Heilfasten

2 gefüllte Gläser, ein Apfel und eine Schiefertafel mit der Aufschrift "Heilfasten"

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Beim Heilfasten (auch Medizinisches Fasten oder Fastentherapie genannt) verzichtet man für einige Zeit auf Nahrung und Genussmittel wie Kaffee, Alkohol oder Zigaretten. Ziel ist es, den Körper zu entlasten, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, Gewicht zu reduzieren und Giftstoffe auszuscheiden. Durch Spaziergänge an der frischen Luft, bewusste Ruhephasen und eine Verlangsamung des Alltags können auch Geist und Seele während des Fastens „gereinigt“ beziehungsweise regeneriert werden. Das Heilfasten trägt zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens bei, kann aber auch präventiv zum Einsatz kommen oder zur Behandlung chronischer Erkrankungen beitragen. Dies gilt zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Hautkrankheiten, Gicht und Rheuma, Entzündungen, chronische Schmerzzustände sowie verschiedene psychosomatische Störungen.


Da es zahlreiche Regeln zu beachten gilt und während des Fastens Krisen oder sogar ernsthafte gesundheitliche Probleme auftauchen können, sollte diese Therapiemethode nur unter professioneller Aufsicht durchgeführt werden. Dies gilt vor allem, wenn gesundheitliche Einschränkungen vorliegen, Sie Medikamente einnehmen und/oder zum ersten Mal fasten. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt berät Sie gerne, ob das Heilfasten für Sie geeignet ist, und kann Ihnen bei Bedarf die Kontaktdaten ausgebildeter Fastenbetreuerinnen oder -betreuer sowie spezieller Fastenkliniken zur Verfügung stellen. Für viele Fastende ist es auch hilfreich, nicht allein, sondern in einer Gruppe zu fasten. So kann man sich regelmäßig über seine Erfahrungen austauschen und bei Krisen gegenseitig unterstützen.

Beim Heilfasten verzichtet man freiwillig für eine festgelegte Zeit auf Nahrung und Genussmittel. (Bild: Johanna Mühlbauer/fotolia.com)

Heilfasten: Ein kurzer Überblick

Der folgende Abschnitt gibt Ihnen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Fakten zum Thema Heilfasten.

  • Beschreibung: Beim Heilfasten verzichtet man zeitweise auf (feste) Nahrung und Genussmittel. Dabei müssen bestimmte Regeln befolgt werden, die sich je nach Fastenmethode unterscheiden.
  • Wirkung: Der zeitweise freiwillige Verzicht auf (feste) Nahrung kann den Körper entlasten, die Selbstheilungskräfte anregen, Gewicht reduzieren und die verstärkte Ausscheidung von Giftstoffen aktivieren.
  • Verschiedene Fastenmethoden: Beispielsweise Buchinger-Heilfasten, Fasten nach F. X. Mayr, Molkefasten, Teefasten, Heilfasten nach Hildegard von Bingen, Saftfasten, Früchtefasten.
  • Anwendungsgebiete: Zum Beispiel Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens, Vorbeugen von Krankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Hautkrankheiten, Gicht und Rheuma, Entzündungen, chronische Schmerzzustände sowie verschiedene psychosomatische Störungen.
  • Mögliche Nebenwirkungen: Hunger oder Appetit, Motivationstiefs, Verstimmungen, Schlafstörungen, Rücken- oder Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, leichte Kreislaufbeschwerden, Frösteln.
  • Abbruch der Fastenkur: Bei Herzrhythmusstörungen, Magenproblemen und Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre), Kreislaufstörungen und anderen gravierenderen Nebenwirkungen muss ärztlicher Rat eingeholt und die Fastenkur kontrolliert beendet werden.
  • Kontraindikationen: Körperliche Schwäche, bestimmte Erkrankungen der Niere oder des Herz-Kreislauf-Systems, Tumore, Schilddrüsenerkrankungen, Essstörungen, schwere Infektionskrankheiten. Schwangere, Kinder und Jugendliche dürfen nicht fasten. Bei bestimmten psychischen Störungen sollte ebenfalls auf eine Fastenkur verzichtet werden.
  • Hinweis: Um sicherzugehen, dass Sie eine Heilfastenkur durchführen dürfen, beraten Sie sich vorab am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Dabei ist unbedingt auch zu bedenken, dass eine solche Kur die Wirkung vieler Medikamente beeinflussen kann.

Geschichte des Heilfastens

Heilfasten ist eine sehr alte Heilmethode. Schon Hippokrates (460-370 v. Chr.) setzte bei seinen Behandlungen die Kraft dieser Methode ein. Doch lange Zeit geriet diese Heilanwendung in Vergessenheit. Die Heilwirkung trat in den Hintergrund und es wurde eher aus religiösen oder ethischen Gründen gefastet.

Erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde das Heilfasten wiederentdeckt und einer breiteren Öffentlichkeit wieder ins Bewusstsein gebracht. Der Arzt Otto Buchinger (1878-1966) führte die Methode des Buchinger-Fastens ein, die weiter unten in diesem Artikel genauer beschrieben wird. Nachdem Buchinger nach einer nicht ausgeheilten Mandelentzündung an einer rheumatoiden Arthritis erkrankte, die die Schulmedizin damals noch nicht behandeln konnte, probierte er eine dreiwöchige Fastenkur an sich selbst aus und kurierte damit seine Symptome. Daraufhin befasste Buchinger sich eingehend mit den vorhandenen Informationen zum Thema Fasten und mit der Naturheilkunde. Im Jahr 1920 eröffnete er seine erste eigene Heilfastenklinik in Witzenhausen. Später sollten weitere folgen. Sein Buch „Heilfasten und seine Hilfsmethoden“ wurde 1935 veröffentlicht und zählt seither zu den medizinischen Standardwerken dieser Therapieform.

Neben Otto Buchinger gab es einige andere, die sich mit verschiedenen Arten des Fastens beschäftigt beziehungsweise diese entwickelt haben, unter anderem Hildegard von Bingen (1098-1179) und Franz-Xaver-Mayr (1875-1965). Auch ihre besonderen Fastenmethoden werden weiter unten im Artikel vorgestellt.

Wie wirkt Heilfasten?

Fasten ist eine Art Überlebensmodus unseres Körpers für Notzeiten. Steht für eine gewisse Zeit keine Nahrung zur Verfügung, schaltet der menschliche Stoffwechsel automatisch in ein anderes Verwertungsprogramm um. Er greift dann auf angelegte Reserven zurück. Das ist auch der eigentliche Grund, warum der Körper bestrebt ist, Fettreserven aufzubauen. So gesehen wurde das Fasten also nicht erfunden, sondern existierte schon immer als eigenes Notfallprogramm in unserem Organismus. Beim Heilfasten geht es nun darum, dieses Programm gezielt zu aktivieren und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die heilenden Aspekte sich optimal entfalten können.

Der Verzicht auf feste Nahrung entlastet den ganzen Körper, vor allem aber die Verdauungsorgane. Der Körper schaltet beim Heilfasten nach zwei Tagen auf den Hungerstoffwechsel um, was bedeutet, dass er sich selbst von innen heraus ernährt, indem er auf die leicht abrufbaren Energiedepots zurückgreift. Dabei muss der Organismus nicht so viel Kraft aufwenden, wie bei der normalen Verdauungsleistung. Durch diese eingesparte Kraft hat der Körper die Möglichkeit, seine Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Anders ausgedrückt, kann er die Energie, die er sonst für die anstrengende Verdauungsarbeit aufwenden müsste, nun dafür nutzen, bestehende Krankheiten zu bekämpfen oder zu heilen. Darauf bezieht sich der Begriff „Heilfasten“.

Der Organismus befreit sich zusätzlich von Stoffwechselendprodukten, das heißt, er beginnt einen inneren Reinigungsprozess. Um dies zu unterstützen, ist eine reichliche Trinkmenge von mindestens 2,5 Litern pro Tag empfohlen. Diese sollte sich optimalerweise aus stillem Wasser und Kräutertee zusammensetzen.

Gemsebrhe und Smiley
Statt fester Nahrung steht während des Heilfastens Gemüsebrühe auf dem Speiseplan. (Bild: InPixKommunikation/fotolia.com)

Einige Grundregeln müssen beim Fasten eingehalten werden, um den Erfolg nicht zu schmälern. Dazu gehört das Verbot, feste Nahrung zu sich zu nehmen und das Gebot, sich ausschließlich von Wasser, Tee, Säften, Gemüsebrühen oder Molke zu ernähren. Eine Fastenkur umfasst auch den Verzicht auf Genussgifte (Nikotin, Alkohol, Koffein) und Zucker. Während der Fastenkur ist den körperlichen Bedürfnissen nach Schlaf, regelmäßigen Ruhepausen, mäßiger Bewegung und dergleichen nachzukommen. Wichtig ist zudem die Darmreinigung am Anfang jedes Heilfastens und bei länger andauerndem Fasten auch regelmäßig während der Kur.

Verschiedene Vorgänge finden im Körper während des Heilfastens statt: Die Produktion von Verdauungssäften wird reduziert. Der Säuregehalt des Magensaftes nimmt ab. Zu Beginn des Fastens wird zunächst etwas mehr Gallensaft produziert, im Verlauf der Kur dann immer weniger. Dabei kann sich die Gallenblase vollkommen entleeren und Stoffe wie Schleim, Grieß und eventuell auch kleinere Gallensteine können abgegeben werden.

Die Fastenkur beginnt mit einer provozierten Darmentleerung. Damit wird es dem Körper erleichtert, sich umfassend zu reinigen und im Anschluss an die Kur Nährstoffe wieder besser aufnehmen zu können. Das liegt daran, dass bei der Anwendung von Glaubersalz oder F.X. Passage®SL die Darmzotten gründlich von Rückständen befreit werden. Zusätzlich lösen sich Cholesterin und Proteine aus den Wänden der Blutgefäße, Salze und Harnsäure aus dem Gewebe. Saure Ablagerungen im Bindegewebe, die als schmerzende Gelosen (Verhärtungen im Unterhaut- und Muskelgewebe) verspürt werden, können sich durch das Heilfasten lösen. Durch das Fasten können das Bindegewebe gestrafft, Gelenke und Bandscheiben entlastet und die Blutfettwerte gesenkt werden. Außerdem werden Herz und Kreislauf entlastet, wodurch das Atmen leichter fällt und der Körper mehr Sauerstoff aufnehmen kann.

Durch den veränderten Stoffwechsel ändert sich auch der Geruch von Schweiß, Urin und Stuhl. Durch das Heilfasten wird jedoch nicht nur der Körper beeinflusst, sondern es hat auch Auswirkungen auf Geist und Seele. Dies kann sich zunächst während der Fastenkrisen hin und wieder durch emotionales Auf und Ab darstellen. Nach dem Fasten ist es jedoch häufig so, dass die geistige Leistungsfähigkeit gesteigert ist und man wieder stressresistenter und weniger reizbar ist. Auch Schlafstörungen oder leichte depressive Verstimmungen sind nach einer Fastenkur oft weniger ausgeprägt oder bestenfalls nicht mehr vorhanden.

In der Regel ist die Fastenkur mit einer Gewichtsabnahme verknüpft, wobei diese nicht im Vordergrund stehen sollte. Heilfasten dient in erster Linie der Reinigung des Körpers, der Seele und des Geistes. Fasten ist kein Spaziergang, sondern erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen, um auftretende Fastenkrisen zu überstehen. Jedoch schüttet der Körper bei längerem Fasten Endorphine, sogenannte Glückshormone aus, die wiederum zu einem guten Körpergefühl und einer positiven Grundstimmung beitragen können. Auch kann eine Heilfastenkur eine gute Möglichkeit sein, die eigenen Ernährungsgewohnheiten zu überdenken und nach der Kur eine Umstellung auf eine gesündere Lebensweise in Angriff zu nehmen.

Mindestens 2,5 Liter stilles Wasser täglich sollen beim Heilfasten getrunken werden. (Bild: Gina Sanders/fotolia.com)

Ablauf einer Heilfasten-Kur

Die Dauer des Heilfastens sollte in Absprache mit dem betreuenden Arzt oder der betreuenden Ärztin individuell gewählt werden. Dabei wird der Grund für das Fasten mit einbezogen: Wird präventiv gefastet, um Krankheiten vorzubeugen, oder liegen bereits gesundheitliche Probleme vor, die durch das Heilfasten positiv beeinflusst werden sollen? Auch die Begleitumstände, Ernährungszustand, Gewicht und Medikation sollten in die Vorüberlegungen mit einfließen. Je nach Ausgangslage und bestehender Fastenerfahrung wird ein Zeitrahmen von fünf Tagen bis zu fünf Wochen empfohlen.

Das Heilfasten beginnt mit mindestens zwei Vorbereitungstagen (sogenannte Entlastungstage), an denen wenig und bewusst gegessen wird. Fette und üppige Speisen sind zu vermeiden. Auf Genussmittel sollte bereits in dieser Phase verzichtet werden. Zur Vorbereitung des Körpers auf die Zeit der Nahrungskarenz beginnt das Heilfasten mit einer Darmentleerung durch Glaubersalz, F.X.-Passage®-Salz oder mit Hilfe eines Einlaufes.

Während der Fastenkur wird auf feste Nahrung verzichtet. Auch Kaffee, Alkohol, Nikotin und Industriezucker werden dem Körper nicht zugeführt. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens zweieinhalb Litern stillem Wasser und Kräutertee pro Tag ist nötig, damit die Stoffwechselabbauprodukte gut ausgeschieden werden können. Bei manchen Fastenkuren sind ein wenig Gemüsebrühe, Säfte, Molke und etwas Honig erlaubt. Das Hungergefühl, das sich in den ersten Tagen breit macht, ist bald vorbei und die meisten Menschen fühlen sich voller Tatendrang, bis hin zu einer euphorischen Stimmung, die durch die entstehenden Glückshormone bedingt ist.

Sehr strenge Varianten des Heilfastens, bei denen auf sämtliche Energiezufuhr durch Nahrung verzichtet wird, werden heutzutage zusehends kritischer betrachtet. Denn durch das Freiwerden verschiedenster Stoffwechselprodukte kann es dabei zum Beispiel zu einem Überschuss an Harnsäure kommen, der im schlimmsten Fall einen Gichtanfall auslöst. Sanftere Methoden, wie das Saftfasten oder das Fasten nach Buchinger mit Gemüsebrühe, Säften und Honig werden eher empfohlen; sie sind weniger belastend für den Körper und können Fastenkrisen oder ernsthaften gesundheitlichen Problemen vorbeugen.

Für Personen, die nicht tage- oder gar wochenlang fasten können oder wollen, ist das Eintagesfasten einmal pro Woche zu empfehlen. Dies geschieht ohne vorherige Darmreinigung. Bei dieser Sonderform des Fastens wird zum Beispiel ausschließlich Obst gegessen; Kaffee, Alkohol und sonstige Genussgifte werden gemieden. Stattdessen trinkt man ausreichend Kräutertee oder Wasser.

Wann hilft Heilfasten?

Heilfasten kommt bei den verschiedensten Erkrankungen zum Einsatz. Dies sind zum Beispiel:

Aber auch, um vorbeugend ein- oder zweimal im Jahr einen „Großputz“ für den Organismus durchzuführen, ist das Heilfasten geeignet. Ein Fasten ohne fachkundige Begleitung setzt Erfahrung, Disziplin, viel Wissen und vor allem optimale Gesundheit voraus. Bestehen bereits Krankheiten, sollte vor Beginn einer Heilfastenkur ein Arzt oder eine Ärztin befragt werden.

Fastenkrisen

Während einer Heilfastenkur können sogenannte Fastenkrisen auftreten. Diese können psychischer oder körperlicher Natur sein und sind bis zu einem gewissen Maß ganz normal. Vor allem zu Anfang können Hunger oder Appetit, Motivationstiefs, Verstimmungen, Schlafstörungen, Rücken- oder Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, leichte Kreislaufbeschwerden, Frösteln und weitere Symptome auftreten. Wenn Sie unsicher sind, ob sich eine Fastenkrise bei Ihnen noch im normalen Rahmen bewegt, suchen Sie im Zweifel Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin auf oder kontaktieren Sie Ihre Fastenbetreuung. Viele Menschen legen das Fasten in die Urlaubszeit, sodass sie sich bei Fastenkrisen ausreichend Zeit für sich und ihre Bedürfnisse nehmen können und die Arbeit nicht leidet.

Während einer Heilfastenkur können Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen auftreten. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Abbruch der Fastentherapie

Neben den Fastenkrisen, die bis zu einem gewissen Grad normal und ungefährlich sind, können auch heftigere Nebenwirkungen auftreten, die einen kontrollierten Abbruch der Heilfastenkur notwendig machen. Dazu gehören beispielsweise Herzrhythmusstörungen, Magenprobleme und Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) oder Kreislaufstörungen. Sollten Sie diese oder andere bedenkliche Symptome während der Fastenkur bei sich beobachten, kontaktieren Sie umgehend Ihren betreuenden Arzt oder Ihre betreuende Ärztin.

Kontraindikationen

Bei starker körperlicher Schwäche, schweren Erkrankungen der Niere oder des Herz-Kreislauf-Systems, Tumoren, Schilddrüsenerkrankungen, Essstörungen und schweren Infektionskrankheiten sollte man nicht fasten. Ebenso dürfen Schwangere, Kinder und Jugendliche nicht fasten. Bei bestimmten psychischen Störungen sollte ebenfalls auf eine Fastenkurz verzichtet werden. Um sicherzugehen, dass sie eine Heilfastenkur durchführen dürfen, beraten Sie sich vorab am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. Dabei ist unbedingt auch zu bedenken, dass Heilfasten die Wirkung vieler Medikamente beeinflussen kann.

Heilfasten-Methoden

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige verschiedene Methoden des Fastens vor.

Heilfasten nach Buchinger

Die Heilfastenkur nach Buchinger wurde nach dem deutschen Arzt Otto Buchinger (1878-1966) benannt. Dies ist eine sanfte Fastenkur, auch Trinkdiät genannt, bei der man durch das Trinken von Säften und Gemüsebrühe ungefähr zweihundertfünfzig Kilokalorien täglich zu sich nimmt. Ebenso werden dem Organismus Vitamine und Mineralstoffe, bei Bedarf auch Milchprodukte zugeführt. Um die Darmreinigung zu unterstützen, werden Einläufe angewandt. Die Buchinger-Methode ist eine Fastenmethode, die den Stoffwechsel schont, jedoch trotzdem den Körper auf sanfte Art und Weise reinigt und die Selbstheilungskräfte aktiviert. Häufig wird das Buchinger-Heilfasten in Kliniken angewandt.

Fasten nach F. X. Mayr

Die Franz-Xaver-Mayr-Kur beinhaltet eine Milch-Semmel-Diät. Entscheidend hierbei ist das extrem langsame Kauen und Einspeicheln der altbackenen Semmeln. Jeder Bissen muss ein bis zwei Minuten gekaut werden, dann kommt ein Teelöffel Milch dazu, der vom Löffel gesaugt wird. Anschließend wird das Ganze nochmals gekaut und eingespeichelt, bis der Semmel-Bissen schließlich hinuntergeschluckt werden darf. Durch den langsamen und ausführlichen Kauvorgang werden die Speicheldrüsen entleert und so wird der Magen auf die Verdauung vorbereitet, das heißt, ein Teil der Verdauung findet bereits im Mund statt.

Molkefasten

Wie der Name schon sagt, wird beim Molkefasten keine feste Nahrung verzehrt, sondern ein Liter Molke über den Tag verteilt getrunken. Hinzu kommen ein halber Liter Obstsaft und drei Liter stilles Wasser. Morgens wird ein Glas Sauerkraut- oder Pflaumensaft getrunken, um die Darmreinigung zu unterstützen.

Teefasten

Das Teefasten lässt nur Tee und stilles Wasser zu. Dies ist die extremste Art des Heilfastens und sollte nur von absolut gesunden Menschen und am Besten unter ärztlicher Aufsicht praktiziert werden.

Heilfasten nach Hildegard von Bingen

Die Heilfastenkur nach Hildegard von Bingen stellt eine sanfte Körperreinigung dar. Eine große Menge an Flüssigkeit wird dem Körper zugeführt. Täglich darf eine sogenannte „Fastensuppe“, bestehend aus Dinkel und saisonalem Gemüse, verzehrt werden. Getrunken wird ausschließlich Fencheltee. Einige Ingwerkekse nach Rezept der Hildegard von Bingen sollen dabei die Körperreinigung unterstützen.

Weitere Fastenarten

Beim Saftfasten werden nur verschiedene Obst- und Gemüsesäfte getrunken, beim Früchtefasten Früchte, Gemüse, Kräuter und Nüsse zugeführt. Um den Eiweißverlust beim Fasten auszugleichen, wird bei manchen Fastendiäten Eiweiß in Form von Buttermilch oder einem Eiweißkonzentrat zusätzlich angeboten.

Beim Saftfasten gehören Fruchtsäfte unbedingt dazu. (Bild: Markus Mainka/fotolia.com)

Heilfasten in der Naturheilkunde

Heilfasten gehört heute in vielen Naturheilpraxen zu den angebotenen Therapien. Oft empfehlen Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker, zwei Mal pro Jahr (im Frühjahr und Herbst) den Körper zu entgiften und zu reinigen. Ein individueller Therapieplan wird je nach Symptomatik und Ausgangslage des Patienten oder der Patientin erstellt. So wird das heilende Fasten begleitet durch naturheilkundliche Mittel der Phytotherapie, Homöopathie oder Schüßler-Salze.

Im Frühjahr zum Beispiel hat nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) die Leber ihre leistungsstärkste Zeit, weshalb dann unterstützende Methoden zum Entgiften der Leber besonders sinnvoll sind. Dies geschieht zum Beispiel mit Löwenzahn, Brennnessel und Goldrute. So kann hier die Heilfastenkur mit einer entsprechenden Teemischung kombiniert und gefördert werden. Im Herbst braucht eher die Lunge Unterstützung. Kräuter wie Lungenkraut, Huflattich und Thymian werden hierbei hilfreich eingesetzt. (sw, kh)

Autor:
Susanne Waschke
Quellen:
  • Bierbach, Elvira (Hrsg.): Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 2009, 4. Auflage.
  • Wilhelmi de Toledo, F., Seifert, S.: Buchinger-Heilfasten: Ein Erlebnis für Körper und Geist: Die bewährte Methode für mehr Vitalität und ein neues Lebensgefühl. Trias Verlag, Stuttgart, 2006, 2. Auflage.
  • Lützner, H.: Wie neugeboren durch Fasten. Gräfe und Unzer Verlag, München,2004, 5. Auflage.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.