Fettleber: Ursachen und Therapie

Fabian Peters

Leberverfettung / Steatosis hepatis

Die Fettleber ist in den modernen Industrienation ein äußerst verbreitetes Beschwerdebild, dass vor allem mit übermäßigem Alkoholkonsum und ungesunder Ernährung in Zusammenhang gebracht wird. Die zunehmende Leberverfettung gilt dabei als Warnhinweis für beginnende Lebererkrankungen und kann ihrerseits weitere Erkrankungen wie Diabetes oder einen Herzinfarkt begünstigen. „Jeder dritte bis jeder vierte Erwachsene in den USA und Europa könnte Schätzungen zufolge von einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung betroffen sein“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Hinzu kommen die Fettlebererkrankungen infolge erhöhten Alkoholkonsums, die den Angaben der Gastro-Liga (Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e. V.) zufolge einen Anteil von rund 50 Prozent an den Gesamtfällen ausmachen.

Definition

Die Fettleber ist gekennzeichnet durch erhöhte, grundsätzlich reversible Fetteinlagerungen in den Leberzellen (Hepatozyten), wobei das Organ infolgedessen insgesamt deutlich größer und schwerer wird. Die Definition kann hier über den Anteil der Hepatozyten erfolgen, die erhöhte Fetteinlagerungen aufweisen oder über den Gewichtsanteil des gespeicherten Fettes an dem Gesamtgewicht der Leber. Weisen mehr als die Hälfte der Hepatozyten eine Verfettung auf, so ist dies als Fettleber definiert. Gleiches gilt bei einer Erhöhung des Fettanteils am Gesamtgewicht der Leber auf zehn Prozent. Zeigen sich begleitend entzündliche Prozesse in der Leber, ist in der Fachwelt von einer Fettleberentzündung (Steatohepatitis) die Rede. Darüber hinaus werden grundsätzlich alkoholische und nicht alkoholische Fettlebererkrankungen unterschieden. Die gilt auch für die Fettleberentzündungen, welche in die alkoholisch Steatohepatitis (ASH) und die nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH ) unterteilt werden.

Symptome

Die Leberverfettung verursacht insbesondere bei mäßig ausgeprägten Formen meist über lange Zeit keinerlei Beschwerden. Bei Patienten mit ausgeprägter Fettleber können laut Angaben der Gastro-Liga unspezifische Beschwerden wie Völlegefühl, Druckschmerzen in der Lebergegend (Leberschmerzen), Blähungen, Antriebslosigkeit sowie eine allgemeine körperliche und geistige Leistungsminderung auftreten. Auch sind oftmals Beschwerden beim Liegen auf der rechten Seite festzustellen. Die Symptome werden der DGVS zufolge häufig nicht mit einer Erkrankung der Leber in Zusammenhang gebracht, so das ein Fortschreiten der Leberverfettung droht. Im weiteren Verlauf kann die Fettleber in eine Fettleberentzündung übergehen, wobei eine Gelbfärbung der Haut und Augäpfel (Ikterus), Oberbauchschmerzen auf der rechten Seite sowie Übelkeit und Erbrechen mögliche Symptome bilden.

Der DGVS zufolge sind im Falle einer Fettlebererkrankung insbesondere die Folgeerkrankungen gefährlich. Wird abgestorbenes Drüsengewebe der Leber in Bindegewebe umgewandelt und vernarbt, droht die Entwicklung einer unheilbaren Leberzirrhose und das Leberkrebs-Risiko steigt. Nicht zuletzt können die Entzündungsprozesse auch das Herz-Kreislauf-System schädigen, wodurch sich das Risiko für einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt deutlich erhöht.

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Ursachen der Leberverfettung

Insbesondere übermäßiger Alkoholkonsum bildet einen maßgeblichen Auslöser für die Entwicklung der Fettleber, doch können auch andere Faktoren wie eine ungesunde Ernährung, die Einnahme von Medikamenten, Vergiftungen, Stoffwechselkrankheiten und Virusinfektionen eine Rolle spielen. Meist ist die Leberverfettung laut Angaben der Gastro-Liga allerdings „Ausdruck einer Überernährung und/oder zu hohen Konsums von Alkohol über längere Zeit.“

Sollten der Leber mehr Schadstoffe (zum Beispiel Alkohol, Gifte oder Medikamente) zugeführt werden, als sie abbauen kann, benötigt das Organ einen sehr großen Anteil des zugeführten Sauerstoffs und ist schließlich nicht mehr in der Lage, Fett durch Oxydation zu verbrennen beziehungsweise zur Energiegewinnung zu nutzen, so die Ausführungen der Gastro-Liga. Das nicht abgebaute Fett bleibt in der Leber zurück. Dies ist zum Beispiel bei der alkoholischen Fettleber, aber auch bei medikamentös-bedingten Fettlebererkrankungen der Fall. Letztere sind laut Angaben der DGVS ein „bisher all gemein unterschätztes Gesundheitsproblem.“ So seien zum Beispiel mehr als ein Prozent der stationären Patienten von einer medikamentös-toxische Leberschädigung betroffen.

Doch kann die Leberzellverfettung ebenso durch eine extrem kalorienreiche Ernährung ausgelöst werden. Dem Körper wird hierbei über die Nahrung schlichtweg mehr Energie zugeführt, als er verbraucht und der Organismus beginnt daher Fetteinlagerung als Energiespeicher anzulegen. Die Betroffenen entwickeln Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) und infolge der Störung des Fettstoffwechsels sammeln sich vermehrt Fette in den Leberzellen, meist in Form sogenannter Triglyceride. Die Veränderungen in der Leber sind dabei vergleichbar, mit denen bei der alkoholischen Fettleber, berichtet die DGVS. Der Fettstoffwechsel kann auch bei Diabetes-Patienten derart aus dem Gleichgewicht geraten, dass vermehrt Fetteinlagerungen in der Leber gebildet werden und eine Leberzellenverfettung droht. Insgesamt besonders gefährdet sind Menschen mit einem sogenannten metabolischen Syndrom, dass durch die Kombination aus Fettleibigkeit, Diabetes, Störungen des Cholesterinstoffwechsels und Bluthochdruck gekennzeichnet ist.

Gleiches gilt für eine Mangelernährung, bei der dem Körper zu wenig Eiweiß zu geführt wird. Hierdurch zeigt sich die Fettverbrennung gehemmt und es verbleiben vermehrt Fette in der Leber. Insgesamt sind Störungen des Fettstoffwechsel beziehungsweise des Cholesterolstoffwechsels relativ häufig Auslöser der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen. In diesem Zusammenhang konnten Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München Ende des Jahres 2014 nachweisen, dass der Defekt eines bestimmten Ionenkanals in der Leber die Anfälligkeit gegenüber einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung deutlich erhöht.

Ursächlich für eine Fettleber ist nicht selten ein erhöhter Alkoholkonsum. (Bild: designua/fotolia.com)

Eine Fettleber kann sich des Weiteren im Rahmen der Schwangerschaft entwickeln. Diese sogenannte Schwangerschaftsfettleber betrifft laut Angaben des „Deutschen Ärzteblattes“ eine von 7.000 bis eine von 16.000 Schwangeren und wird maßgeblich durch einen „Defekt der mitochondrialen Betaoxidation von Fettsäuren sowie die hormonbedingte Erhöhung der freien Fettsäuren während der Schwangerschaft“ bedingt. Die Schwangerschaftsfettleber kann zu schwerwiegenden Komplikationen des Schwangerschaftsverlaufs führen und stellt eine durchaus ernste Bedrohung für die Mutter und das ungeborene Kind dar.

Diagnose der Fettleber

Relativ verlässliche Hinweise auf eine vorliegende Fettleber ergeben sich oftmals bereits aus der Krankengeschichte der Patienten. Eine ausführliche Anamnese, bei der auch möglicherweise bestehende Alkoholprobleme, die Ernährung und eventuelle Vorerkrankungen thematisiert werden, bildet daher einen guten Einstieg in die Diagnostik. Die Vergrößerung der Leber lässt sich in der Regel auch beim Abtasten des Bauchraumes feststellen. Zeigt die anschließende Blutuntersuchung veränderte beziehungsweise erhöhte Leberwerte, kann dies auf entzündliche Prozesse, wie eine Fettleberentzündung hinweisen. Auch dient die Blutuntersuchung dem Ausschluss anderer Lebererkrankungen.

Moderne bildgebende Verfahren wie die Sonographie (Ultraschalluntersuchung), die Magnetresonanztomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT) dienen zur Ermittlung der Lebergröße und zur Feststellung möglicher Formveränderungen des Organs. Zur Sicherung der Diagnose ist im Zweifelsfall dennoch die Entnahme einer Gewebeprobe beziehungsweise eine Leberbiopsie (Punktion der Leber) erforderlich. „Dabei wird unter lokaler Betäubung mit einer langen dünnen Hohlnadel eine kleine Gewebeprobe aus der Leber entnommen und im Labor mikroskopisch untersucht“, berichtet die Gastro-Liga. Auf Basis der Biopsie lässt sich zudem feststellen, ob eine Fettleberentzündung, eine Leberzirrhose oder gar eine Krebserkrankung vorliegen.

Behandlung

Die Behandlung der Fettleber ist grundsätzlich an deren Ursachen auszurichten, wobei meist umfassende Umstellungen des Lebensstils der Patienten erforderlich werden. Da Alkohol mit zusätzlichen Belastungen für die Leber einhergeht, gilt es diesen nicht nur bei alkoholischen Fettlebererkrankungen dringend zu meiden. Des Weiteren ist ein Abbau bestehenden Übergewichts – insbesondere bei der nicht-alkoholischen Steatosis hepatis – angeraten. „Eine Gewichtsabnahme und Anpassung des Lebensstils mindern die Leberverfettung und -schädigung“, so die Aussage in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) zur Klinischen Ernährung in der Gastroenterologie – Leber. Die Experten empfehlen hier eine Ernährung übergewichtiger oder adipöser Fettleber-Patienten nach den geltenden Adipositas-Leitlinien. Der DGEM zufolge senkt eine sehr niedrigkalorische Diät das Körpergewicht und bessert die nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen wirksam und sicher innerhalb von zwölf Wochen. Auch sportlicher Betätigung wird bei der Reduzierung des Körpergewichts und der Normalisierung des Fettstoffwechsels eine besondere Rolle zugeschrieben.

Gehen vorliegende Fettstoffwechselstörungen im Rahmen der Ernährungsumstellungen nicht zurück, lassen sich diese gegebenenfalls medikamentös therapieren, um eine weitere Verfettung der Leber zu vermeiden. Jedoch können Medikamente auch Auslöser der Leberverfettung sein. Das Absetzen der Arzneien ist hier dringend empfohlen, allerdings mitunter nicht möglich, da ansonsten schwerwiegendere gesundheitliche Folgen durch die Erkrankung drohen, gegen welche die Medikamente ursprünglich zum Einsatz kamen. Neben der Normalisierung des Körpergewichts ist insbesondere bei Diabetikern eine Überprüfung der Blutzuckerwerte angeraten. Zu hoher Blutzuckersollte vermieden und gegebenenfalls eine Anpassung der Medikation vorgenommen werden.

Die Schwangerschaftsfettleber setzt meist im letzten Schwangerschaftsdrittel ein und angesichts des akuten Verlaufs ist nicht selten eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Hier wird laut Angaben des „Deutschen Ärzteblatts“ zum Beispiel die Gabe von Glucocorticoiden zur Verbesserung der Lebersituation vorgesehen. Zeigt sich kein Verbesserung, bleibt die unverzügliche Einleitung der Entbindung als letzte Option. Nach der Geburt geht die Schwangerschaftsfettleber in der Regel vollständig zurück.

Naturheilkunde bei Fettlebererkrankungen

Auch in der Naturheilkunde spielt die Ernährungstherapie bei der Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber eine maßgebliche Rolle. Mit dem sogenannten Heilfasten besteht hier eine besondere Option, um gegen die Verfettung der Leber vorzugehen, allerdings ist dabei gewisse Vorsicht geboten. Zusätzliche Belastungen für die Leber , wie sie durch abrupte Änderungen der Essgewohnheiten ausgelöst werden können, gilt es dringend zu meiden. In der naturheilkundlichen Fettleber-Therapie finden des Weiteren oftmals Verfahren zum Leber entgiften Anwendung. Sie sollen die Leber entlasten und den Abbau der Fetteinlagerungen fördern. Im Zusammenhang mit der Normalisierung des Fettstoffwechsels wird auch verschiedenen Heilpflanzen wie beispielsweise Knoblauch, Artischocken oder der Nachtkerze eine positive Wirkung zugesprochen.

Des Weiteren bietet die naturheilkundliche Therapie – neben den Ernährungsumstellungen – verschiedene Möglichkeiten, die Patienten beim Abbau bestehender Fettleibigkeit zu unterstützen. Hier ist zum Beispiel aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Akupressur zu erwähnen, aber auch die Homöopathie kennt verschiedene Mittel, die beim Abnehmen eine Hilfestellung bieten. So bewirkt beispielsweise Fucus vesiculosus eine Dämpfung des Appetits und eine gesteigerte Fettverbrennung. Helianthus tuberosus wird indes insbesondere adipösen Diabetikern als Hilfe zum Abnehmen empfohlen. Weitere Möglichkeiten zur Behandlung der Fettleber beziehungsweise zur Unterstützung der Behandlung bieten die Hydrotherapie (Wasseranwendungen), die Orthomolekulare Medizin, aber auch ausleitende Verfahren wie beispielsweise die Blutegeltherapie. Insgesamt stehen zahlreiche naturheilkundliche Behandlungsansätze zur Therapie der Fettleber zur Verfügung, wobei die Auswahl der geeigneten Methoden sich an den Ursachen der Fettlebererkrankung und an dem Schweregrad orientieren sollte.

Prävention

Durch einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung, möglichst geringem Alkoholkonsum und der Meidung leberschädigender Substanzen sowie einer eiweißreichen und fettarmen Ernährung lässt sich der Entwicklung einer Fettleber in der Regel recht effizient vorbeugen. Übergewicht ist als eindeutiger Risikofaktor zu bewerten und daher auf ein normales Körpergewicht zu achten. Diabetiker sollten zudem die optimale Einstellung ihres Blutzucker im Blick haben, um die Verfettung der Leberzellen zu vermeiden. (fp)

Bild 1: Petra Bork/pixelio.de