztisch
Kamillentee ist ein bewährtes Hausmittel bei einer Vielzahl von Beschwerden wie zum Beispiel Entzündungen oder Magenproblemen., (Bild: chamillew/stock.adobe.com)

Kamillentee für den Hund

Manche der medizinischen Effekte der Kamille setzen auch bei Haustieren ein. Beim Hund entspannt Kamillentee den Magen und beugt Entzündungen vor, wirkt gegen Erbrechen und Durchfall. Inhalieren von Kamillendampf hilft auch beim Hund gegen eine Erkältung.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Kamille hat wenig Nebenwirkungen. Wenn Sie indessen allergisch auf Pflanzen der Familie Korbblütler reagieren, dürfen Sie die Heilpflanze nicht einsetzen. Allergische Reaktionen treten allerdings meist bei Eigensammlungen auf, wenn echte Kamille unabsichtlich mit verwandten Arten wie der Hundskamille gemischt wurde. Auslöser bestätigter Allergien gegen Kamille war meist Kamillentee.

Sie können selbst prüfen, ob Sie Kamillenöl vertragen. Dafür geben Sie einen Tropfen des Öls in die Armbeuge und verreiben es. In den nächsten Stunden beobachten Sie, ob sich die Hautpartie rötet, juckt oder sogar Pusteln bildet. Ist das der Fall, dann vertragen Sie es nicht und sollten es nicht anwenden. Augenärztinnen und Augenärzte raten davon ab, Kamille für Augenspülungen zu nutzen – Sie können die Augen mit klarem Wasser spülen.

Kamille Handcreme

Salben und Cremes mit Kamille sind bestens geeignet, um raue Hände und verletzte, strapazierte Haut zu behandeln. Sie tragen die Creme auf verschorfte Wunden und geschlossene Entzündungen auf, bei offenen Wunden bestreichen Sie nur die Ränder. Generell dürfen Cremes, die Fett enthalten, nicht in großflächige offene Hautwunden gelangen.

Kamillensitzbad

Ein Sitzbad in Kamille hemmt Entzündungen, bremst pathogene Bakterien, löst Krämpfe und fördert die Wundheilung. Es eignet sich also für diverse Leiden am beziehungsweise im Unterleib wie

  • Infektionen am Darmausgang und den Genitalien,
  • Hämorrhoiden,
  • Menstruationskrämpfe,
  • Harnwegsentzündungen
  • sowie Pilzbefall an Hodensack, Penis und Vagina.

Ebenso kann die Heilpflanze helfen bei Geschwülsten, Abszessen und Geschwüren, Ekzemen, Neurodermitis, Sonnenbrand und Hautinfektionen in diesem sensiblen Bereich.

Kamillenextrakt

Effektive pflanzliche Arzneimittel sind Flüssigextrakte aus Kamillenblüten, sowie Extrakte mit konzentrierten Lösungen wesentlicher Inhaltstoffe wie Apigenin. Kamillenextrakt wird eingesetzt, um Magen-Darm-Beschwerden zu behandeln, er lässt sich direkt auf Entzündungen im Mund- und Rachenraum auftragen. Sie können den Extrakt auch in heißes Wasser geben und bei Entzündungen der Atemwege inhalieren. Sie können Badewasser damit versetzen und ihn, wie Kamillentee, in heißem Wasser für Umschläge gegen Hautinfektionen einsetzen.

Kamille pflanzen und ernten

Echte Kamille mag sandigen Lehmboden und viel Sonne, kommt aber auch mit Halbschatten klar. Sie wächst in rauen Mengen als Pionierpflanze auf Brachflächen, Schuttplätzen und am Ackerrand. Für optimales Wachstum sollte die Erde nur leicht feucht sein und zudem warm. Leicht sauer bis alkalisch kann es sein, ist der Boden zu sauer, nimmt Kamille leicht Schwermetalle auf und eignet sich womöglich nicht mehr als Heilpflanze.

Starke Trockenheit kann Kamille besser vertragen als starke Nässe. Sie braucht wenig Nährstoffe und im Garten keinen zusätzlichen Dünger. Das Heilkraut wehrt Erkrankungen effektiv ab, nur Pilze und Mehltau an den Wurzeln können sich ausbreiten.

Je länger die Kamille blüht, desto weniger werden die ätherischen Öle. Deswegen sollten Sie die Blüten ernten, wenn sie sich zu zwei Dritteln geöffnet haben. Dann ist der Nährstoffgehalt am höchsten. Die Blüten werden bei 40 Grad Celsius getrocknet und danach gesiebt, schließlich in trockenen Räumen gelagert. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Schilcher, Heinz: Die Kamille. Handbuch für Ärzte, Apotheker und andere Naturwissenschaftler. Stuttgart, 1987
  • Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS), Institut für Molekulare Zellbiologie: Kamillentee (Abruf: 2.3.2021), UKS
  • Seo, Hye-Sook; DeNardo, David G.; Jacquot, Yves et al.: Stimulatory effect of genistein and apigenin on the growth of breast cancer cells correlates with their ability to activate ER alpha, in: Breast Cancer Research and Treatment, 99(2): 121-34, September 2006, Springer Link
  • Rodríguez-Serna, M.; Sánchez-Motilla, J.M.; Ramón, R.; Aliaga, A.: Allergic and systemic contact dermatitis from Matricaria chamomilla tea, in: Contact Dermatitis, 39/4: 192-193, Oktober 1998, PubMed
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  • Weng, Chia-Jui; Yen, Gow-Chin: Flavonoids, a ubiquitous dietary phenolic subclass, exert extensive in vitro anti-invasive and in vivo anti-metastatic activities, in: Cancer and Metastasis Reviews, Volume 31, 323–351, 2012, Springer Link
  • Miraj, Sepide; Alesaeidi, Samira: A systematic review study of therapeutic effects of Matricaria recuitta chamomile (chamomile), in: Electronic Physician, 8(9): 3024–3031, September 2016, PMC
  • Lorenz, Max Fabian: Der Effekt von Bisabolol auf die Barrierefunktion, Inflammation und Hydration der Haut sowie auf Juckreizempfindung nach induzierter Hautirritation bei gesunden Proband/innen im Vergleich zu Placebo, Dissertation, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Medizinischen Fakultät Charité – Universitätsmedizin Berlin, März 2020 , FU Berlin

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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